Video-Gottesdienste

 

24. Januar Video-Gottesdienst aus der Christuskirche
24. Januar um 11.00 Uhr Gottesdienst im Live-Stream aus der Volberger Kirche
31. Januar Video-Gottesdienst aus der Versöhnungskirche
31. Januar um 11.00 Uhr Gottesdienst im Live-Stream aus der Volberger Kirche

Die Termine und Links für die nächsten online-Gottesdienste werden wir für Sie ständig aktualisieren.

 

 

<< diese Schaltfläche führt Sie zu unseren Video-Gottesdiensten auf YouTube.


Beitragsfoto:
Sandra Schildwächter, Gemeindebrief

Landessynode.Info

Die 74. Tagung der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist beendet. Einen kompakten Überblick über die Wahlen, Themen und Beschlüsse der Synode, die erstmals als Videokonferenz tagte, finden Sie in Form einer PDF-Datei hier.

Im Internet finden Sie die Nachrichten von der Landessynode unter www.ekir.de/landessynode.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Peter Iven
Pressesprecher
Arbeitsbereich Kommunikation

zum Präses gewählt

Thorsten Latzel zum Präses gewählt
50-jähriger Akademiedirektor wird Nachfolger von Manfred Rekowski

Thorsten Latzel wird Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode wählte den 50-jährigen Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt an die Spitze der Kirche, zu der zwischen Niederrhein und Saarland rund 2,4 Millionen Menschen gehören. Er tritt die Nachfolge von Manfred Rekowski an, der im März nach achtjähriger Amtszeit in den Ruhestand geht.

Der promovierte Theologe setzte sich im ersten Wahlgang mit 113 Stimmen gegen seine Mitbewerberin und seinen Mitbewerber durch: Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, erhielt 57 Stimmen. Auf Professor Dr. Reiner Knieling, Leiter des Gemeindekollegs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Neudietendorf, entfielen 17 Stimmen. Der neue Präses wird am 20. März in sein Amt eingeführt.

Konsequent von den Menschen her denken
Kirche müsse konsequent von den Menschen her denken, hatte Latzel in seiner Vorstellungsrede vor den Abgeordneten aus den 37 rheinischen Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland gesagt. Es gehe nicht um die Frage „Wie kommen die Leute zu unseren Angeboten?“, sondern: „Was können wir tun, um Menschen in ihrem Leben und Glauben zu stärken? Dazu müssen wir sie fragen: persönlich, zu Hause. Und wir sollten mit den 20- bis 40-Jährigen anfangen.“

Kirche muss Ort der Hoffnung für die Welt sein
Die Gesellschaft stehe vor immensen Aufgaben, so Latzel. Er nannte als Beispiele die Zerstörung der Umwelt, Gewalt und Ungerechtigkeit sowie antidemokratische Kräfte, gegen die die offene Gesellschaft gestärkt werden müsse. „Als Christinnen und Christen haben wir auf all das keine einfachen Antworten. Aber wir haben eine andere Perspektive: eine Perspektive der Hoffnung. Wir glauben an einen Gott, der die Welt in seinen Händen hält und der vom Tod auferweckt. Wir leben aus der unbedingten Liebe Christi, die uns auch mit Feinden anders umgehen lässt. Und wir haben die verwegene Hoffnung, dass Gottes Geist diese Welt zu einem guten Ende führen wird.“ Aufgabe der Kirche sei es, Ort der Hoffnung für die Welt zu sein: „Unsere Aufgabe ist es, die zu werden, die wir immer schon sind: Kirche Jesu Christi. Eine welt- und zukunftsoffene Gemeinschaft mit einem freien Glauben. Eine Kirche, die nicht versucht, überall alles zu sein, aber: Salz der Erde und Licht der Welt. Eine Kirche, die mit ihren eigenen Ressourcen ebenso haushält wie mit der uns anvertrauten Schöpfung. Eine Kirche, die den Nöten unserer Gesellschaft begegnet, indem sie heilsam Gott zur Sprache bringt. Und eine Kirche, die sich selbst immer wieder davon überraschen lässt, was Gott noch Großes mit uns vorhat.“

Zur Person: Thorsten Latzel
Dr. Thorsten Latzel ist seit 2013 Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt, die 2017 umgebaut und neu aufgestellt wurde. Von 2005 bis 2012 hatte Latzel als Oberkirchenrat das Referat „Studien- und Planungsfragen“ im EKD-Kirchenamt inne und leitete das Projektbüro Reformprozess. Er war u. a. zuständig für die EKD-Kirchen-mitgliedschaftsuntersuchungen, die Reformzentren und Kirche in der Fläche. Davor war Latzel als Pfarrer in Erlensee-Langendiebach (Kurhessen-Waldeck) tätig. Aufgewachsen in Bad Laasphe, studierte er Theologie in Marburg und Heidelberg. Der 50-Jährige ist u. a. Mitglied der Bildungskammer der EKD. Im Blog „glauben-denken.de“ veröffentlicht er wöchentlich theologische Impulse. Thorsten Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Stichwort: Rheinische Präsides seit 1948
Erster Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland nach dem Zweiten Weltkrieg war Heinrich Held (1948 bis 1957). Auf ihn folgten: Joachim Beckmann (1958 bis 1971), Karl Immer (1971 bis 1981), Gerhard Brandt (1981 bis 1989), Peter Beier (1989 bis 1996), Manfred Kock (1997 bis 2003), Nikolaus Schneider (2003 bis 2013) und Manfred Rekowski (2013 bis 2020). Manfred Kock und Nikolaus Schneider waren zudem Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Landessynode wählte:

Henrike Tetz als Oberkirchenrätin wiedergewählt
57-jährige Düsseldorferin leitet die Abteilung Erziehung und Bildung

Quelle: EKiR

 Oberkirchenrätin Henrike Tetz ist als hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland wiedergewählt worden. Die Landessynode bestätigte die 57-Jährige als Leiterin der Abteilung 3 (Erziehung und Bildung) heute für acht Jahre im Amt.

