Sommer Serenade

Sonntag I 19. Juni, 17 Uhr
Versöhnungskirche Rösrath, Hauptstraße 16, 51503 Rösrath

Kammerchor I Kammerorchester der Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath
Werke von Johann Pachelbel I Mozart u. a.
Sabine Correa-Hamsen I Andreas Koch I
Katharina Wulzinger I Leitung
Tanja Heesen I Orgel

Eintritt frei I Spenden erbeten

Zwergenchöre starten

SINGEN für Kinder von 4–6 Jahren
Ev. Gemeindehäuser in Volberg und Forsbach
dienstags in Volberg 15.30–16.15 Uhr ab 31. Mai 22
donnerstags in Forsbach 15.30–16.15 Uhr ab 2. Juni 22

Leitung: Katharina Wulzinger, Kirchenmusikerin
Hinkommen und mitsingen!

Friedensandachten

Seit dem 24. Februar gab es bis heute, 20. Mai, jeden Tag eine Friedensandacht in der Christuskirche Forsbach.
Diese Friedensandachten werden künftig nur noch 2x in der Woche angeboten, jeweils Dienstag und Freitag.

15. MoGoGo …

… am Sonntag, 29. Mai um 11 Uhr in der Volberger Kirche.

Was es da geben wird? – einen Gottesdienst, der „rockt“! Denn der Gospelchor wird dafür sorgen, dass Musik ins Blut kommt!

Im Anschluss an den Gottesdienst (ab ca. 12 Uhr) werden wir grillen, um danach (ca 13 Uhr) eine Rundtour (auf eigene Gefahr!) durchs Bergische zu machen.

Die Rundtour ist ca. 140km lang. (für das Essen und Getränke bitte 8€ mitbringen)

Wir würden uns freuen, wenn Du dabei bist!

Verantwortlich: Ev. Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath;
Ansprechpartner: Thomas Rusch, thomas.rusch@ekir.de,
Telefon
02205/897907

Osterbotschaft

Liebe Leserinnen und Leser,
mit der Osterbotschaft der EKD-Ratsvorsitzenden, Annette Kurschus, wünschen wir Ihnen gesegnete Ostertage.

„Christ ist erstanden von der Marter alle!“: Der Osterhymnus kommt in diesem Jahr nicht mit ungetrübtem Orgelgebraus und Trompetenhall daher. Nur zaghaft bricht er sich Bahn, aus engen Kehlen und bedrückten Seelen.

Zu viel Marter. Zu viele Menschen, die niedergestreckt sind, zu viele, die nicht wieder aufstehen: Der Mann, der eben noch sein Fahrrad geschoben hatte, oder jener, der seine Kartoffeln nach Hause tragen wollte. Sie sind mittlerweile begraben, hoffentlich. Hoffentlich hatten sie, wie der hingerichtete Jesus, barmherzige Menschen, die ihre toten Körper zur letzten Ruhe trugen, um sie weinten und ihnen mit hilflosen Händen Gutes taten. Wenigstens das.

„Gekreuzigt, gestorben und begraben“. Wie Hammerschläge klingen diese Worte des vertrauten Glaubensbekenntnisses, und ihr Echo hallt dieser Tage aus Kiew, Mariupol und Odessa klagend zurück. Und es geht noch tiefer hinab: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Die Bilder aus Butscha lassen ahnen, wie es dort, in der Hölle, aussieht.

