Theologischer Impuls

Protestantisch leben in der Pandemie – Eine geistliche Alternative zu Querdenkerei

Theologische Impulse (89) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war.

Das ist eine harte Erfahrung aus der Corona-Zeit. Am Anfang habe ich noch oft gehört: „Wir verschieben das einfach.“ Sechs Monate nach hinten. Um ein Jahr. Auf irgendwann nach der Pandemie. Wie bei einem Film: kurz auf Pause drücken und dann – nach Corona – weiterschauen. Das Versäumte später nachholen. Doch das geht nicht. Weil das Leben keine Pausetaste hat. Es lässt sich nicht anhalten. Die Zeit ist zu lang geworden und zu viel ist geschehen.

– Für das kleine Restaurant am Markt war der Druck zu groß. Der Besitzer ist ausgebremst: von einer 60 Stunden-Woche auf null.

– Ihren Schulabschluss wird unsere Tochter nicht mehr nachfeiern. Ihren 18. hat sie noch gefeiert – corona-konform mit genau einer Freundin.

– Und viel zu viele Menschen, von denen wir Abschied nehmen mussten.

Die Erfahrungen aus den Corona-Monaten werden bleiben. Manche positive, aber vor allem Schulden, Wunden und Verletzungen.

Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war.

Das ist auch die Erfahrung, aus der die Bibel entstanden ist. Die Bücher des Alten Testaments, die Heiligen Schriften des Volkes Israel, wurden geschrieben, gesammelt nach dem tiefen Einschnitt des Exils. Auch nach der Rückkehr ins verheißene Land war es nicht wieder wie zuvor. Die Zeit dehnte sich und viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Jerusalem und der Tempel blieben lange zerstört. Die verwüsteten Orte wurden nicht auf einmal zu grünen Gärten.

Die Bücher des Neuen Testaments wurden geschrieben, gesammelt nach dem tiefen Einschnitt von Tod und Auferstehung Christi. Das Kommen Christi und sein Reich ließen auf sich warten. Die Zeit dehnte sich und viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Kommt er morgen, nächste Woche, nächstes Jahr, überhaupt einmal? Viele Glaubende starben, unter ihnen alle, die ihn noch mit eigenen Augen gesehen hatten. Die Gemeinden wuchsen, aber auch die Spaltungen nach innen und die Verfolgung von außen.

Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war.

Damals suchten Menschen Antworten, um Gott und sich selbst zu verstehen. Sie setzen sich hin und schrieben auf, woran sie glaubten. Sammelten Texte, die ihnen Halt und Hoffnung gaben. Durch die sie Gottes Geist erfuhren. Worte, die ihren Glauben durch die Zeiten trugen.

Tragfähige Worte: Was hilft uns, uns zu verstehen, da auch unser Leben, unsere Gesellschaft, unsere Kirche nicht mehr so sein werden, wie sie einmal waren? Ein Schlüsseltext dafür ist in dieser Woche vor Rogate das Vaterunser. Das Gebet Jesu Christi lehrt uns, was es heißt, im wahrsten Sinne des Wortes „protestantisch“ zu leben – mitten in der Pandemie. Eine Anrede, sieben Bitten und ein hymnischer Schluss. Mehr nicht. Kurze, knappe Sätze, die mein Denken und Handeln neu ausrichten. Druck-Punkte für meine Seele. Sie versetzen mich heraus aus sorgenvoller Starre hinein in heilsame Bewegung.

Zunächst die Anrede. „Vater unser im Himmel“ – wir glauben, dass es mehr gibt, als es gibt. Mehr als Viren, Naturgesetze. Mehr als das, was Menschen machen. Wir glauben, dass es einen Himmel gibt. Und einen Gott, der uns hört. Dass wir durch Gott mit allen Geschöpfen als Geschwister verbunden sind. Mit Menschen, Tieren, Pflanzen. Das verleiht meinem Leben Weite und Heimat: Ich bin nicht allein. Bin geborgen in Gott. Das ist die erste Bewegung: Meine Seele weitet sich, spürt den Himmel in sich. Sie kommt zur Ruhe, findet Heimat in Gott als Schöpfer allen Lebens.

Dann die Bitten. Drei Bitten mit „Dein“, vier Bitten mit „unser“. Die zweite Bewegung meiner Seele. Raus aus der Sorge um mich selbst, der selbstfixierten Nabelschau. Hin zum „Du“ und zum „Wir“. Zur Begegnung mit Gott und zur Gemeinschaft mit allen anderen.

– „Geheiligt werde dein Name“. Uns ist etwas heilig. Nicht unser eigener Ruf. Nicht der unserer Kirche. Sondern der Name Gottes. Und durch ihn der Name eines jeden Menschen. Wir heiligen Gottes Namen, indem wir den Namen jedes Menschen heiligen. Den Namen unseres Nachbarn, dessen Verhalten uns in der Pandemie ärgert. Von Politiker/innen, Lehrer/innen und überhaupt „denen da oben“, deren Job wir vermeintlich so viel besser machen könnten: Ihr Name ist uns heilig. Wir muten einander Wahrheit zu. Aber wir machen andere nicht schlecht.

– „Dein Reich komme.“ Gottes Reich erfahren wir, wo immer Menschen sich um andere kümmern. Erschöpften helfen. Traurige trösten. Mit anderen teilen. Diese Liebesreich Gottes bestimmt auch uns. Uns ist niemand egal. Weil uns in jedem anderen Christus begegnet. So geschieht Gottes Liebeswille unter uns – „im Himmel wie auf Erden.“

– „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – Während Corona erfahre ich: Mein normaler Alltag ist eine Gabe, ein Geschenk. „Mein tägliches Brot“: ein Lächeln in der Straßenbahn, die Kaffee-Runde mit den Kolleg/innen, der Besuch im Kino und Stadion, mich mit Freunden treffen. Für viele Menschen war manches davon auch vor Corona keineswegs normal. Ich lerne neu den Wert des Alltags. Bin beschenkt, wenn ich‘s oft nicht merke.