Auf Henrike Tetz entfielen 139 Stimmen. Ihr Gegenkandidat Marco Sorg aus Schwerte erhielt 37 Stimmen.

Zur Person: Henrike Tetz
Henrike Tetz ist seit 2018 hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland und als Oberkirchenrätin Leiterin der Abteilung 3 – Erziehung und Bildung. Die Theologin (Jahrgang 1963) studierte an den Universitäten Bonn, Tübingen und Oxford. Als Vikarin war sie unter anderem für die Church of England in London tätig. Nach ihrer Ordination für den Pfarrdienst in der Evangelischen Kirche im Rheinland im Jahr 1993 arbeitete sie als Schulpfarrerin in Düsseldorf. 2007 wurde Henrike Tetz Mitglied des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises Düsseldorf und leitete dessen Abteilung Seelsorge. 2010 wählte die Kreissynode sie zur Superintendentin. Tetz befasste sich in dieser Zeit besonders mit neuen Gemeindestrukturen, der Entwicklung des Ehrenamts und der Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie. Als Oberkirchenrätin verantwortete sie im Jahr 2019 gemeinsam mit der Evangelischen Jugend im Rheinland federführend die erste Jugendsynode zu den Themen Partizipation und Bildungsgerechtigkeit.


Henning Boecker zum Oberkirchenrat gewählt
54-jähriger Düsseldorfer leitet die Abteilung Finanzen und Diakonie

Quelle: EKiR

 Henning Boecker wird neues hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode wählte den 54-Jährigen als Oberkirchenrat und Leiter der Abteilung 5 (Finanzen und Diakonie) heute für acht Jahre ins Amt.

Auf den bisherigen Landeskirchenrat Henning Boecker entfielen 110 Stimmen. Sein Gegenkandidat Volker Leimert aus Mönchengladbach erhielt 25 Stimmen. 53 Synodale enthielten sich der Stimme. Boecker folgt Oberkirchenrat Bernd Baucks nach, der nach achtjähriger Amtszeit nicht mehr kandidiert hatte.

Zur Person: Henning Boecker
Henning Boecker ist seit 2017 als Landeskirchenrat stellvertretender Leiter der Abteilung 5 im Landeskirchenamt. Er leitet das Dezernat Finanzen, Steuern und Diakonie. Der Jurist hat seine Laufbahn bei der Kirche als Referent im Büro des Beauftragten der drei Landeskirchen bei Landtag und Landesregierung in NRW begonnen. 1998 wechselte Boecker als juristischer Dezernent ins Landeskirchenamt. Seither war er in wechselnden Fachgebieten tätig. Zuständig war er u. a. für Dienst- und Arbeitsrecht, die Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel, die Evangelische Hochschule, Kirchenordnungsfragen und Verfassungsrecht. Henning Boecker (54) ist in Wuppertal aufgewachsen und studierte in Bonn und Heidelberg. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.


Nebenamtliche Mitglieder in rheinische Kirchenleitung gewählt
Heute Wahlmarathon bei der Tagung der Landessynode
Einen wahren Wahlmarathon hat die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland heute auf der Tagesordnung ihrer als Videokonferenz durchgeführten einwöchigen Tagung: Neben den Wahlen für das Präsesamt und für zwei weitere hauptamtliche Mitglieder der Kirchenleitung stimmten die Synodalen aus den 37 Kirchenkreisen zwischen Niederrhein und Saarland auch über fünf nebenamtliche Positionen in dem 15-köpfigen Gremium ab.

Die Synodalen haben wie folgt gewählt:

Position 8: Miriam Haseleu

Quelle: EKiR

Miriam Haseleu (Köln) wurde für acht Jahre als nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied gewählt. Auf sie entfielen 104 Stimmen. Ihr Gegenkandidat Markus Herzberg (Köln) erhielt 67 Stimmen.

Miriam Haseleu ist Pfarrerin in der Kirchengemeinde Köln-Nippes und seit 2019 Assessorin im Kirchenkreis Köln-Mitte. Haseleu (Jahrgang 1980) hat ihr Studium der Evangelischen Theologie in Bonn, Berlin, Prag und Wuppertal absolviert und darüber hinaus zusätzliche Ausbildungen zur Systemischen Beraterin und Systemischen Organisationsentwicklerin abgeschlossen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die Themen Migration und Transkultur. So ist die gebürtige Bonnerin eine der beiden Sprecherinnen des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen der Stadt Köln und Initiatorin eines großen Projektes in der Arbeit mit Geflüchteten des „WiNHaus International“, Vorsitzende des Arbeitskreises Migration im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region sowie Synodalbeauftragte für Migration im Kirchenkreis Köln-Mitte.