In diesem Jahr wird unser Osterjubel leiser sein, sonst wäre er schamlos, ja, er könnte sich anhören, als sei er eine Gotteslästerung. „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Man darf diese Worte nur so in den Mund nehmen, wie man ein Ei in die Hand nehmen würde, aus dem ein Küken schlüpfen will. So vorsichtig, so sacht, wissend, wie zerbrechlich es ist, muss es sein. Und: Ja, es muss sein! So schwer es mir wird, starke Worte von Auferstehung und Leben zu sagen, so unmöglich ist es mir zugleich, sie nicht auszusprechen. Es wäre ein Verrat an den Toten und an den Todtraurigen. Es wäre ein Verrat an Gott selbst. Ein Verrat am Leben, zu dem Gott uns bestimmt und in das er uns durch Christus mit hineingezogen hat. Für immer. Wer, wenn nicht wir, soll denn hoffen für diejenigen, die zum Hoffen zu verzweifelt sind? Und sollen denn die, die morden, das letzte Wort über die Zukunft haben? Soll das der letzte Satz sein, den wir bekennen: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“? Nein.

„Am dritten Tage auferstanden von den Toten“: Das gilt, und das muss gesagt werden – und wenn der Karfreitag noch so lang ist und der dritte Tag noch so weit entfernt scheint.

Ich glaube an die Auferstehung aus dem Tod, an das Ende von Gewalt und Krieg. Und ich wünsche mir, dass es viele sind und dass es mehr werden, die das mit mir zusammen glauben. Jetzt erst recht.


Foto: © EKvW/Barbara Fromm

30. April um 15 Uhr

 Einladung zum Frauenfrühstück am Samstag, 30. April um 15 Uhr.

Thema: „Mutig durch Krisen – Perspektiven für schwierige  Zeiten finden“
Referentin: Anja Gundlach
Musik: Rebecca Fuchß
Kosten 10€

Anmeldung:
claudia.wasser@gmx.de
oder im
Gemeindebüro, 022052243

9. April – Für Trauernde

Der Rösrather Hospizdienst bietet auch im April wieder einen Spaziergang für Trauernde an.

9. April 2022 – 14.30 – 16.00 Uhr

Bitte melden Sie sich an beim Ökumenischer Hospizdienst Rösrath e.V.
Telefon: 02205-898349
EMail: buero@hospizdienst-roesrath.de

EKD-Appel zum Krieg:

EKD-Appell zum Krieg: „Gewalt beenden, dem Hass entgegentreten“
Präses Latzel: Gemeinden sorgen für Hilfe für Geflüchtete
Die Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich in ihrer heute beendeten zweitägigen Sitzung ausführlich mit dem Krieg befasst, den der russische Staatspräsident gegen die Ukraine begonnen hat. In einer einstimmig verabschiedeten Stellungnahme bekräftigt die Kirchenkonferenz ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, verurteilt den völkerrechtswidrigen Krieg und dankt für die Spendenbereitschaft in Deutschland. Aus der Evangelischen Kirche im Rheinland gehören Präses Dr. Thorsten Latzel und Vizepräsident Dr. Johann Weusmann als leitender Jurist zur Kirchenkonferenz der 20 Gliedkirchen der EKD.

„Der Krieg in der Ukraine mit der massiven völkerrechtswidrigen Gewalt der russischen Regierung stellt vor schwierige Entscheidungen, etwa wenn es um die Lieferung von defensiven Waffen zur Wahrnehmung der legitimen Selbstverteidigung geht“, macht Präses Dr. Latzel anlässlich der Veröffentlichung der Stellungnahme der EKD-Kirchenkonferenz deutlich: „Die evangelische Kirche hat darauf keine einfachen Antwort, aber sie bietet hilfreiche ethische Leitlinien. Vor allem setzten sich die Gemeinden und Kirchen jetzt für umfassende Hilfe für die Geflüchteten ein: durch seelsorgliche Begleitung Traumatisierter, durch Schutz besonders vulnerabler Gruppen, durch Aufnahme von Geflüchteten – wo immer wir es können und ohne Ansehen von Herkunft, Ethnie oder Religion. Zugleich arbeiten wir auch ökumenisch daran, möglichst schnell aus dieser Gewalt herauszukommen, und setzen uns weiter für einen dauerhaften Frieden ein.“