– Und ja, wir haben einander viel zu vergeben. Andere mir und ich anderen. Im Nachhinein würde man sicher vieles anders machen. Ich auch. Auch diese Pandemie verleitet dazu, nach Schuldigen zu suchen. Irgendwelchen Irrsinn zu glauben: „und führe uns nicht in Versuchung.“ Zu unserem Glauben gehört: Wir werden nicht von außen bestimmt. Weder durch Viren noch durch Schuld noch Verschwörungsphantasien. Uns bestimmt Gottes Liebe. Sie macht uns frei, mit anderen daran zu arbeiten, wie es nach der Pandemie sein wird. Wenn wir von diesem „Bösen“ erlöst sind.

Am Ende des Vaterunsers dann der hymnische Schluss. Viele schwere Begriffe auf wenig Raum: Reich, Kraft, Herrlichkeit, Ewigkeit. Damit kann ich, ehrlich gesagt, oft ziemlich wenig anfangen. Ich bin nicht so der hymnische Typ. In den letzten Monaten sind sie mir aber anders wichtig geworden. Sie beschreiben eine dritte Bewegung meiner Seele. Meine Seele öffnet sich für Gottes Wirklichkeit: Sie geht aus sich heraus, verlässt sich auf Gott, rechnet mit seinem Wirken. Oder kurz gesagt: Sie hofft. Darum geht es im Hymnus: um Hoffnung. Ich lobe Gott und mache mir selbst bewusst: Es wird am Ende gut werden. Weil Gott regiert. Weil Gott die Kraft hat, zu retten. Das ist seine Form der Herrlichkeit: für andere da zu sein. Immerdar.

Protestantisch leben – mitten in der Pandemie. Das ist ziemlich exakt das Gegenteil von Querdenkerei. Es geht um Trost und Trotz des Glaubens. Eine tiefe, innere Widerständigkeit aus Gott.

Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Das ist die eine Seite der Wahrheit. Die andere ist: „Gottes Reich kommt.“ Deswegen: Seid trotzig und getrost. Seid füreinander da. Und lasst uns so aus Gottes Liebe leben. Das schenke uns Gott.

 


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Protestantisch leben

Präses Latzel predigt Hoffnung: „Seid trotzig und getrost. Seid füreinander da“.
Heute Predigt zur Eröffnung der EKD-Synode in Hannover
„Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war.“ In seiner Predigt zur Eröffnung der EKD-Synode hat Präses Dr Thorsten Latzel die überwiegend schmerzhaften Erfahrungen während der Corona-Pandemie in Beziehung gesetzt zu den Zweifeln und der Verzweiflung, die prägend waren für die Entstehung vieler biblischer Texte. Die Sätze des Vaterunsers zählen für den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland dabei zu den tragfähigen Worten, die Halt und Hoffnung geben können: „Sie versetzen mich heraus aus sorgenvoller Starre hinein in heilsame Bewegung.“

„Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Das ist auch die Erfahrung, aus der die Bibel entstanden ist. Die Bücher des Alten Testaments, die Heiligen Schriften des Volkes Israel, wurden geschrieben, gesammelt nach dem tiefen Einschnitt des Exils. Auch nach der Rückkehr ins verheißene Land war es nicht wieder wie zuvor. Die Zeit dehnte sich und viele Erwartungen erfüllten sich nicht“, sagte der oberste Repräsentant der rheinischen Kirche am Abend (vgl. Sperrfrist!) in Hannover im Gottesdienst, mit dem die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eröffnet wurde. Die Bücher des Neuen Testaments seien geschrieben und gesammelt worden nach dem tiefen Einschnitt von Tod und Auferstehung Christi. „Das Kommen Christi und sein Reich ließen auf sich warten. Die Zeit dehnte sich und viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Kommt er morgen, nächste Woche, nächstes Jahr, überhaupt einmal?“

Präses Latzel: Biblische Texte als Halt und Hoffnung
Damals hätten Menschen Antworten gesucht, um Gott und sich selbst zu verstehen, so Thorsten Latzel. „Sie setzten sich hin und schrieben auf, woran sie glaubten. Sammelten Texte, die ihnen Halt und Hoffnung gaben. Durch die sie Gottes Geist erfuhren. Worte, die ihren Glauben durch die Zeiten trugen. Tragfähige Worte: Was hilft uns, uns zu verstehen, da auch unser Leben, unsere Gesellschaft, unsere Kirche nicht mehr so sein werden, wie sie einmal waren?“ Hier sei das Vaterunser für ihn ein Schlüsseltext: „Das Gebet Jesu Christi lehrt uns, was es heißt, im wahrsten Sinne des Wortes ,protestantisch‘ zu leben – mitten in der Pandemie. Eine Anrede, sieben Bitten und ein hymnischer Schluss. Mehr nicht. Kurze, knappe Sätze, die mein Denken und Handeln neu ausrichten. Druck-Punkte für meine Seele.“

Raus aus der Sorge um mich selbst
Das Vaterunser unterstreiche, dass „wir glauben, dass es mehr gibt, als es gibt. Mehr als Viren, Naturgesetze. Mehr als das, was Menschen machen. Wir glauben, dass es einen Himmel gibt. Und einen Gott, der uns hört.“ Die sieben Bitten des Vaterunsers führten heraus: „Raus aus der Sorge um mich selbst, der selbstfixierten Nabelschau. Hin zum ,Du‘ – und zum ,Wir‘. Zur Begegnung mit Gott und zur Gemeinschaft mit allen anderen.“ Und schließlich verbreite das Vaterunser mit seinem Gotteslob am Ende Hoffnung: „Darum geht es: um Hoffnung. Ich lobe Gott und mache mir selbst bewusst: Es wird am Ende gut werden. Weil Gott regiert. Weil Gott die Kraft hat zu retten.“

Protestantisch leben ist das Gegenteil von Querdenkerei
„Protestantisch leben – mitten in der Pandemie. Das ist ziemlich exakt das Gegenteil von Querdenkerei“, machte der 50-jährige Theologe deutlich, der seit 20. März an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland steht: „Es geht um Trost und Trotz des Glaubens. Eine tiefe innere Widerständigkeit aus Gott. Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Das ist die eine Seite der Wahrheit. Die andere ist: ,Gottes Reich kommt.‘ Deswegen: Seid trotzig und getrost. Seid füreinander da. Und lasst uns so aus Gottes Liebe leben. Das schenke uns Gott.“

