22.10. – Wir laden ein

20 Jahre Hospizdienst in Rösrath.

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer,
20 Jahre Hospizverein – das möchten wir mit Ihnen feiern.

Wir laden herzlich ein am 22. Oktober 2022
15.00 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst
Katholische Kirche St. Nikolaus
Hauptstraße 68 in Rösrath

Anschließend gemütliches Beisammensein im Augustinushaus neben der Kirche.

Wir freuen uns auf Sie!
Ihr Hospizteam

3. Oktober 19 Uhr

3. Oktober – Deutschland singt und klingt – auch in Forsbach

Die Initiative ‚Deutschland singt und klingt‘ lädt Menschen aller Generationen und Kulturen zum Offenen Singen am Tag der Deutschen Einheit ein und wir machen mit!

Gemeinsam über 30 Jahre Einheit feiern, Singen, Dankbarkeit und Hoffnung zum Ausdruck bringen – das wollen wir am 3. Oktober um 19 Uhr in der ev. Christuskirche in Forsbach mit Moderation und musikalischer Begleitung von Detlef Mahlow und Kathrin van Dijk.

Wir werden ca 30 Minuten gemeinsam Volkslieder, Popsongs und Klassiker singen, fröhlich, andächtig, hoffnungsvoll. Im Anschluss können wir im Gemeindesaal noch zu einem Plausch und einem Getränk zusammen bleiben.

Alle sind eingeladen, wir freuen uns auf Ihr und Euer Kommen!

Geisterstunde auf Schloss Eulenstein

Ein Grusical von Peter Schindler

am Samstag 17.September um 18.00 Uhr in der Versöhnungskirche Rösrath

Kinderchor der Ev. Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath
Instrumentalisten

Katharina Wulzinger | Leitung

Eintritt frei – Spenden erbeten für die Kirchenmusik

Poetisches Nachtgebet

Das PHILOMENA-FRANZ-FORUM e.V. lädt ein:

Pastor Franz Gerards öffnet am Vorabend des hundertsten Geburtstages von Philomena Franz, am 20. Juli 2022 um 19 Uhr die Tore
der 1954 erbauten Kirche Sankt Servatius in Rösrath-Hoffnungsthal, Gartenstraße 13 zu Ehren unserer Mitbürgerin, um mit ihr, Freunden und Verwandten und vielen Rösratherinnen und Rösrathern einen Dank- und Fest-Gottesdienst zu feiern.

Zugleich soll an die acht Familienmitglieder von Frau Franz erinnert werden, die nicht wie sie
das KZ Auschwitz und andere Vernichtungslager überlebten – so wie 500.000 Sinti und Roma.

Pfarrer Thomas Rusch von der evangelischen Gemeinde Volberg, Forsbach, Rösrath wird das erste Poetische
Nachtgebet mitgestalten und zusammen mit Pastor Gerards predigen.

• Prolog: Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan, geb. 1920 in Czernowitz, gest. 1970 in Paris, Matthias Buth
• Orgelimprovisationen Boris Berns
• Einführung in das Poetische Nachgebet durch Pastor Franz Gerards und Pfarrer Thomas Rusch
• Gebet: Psalm 22 Pfarrer Thomas Rusch
• Lied: „Lobet den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen“
• Gedicht: „Gebet“, von Else Lasker-Schüler, geb. 1869 in Elberfeld, gest. 1945 in Jerusalem, Matthias Buth
• Doppelpredigt: Pastor Franz Gerards – Pfarrer Thomas Rusch
• Orgelimprovisationen Boris Berns
• „Zwischen Liebe und Hass“ – Auszüge aus dem Lebensbericht von Philomena Franz, Larissa Niesen
• Zwischenspiel
– Romeo Franz, Geige und Sascha Köhler, Gitarre
– Wiegala / Wiegenlied von Ilse Weber (1903-1944)
– Ruth Theresa Fiedler, Sopran
• Fürbitten und Gedächtnis der Toten, Matthias Buth
• Orgelspiel „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach, BWV 147, Boris Berns
• Gedichte
– „Lieder zur Ermutigung I bis III“ und „Nur eine Rose als Stütze“ von Hilde Domin, geb. 1909 in Köln, gest. 2006 in Heidelberg
Ruth Theresa Fiedler
• Gebet
– Dankesworte von Philomena Franz gesprochen in Deutsch und Romanes
• Segen durch beide Seelsorger
• Lied zum Abschluss „Großer Gott wir loben Dich“

Anschließend:
Steh-Empfang mit Wein, Bier und Wasser vor der Kirche auf Einladung von Pastor Franz Gerards

Weitere Informationen zum Philomena-Franz-Forum und den weiteren Veranstaltungen finden Sie hier.