Ratsvorsitzende: „Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben“
„Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat der Frieden. Christus ist unser Friede“, so die EKD-Ratsvorsitzende, Präses Annette Kurschus, die das Gremium leitet. Zwar sei Frieden letztlich nicht mit Waffengewalt herzustellen. Dem bleibenden Wunsch nach Gewaltfreiheit stehe angesichts eines Aggressors, der Völkerrecht missachte und Kriegsverbrechen begehe, aber auch die Option gegenüber, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. „Das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick auf die gegen sie gerichteten Aggressionen ist unbestritten.“

Geflüchtete Menschen aufnehmen, Spaltung verhindern
In der Stellungnahme ruft die Kirchenkonferenz dazu auf, geflüchtete Menschen aufzunehmen und keine Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten entstehen zu lassen. Ausdrücklich würdigt die Stellungnahme den Mut vieler orthodoxer Priester in Russland, die sich gegen den Krieg und die Position Ihrer Kirchenleitung geäußert haben. „Umso wichtiger ist es uns, einer pauschalen Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes Feindbild von Russland entschieden entgegenzuwirken“, heißt es in dem Text. An die Bundesregierung appelliert die Kirchenkonferenz, angesichts der Auswirkungen des Krieges auf den globalen Getreidemarkt von der beabsichtigten Kürzung der Mittel für Entwicklungshilfe abzusehen.

Die Stellungnahme im Wortlaut:
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
(Matthäusevangelium Kapitel 5, Vers 9)

Wir sprechen allen Menschen, die in der Ukraine und angrenzenden Ländern von der unfassbaren Gewalt des vom russischen Staatspräsidenten begonnenen Krieges betroffen sind, unsere Achtung und unser tiefes Mitgefühl aus. Dass Menschen – Soldaten wie Zivilbevölkerung – für politische und militärische Ziele instrumentalisiert, verletzt und getötet werden, verurteilen wir auf das Schärfste. Wir bewundern den Mut der ukrainischen Zivilgesellschaft und nehmen ihn angesichts unserer komfortablen Situation in Deutschland mit einem Gefühl der Beschämung zur Kenntnis. Mit Respekt und voller Dankbarkeit blicken wir auf die große Hilfsbereitschaft, die sich in der Ukraine, den angrenzenden Ländern und auch bei uns in Deutschland zeigt. Wir werden alles in unserer Möglichkeit Stehende tun, um die Menschen in der Ukraine und Geflüchtete zu unterstützen. Dazu zählt die Fürbitte genauso wie die Seelsorge an Traumatisierten, der Einsatz für besonders verletzliche Menschen und alle Unterstützung für diplomatische und nichtmilitärische Wege.

Auf der Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus sind wir zutiefst davon überzeugt, dass Frieden letztlich nicht mit Waffengewalt zu schaffen ist. Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Ohne Vertrauen, Gerechtigkeit und persönliche Kontakte zwischen Menschen aller Völker ist Frieden nicht möglich. Dennoch sehen wir das Dilemma verschiedener Optionen zwischen dem grundsätzlichen Wunsch nach einer gewaltfreien Konfliktlösung und dem Impuls, angesichts eines Aggressors, der auf brutale Weise geltendes Völkerrecht missachtet und Kriegsverbrechen begeht, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. Unbestritten ist das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick auf die gegen sie gerichteten Aggressionen.

Wir rufen die russische Führung auf, die Gewalt zu beenden. Wir sehen mit ohnmächtigen Gefühlen auf den Kriegstreiber und unterstützen die Bemühungen der Politik, ihm wirksam entgegenzutreten. Wir selbst können viel für die Menschlichkeit tun. Dazu gehört es, geflüchtete Menschen aufzunehmen und in unserer Gesellschaft keine Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten entstehen zu lassen. Das Recht auf Zuflucht an einem sicheren Ort ist nicht teilbar.