Zur Person: Präses Dr. Thorsten Latzel
Thorsten Latzel (50) ist seit 20. März Präses. Seit 2013 war er Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Im EKD-Kirchenamt war er für Studien- und Planungsfragen und das Projektbüro Reformprozess zuständig (2005 bis 2012). Zuvor arbeitete Latzel als Pfarrer in Erlensee-Langendiebach. Aufgewachsen in Bad Laasphe, studierte er Theologie in Marburg und Heidelberg. Im Blog glauben-denken.de veröffentlicht er wöchentlich theologische Impulse. Dr. Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Auftakt z. Konzertreihe

Rheinische Kirche veranstaltet Konzertreihe zum jüdischen Festjahr.
Livestream am 8. Mai ist Auftakt für 17 Veranstaltungen.
Die Evangelische Kirche im Rheinland startet in Kooperation mit sieben Kirchenkreisen eine Konzertreihe zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Zwischen dem 8. Mai und dem 21. November 2021 sehen die „Begegnungen mit Musik aus jüdischer und christlicher Tradition“ insgesamt 17 Veranstaltungen vor.

Den Auftakt bildet am kommenden Samstag, 8. Mai, „Musik für Rose Ausländer“. Der Kammermusikabend mit Solisten der Camerata Kaiserswerth unter Leitung von Kirchenmusikerin Susanne Hiekel beginnt um 18 Uhr und wird als Livestream (praktisch-glaube.de) aus der Mutterhauskirche der Diakonie Kaiserswerth am Zeppenheimer Weg in Düsseldorf übertragen. Zu hören sind Werke von Oskar Gottlieb Blarr und Camille van Lunen.

Open-Air-Konzert in der Burgruine Kaiserswerth
Es folgen der Gottesdienst zum 75. Jahrestag der Gründung der Synagogengemeinde Saar am 6. Juni (ebenfalls als Livestream) und ein Open-Air-Konzert mit „Musik vom Mittelalter bis zur Moderne aus jüdischer, christlicher und islamischer Tradition“ am 12. Juni in der Burgruine Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserswerth. Unter dem Titel „Gemeinsam Halleluja“ gestalten die Chöre der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel und der Wuppertaler Synagoge sowie das Vokalensemble „Geistreich“ am 24. Juni ein Konzert in der Kirchlichen Hochschule auf dem heiligen Berg in Wuppertal. Noch vor der Sommerpause bietet die Jüdisch-Christliche Gesellschaft Koblenz am 11. Juli auf dem Koblenzer Florinsmarkt zum Motto „Hava nagila – Lasst uns glücklich sein!“ jüdisch und christlich geprägte Musik.

Flyer mit allen Terminen zum Download im Internet verfügbar
Im September geht es mit gleich fünf Veranstaltungen in Koblenz, zweimal Wuppertal, Saarbrücken und Essen weiter. Zwei Oktober- und fünf Novembertermine runden die Konzertreihe ab. Den Schlusspunkt bilden zwei Konzerte im Rahmen des Kultur-Forums am 21. November in der Bethlehemkirche Meerbusch. Einen Überblick über alle Termine bietet der Flyer zur Konzertreihe, der im Internet zum Download bereitsteht.

Bundesweit rund 1500 Veranstaltungen im Festjahr
An dem kulturellen Angebot der rheinischen Kirche sind die Kirchenkreise Düsseldorf, Essen, Koblenz, Krefeld, Oberhausen, Saar-West und Wuppertal beteiligt. Insgesamt bietet das Jubiläumsjahr bundesweit rund 1500 Veranstaltungen. Die Eröffnung in der Kölner Synagoge erfolgte am 21. Februar. In seiner Rede sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier damals: „In diesem Festjahr gibt es so unendlich viel zu entdecken und wiederzuentdecken. Ob in der Philosophie, in der Literatur, Malerei und Musik, in der Wissenschaft, der Medizin, in der Wirtschaft, Juden haben unsere Geschichte mitgeschrieben und -geprägt und unsere Kultur leuchten lassen.“

Stichwort: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland
Die Juden in Köln dürften kaum begeistert gewesen sein: Im Jahr 321 verfügte der römische Kaiser Konstantin, dass sie fortan von städtischen Verwaltungsämtern nicht mehr befreit sein sollten. Mit diesen Ämtern war die Pflicht verbunden, dem Kaiser als Gott zu opfern – für fromme Juden ein verbotener Götzendienst. Aus heutiger Sicht gilt die Urkunde als erster Nachweis für jüdisches Leben nördlich der Alpen und ist Anlass für das Themenjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.


Pressemitteilung Nr. 70/2021 v. 4. Mai

Theologischer Impuls

„… weil auch Du ein Fremdling warst.“ An alle, die Angst vor „Flüchtlingen“ haben.

Theologische Impulse (88) von Dr. Thorsten Latzel, Präses.

Gleich am ersten Tag, nachdem ich zum Präses gewählt worden bin, erreichte mich eine Mail zum Thema „Flüchtlinge“. Eine ältere Frau teilte mir darin ihr tiefes Unverständnis mit, wie die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland sich dafür einsetzen könne, weitere Flüchtlinge aus den Lagern in Bosnien-Herzegowina und von Lesbos aufzunehmen.

„Seit ich denken kann, nimmt Deutschland Flüchtlinge auf – als ich Kind war, musste in der Familienwohnung ein Zimmer geräumt werden, für Flüchtlinge – so hat es sich über 70 Jahre fortgesetzt -… es reicht! Meine Sorge gilt meinen Kindern und Enkelkindern, die all das bitterst aushalten und auch noch bezahlen müssen – und dann irgendwann nicht mehr dazugehören und in der Minderzahl sind.“

So wie dieser besorgten Frau möchte ich gerne allen antworten, die sich vor Fremden und „Flüchtlingen“ fürchten.