Was ist denn hier los?

Vielleicht ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß die Volberger Kirche seit ein paar Tagen eingerüstet ist.
Es ist leider immer noch nicht die „große“ Sanierung der Kirche, sondern nur ein paar dringende Arbeiten.

Zunächst wird der Blitzschutz der Kirche gewartet und erneuert. Im gleichen Zug werden vom Dachdecker defekte Schieferplatten ausgetauscht und erneuert. Und zu guter Letzt werden im Glockenturm kaputte Lamellen repariert.

Danach wird noch der Kirchhof um die Kirche aufgegraben, um den Blitzschutz ordnungsgemäß im Boden zu verankern.
Das ganze wird circa 2 Wochen dauern.

Die Kirche ist aber dennoch weiterhin geöffnet und kann für Gottesdienste genutzt werden!

Fotos: Udo Hartenfels













Familiengottesdienst am Franziskaschacht

Herzliche Einladung zum „Open-Air-Gottesdienst“ im Grünen.
In guter Tradition feiern die Kirchengemeinden Honrath und Volberg-Forsbach-Rösrath am Donnerstag, 26.Mai (Christi Himmelfahrt), Gottesdienst.

Wenn Sie wollen, beginnen wir den Tag um 10:00 Uhr mit einer Wanderung von der Volberger Kirche aus über den Rothenbacher Weg zum Franziskaschacht.
Dort werden wir dann um 11:00 Uhr Familiengottesdienst feiern.

Ob wir in diesem Jahr an den Gottesdienst anschließend wieder bei einem Essen (deftiger Eintopf) zusammensitzen können, wird situativ entschieden.

Wir freuen uns auf Euch und Sie.

Pfarrer Thomas Rusch

9. April – Für Trauernde

Der Rösrather Hospizdienst bietet auch im April wieder einen Spaziergang für Trauernde an.

9. April 2022 – 14.30 – 16.00 Uhr

Bitte melden Sie sich an beim Ökumenischer Hospizdienst Rösrath e.V.
Telefon: 02205-898349
EMail: buero@hospizdienst-roesrath.de

EKD-Appel zum Krieg:

EKD-Appell zum Krieg: „Gewalt beenden, dem Hass entgegentreten“
Präses Latzel: Gemeinden sorgen für Hilfe für Geflüchtete
Die Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich in ihrer heute beendeten zweitägigen Sitzung ausführlich mit dem Krieg befasst, den der russische Staatspräsident gegen die Ukraine begonnen hat. In einer einstimmig verabschiedeten Stellungnahme bekräftigt die Kirchenkonferenz ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, verurteilt den völkerrechtswidrigen Krieg und dankt für die Spendenbereitschaft in Deutschland. Aus der Evangelischen Kirche im Rheinland gehören Präses Dr. Thorsten Latzel und Vizepräsident Dr. Johann Weusmann als leitender Jurist zur Kirchenkonferenz der 20 Gliedkirchen der EKD.

„Der Krieg in der Ukraine mit der massiven völkerrechtswidrigen Gewalt der russischen Regierung stellt vor schwierige Entscheidungen, etwa wenn es um die Lieferung von defensiven Waffen zur Wahrnehmung der legitimen Selbstverteidigung geht“, macht Präses Dr. Latzel anlässlich der Veröffentlichung der Stellungnahme der EKD-Kirchenkonferenz deutlich: „Die evangelische Kirche hat darauf keine einfachen Antwort, aber sie bietet hilfreiche ethische Leitlinien. Vor allem setzten sich die Gemeinden und Kirchen jetzt für umfassende Hilfe für die Geflüchteten ein: durch seelsorgliche Begleitung Traumatisierter, durch Schutz besonders vulnerabler Gruppen, durch Aufnahme von Geflüchteten – wo immer wir es können und ohne Ansehen von Herkunft, Ethnie oder Religion. Zugleich arbeiten wir auch ökumenisch daran, möglichst schnell aus dieser Gewalt herauszukommen, und setzen uns weiter für einen dauerhaften Frieden ein.“