Wir dürfen über die große Hilfs- und Spendenbereitschaft für die Ukraine nicht andere Kriegsregionen vergessen. Eine solche Verlagerung der Hilfsbereitschaft läuft auf Dauer Gefahr, als Folge des Krieges in der Ukraine Konflikte in anderen Weltgegenden zu verursachen und Menschen sterben zu lassen. Humanität ist nicht teilbar. Humanität stiftet Frieden. Wir bitten die Bundesregierung mit Nachdruck, von der beabsichtigten Kürzung der Mittel für Entwicklungshilfe abzusehen.

Innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche nehmen wir eine deutliche Mehrstimmigkeit wahr. Von Beginn an gab es auch in deren Reihen Voten gegen die Kriegshandlungen, insbesondere in der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Wir würdigen den Mut vieler orthodoxer Priester in Russland, die sich in einer Unterschriftenaktion gegen den Krieg und die Position Ihrer Kirchenleitung geäußert haben. Als Friedensstifter haben sie viel riskiert und sich in große Gefahr begeben. Umso wichtiger ist es uns, einer pauschalen Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes Feindbild von Russland entschieden entgegenzuwirken.

Angesichts der Mehrstimmigkeit der russischen Orthodoxie hoffen wir, dass es möglich ist, Brücken des Dialogs aufrecht zu erhalten. Sie können Wege eröffnen, die für einen Friedensprozess von großer Bedeutung sein können. Für eine langfristige und tragfähige Perspektive ist es entscheidend, kulturelle, wirtschaftliche und menschliche Kontakte zu halten. Die Zivilgesellschaft in Russland ist auf unsere Unterstützung angewiesen. Ebenso wichtig ist es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt bei uns zu fördern. Es darf sich kein Hass gegen Menschen russischer Abstammung bei uns ausbreiten.

Eine künftige Friedensordnung braucht mehr als militärische Gewalt und Abschreckung: sie braucht globale Gerechtigkeit; sie braucht Klimagerechtigkeit, sie braucht eine verbindliche Rechtsordnung, die die Zivilgesellschaft stärkt, die Menschenrechte sichert und auch für Großmächte gilt.

Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat der Frieden. Christus ist unser Friede.

Die Stellungnahme steht als Download zur Verfügung unter www.ekd.de/kirchenkonferenz-ukraine
Aktuelle Informationen und Materialien zum Thema „Krieg in der Ukraine“ finden Sie unter www.ekd.de/ukraine

Theologischer Impuls

„Warum, Kain?“ – Gedanken zu einer alten Geschichte in Zeiten des Krieges

Theologische Impulse (114) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

Warum, Kain? Warum hast du deine Wut an Abel ausgelassen?
Er war doch dein jüngerer Bruder.
Der Kleine, der Kurze. Schmächtig und zärtlich.
Nur ein „Hauch“, wie sein Name sagt.
Warum warst du wütend auf ihn und nicht auf Gott?
Gott war es doch, der sein Opfer gnädig ansah und deins nicht.
Was konnte Abel dafür?
Der kleine Hirtenjunge war doch nicht wirklich ein Gegner.
Für dich – als Macher, Gestalter, Anpacker.
So wie dich deine Mutter schon bei deiner Geburt beschrieben hat:
„Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des HERRN.“
Du gegen deinen kleinen Bruder: Das war ein Mann gegen einen Hauch.
Warum also hast du Abel erschlagen – und nicht Gott?
Oder hast Gott nicht wenigstens herausgefordert, dich mit ihm angelegt, mit ihm gekämpft?
Ihm galt doch eigentlich deine Wut, deine Kränkung, deine verletzte, enttäuschte Liebe …

Wie hätte die Geschichte der Bibel und mit ihr die Geschichte der Menschheit ausgesehen, wenn Kain sich damals anders entschieden hätte – und die vielen anderen, die ihm nachfolgten? Wenn die Aggression, der Kampf, der Krieg, die Gewalt nicht dem Bruder, dem Nachbarvolk, den „anderen“ gegolten hätte – den religiösen Konkurrenten im Wettstreit um die Zuneigung Gottes? Sondern wenn sie sich mit Gott selbst angelegt hätten? Wenn sie solidarisch miteinander gewesen wären, anstatt eifersüchtig gegeneinander um die Liebe Gottes zu konkurrieren?