Sehen Sie, ich bin ein Kind von Eltern, die beide vertrieben wurden, fliehen mussten. Meine Mutter als siebenjähriges Mädchen aus Danzig, mein Vater als Säugling auf dem Arm meiner Großmutter aus Schlesien. Ich bin sehr froh darüber, dass Menschen damals meine Mutter und meinen Vater als kleine Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg bei sich aufgenommen haben. Sonst gäbe es mich heute nicht. Es war eine Zeit, in der es viel weniger gab als heute. Die große Sorge damals, dass Katholiken und Protestanten nicht miteinander leben könnten (es gab getrennte Schulhöfe), hat sich als unbegründet erwiesen. Ich bin ein Kind aus solch einer konfessionsverschiedenen Ehe.

Auch die „Überfremdung“ Deutschlands durch die sogenannten „Gastarbeiter“ in den Jahren danach hat sich nicht eingestellt. Im Gegenteil: Ohne die starke Einwanderung, die damals niemand so nannte, hätte es nie ein solches Wirtschaftswachstum in Deutschland gegeben. Deutschland wäre nicht Deutschland ohne die Menschen aus Italien, Spanien, Griechenland, Polen, der Türkei, dem früheren Jugoslawien. Nicht ohne ihre Arbeit, nicht ohne ihre Kultur, nicht ohne ihre Religion. „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“ (Max Frisch) Mit Yusuf habe ich in der Grundschule von Bad Laasphe Fußball gespielt, mit Kadir unsere gleichaltrigen Töchter auf dem Spielplatz in Hannover geschaukelt. „Überfremdet“ habe ich mich nie gefühlt.

Flucht und Fremdheit sind für mich sehr persönliche Themen. Ohne sie könnte ich die Geschichte meiner Familie, mich selbst nicht verstehen. Die Epigenetik erforscht, wie solche Erfahrungen an die nächsten Generationen vererbt werden. Sprichwörtlich in den Knochen stecken. Fragen Sie einmal meine Frau, wie es ist, wenn wir gemeinsam wandern.

Und der Schutz von „Flüchtlingen“ und Fremden gehört für mich fundamental zum christlichen Glauben. Er durchzieht die ganze Bibel: vom Auszug der unterdrückten Israeliten aus Ägypten über die 10 Gebote („Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst“, 5. Mose 5,15) bis zu Jesus, dessen Eltern nach seiner Geburt mit ihm vor Herodes außer Landes fliehen (Mt 2,13ff.). Und der später den Umgang mit Fremden zu einem Maßstab des Weltgerichts gemacht hat: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. […] Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,35.40)

Wenn Leute versuchen, das, was sie für das „christliche Abendland“ halten, vor Fremden zu retten, scheinen sie hier irgendwas nicht verstanden zu haben.

Das heißt nicht, dass Deutschland nun „alle aufnimmt“. Schon deshalb nicht, weil die meisten Menschen überhaupt nicht aus ihrer Heimat wegwollen, wenn sie nicht müssen. Und selbst wenn Menschen fliehen müssen, bleiben die allermeisten in Nachbarländern.

Das hat auch nichts mit „Gutmenschentum“ zu tun. Nein, „Flüchtlinge“ sind weder bessere noch schlechtere Menschen als Sie und ich. Es sind einfach Menschen auf der Flucht. Oft Familien mit Kindern. Oft junge Männer, weil sie am ehesten eine Chance haben, für die anderen „durchzukommen“. Menschen zum Teil mit tief traumatischen Erfahrungen. Viele mit großer Energie, Hoffnung, Tatkraft.

Es hilft sehr, wenn wir mit dem abstrakten, sorgenvollen Reden über „die Flüchtlinge“ aufhören – und stattdessen mit den konkreten Menschen reden, die es auf ihrer Flucht zu uns geführt hat. Mit Menschen wie Ahmad Dakhnous, den ich letztes Jahr kennenlernen durfte. Ahmad ist als Palästinenser aus Damaskus nach Deutschland geflohen und studiert hier Politik. Es gibt wenige Menschen, die ich jemals so von Demokratie habe schwärmen hören wie ihn. Gemeinsam mit Mitstudent/innen hat Ahmad ein Projekt gestartet, um Integrationskurse weiterzuentwickeln. Weg von Multiple-choice-Fragen hin zur Begegnung mit „Menschen von hier“ – gleich welcher Kultur, Religion oder sexuellen Orientierung. Manchmal verstehen „Fremde“ besser, was unser Land wirklich auszeichnet:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […] Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3 GG)

Ich nehme das Thema „Flüchtlinge“ auch deshalb persönlich, weil ich nicht möchte, dass meine Kinder und Enkel einmal in einer lieblosen Gesellschaft leben müssen, wo christliche Werte wie Nächstenliebe oder Barmherzigkeit nichts mehr gelten. In einem Land, in dem man es hinnimmt, dass Menschen ertrinken, nur, weil sie nicht „von hier“ sind. In einem Europa, in dem zu uns Geflüchtete unter menschenunwürdigen Umständen leben – wie etwa in den Lagern in Bosnien oder auf den griechischen Inseln. Auch meine Kinder wollen das nicht und sehen sich überhaupt nicht gefährdet. Im Gegenteil: Sie und ich haben an verschiedenen Orten erlebt, wie gerade Menschen mit Fluchterfahrungen sich einbringen und mitarbeiten, um ihre neue Heimat zu schützen, die sie schützt.

Insofern bin ich überzeugt, dass Sie keine Sorge um Ihre Kinder oder Enkel haben müssen. Allenfalls davor, wenn man einen Keil in unsere Gesellschaft treibt, wenn man Menschen nach ihrer Abstammung anstatt nach ihrer Person beurteilt und so unsere offene, demokratische Gesellschaft gefährdet. Davor behüte uns Gott!