Ratsvorsitzende: „Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben“
„Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat der Frieden. Christus ist unser Friede“, so die EKD-Ratsvorsitzende, Präses Annette Kurschus, die das Gremium leitet. Zwar sei Frieden letztlich nicht mit Waffengewalt herzustellen. Dem bleibenden Wunsch nach Gewaltfreiheit stehe angesichts eines Aggressors, der Völkerrecht missachte und Kriegsverbrechen begehe, aber auch die Option gegenüber, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. „Das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick auf die gegen sie gerichteten Aggressionen ist unbestritten.“

Geflüchtete Menschen aufnehmen, Spaltung verhindern
In der Stellungnahme ruft die Kirchenkonferenz dazu auf, geflüchtete Menschen aufzunehmen und keine Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten entstehen zu lassen. Ausdrücklich würdigt die Stellungnahme den Mut vieler orthodoxer Priester in Russland, die sich gegen den Krieg und die Position Ihrer Kirchenleitung geäußert haben. „Umso wichtiger ist es uns, einer pauschalen Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes Feindbild von Russland entschieden entgegenzuwirken“, heißt es in dem Text. An die Bundesregierung appelliert die Kirchenkonferenz, angesichts der Auswirkungen des Krieges auf den globalen Getreidemarkt von der beabsichtigten Kürzung der Mittel für Entwicklungshilfe abzusehen.

Die Stellungnahme im Wortlaut:
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
(Matthäusevangelium Kapitel 5, Vers 9)

Wir sprechen allen Menschen, die in der Ukraine und angrenzenden Ländern von der unfassbaren Gewalt des vom russischen Staatspräsidenten begonnenen Krieges betroffen sind, unsere Achtung und unser tiefes Mitgefühl aus. Dass Menschen – Soldaten wie Zivilbevölkerung – für politische und militärische Ziele instrumentalisiert, verletzt und getötet werden, verurteilen wir auf das Schärfste. Wir bewundern den Mut der ukrainischen Zivilgesellschaft und nehmen ihn angesichts unserer komfortablen Situation in Deutschland mit einem Gefühl der Beschämung zur Kenntnis. Mit Respekt und voller Dankbarkeit blicken wir auf die große Hilfsbereitschaft, die sich in der Ukraine, den angrenzenden Ländern und auch bei uns in Deutschland zeigt. Wir werden alles in unserer Möglichkeit Stehende tun, um die Menschen in der Ukraine und Geflüchtete zu unterstützen. Dazu zählt die Fürbitte genauso wie die Seelsorge an Traumatisierten, der Einsatz für besonders verletzliche Menschen und alle Unterstützung für diplomatische und nichtmilitärische Wege.

Auf der Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus sind wir zutiefst davon überzeugt, dass Frieden letztlich nicht mit Waffengewalt zu schaffen ist. Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Ohne Vertrauen, Gerechtigkeit und persönliche Kontakte zwischen Menschen aller Völker ist Frieden nicht möglich. Dennoch sehen wir das Dilemma verschiedener Optionen zwischen dem grundsätzlichen Wunsch nach einer gewaltfreien Konfliktlösung und dem Impuls, angesichts eines Aggressors, der auf brutale Weise geltendes Völkerrecht missachtet und Kriegsverbrechen begeht, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. Unbestritten ist das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick auf die gegen sie gerichteten Aggressionen.

Wir rufen die russische Führung auf, die Gewalt zu beenden. Wir sehen mit ohnmächtigen Gefühlen auf den Kriegstreiber und unterstützen die Bemühungen der Politik, ihm wirksam entgegenzutreten. Wir selbst können viel für die Menschlichkeit tun. Dazu gehört es, geflüchtete Menschen aufzunehmen und in unserer Gesellschaft keine Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten entstehen zu lassen. Das Recht auf Zuflucht an einem sicheren Ort ist nicht teilbar.