Position 10: Lukas Schrumpf

Quelle: EkIR

Lukas Schrumpf (Solingen) wurde für acht Jahre als nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied gewählt. Auf ihn entfielen 103 Stimmen. Sein Gegenkandidat, der bisherige Amtsinhaber Dr. Axel Epe (Düsseldorf), erhielt 79 Stimmen.

Schrumpf (Jahrgang 1994) ist Entwicklungsingenieur im Bereich Fahrerassistenzsysteme. Er ist Mitglied in Kreissynodalvorstand und Kreissynode im Kirchenkreis Solingen und im Innerkirchlichen Ausschuss der rheinischen Kirche. Lukas Schrumpf ist Mitglied des Rates der Stadt Solingen. Dort ist er u. a. Sprecher im Ausschuss für Städtebau, Stadtentwicklung und Digitale Infrastruktur.

 

 

Position 12: Ricarda Gerhardt

Quelle: EKiR

Ricarda Gerhardt (Schauren) wurde für acht Jahre als nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied gewählt. Auf sie entfielen 99 Stimmen. Ihre Gegenkandidatin Dr. Dorothea Witter-Rieder (Konz) erhielt 42 Stimmen.

Gerhardt ist Heilerziehungspflegerin und Mitglied im Gemeindedienst für Mission und Ökumene Saar Nahe Mosel (GMÖ). Die Diakonin (Jahrgang 1972) aus dem rheinland-pfälzischen Schauren ist zudem stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftskreises Ruanda des Kirchenkreises Trier, Mitglied des Jugendausschusses der Kirchengemeinde Schauren-Kempfeld-Bruchweiler und Mitglied im Arbeitskreis Geistliches Leben der Werkstätten für Menschen mit Behinderung bei der Stiftung Kreuznacher Diakonie. Darüber hinaus engagiert sie sich beim Diakonie-Tag im Umfeld der örtlichen Kirchengemeinden, organisiert und beteiligt sich an Gottesdiensten sowie Kinderbibeltagen und ist seelsorglich tätig.

Position 14: Helga Siemens-Weibring

Quelle: EKiR

Helga Siemens-Weibring (Essen) wurde für acht Jahre als nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied wiedergewählt. Auf sie entfielen 166 Ja-Stimmen. Acht Synodale stimmten mit Nein, 15 enthielten sich der Stimme.

Helga Siemens-Weibring (Jahrgang 1958) ist Sozialwissenschaftlerin, Leiterin des Vorstandsstabs und Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL). Zuvor war sie bei der Diakonie RWL Leiterin des Geschäftsbereichs Familie, Bildung und Erziehung. In Essen engagiert sie sich in ihrer Kirchengemeinde im Stadtteil Rüttenscheid als Presbyterin und Prädikantin (ehrenamtliche Predigerin) sowie im Kreissynodalvorstand. Zudem ist sie Mitglied in den Fachgruppen Sozialethik und Diakonie der rheinischen Kirche. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne.

 

Position 15: Lisa Marie Appel

Quelle: EKiR

Lisa Marie Appel (Bonn) wurde als nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied in die laufende Amtszeit bis 2025 gewählt. Auf sie entfielen 169 Ja-Stimmen. Neun Synodale stimmten mit Nein, zehn enthielten sich der Stimme.

Lisa Marie Appel ist Referendarin für das Lehramt Gymnasium/Gesamtschule in den Fächern Deutsch und Evangelische Religionslehre. Die 1994 geborene Bonnerin war von 2015 bis 2019 Mitglied des Beirats der Evangelischen Studierendengemeinde Wuppertal und Sprecherin der Studierendenkonferenz der Evangelischen Studierendengemeinden im Rheinland. Zudem war sie in der Vergangenheit unter anderem bereits Berufenes Mitglied der Kreissynode Wuppertal und der Jugendsynode der rheinischen Kirche (2019) sowie Mitglied im Theologischen Ausschuss der rheinischen Kirche. In den Jahren 2018 bis 2020 war sie als Gast der jungen Generation auf der Landessynode.

Weitere Wahlen auf dem Programm
Mit der Wahl der nebenamtlichen Kirchenleitungsmitglieder ist der Abstimmungsmarathon für die Landessynodalen allerdings noch nicht beendet: Weil es die konstituierende Sitzung der Synode ist, müssen auch alle Ausschüsse und Fachgruppen sowie die Delegierten zur EKD-Synode gewählt werden. Inhaltliche Beschlüsse zu theologischen Fragen, dem Haushalt und Kirchengesetzen stehen dann morgen auf dem Tagungsprogramm.


Stichwort: Kirchenleitung
15 Theologinnen/Theologen und Nicht-Theologinnen/Nicht-Theologen bilden die Kirchenleitung, die das Präsidium der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. Zwischen den jährlichen Tagungen des obersten Leitungsgremiums führt die Kirchenleitung die Geschäfte. Sie besteht aus sechs hauptamtlichen und neun nebenamtlichen Mitgliedern. Alle Mitglieder sind auf acht Jahre gewählt; alle vier Jahre wird die Hälfte der Kirchenleitung neu bestimmt.

Stichwort: Evangelische Kirche im Rheinland
Die Evangelische Kirche im Rheinland umfasst 655 Kirchengemeinden in 37 Kirchenkreisen. Mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern ist sie zweitgrößte Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das rheinische Kirchengebiet umfasst Teile Nordrhein-Westfalens, Rheinland-Pfalz‘, Hessens und des Saarlands.