„Fremde“ und „Heimat“

„Fremde“ ist der Ort,
an dem man angewiesen ist
auf die Hilfe, Zuwendung, Barmherzigkeit
von Menschen, die man nicht kennt.
„Heimat“ ist der Ort,
an dem man sie erfährt. (TL)


Weitere Texte: www.glauben-denken.de

Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher/

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Telefonseelsorge

Vermehrt Angstzustände, Depressionen und Suizidgedanken.
Telefonseelsorge der rheinischen Kirche stark nachgefragt

Im Jahr 2020 haben deutlich mehr Menschen die Telefonseelsorge kontaktiert als im Jahr zuvor. Dabei hat die Corona-Pandemie die Sorgen und Ängste verstärkt. Pfarrer Volker Bier, evangelischer Leiter der Telefonseelsorge Saar, spricht gar von einer „gesellschaftlichen Grunderkrankung Einsamkeit“. Und: Vor allem junge Menschen äußern Suizidgedanken.

Die Zahlen für die 20 Telefonseelsorge-Standorte auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland für das Jahr 2020 lassen aufhorchen: Ein Plus von 35 Prozent auf 6426 Chat-Gespräche im Vergleich zu 2019, zudem ein starker Anstieg bei der E-Mail-Seelsorge (+28 Prozent auf 10.402). Hinzu kommen 1207 Vor-Ort-Gespräche (2019: 786) und 227.328 Anrufe (2019: 229.318). Das geht aus der nun veröffentlichten Statistik für 2020 hervor. „Vor allem während der Lockdowns waren die Seelsorge-Telefone stark frequentiert“, weiß Pfarrer Volker Bier, evangelischer Leiter der Telefonseelsorge Saar.

Einsatzbereitschaft der Mitarbeitenden ermöglicht Gespräche-Plus
Dass so viele Menschen die Telefonseelsorge kontaktieren konnten, liegt vor allem an der Einsatzbereitschaft der Mitarbeitenden während der Corona-Pandemie. „An vielen Stellen haben wir die Besetzung verdoppelt und Dienstzeiten ausgeweitet, so dass wir mehr Telefonanrufe, Mails oder Chat-Nachrichten beantworten konnten“, berichtet Bier über die Lage der Telefonseelsorge in der gesamten rheinischen Kirche. Zudem hätten weniger Anrufende geschwiegen oder schnell wieder aufgelegt. „Somit stieg auch der Anteil der Anrufe, bei denen es tatsächlich zum Gespräch kam.“

„Bei uns melden sich die Ärmsten der Armen“
Die Zahl der Erstgespräche per Telefon ist laut Statistik um 2,5 Prozent gestiegen. „Insgesamt haben im vergangenen Jahr also mehr als 5600 Menschen auf dem Gebiet der rheinischen Kirche zum ersten Mal angerufen“, sagt Bier. Mehr als 60 Prozent aller Anrufenden würden schließlich mehrmals zum Hörer greifen. Und: Im Durchschnitt klingele an jeder Telefonseelsorge-Stelle täglich 31 Mal das Telefon. All das verdeutliche den gesellschaftlichen Stellenwert der Telefonseelsorge, der sich nicht betriebswirtschaftlich bemessen lasse. „Bei uns melden sich die Ärmsten der Armen, und zwar nicht in finanzieller Hinsicht.“ Vielmehr würden sie von der Gesellschaft übersehen und nicht gehört. „Für diese Menschen ohne Stimme sind wir ein wichtiger anonymer Ansprechpartner.“

Themen und Klientel abhängig vom Medium
Die vorgebrachten Themen (Mehrfachnennungen sind möglich) und die Klientel sind laut Bier abhängig vom Medium. Im Bereich Mail-Seelsorge zeigt die Statistik für 2020 etwa beim Thema Depression einen Anstieg um rund 7,5 Prozentpunkte. In den Vor-Ort-Gesprächen hat das Thema Suizidalität gar um 20,3 Prozentpunkte zugenommen. „Am Telefon, über das uns überwiegend 40- bis 60-Jährige kontaktieren, darunter viele Frauen, ist eine Zunahme bei Ängsten um 2,5 Prozentpunkte zu verzeichnen“, erläutert Bier.

Corona-Pandemie rückt erst im zweiten Lockdown in Fokus
Zudem habe es im Laufe des Jahres eine große Veränderung hinsichtlich Corona gegeben. Denn die Pandemie ist laut Bier erst im Laufe des zweiten Lockdowns in den Vordergrund getreten. „Zuvor diente Corona eher als Einstieg für tieferliegende Themen wie Einsamkeit oder Isolation.“ Mittlerweile gehe es im Schnitt bei jedem zehnten Anruf um Corona selbst. Gleichzeitig seien die Probleme, die Corona direkt auslöse und verursache – also nicht nur verstärke – gestiegen. „Einsamkeit ist aber das beherrschende Thema am Telefon, eine Art ,Grunderkrankung‘ unserer Gesellschaft“, betont Bier. Diese beschäftige während der Pandemie zunehmend auch die jüngeren Menschen.

14- bis 29-Jährige äußern häufig Suizidgedanken
Die 14- bis 29-Jährigen nutzen zur Kontaktaufnahme vor allem den Chat. „Neben Angst, Gewalt und Selbstverletzung ist Suizidalität in dieser Gruppe mit knapp 40 Prozent das mit Abstand wichtigste Thema“, weiß Bier. Ähnliches gelte für die Mailkontakte. Hier sei Suizidalität in 30 Prozent der Kontaktaufnahmen der meist nur wenig älteren Menschen ein Thema. Zudem liege bei rund 40 Prozent der Kontaktsuchenden im Chat eine diagnostizierte psychische Erkrankung vor – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2019. „Ein irritierender und erschreckender Einblick in die Lebenswelt von jungen Menschen heute“, sagt Bier.

20 Telefonseelsorge-Stellen ausgewertet
Für die Statistik wurden die Daten der 20 Telefonseelsorge-Stellen erfasst, die auf dem Gebiet der rheinischen Kirche liegen: Wesel, Oberhausen, Mülheim-Duisburg, Essen, Düsseldorf, Wuppertal, Neuss, Solingen, Krefeld, zwei Mal Köln, Düren, Bonn, Oberberg, Aachen, Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie Trier, Bad Kreuznach, Saarbrücken und Koblenz. Dort arbeiten 1408 Ehrenamtliche, darunter 1067 Frauen. Im Bereich Mail-Seelsorge sind 148 Mitarbeitende tätig, im Bereich Chat 63. Begleitet werden sie von 40 hauptamtlich Mitarbeitenden. 16 der 20 Standorte sind der rheinischen Kirche hauptamtlich verbunden, hinzu kommen zwei rein katholisch sowie zwei ehrenamtlich betreute Stellen.