Wir dürfen über die große Hilfs- und Spendenbereitschaft für die Ukraine nicht andere Kriegsregionen vergessen. Eine solche Verlagerung der Hilfsbereitschaft läuft auf Dauer Gefahr, als Folge des Krieges in der Ukraine Konflikte in anderen Weltgegenden zu verursachen und Menschen sterben zu lassen. Humanität ist nicht teilbar. Humanität stiftet Frieden. Wir bitten die Bundesregierung mit Nachdruck, von der beabsichtigten Kürzung der Mittel für Entwicklungshilfe abzusehen.

Innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche nehmen wir eine deutliche Mehrstimmigkeit wahr. Von Beginn an gab es auch in deren Reihen Voten gegen die Kriegshandlungen, insbesondere in der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Wir würdigen den Mut vieler orthodoxer Priester in Russland, die sich in einer Unterschriftenaktion gegen den Krieg und die Position Ihrer Kirchenleitung geäußert haben. Als Friedensstifter haben sie viel riskiert und sich in große Gefahr begeben. Umso wichtiger ist es uns, einer pauschalen Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes Feindbild von Russland entschieden entgegenzuwirken.

Angesichts der Mehrstimmigkeit der russischen Orthodoxie hoffen wir, dass es möglich ist, Brücken des Dialogs aufrecht zu erhalten. Sie können Wege eröffnen, die für einen Friedensprozess von großer Bedeutung sein können. Für eine langfristige und tragfähige Perspektive ist es entscheidend, kulturelle, wirtschaftliche und menschliche Kontakte zu halten. Die Zivilgesellschaft in Russland ist auf unsere Unterstützung angewiesen. Ebenso wichtig ist es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt bei uns zu fördern. Es darf sich kein Hass gegen Menschen russischer Abstammung bei uns ausbreiten.

Eine künftige Friedensordnung braucht mehr als militärische Gewalt und Abschreckung: sie braucht globale Gerechtigkeit; sie braucht Klimagerechtigkeit, sie braucht eine verbindliche Rechtsordnung, die die Zivilgesellschaft stärkt, die Menschenrechte sichert und auch für Großmächte gilt.

Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat der Frieden. Christus ist unser Friede.

Die Stellungnahme steht als Download zur Verfügung unter www.ekd.de/kirchenkonferenz-ukraine
Aktuelle Informationen und Materialien zum Thema „Krieg in der Ukraine“ finden Sie unter www.ekd.de/ukraine

Theologischer Impuls

„Warum, Kain?“ – Gedanken zu einer alten Geschichte in Zeiten des Krieges

Theologische Impulse (114) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

Warum, Kain? Warum hast du deine Wut an Abel ausgelassen?
Er war doch dein jüngerer Bruder.
Der Kleine, der Kurze. Schmächtig und zärtlich.
Nur ein „Hauch“, wie sein Name sagt.
Warum warst du wütend auf ihn und nicht auf Gott?
Gott war es doch, der sein Opfer gnädig ansah und deins nicht.
Was konnte Abel dafür?
Der kleine Hirtenjunge war doch nicht wirklich ein Gegner.
Für dich – als Macher, Gestalter, Anpacker.
So wie dich deine Mutter schon bei deiner Geburt beschrieben hat:
„Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des HERRN.“
Du gegen deinen kleinen Bruder: Das war ein Mann gegen einen Hauch.
Warum also hast du Abel erschlagen – und nicht Gott?
Oder hast Gott nicht wenigstens herausgefordert, dich mit ihm angelegt, mit ihm gekämpft?
Ihm galt doch eigentlich deine Wut, deine Kränkung, deine verletzte, enttäuschte Liebe …

Wie hätte die Geschichte der Bibel und mit ihr die Geschichte der Menschheit ausgesehen, wenn Kain sich damals anders entschieden hätte – und die vielen anderen, die ihm nachfolgten? Wenn die Aggression, der Kampf, der Krieg, die Gewalt nicht dem Bruder, dem Nachbarvolk, den „anderen“ gegolten hätte – den religiösen Konkurrenten im Wettstreit um die Zuneigung Gottes? Sondern wenn sie sich mit Gott selbst angelegt hätten? Wenn sie solidarisch miteinander gewesen wären, anstatt eifersüchtig gegeneinander um die Liebe Gottes zu konkurrieren?