Jahresbericht 2020

„Dahin gehen, wo die Menschen sind, statt zu warten, dass sie zu uns kommen“
Letzter Jahresbericht (12 Seiten PDF) von Präses Manfred Rekowski
In seinem letzten Jahresbericht als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland hat Manfred Rekowski noch einmal appelliert, als Kirche veränderungsbereit und veränderungsfähig zu sein. Selbst sinkende Mitgliederzahlen änderten nichts am Auftrag der Kirche, die Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen und sie zum Glauben einzuladen.

„Wir bleiben auch Kirche mit gesellschaftlichem, öffentlichem Anspruch, wenn wir zahlenmäßig keine gesellschaftlich relevante Gruppe mehr sind. Denn das Evangelium ist gesellschaftlich und existenziell relevant“, sagte Präses Rekowski heute Nachmittag in Düsseldorf auf der Landessynode der rheinischen Kirche, die bis Freitag als Videokonferenz tagt. „Wir sollten uns nüchtern damit befassen, wie wir Kirche Jesu Christi unter anderen Rahmenbedingungen sein können. Die Kirche Jesu Christi hat in ihrer langen Geschichte sehr unterschiedliche Phasen durchlaufen. Sie ist nicht an eine bestimmte institutionelle Form gebunden. Sie ist Kirche Jesu Christi als Mehrheitskirche in der Gesellschaft, aber dies auch als Minderheitskirche. Wir bewegen uns in unserer Zeit von dem einen zum anderen, wir müssen lernen, diasporafähig zu werden. Das schmälert weder die Würde der Kirche noch ihren Auftrag. Es schließt aber eine strukturkonservative Grundhaltung aus.“

Analog und digital mit Menschen in Kontakt kommen und bleiben
Die Corona-Krise habe deutlich gezeigt, dass die Evangelische Kirche im Rheinland veränderungsfähig sei, und habe einen bisher kaum vorstellbaren Digitalisierungsschub ausgelöst. „Ein Blick auf die Homepages der Kirchengemeinden, der Kirchenkreise sowie der funktionalen Dienste zeigt dies. Neue Partizipationsmöglichkeiten wurden entdeckt und werden zunehmend stärker genutzt. So erreichen Gemeinden auch Menschen, die sonst nicht in unsere Gemeindehäuser gekommen wären. Hier darf es keinen Rückfall in die Zeit vor der Corona-Krise geben, sondern hier ist eine Weiterentwicklung der guten Ansätze nötig“, so Manfred Rekowski (62): „Digitalisierung ist aber kein Selbstzweck, sondern es geht um die Haltung: dahin zu gehen, wo Menschen sind, statt zu warten, dass Menschen in unsere Kirchen kommen. Das gilt auch für das nicht-digitale Gemeindeleben in Corona-Zeiten. Zu beobachten ist hier in der Tat eine Revitalisierung analoger Angebote wie Briefe, Telefonate, Sonderausgaben von Gemeindebriefen, Zeitungsbeilagen usw..“

Corona-Pandemie trifft die Schwächsten weltweit besonders
Rekowski erinnerte in seinen Ausführungen vor den Mitgliedern des obersten Leitungsgremiums der Evangelischen Kirche im Rheinland an die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die weltweit so viele Todesopfer fordert. Er erinnerte an das Leid der Hinterbliebenen, an das riesige Arbeitspensum des medizinischen und pflegenden Personals in Kliniken und Alteneinrichtungen, an die Existenzsorgen von Arbeitnehmerinnen, Einzelhändlern, Kulturschaffenden und vielen anderen. „Die Corona-Pandemie trifft die Schwächsten in besonderer Weise, das gilt für Deutschland, das gilt aber noch mehr für die ganze Welt. Viele Menschen sind in den ärmeren Ländern in ihrer Existenzgrundlage bedroht, weil Handelswege, weil Touristenströme unterbrochen sind und damit dringend notwendige Einnahmequellen fehlen“, konstatierte der Präses.

Flüchtlingselend am Rand der EU: „Wir dürfen das nicht dulden!“
Die Corona-Krise werde viele Menschen in den wirtschaftlich schwachen Ländern in Armut stürzen. Zugleich gebe es Flüchtlingsbewegungen auf der ganzen Welt. Diese Menschen seien den Veränderungen schutzlos ausgeliefert. Sie hätten keine feste Existenzgrundlage und seien daher auf die Hilfe anderer angewiesen. „Deshalb ist es besonders empörend, dass in dieser Zeit Menschen am Rande der EU unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen müssen. Es ist richtig, alle sind von der Pandemie betroffen, aber doch in sehr unterschiedlicher Weise. Wir dürfen nicht die Menschen aus dem Auge verlieren, die schon alles verloren haben! Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, für die Menschen ganz am Rande der Gesellschaft die Stimme zu erheben. Verhältnisse, wie wir sie in den Flüchtlingslagern am Rande der EU erleben, dürfen nicht sein, das dürfen wir nicht dulden!“, unterstrich Rekowski, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Getrost riskieren, Fehler zu machen
Der diesjährige „Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“ ist der letzte seiner achtjährigen Amtszeit: Im März geht Manfred Rekowski in den Ruhestand. Und so kam er am Ende seiner Rede auf die Frage zurück, wie Kirche im Wandel gelebt werden könne: „Wie wollen wir Kirche sein, wie wollen wir unserem Auftrag und unserer Verheißung hier und heute Gestalt verleihen?“ Zeiten von Veränderungen seien auch Zeiten der Verunsicherung. Das gelte insbesondere auch für die Kirche. „Doch uns trägt der Bezug auf den, der seine Kirche versammelt, schützt und erhält. Weil es Gott ist, der immer wieder auch durch uns für seine Kirche eintritt, gilt auch für unser gemeinsames kirchenleitendes Arbeiten in dieser Synode: Wir brauchen Mut, Entscheidungen zu treffen, und gehen dabei auch zukünftig getrost das Risiko ein, Fehler zu machen.“ Denn auch für das Bemühen um die Leitung der Kirche gelte, was der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer so formuliert hat: „Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“