Stichwort: Die Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge ist ein Netzwerk mit mehr als 100 regionalen Stellen in ganz Deutschland. Menschen in seelischen Notsituationen können sich anonym und kostenfrei 24 Stunden am Tag unter den Telefonnummern 0800 1110-111 oder -222, online per Chat oder E-Mail sowie persönlich vor Ort an die Mitarbeitenden wenden. Organisiert wird das Ganze von der Evangelischen sowie Katholischen Kirche in Deutschland. Die rheinische Kirche ist an 16 Orten hauptamtlich beteiligt.

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Einsamkeit und Zukunftsängste: Auch junge Menschen suchen Seelsorge.
Die Corona-Pandemie sorgt mehr Nachfrage etwa an Schulen
„Die Herausforderungen für die Seelsorge unter Pandemiebedingungen sind groß, aber sie hat neue Formen gefunden und Wege, gute Angebote zu machen.“ Dieses erste Fazit zog Kirchenrat Jürgen Sohn, Leitender Dezernent für Seelsorge im Landeskirchenamt, bei einem Pressegespräch der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Thema „Corona und Seelsorge“. Im Fokus standen dabei vor allem die Pandemiefolgen für die jungen Menschen.

So hätten sich beispielsweise die Anfragen bei der Schulseelsorge explosionsartig um etwa ein Drittel erhöht, berichtete die zuständige Landespfarrerin Sabine Lindemeyer. Die rund hundert zu Schulseelsorgerinnen und -seelsorgern fortgebildeten Religionslehrkräfte und etwa 310 Pfarrerinnen und -pfarrer an den staatlichen Schulen haben kreative Wege gefunden, dieser gestiegenen Nachfrage auch unter Coronabedingungen nachzukommen: vom „Walk to talk“-Spaziergang und Seelsorge-Gesprächen mit Abstand auf der Bank über den Austausch per digitaler Plattform der jeweiligen Schule bis hin zu Podcasts und Videos. Sogar ein Seelsorgehund befindet sich derzeit in der Ausbildung und wird dann an einer Realschule zum Einsatz kommen.

Digitale Seelsorgeformate erreichen auch schüchterne Schüler
Ein möglicher digitaler Weg, Erfahrungen von Tod und Sterben unter den jungen Menschen seelsorglich zu begegnen, ist die Einrichtung eines Online-Kondolenzbuchs in Kombination mit dem Anbieten von Gesprächsräumen. „Beziehung ist das Hauptwort der Schulseelsorge“, sagte Lindemeyer. Die neuen digitalen Formen hätten dabei auch schüchterneren Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Seelsorge ermöglicht, die eine direkte Begegnung eher scheuten. Erschrocken zeigte sich die Landespfarrerin von der wachsenden Bedeutung des Suizid-Themas während der Pandemie. Einsamkeit und fehlender Kontakt zur eigenen Altersgruppe führten zu psychischen Schwierigkeiten, die durch die Schulseelsorge aufgefangen werden müssten. Lindemeyer rechnet daher für die Zeit nach der Pandemie mit einer weiteren großen Welle an Anfragen. Ab dem 1. Oktober soll ein schulübergreifendes Chatangebot an den Start gehen, um auch Schulen ohne eigene Seelsorgekräfte zu unterstützen. Lehrkräfte, die sich für die Seelsorgefortbildung interessieren, können am 28. August an einer Orientierungsveranstaltung teilnehmen.

Studierende haben Schwierigkeiten bei der Identitätsfindung
Die fehlende Abnabelung vom Elternhaus beobachtet Pfarrerin Christiane Neufang (Evangelische Studierendengemeinde Köln) unter den Studierenden mit Sorge. Viele zögen vom Wohnheim wieder zurück ins Elternhaus, um der Einsamkeit zu entkommen. „Es fehlt auch die Identitätsfindung. Wie fühlt es sich an, Student oder Studentin zu sein, wenn ich gar nicht erlebe, mich in der Mensa zu verabreden?“ Gerade unter Erstsemestern seien daher vermehrt Studienabbrüche zu erleben. „Die Studierenden lechzen und sehnen sich nach analogen Begegnungen.“ Zum Glück biete das Kölner Studierenden-Wohnheim genug Platz, um auch analoge Gesprächsangebote zu machen.

Offen für Menschen unabhängig von Religion und Herkunft
Gemeinsam ist Schülerinnen, Schülern und Studierenden eine verbreitete Sorge um die Zukunft. Aber es gibt auch Mut machende Beispiele für gegenseitige Solidarität: So wurden an Corona erkrankte Bewohner des Kölner Wohnheims während Erkrankung und Quarantäne von der gesamten Etage versorgt. „Und wir haben begleitend die Psychohygiene übernommen“, erzählte Neufang. Für alle Seelsorgebereiche gilt: Sie sind offen für Menschen unabhängig von ihrer Konfession, Religion und Herkunft. Und sie arbeiten darauf hin, dass am Ende des Seelsorgegesprächs der Satz steht: „Dich hat der Himmel geschickt.“ Denn kirchliche Seelsorge, so Jürgen Sohn, müsse gerade vor dem Hintergrund der Missbrauchs-Skandale Vertrauen zurückgewinnen. Das werde nur durch eine dienende Haltung erreicht, bei der Menschen Unterstützung und Begleitung ohne das Verfolgen eigener Interessen erfahren.

Hinweis an die Redaktionen: Einen deutlichen coronabedingten Anstieg der Nachfrage belegt auch ein Blick auf die Zahlen der Telefonseelsorge.