Wäre Kain ein erster Prometheus geworden – ein echter großer Bruder, der den Kleinen schützt und stattdessen gegen Gott revoltiert? Der Gott, wenn schon nicht besiegt, so ihm doch wenigstens die Flamme gestohlen hätte. Und der – gerade, weil er mit Gott gekämpft und gestritten, – vielleicht auch angefangen hätte, Gott wirklich zu verstehen? Eben, weil es im Kampf mit Gott eben auch immer um Gott geht. Um die Frage, wer Gott ist – und wer wir sind als sein Ebenbild. Das ist meine tiefe Überzeugung: Wenn wir nicht mit Gott streiten, werden wir weder ihm noch uns selbst gerecht, auch nicht unseren Geschwistern. Und wir verstehen dann auch die Bibel nicht wirklich.

„Was wäre, wenn …“ In den Geschichtswissenschaften gibt es einen relativ jungen Bereich, der sich mit „kontrafaktischer“ oder „virtueller“ Geschichte beschäftigt. In Abwandlung einer auf die Zukunft ausgerichteten „U-topie“ (als „Nicht-Ort“) wird dies auch als „U-chronie“ bezeichnet, also als eine „Nicht-Zeit“ in der Vergangenheit, die es nicht gab, aber hätte geben können. Es geht darum, „auf Grundlage der durch Quellen  gesicherten Faktenlage […] mithilfe von kontrafaktischen Konditionalsätzen kontrolliert“ zu spekulieren, „was geschehen wäre, wenn bestimmte historische Tatsachen nicht oder anders eingetroffen wären. Ziel ist ein Erkenntnisgewinn über Kontinuitäten und Brüche, über Zwangslagen und Handlungsspielräume in historischen Situationen oder über die Bewertung von deren Akteuren“ (so im Wikipedia-Artikel zu „Kontrafaktische Geschichte“).

„Virtuelle biblische Geschichten“, „heilige U-Chronien“: Wir brauchen „realistische religiöse Fantasie“, um aus der Re-Inszenierung der immer gleichen Geschichten herauszufinden. „Kontrafaktische Erzählvarianten“ zeigen theologische Grundkonflikte auf, schrammen mitunter gefährlich nah an einem Atheismus vorbei, sind tatsächlich aber Ausdruck einer Religionskritik aus Glauben, eines „anders Frommseins“. Und sie ziehen diejenigen, die sich auf sie einlassen, hinein in die Anfechtung: in den inneren Kampf des Glaubens, in den Zweifel an religiösen wie an geschichtlichen Wahrheiten, in die Auseinandersetzung mit Gott um Gott – ohne die Glaube, Wahrheit, Gott eben nicht zu haben sind. Nein, wir müssen Geschichte nicht immer in der gleichen Weise fortschreiben. Wir können auch „Kain“ anders verstehen. Und andere Wege suchen – damit er nicht „Abel“ erschlagen muss. Immer wieder.

Warum, Gott?

Warum, Gott, hast Du mein Opfer nicht angesehen?
Warum hast Du es nicht gewollt,
hast Du mich nicht gewollt?
Weißt Du eigentlich, wie das ist,
so dazustehen – vor der Familie, den Kolleg/innen, den anderen?
„Hat sich immer bemüht, aber was kam raus?“
„Sein kleiner Bruder dagegen, der hat was bewegt!“
Hast Du eine Ahnung, Gott, wie sich Scham, Neid, Hass anfühlen?
Wenn Du Dein Gesicht verlierst,
Dein Körper verbrennt,
Du nur im Boden versinken willst,
aber selbst der tut Dir nicht den Gefallen?
Dann weißt Du, wie es mir ging,
damals, als Du mich weise belehrt hast:
„Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben.“
Ja, Du hast mich geschützt – danach,
durch Dein Mal, mein Mal, das Kainsmal.
Damit ich nicht gleich erschlagen wurde,
damit ich als erster Städte bauen,
Kinder bekommen, Kultur stiften konnte
mit Menschen, die wie ich waren.
Doch Dein Mal hat mich nicht davor geschützt,
für alle Zeit zum Inbegriff des Bösen zu werden,
der zum Namen gewordene Brudermörder.
Einen eigenen Bereich der Hölle hat man nach mir benannt,
die Kaina, im finstersten neunten Kreis,
eingefroren bis zum Kopf in einem See aus Eis,
für mich, den „Adiaphotos“, den Lichtlosen,
der als Erster unschuldiges Blut vergoss,
den Ahnvater aller „Verräter von Verwandten“,
der angeblich nicht einmal von Dir stammt.