Zur Person: Manfred Rekowski
Manfred Rekowski ist seit März 2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Theologe wurde in Polen (Masuren) geboren. Als er fünf Jahre alt war, verließ seine Familie ihren Bauernhof und siedelte in die Bundesrepublik über. Rekowski hat in Bethel, Marburg, Bochum und Wuppertal Theologie studiert. 1986 wurde er Pfarrer in Wuppertal. Im März 2021 tritt Rekowski, dann 63 Jahre alt, nach acht Jahren im Amt des Präses in den Ruhestand.


Manuskript des Präsesberichts (12 Seiten PDF)

Pressemitteilung 9/2021 vom 11. Januar

Landessynode wählt

Neben dem Nachfolger von Präses Manfred Rekowski werden am 14. Januar auch zwei hauptamtliche und sieben nebenamtliche Kirchenleitungsmitglieder  gewählt.
 
Wenn die Landessynode, das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, in der kommenden Woche tagt, dann entscheidet sie nicht nur über die Nachfolge von Präses Manfred Rekowski, sondern auch über andere Positionen in der Kirchenleitung. In ihr arbeiten hauptamtliche und nebenamtliche Mitglieder zusammen.

15 Theologinnen/Theologen und Nicht-Theologinnen/Nicht-Theologen bilden die Kirchenleitung, die das Präsidium der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. Zwischen den jährlichen Tagungen des obersten Leitungsgremiums führt die Kirchenleitung die Geschäfte. Sie besteht aus sechs hauptamtlichen und neun nebenamtlichen Mitgliedern. Alle Mitglieder sind auf acht Jahre gewählt; alle vier Jahre wird die Hälfte der Kirchenleitung neu bestimmt.

Nebenamtliche Mitglieder der Kirchenleitung
So stehen auf der Tagesordnung der Landessynode auch turnusmäßige Wahlen von nebenamtlichen Mitgliedern der Kirchenleitung:

Für die Position 8, aktuell wahrgenommen von Superintendentin Almut van Niekerk (Sankt Augustin), kandidieren: Pfarrerin Miriam Haseleu (Jahrgang 1980), Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes und Assessorin im Kirchenkreis Köln-Mitte, und Pfarrer Markus Herzberg (Jahrgang 1977), seit Oktober 2010 Citykirchenpfarrer an der Antoniterkirche in Köln.
Für die Position 10 ist der Amtsinhaber zur Wiederwahl vorgeschlagen: Dr. Axel Epe (Jahrgang 1950), Anwalt, stellvertretender Vorsitzender des Beirats der Vorwerk & Co. KG in Wuppertal.
Für die Position 12, aktuell wahrgenommen von Marion Unger (Staudernheim), kandidieren: Diakonin Ricarda Gerhardt (Jahrgang 1972), Heilerziehungspflegerin und stellvertretende Wehrführerin der Freiwilligen Feuerwehr Schauren, und Dr. Dorothea Witter-Rieder (Jahrgang 1965), promovierte Diplom-Volkswirtschaftlerin, Vorsitzende des Presbyteriums der Kirchengemeinde Konz im Kirchenkreis Trier.
Für die Position 14 ist die Amtsinhaberin zur Wiederwahl vorgeschlagen: Helga Siemens-Weibring (Jahrgang 1958), Sozialwissenschaftlerin, Leiterin des Vorstandsstabs und Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL).
Die Amtszeit auf den vorgenannten Positionen beträgt acht Jahre.

Die derzeit unbesetzte Position 15 muss für den Rest der laufenden Amtszeit bis 2025 wiederbesetzt werden. Amtsinhaberin Marlis Bredehorst war im Mai 2020 krankheitsbedingt zurückgetreten. Die Staatssekretärin a. D. verstarb im Oktober vergangenen Jahres.
Für die Position 15 kandidiert: Lisa Marie Appel (Jahrgang 1994), Referendarin mit den Fächern Evangelische Religionslehre und Deutsch in Bonn, Mitglied im Theologischen Ausschuss der rheinischen Kirche.

Wahlen von hauptamtlichen Kirchenleitungsmitgliedern
Bei den hauptamtlichen Mitgliedern der Kirchenleitung, die zugleich Abteilungsleitende im Landeskirchenamt sind, stehen zwei Wahlen an:

Für Abteilung 3 (Erziehung und Bildung) sind nominiert: Marco Sorg (Schwerte) und die Amtsinhaberin Henrike Tetz (Düsseldorf).
Für Abteilung 5 (Finanzen und Diakonie) sind nominiert: Henning Boecker (Düsseldorf) und Volker Leimert (Mönchengladbach).