Wäre Kain ein erster Prometheus geworden – ein echter großer Bruder, der den Kleinen schützt und stattdessen gegen Gott revoltiert? Der Gott, wenn schon nicht besiegt, so ihm doch wenigstens die Flamme gestohlen hätte. Und der – gerade, weil er mit Gott gekämpft und gestritten, – vielleicht auch angefangen hätte, Gott wirklich zu verstehen? Eben, weil es im Kampf mit Gott eben auch immer um Gott geht. Um die Frage, wer Gott ist – und wer wir sind als sein Ebenbild. Das ist meine tiefe Überzeugung: Wenn wir nicht mit Gott streiten, werden wir weder ihm noch uns selbst gerecht, auch nicht unseren Geschwistern. Und wir verstehen dann auch die Bibel nicht wirklich.

„Was wäre, wenn …“ In den Geschichtswissenschaften gibt es einen relativ jungen Bereich, der sich mit „kontrafaktischer“ oder „virtueller“ Geschichte beschäftigt. In Abwandlung einer auf die Zukunft ausgerichteten „U-topie“ (als „Nicht-Ort“) wird dies auch als „U-chronie“ bezeichnet, also als eine „Nicht-Zeit“ in der Vergangenheit, die es nicht gab, aber hätte geben können. Es geht darum, „auf Grundlage der durch Quellen  gesicherten Faktenlage […] mithilfe von kontrafaktischen Konditionalsätzen kontrolliert“ zu spekulieren, „was geschehen wäre, wenn bestimmte historische Tatsachen nicht oder anders eingetroffen wären. Ziel ist ein Erkenntnisgewinn über Kontinuitäten und Brüche, über Zwangslagen und Handlungsspielräume in historischen Situationen oder über die Bewertung von deren Akteuren“ (so im Wikipedia-Artikel zu „Kontrafaktische Geschichte“).

„Virtuelle biblische Geschichten“, „heilige U-Chronien“: Wir brauchen „realistische religiöse Fantasie“, um aus der Re-Inszenierung der immer gleichen Geschichten herauszufinden. „Kontrafaktische Erzählvarianten“ zeigen theologische Grundkonflikte auf, schrammen mitunter gefährlich nah an einem Atheismus vorbei, sind tatsächlich aber Ausdruck einer Religionskritik aus Glauben, eines „anders Frommseins“. Und sie ziehen diejenigen, die sich auf sie einlassen, hinein in die Anfechtung: in den inneren Kampf des Glaubens, in den Zweifel an religiösen wie an geschichtlichen Wahrheiten, in die Auseinandersetzung mit Gott um Gott – ohne die Glaube, Wahrheit, Gott eben nicht zu haben sind. Nein, wir müssen Geschichte nicht immer in der gleichen Weise fortschreiben. Wir können auch „Kain“ anders verstehen. Und andere Wege suchen – damit er nicht „Abel“ erschlagen muss. Immer wieder.

Warum, Gott?