Stichwort: Seelsorge
Seelsorge ist eine zentrale Aufgabe der Kirche. Sie wird von allen Pfarrerinnen und Pfarrern sowie von dafür ausgebildeten und beauftragten ehrenamtlich Mitarbeitenden angeboten. Seelsorgerinnen und Seelsorger arbeiten absolut vertraulich und unterliegen einer besonderen Pflicht zur Verschwiegenheit. Die Seelsorge-Ausbildung ehrenamtlich Mitarbeitender in beinahe allen Seelsorgefeldern ist in den vergangenen Jahren zunehmend professionalisiert worden.


Seelsorge in unserer Gemeinde:
#seelsorgeistda

Video-Gottesdienste

Unsere Gemeinde wird b.a.w. sowohl digital als auch im Präsenzgottesdienst für Sie da sein.

Aus den Bezirken Rösrath und Forsbach-Kleineichen werden Videogottesdienste im Wechsel für Sie aufgezeichnet.
Aus der Volberger Kirche gibt es seit 28. März, 11 Uhr wieder Gottesdienste, die Sie gleichzeitig auch im Live-Stream mitfeiern können.
Bitte melden Sie sich im Gemeindebüro oder mit unserem Kontaktformular an. Sie können sich und vier weitere Personen online zu den Volberger Gottesdiensten anmelden.

  • 02.Mai Video-Gottesdienst aus der Christuskirche Forsbach
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  • 02.Mai, 11:00 Uhr Gottesdienst in der Volberger Kirche
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  • 09.Mai Video-Gottesdienst aus der Versöhnungskirche Rösrath
  • 09.Mai, 11:00 Uhr Gottesdienst in der Volberger Kirche, mit kölschen Liedern mit Monika Kampmann und Ingrid Ittel-Fernau
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Beitragsfoto:
Sandra Schildwächter, Gemeindebrief

Erdbeben Indonesien

Soforthilfe für Partnerkirche nach Erdbeben in Indonesien

Deutsche Kirchen helfen den Opfern mit 15.000 Euro

Wuppertal (29. April 2021). Mit einer Soforthilfe in Höhe von 15.000 Euro unterstützen die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche von Westfalen und die Vereinte Evangelische Mission (VEM) die Christliche Kirche von Ost-Java (GKJW) in Indonesien bei der Bewältigung der Folgen des Erdbebens am 10. April 2021. Es erreichte eine Stärke von 6,1 auf der Richterskala und wirkte sich insbesondere auf die achtgrößte Insel-Stadt Malang aus.

Mindestens acht Menschen wurden infolge des Erdbebens und mehrerer Nachbeben am 11. April 2021 getötet, dutzende Menschen wurden verletzt. 1300 Gebäude wurden durch die starken Erschütterungen zerstört, darunter zwölf Kirchengebäude und drei Gemeindezentren der GKJW-Kirche. Insgesamt sind 21 Gemeinden in zwei Kirchenkreisen betroffen.

Die Kirche vor Ort leistet Soforthilfe für Erdbebenopfer
Die GKJW-Kirche leistet Soforthilfe, indem sie die Opfer mit Mahlzeiten versorgt, Freiwillige für Aufräumarbeiten organisiert und weitere logistische Aufgaben wie die Verteilung von Lebensmitteln und Zelten übernimmt. Ein kirchliches Notfall-Seelsorgeteam hilft vor Ort bei der Traumabewältigung. Die im mehrheitlich muslimischen Java ansässige Mitgliedskirche der VEM kümmert sich um die betroffenen Menschen, unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Die GKJW bittet die Partnerkirchen um schnelle finanzielle Unterstützung, um ihre diakonische Not- und Wiederaufbauhilfe für die Opfer des Erdbebens in Südost-Java fortsetzen zu können.

Spendenkonto
Spenden an: Vereinte Evangelische Mission, KD-Bank eG, IBAN DE 45 3506 0190 0009 0909 08, Stichwort: Nothilfe für Ost-Java.

Stichwort: VEM
Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) ist eine internationale Mission, hervorgegangen aus der Arbeit der Rheinischen Mission, der Bethel-Mission und der Zaire-Mission. Zu den aktuell 39 protestantischen Mitgliedern gehören Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland und die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Sie arbeiten in gleichberechtigter Weise zusammen. Sitz der VEM ist Wuppertal.

Theologischer Impuls

„Die Kuchen meines Lebens“ – Von Glaube, Liebe und der Kunst zu backen

Theologische Impulse (87) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

Kuchen spielten in meinem Leben eine wichtige Rolle. Verschiedene Zeiten hatten ihr je eigenes Gebäck. Und ich verbinde die Erinnerung an bestimmte Menschen mit ihren Backwerken.

Als Kind und Jugendlicher liebte ich leidenschaftlich den Stachelbeerboden meiner Mutter. Es musste der Mürbeteig nach ihrem besonderen Rezept sein und die haarigen Beeren aus unserem Garten. Den Kuchen habe ich als „Gesamtkunstwerk“ angesehen und entsprechend verzehrt. Aufteilen hielt nur auf. Bei großen Feiern gab es dann Schwarzwälder-Kirschtorte. Das waren eher nicht-entschärfte Kalorienbomben aus der Nachkriegszeit. Ein kulinarisches Echo aus den Jahren, in denen meine Großeltern und ihre Kinder als Vertriebene nicht viel hatten. Eine solche Torte reichte, um einen Trupp Waldarbeiter durch einen kalten Wintertag zu bringen. Später lernte ich dann mit meiner Frau auch die Donauwelle meiner Schwiegermutter kennen. Glasur, Kirschen, Schoko, Creme, Teig – exakt arrangiert und blechweise produziert für das halbe Dorf. Ihre Donauwellen waren wie auch ihre Christstollen Statements handwerklicher Kunstfertigkeit. Eine Form von sozialem Beziehungskapital in dem kleinen mittelhessischen Dorf. Kulinarische Kryptowährung: Ich backe, damit du backst. Meine Mutter und meine Schwiegermutter haben die Latte der Kuchenkunst für mich ordentlich hochgelegt. Heute backen beide nicht mehr.