Nachfolge von Präses Manfred Rekowski
Und schließlich gilt es, auch noch eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Präses Manfred Rekowski, der im März in den Ruhestand tritt, zu wählen. Als Kandidatin bzw. Kandidaten für das Präsesamt hat der Nominierungsausschuss Professor Dr. Reiner Knieling (Erfurt), Dr. Thorsten Latzel (Darmstadt) und Superintendentin Almut van Niekerk (Sankt Augustin) vorgeschlagen.

Wahlen am Donnerstag nächster Woche
Die Vorstellungen und Wahlen finden am Donnerstag, 14. Januar 2021, statt. (Auskunft über den Ablauf der Synode gibt der Tagungsplan.) Die Einführung der neu- bzw. wiedergewählten Mitglieder der Kirchenleitung findet am 20. März statt. Da die 74. ordentliche Tagung der Landessynode die konstituierende Sitzung in neuer Zusammensetzung ist, stehen auch zahlreiche weitere Wahlen an. So werden beispielsweise die rheinischen Abgeordneten zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Vorsitzenden der Ständigen Synodalausschüsse gewählt.

Livestream und digitale Unterlagen
Während der Tagung der Landessynode vom 11. bis 15. Januar 2021 gibt es auf der Internetseite www.ekir.de/landessynode neben Livestreams von allen öffentlichen Sitzungen auch aktuelle Berichterstattung. Schon jetzt finden sich auf der Seite alle bislang vorliegenden Beratungsvorlagen (Drucksachen). Außerdem gibt ein Video Antwort auf die Frage: Wer oder was ist eigentlich „Präses“? Aktuelles gibt es auch via Twitter: #LS2021.

Stichwort: 193 Synodale
Nach den Presbyteriumswahlen im vergangenen Jahr, bei denen die Leitungsgremien der rheinischen Kirchengemeinden neu besetzt wurden, haben die anschließend neu zusammengesetzten 37 Kreissynoden ihre Abgeordneten (Synodale) für die neue Wahlperiode der Landessynode gewählt. Der Landessynode gehören nominell 199 stimmberechtigte Mitglieder an. Derzeit sind allerdings nur 193 Mandate besetzt.


Pressemitteilung Nr. 6/2021, vom 8. Januar

Pop-Kantor der EKiR

Lied zur Jahreslosung 2021

Daniel Drückes, erster Pop-Kantor der rheinischen Kirche, hat zur Jahreslosung ein Lied komponiert und getextet. Es heißt „Barmherziger Vater“ und ist seit dem 1. Advent auf dem Youtube-Kanal seiner Duisburger Gemeinde Wanheimerort und auf EKiR.de abrufbar.

Drückes, seit Oktober auch Vorsitzender des Verbands für christliche  Popularmusik in der Evangelischen Kirche im Rheinland, legt bereits seit 2018 jedes Jahr ein Lied zur jeweiligen Jahreslosung vor, die alle auf seinem persönlichen Youtube-Kanal zu hören sind. „Das ist eine Tradition, die ich mir selbst gemacht habe“, sagt der 34-Jährige. Das jüngste Lied entstand ab Ende September. „Meist beginne ich mit dem Refrain und habe dann schon eine Melodie im Kopf.“ Drückes spielte das Lied in Einzelaufnahmen mit vier Sängerinnen und einem Sänger seines Chors PraiSing in seinem Heimstudio ein. Aus den Tonaufnahmen und später einzeln gedrehten Videos entstand der vierminütige Videoclip.

PRESSEMITTEILUNG

Präses: „Menschen müssen existenzielle Relevanz von Kirche erleben“
Interview mit Manfred Rekowski zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit

Am 14. Januar entscheidet die rheinische Landessynode über die Nachfolge von Präses Manfred Rekowski, am 20. März wechselt der 62-Jährige in den Ruhestand. Ein Gespräch über seine Krankheit, Identitätsstiftung durch Seelsorge und das Trennen von Parteipolitik und Pfarramt.

Herr Rekowski, bei Krisen wie der Corona-Pandemie steht immer auch das Gottvertrauen auf dem Spiel: Die einen trägt es gerade jetzt, den anderen geht es verloren. Kennen Sie solche Belastungsproben auch aus Ihrem Leben?
Manfred Rekowski: Ich hatte zwar bisher sowohl beruflich als auch privat ein sehr erfülltes und recht unkompliziertes Leben. Aber als ich vor zwei Jahren von jetzt auf gleich erfuhr, dass ich an einer chronischen Form der Leukämie erkrankt bin, war das ein Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich mich auf ziemlich dünnem Eis bewege. Dabei habe ich erfahren, dass ich getragen und gehalten bin, und war selbst überrascht über meine Zuversicht. Zum Zeitpunkt der Diagnose vor zwei Jahren stand ich gerade vor der Aufgabe, sechs Rundfunkandachten zu schreiben und am nächsten Tag sogar eine Trauung in der Familie zu halten. Und zuerst dachte ich, das schaffe ich nie. Aber ich konnte das dann erstaunlich gut. Die schwierigsten Momente waren eigentlich die, in denen ich vertrauten Menschen von meiner Erkrankung erzählt habe. Ich kenne also dieses Fragezeichen – warum jetzt, warum ich, warum diese Krankheit? –, aber auch die Zuversicht, dass ich auf diesem Weg nicht allein unterwegs bin.