Warum, Gott, hast Du mein Opfer nicht angesehen?
Warum hast Du es nicht gewollt,
hast Du mich nicht gewollt?
Weißt Du eigentlich, wie das ist,
so dazustehen – vor der Familie, den Kolleg/innen, den anderen?
„Hat sich immer bemüht, aber was kam raus?“
„Sein kleiner Bruder dagegen, der hat was bewegt!“
Hast Du eine Ahnung, Gott, wie sich Scham, Neid, Hass anfühlen?
Wenn Du Dein Gesicht verlierst,
Dein Körper verbrennt,
Du nur im Boden versinken willst,
aber selbst der tut Dir nicht den Gefallen?
Dann weißt Du, wie es mir ging,
damals, als Du mich weise belehrt hast:
„Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben.“
Ja, Du hast mich geschützt – danach,
durch Dein Mal, mein Mal, das Kainsmal.
Damit ich nicht gleich erschlagen wurde,
damit ich als erster Städte bauen,
Kinder bekommen, Kultur stiften konnte
mit Menschen, die wie ich waren.
Doch Dein Mal hat mich nicht davor geschützt,
für alle Zeit zum Inbegriff des Bösen zu werden,
der zum Namen gewordene Brudermörder.
Einen eigenen Bereich der Hölle hat man nach mir benannt,
die Kaina, im finstersten neunten Kreis,
eingefroren bis zum Kopf in einem See aus Eis,
für mich, den „Adiaphotos“, den Lichtlosen,
der als Erster unschuldiges Blut vergoss,
den Ahnvater aller „Verräter von Verwandten“,
der angeblich nicht einmal von Dir stammt.

Nein, Gott, das will und wollte ich nie sein.
Und, ja, Gott, ich will den Blick erheben.
Ich will meinen Bruder nicht länger töten.
Ich will ihn nicht mehr hassen, seinen Erfolg nicht beneiden, mich nicht schämen.
Doch den Streit mit Dir, Gott, will ich eingehen.
Auch wenn ich weiß, dass Du – unendlich – stärker, mächtiger, erhabener bist.
Darum sag mir, Gott, warum siehst Du ihn an und mich nicht?
Was stimmt nicht an mir, meinem Opfer, meinem Wunsch nach Anerkennung durch Dich?
Nein, es ist und war nie Abels Schuld.
Er ist mein Bruder und er soll es immer bleiben.
Auch wenn er leichter, schwächer, anders ist – und dennoch erfolgreicher.
Tief in mir habe ich ihn immer geliebt.
Aber Deine Zurückweisung, Deine Kränkung, Deine Kälte:
die enttäuschte Liebe zu Dir brennt tief in mir.
Darum sag mir, was nicht an mir stimmt.
Was Dir an mir nicht passt.
Warum Du mein Opfer nicht ansiehst.
Mir fehlte damals Hiobs Wille, mit Dir zu streiten.
Moses Mut, Dir zu widersprechen.
Jakobs Kraft, mit Dir zu ringen:
„Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn.“
Doch diesmal will ich Dich nicht lassen,
Ewiger, Einziger, Grund aller Liebe,
bis Du mir sagst, warum.

Und Kain küsste Abel und kämpfte mit Gott …


Bild: EKiR.de
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Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher
Kontakt: praeses@ekir.de

 

 

Theologischer Impuls

Macht, Ohnmacht und der „Tisch des Herrn“ – Passionsgedanken angesichts des Ukraine-Krieges.

Theologische Impulse (113) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

„Wär ich allmächtig […], ich würde retten, retten.“ Die Worte von Büchners Lenz haben für mich in den letzten Wochen noch einmal eine besondere Bedeutung bekommen. Wir sehen täglich die Bilder von dem grausamen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des russischen Regimes und dem unvorstellbaren menschlichen Leid, das er in der Ukraine verursacht. Und wir können ihn nicht stoppen. Wir mussten mitansehen, wie im Vorfeld immer mehr Militär an den Grenzen zusammengezogen wurde. Wie jetzt Städte zerbombt, Wohngegenden, Kliniken beschossen werden. Und wir können es nicht stoppen. Trotz aller weiter notwendigen Diplomatie, Sanktionen, Demonstrationen. Trotz der immensen Solidarität mit den Menschen, die jetzt zu uns fliehen. Trotz selbst der Waffenlieferungen zur ukrainischen Selbstverteidigung. Das Töten und Vertreiben von Menschen gehen weiter und weiter und weiter. Ein tiefes Gefühl der Ohnmacht in mir.