Nein, Gott, das will und wollte ich nie sein.
Und, ja, Gott, ich will den Blick erheben.
Ich will meinen Bruder nicht länger töten.
Ich will ihn nicht mehr hassen, seinen Erfolg nicht beneiden, mich nicht schämen.
Doch den Streit mit Dir, Gott, will ich eingehen.
Auch wenn ich weiß, dass Du – unendlich – stärker, mächtiger, erhabener bist.
Darum sag mir, Gott, warum siehst Du ihn an und mich nicht?
Was stimmt nicht an mir, meinem Opfer, meinem Wunsch nach Anerkennung durch Dich?
Nein, es ist und war nie Abels Schuld.
Er ist mein Bruder und er soll es immer bleiben.
Auch wenn er leichter, schwächer, anders ist – und dennoch erfolgreicher.
Tief in mir habe ich ihn immer geliebt.
Aber Deine Zurückweisung, Deine Kränkung, Deine Kälte:
die enttäuschte Liebe zu Dir brennt tief in mir.
Darum sag mir, was nicht an mir stimmt.
Was Dir an mir nicht passt.
Warum Du mein Opfer nicht ansiehst.
Mir fehlte damals Hiobs Wille, mit Dir zu streiten.
Moses Mut, Dir zu widersprechen.
Jakobs Kraft, mit Dir zu ringen:
„Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn.“
Doch diesmal will ich Dich nicht lassen,
Ewiger, Einziger, Grund aller Liebe,
bis Du mir sagst, warum.

Und Kain küsste Abel und kämpfte mit Gott …


Bild: EKiR.de
Weitere Texte: www.glauben-denken.de
Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher
Kontakt: praeses@ekir.de

 

 

Brot für die Welt

Den Teufelskreis von Armut und schlechter Gesundheit durchbrechen
In der Passions- und Osterzeit für „Brot für die Welt“ spenden
Präses Dr. Thorsten Latzel ruft die 643 rheinischen Gemeinden in einer Kanzelabkündigung dazu auf, das Entwicklungswerk „Brot für die Welt“ in der Passions- und Osterzeit vom Sonntag Invokavit, 6. März, bis Ostermontag, 18. April, durch Spenden und Kollekten in den Gottesdiensten zu unterstützen und damit Hoffnung wachsen zu lassen.

„Wer arm ist, ist häufiger krank – und wer krank ist, bleibt häufiger arm oder verarmt durch die hohen medizinischen Kosten. Das zeigt sich auch in der globalen Corona-Pandemie“, schreibt Präses Dr. Thorsten Latzel an die Gemeinden. Millionen Menschen litten weltweit unter Mangelernährung, verseuchtem Wasser oder gefährlichen Arbeitsbedingungen. All das mache sie krank. „Gleichzeitig haben unzählige Menschen keinen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung“, so der Präses weiter. „Brot für die Welt“ setzt sich gemeinsam mit lokalen Partnern weltweit dafür ein, dass Menschen Zugang zu medizinischer Grundversorgung bekommen und versucht so, den Teufelskreis von Armut und schlechter Gesundheit zu durchbrechen.

Spendenkonto:
Brot für die Welt
IBAN: DE10 1006 1006 0500 5005 00
BIC: GENODED1KDB
Bank für Kirche und Diakonie
Online-Spende

Stichwort: Brot für die Welt
„Brot für die Welt“ ist ein Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen in Deutschland. Es unterstützt mehr als 1300 Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Schwerpunkte der Arbeit sind Ernährungssicherung, die Förderung von Bildung und Gesundheit, Stärkung der Demokratie, Achtung der Menschenrechte, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Bewahrung der Schöpfung.

Grafik: EKiR.de