Wie geht es Ihnen jetzt?
Rekowski: Ich bin durch die Medikamente inzwischen so eingestellt, dass die Blutwerte wieder komplett im grünen Bereich sind. Ich gehe monatlich zur Kontrolle, nehme jeden Tag meine Medikamente, und die Nebenwirkungen sind verträglich. Das ist ein Geschenk des Himmels.

Eine Präses-Wahlperiode von acht Jahren ist sehr lang. Aber mit bald 63 Jahren wäre eine zweite Amtszeit für Sie denkbar gewesen. Warum lassen Sie sich stattdessen in den Ruhestand versetzen?
Rekowski: Ich hatte mir von Anfang an überlegt, das Amt nur für acht Jahre zu übernehmen. In der Politik sind das zwei Wahlperioden. Ich bin von der Synode 2013 in einer ganz bestimmten Situation gewählt worden, in der Menschen der Überzeugung waren, mit meinen Begabungen könnte ich der Kirche dienlich sein. Jetzt ist eine andere Situation, auf die eine andere Person mit ihren Möglichkeiten vielleicht besser reagieren kann. Darüber habe ich allerdings nie gesprochen, sondern erst bei der Synode 2020 bekanntgegeben, dass ich nicht wieder kandidieren werde. Bei der Entscheidung, damit zugleich auch in den Ruhestand zu gehen, hat dann die Erkrankung eine Rolle gespielt.

Das Gottvertrauen zu stärken, fällt der Kirche zunehmend schwerer, weil ihr selbst nicht mehr so vertraut wird. Wie haben Sie diesen Vertrauensverlust in Ihrer Amtszeit erlebt?
Rekowski: Kirche ist nicht als Institution identitätsstiftend, sondern erst, wenn Menschen ihre existenzielle Relevanz erleben. Ich denke zum Beispiel an den Anruf einer Kinderklinik mit Bitte um eine Taufe. Es war klar, dass danach die Geräte abgestellt werden. Unsere Aufgabe als Seelsorger ist es dann, Dinge auszuhalten, die man eigentlich nicht aushalten kann. Dass wir die großen kirchlichen Strukturen an die kleiner werdenden Zahlen anpassen müssen, ist ja richtig, aber das müssen wir unaufgeregt erledigen. Wichtiger ist es, Wege zu finden, von unserer Relevanz zu erzählen. Auch im Gottesdienst kann und muss alles Platz finden, was für Menschen relevant ist. Damit zu punkten und das ins Gespräch zu bringen, halte ich für zunehmend wichtiger.

Die Kirche der Reformation nimmt für sich ständige Veränderungsbereitschaft in Anspruch. Sie selbst haben davon gesprochen, neue Türen zum alten Haus Kirche öffnen zu wollen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Erneuerungsbilanz?
Rekowski: Kirche darf nicht strukturkonservativ sein. Wir können nicht den Auszug aus Ägypten predigen und gleichzeitig Zement anrühren und sagen, bei uns muss aber alles so bleiben, wie es ist. Mir ist klar, dass mit einem Abschied nicht alles sauber abgeschlossen ist, sondern vieles fragmentarisch bleibt. Wir sind etwa im Blick auf das leichte Gepäck gerade mal so weit, dass inzwischen fast alle sagen, wir müssen den Aufwand für Leitung, Organisation und Verwaltung unserer Kirche reduzieren. Aber bei der Umsetzung ist noch Luft nach oben. Auch in der Kirche wächst die Einsicht in nötige Veränderungen in der Regel erst, wenn der finanzielle Druck zunimmt.

Ein Präses in der rheinischen Kirche kann es eigentlich nie allen recht machen. Immer wird das vermisst, was der jeweilige Amtsinhaber gerade nicht verkörpert. Haben Sie das auch so wahrgenommen?
Rekowski: Einerseits kann ich mich über fehlende Loyalität und unzureichende Unterstützung wirklich nicht beklagen. Aber in manchen Momenten habe ich auch gespürt: Wer ein kirchenleitendes Amt übernimmt, hat keinen Anspruch darauf, durchgängig fair behandelt zu werden. Mit dieser Erfahrung habe ich durchaus Mühe gehabt. Aber ich scheide weder verbittert noch dünnhäutig oder gar resignativ aus. Man könnte auch sagen: Ich verlasse das Amt gesund, obwohl ich als kranker Mann gehe.

Als Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland haben Sie mit Ihren Statements unweigerlich auch politische Fragen berührt. Was ist Ihre Antwort auf die alte Streitfrage, wie politisch Kirche sein darf oder muss?
Rekowski: Mir ist als Student die fünfte These der Barmer Theologischen Erklärung nahe gerückt: „Die Kirche erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten.“ Wir haben nicht die höhere Einsicht in die Migrations- oder Klimapolitik, aber wir haben zu erinnern an Gottes Recht und Gerechtigkeit. Wir sind nicht deswegen für Klimaschutz, weil wir ein Ableger von Rot-Grün wären, sondern weil wir uns zu Gott, dem Schöpfer, bekennen und Verantwortung für seine Schöpfung haben. Das ist der Unterschied. Weil ich selbst immer politisch interessiert war, bin ich 1982 auch Mitglied der SPD geworden. Gerade mit diesem Schritt wollte ich aber bewusst mein parteipolitisches Engagement von meinem Pfarramt trennen. Christen können und sollen sich auch in die Parteipolitik einbringen, aber ich als Pfarrer mache keine Parteipolitik. Etwa zehn Jahre später, als die SPD mit der CDU darum wetteiferte, wer das Asylrecht am gründlichsten entschärfen kann, habe ich die Partei wieder verlassen.