Das Spiegelbild dieser Ohnmacht sind die hemmungslose Ausübung und Inszenierung von Macht seitens Wladimir Putins. Das ist nicht nur despotisch im Sinn einer Willkürherrschaft: Er bestimmt allein, was als wahr zu gelten hat in Russland. „Friedensmission“, „Entnazifizierung“, „keine zivilen Opfer“, „Befreiung“ – zynische Verkehrung der Wirklichkeit. Es ist zugleich tyrannisch im Sinne einer Gewalt- und Schreckensherrschaft. Gewalt ist ein selbstverständliches Instrument wie zuvor in Tschetschenien, Südossetien, auf der Krim, in Syrien, wie auch gegenüber oppositionellen Kräften im eigenen Land. Er will, dass andere sich ohnmächtig fühlen. Geradezu symbolisch steht dafür seine Selbstinszenierung am Kopf des sechs Meter langen Tisches. Unnahbar, mächtig, egal ob ausländische Staatsleute oder eigene Minister: Bittsteller allesamt. Geradezu grotesk dann die lange Tee-Tafel mit russischen Stewardessen am Internationalen Frauentag. Die einzigen, die ihm an seinem Tisch nahekommen dürfen: junge, gutaussehende Frauen. Patriarchale Machtgebaren pur.

Als Christinnen und Christen begehen wir im Augenblick die Passionszeit. In ihr spielen auch Ohnmacht und Macht eine zentrale Rolle – und ein ganz anderer „Tisch des Herrn“. So heißt es bei der Einsetzung jedes Abendmahls: „Unser Herr, Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: …“ (1. Kor 11,23f.)

Das Besondere dieses Tisches ist es, dass hier der Herr selbst ohnmächtig ist. Jesus Christus wird verraten werden, verleugnet, Opfer der römischen Staatsgewalt. Doch er verwandelt seine radikale Ohnmacht, indem er Gemeinschaft und Versöhnung stiftet, sich selbst hingibt: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Das feiern wir im Abendmahl: Als bald Verratener gibt er sich allen, auch dem Verräter. Als bald Verleugneter gibt er sich dem Verleugner. Als bald Verlassener gibt er sich den anderen, lässt alle an sich heran. Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Christus genau darin die Herrschaftsverhältnisse ein für allemal verkehrt hat: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ (Markus 10,42ff.)

Nein, die Gewaltherrscher dieser Welt werden nicht Herrscher bleiben. Auch Putin nicht, so sehr auch jetzt Menschen unter der von ihm befohlenen Gewalt leiden müssen, so sehr auch jetzt Macht inszeniert wird. Diese Gewaltherrschaft wird vergehen, genauso wie alle anderen zuvor. Krieg, Grausamkeit und Gewalt gehören zu der unerlösten Welt. Sie sollen nach Gottes Willen nicht sein. Und sie werden einmal vergehen. Sie haben keinen Bestand. So lautet die Verheißung am Ende der Bibel:

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb 21,4)

Und einmal werden wir gemeinsam am Tisch des Herrn sitzen. Gemeinsam mit Menschen aus allen Ländern. Da wird es kein oben und unten geben. Keine Platzkarten für die Mächtigen. Keine Türsteher, die andere raushalten. Nur Christus, der als die Liebe selbst alle dazu einlädt.

Gebe Gott, dass Krieg und Töten in der Ukraine aufhören, ebenso an vielen anderen Orten – auch wenn wir im Augenblick nicht wissen, wie.

Gebe Gott, dass die Menschen jetzt zu uns fliehen, Hilfe und Trost erfahren, ebenso wie die Flüchtenden aus anderen Kriegen.

Und gebe Gott uns die Kraft, für diese Menschen dazu sein und selbst weiter alles zu tun, damit das Töten endet.


Veitragsbild: EKiR.de
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