Es brauchte Zeit, bis meine Frau und ich aus dem Schatten dieser Backwerke getreten sind. Wir hatten im Studium einen ebenso charakterstarken wie windschiefen alten Backofen. Entsprechend sahen auch unsere ersten Gugelhupf-Produkte aus. Theologisch betrachtet, waren sie die Kuchen gewordene Gestalt der Rechtfertigung „allein aus Gnade“. Sie schmeckten gar nicht schlecht und waren für Bergfeste mit entsprechender Hanglage auch bestens geeignet. Das „Scheppe“ wurde später zum Markenzeichen, auch als wir längst einen richtigen Herd besaßen. Für unsere Kinder muss jeder Geburtstags-Gugelhupf irgendeine ästhetische Macke haben, sonst stimmt etwas nicht. Die Rezepte und Werke meiner Frau haben sich seitdem erheblich weiterentwickelt, sehr zu empfehlen vor allem ihr Käsekuchen und die Nussecken. Meine eigenen Backkünste haben dagegen den Charme der ersten Tage bewahrt.

Kuchen. Das ist eine kulinarische Kommunikation von Wertschätzung und Liebe. Kultivierter Genuss. In der Bibel spielt Kuchen nur am Rande eine Rolle. Bei dem Besuch Gottes in dreifacher Gestalt im Hain Mamre etwa fordert Abraham Sara – auch hier ist es wieder die Frau – auf: „Eile, knete Teig und backe Kuchen.“ (1. Mose 18,6) Man gibt sowohl dem Gast als auch Gott vom Feinsten, was man hat. Bei den Propheten wird es entsprechend kritisiert, wenn die Israeliten fremden Göttern wie der „Himmelskönigin“ Kuchen backen (Jer 7,18). Und sie bezeichnen das in die Irre gehende Volk selbst als einen missglückten Kuchen, „den niemand umwendet“ (Hos 7,8). Eine interessante Perspektive am Rande der biblischen Texte: Was sagt es über mich und mein Leben aus, für wen und für was ich den Ofen anwerfe? Was ist mir so wichtig, dass ich dafür eile, knete und backe?

Kuchen. Ich spüre ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, dass ich – anders als leider viele Menschen weltweit und auch hier in Deutschland – mir um „Brot“ niemals habe Sorgen machen müssen. Im Alltag droht das manchmal verloren zu gehen, das Bewusstsein dafür, ob ich mich gerade um „Kuchen“ oder „Brot“ kümmere. Es ist ein wirklicher Segen, in einem Land zu leben, in dem trotz der aktuellen Pandemie und mancher sozialer Probleme seit mehr als 75 Jahren Frieden und kein Hunger herrschen. Ein Umstand, der eben die Frage aufwirft, für wen ich mein Leben, meine Zeit, meine Freiräume einsetzen möchte. Um eben nicht selbst zu einer „Coach-Potato“ zu werden, zu einem „Kuchen, den niemand umwendet“.

Zugleich glaube ich, dass „Kuchen“ und alles, wofür sie stehen, auch zu dem gehören, worum wir im Vaterunser beten, wenn wir sprechen: „unser tägliches Brot gib uns heute“. Martin Luther drückt das im Kleinen Katechismus so aus: „Was heißt denn ‚tägliches Brot‘? Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“ Zu dem, was wir elementar brauchen, gehört eben mehr als nur „Überlebensmittel“. „Kuchen“, auch wenn sie in Martin Luthers Aufzählung nicht vorkommen, stehen für den Bereich der Kultur und Kunst, für Schönes, Lebensfreude und Sinnlichkeit, für Tanz und Spiel, für die feinen, kleinen Dinge, an denen ich mich oft freue, weil in ihnen so viel Liebe steckt. So richtig es ist, Brot und Kuchen zu unterscheiden, so sehr gehören Kuchen eben auch zum „täglichen Brot“. Eben, weil Kultur kein Luxus ist, sondern ein Lebensmittel. Und gerade in der Pandemie spüren wir, wie sehr uns dieser Bereich liebevoll, ästhetisch, schön gestalteter Dinge im Alltag oft fehlt.

„Kuchen“ stehen so auch für eine Weise, wie wir als Kirche mit anderen kommunizieren. Mit Menschen und mit Gott. Liebevoll gestaltet, feinsinnig, sinnenfreudig. Zum Glauben gehört beides: „Schwarzbrot“ und „Kuchen“. Das eine nahrhaft, nachhaltig, etwas zum Beißen, das andere köstlich, eingängig, zum Genießen. Weil Kuchen eben eine kulinarische Kommunikation der Liebe ist.

„Hätt‘ ich dich heut erwartet, hätt‘ ich Kuchen da, Kuchen da […]
Hätt’st du nur was gesagt, hätt‘ ich Musik bestellt, die besten Musikanten auf der Welt!“

So begrüßte Ernie seinerzeit in der Sesamstraße das überraschend erscheinende Krümelmonster und macht sich dann schnell ans Backen. Eine Umsetzung gelebter Gastfreundschaft, wie sie Sara und Abraham im Hain Mamre gegenüber Gott praktizierten. Und was für ein Bild von Kirche: ein Ort, an dem andere für mich einen Kuchen backen. Um mit mir in Ruhe über die Schwarzbrot- und Kuchen-Erfahrungen meines Lebens zu sprechen.

Das schenke uns Gott, dass wir so für einander da sind.

Kuchenfreund

Jesus war vieles,
aber kein Asket.
Seine Feinde schimpften ihn
Fresser und Weinsäufer.
„Dieser nimmt die Sünder an
und isst mit ihnen.“
Vom Himmelreich sprach er gern
als einem Festessen.
Über Früchte-Tee und trockene Kekse
wäre er entsetzt gewesen.
Und einmal werden wir
mit ihm und allen anderen speisen.
Mit Torten, Kuchen, Feingebäck
wie es sich für ein Liebesmahl gehört.


Weitere Texte: www.glauben-denken.de

Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher/

Kontakt: praeses@ekir.de

Bild: RitaE, Pixabay

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Aktuell ist es nicht möglich zu sagen wie lange die coronabedingten temporären Beschränkungen noch weiter andauern werden.

Wir werden die Entwicklungen weiterhin aufmerksam beobachten und euch zeitnah darüber informieren wann und wie wir wieder welche MoGoGo-Aktivitäten durchführen.
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