Hat aus Ihrer Sicht Kirche noch die Kraft, bei den wachsenden gesellschaftlichen Rissen verbindend zu wirken?
Rekowski: Wenn Menschen eine andere Position als wir vertreten, aber grundsätzlich noch ansprechbar sind, ist mir wichtig, dass wir sie als Gesprächspartner nicht verlieren. In Köln habe ich mal an einer Veranstaltung zur Braunkohle teilgenommen, in der auch die Mitarbeiter von Rheinbraun saßen. Einfacher darf man es sich auch nicht machen. Ich muss den Menschen schon ins Gesicht gucken und dann meine Haltung zum Klimaschutz formulieren. Für das Schaffen solcher Diskussionsforen könnten wir als Kirche noch mehr tun.

Man kann Kirche verstehen als die Gemeinschaft von Glaubenden oder als Institution und Behörde. Was ist für Sie der Kern von Kirche?
Rekowski: Kirche sind für mich Menschen, die sich vom Geist Gottes bewegen lassen und sich dadurch in Bewegung setzen. Und die Bereitschaft dazu muss in der Institution Kirche größer werden. Da können uns die Landeskirchen im Osten als Agenten des Wandels ein Beispiel sein.

Und wo sehen Sie dabei künftig Ihren Platz?
Rekowski: Darüber habe ich noch nicht intensiv nachgedacht. Dieser Abschnitt ist erst einmal am 20. März vorbei. Und wenn ich an diesen Tag denke, stellt sich bei mir schon jetzt ein Gefühl der Erleichterung ein, dass ab dann das Pflichtprogramm entfällt. Als pensionierter Pfarrer muss ich nichts, darf aber alles. Ich habe mal vorsichtig in meiner Wuppertaler Ortsgemeinde nachgefragt und werde dort vertretungsweise Gottesdienste übernehmen. Außerdem werde ich mir überlegen, wo und wie ich mich parktisch-diakonisch einbringen kann. Wort und Tat gehörten für mich als Gemeindepfarrer immer zusammen. Das ist in den Jahren als Superintendent und Präses ein bisschen auf der Strecke geblieben.

Stichwort: Zur Person
Manfred Rekowski ist seit März 2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der 62-jährige Theologe wurde in Polen (Masuren) geboren. Als er fünf Jahre alt war, verließ seine Familie ihren Bauernhof und siedelte in die Bundesrepublik über. Rekowski hat in Bethel, Marburg, Bochum und Wuppertal Theologie studiert. 1986 wurde er Pfarrer in Wuppertal. Im März 2021 tritt Rekowski nach acht Jahren im Amt des Präses in den Ruhestand.

PRESSEMITTEILUNG Nr. 1/2021 v. 4. Janaur 2021

Änderungen zum 1.1.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat künftig 655 Kirchengemeinden.
Sieben Fusionen und eine Teilung sorgen dafür, dass aus den bislang 668 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland am 1. Januar 2021 dann 655 werden.

21 Kirchengemeinden sind an den Zusammenschlüssen beteiligt, mit denen die Presbyterien, also die örtlichen Leitungsgremien, die Weichen für die Zukunft stellen und die vorhandenen Kräfte bündeln.

Im Einzelnen gibt es folgende Fusionen:
Im Kirchenkreis Krefeld-Viersen (NRW) schließen sich Kempen, St. Hubert und Tönisberg zur Kirchengemeinde Kempen zusammen.

Im Kirchenkreis Obere Nahe (Rheinland-Pfalz) fusionieren Birkenfeld und Nohen zur Kirchengemeinde Birkenfeld.

Im Kirchenkreis Moers (NRW) wird aus Friemersheim, Christuskirchengemeinde Rheinhausen, Erlöserkirchengemeinde Rheinhausen, Friedenskirchengemeinde Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen die Emmauskirchengemeinde.

Im Kirchenkreis an Lahn und Dill (Hessen) schließen sich Dornholzhausen; Niederkleen und Oberkleen zur Kirchengemeinde Kleebachtal zusammen. Pfarramtlich verbunden wird mit der neuen Gemeinde die Kirchengemeinde Ebergöns. Der Pfarrer ist dann für beide Gemeinden zuständig. Im hessischen Kirchenkreis der rheinischen Kirche vereinigen sich zudem Krofdorf-Gleiberg, Launsbach und Wißmar zur Kirchengemeinde Wettenberg.

Im Kirchenkreis An Sieg und Rhein (NRW) wird aus St. Augustin und Hangelar die Kirchengemeinde St. Augustin und Hangelar. Im selben Kirchenkreis schließen sich überdies Birk, Honrath und Lohmar zur Emmaus-Kirchengemeinde Lohmar zusammen.

Aus einer Gemeinde werden zwei
Eine Aufteilung hingegen gibt es im Kirchenkreis Gladbach-Neuss (NRW). Aus Norf-Nievenheim werden die Kreuzkirchengemeinde Nievenheim und die Kirchengemeinde Am Norfbach.

Stichwort: Evangelische Kirche im Rheinland
Die Evangelische Kirche im Rheinland hat 37 Kirchenkreise. Sie ist die zweitgrößte Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das rheinische Kirchengebiet – weitgehend die einstige preußische Rheinprovinz – umfasst Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und des Saarlands.