„Sommer, Urlaub …“

„Sommer, Urlaub, Bibel, Gott“ – Gedanken zur Senkung protestantischer Arbeitsmoral

Vielleicht kennen Sie auch diese Frage aus Sommerinterviews: „Liebe Frau Müller, lieber Herr Meier, wenn Sie ein Buch auf eine einsame Urlaubsinsel mitnehmen können, welches wäre das?“ Und je nach Frömmigkeitsgrad von Frau Müller bzw. Herrn Meier kommt dann immer auch wieder die Bibel, das Buch der Bücher. Wobei das mit der Strandkorb-Tauglichkeit der Bibel ja so eine Sache ist.

– Er: „Und: Was liest Du so?“

– Sie: „Die Bibel. Bin schon ziemlich weit.“

– Er: „Oh, krass. Hab’ ich auch schon von gehört. Steht auf meiner TBR-List. Und: Wie isse denn so geschrieben?“

– Sie: „Recht spannend. Geht viel um Liebe, Sünde und so. Komplexe Story, viele Charaktere. So ein bisschen wie Tolkien, „Herr der Ringe“-mäßig. In der Mitte zieht es sich ein wenig – speziell bei der Chronik. Aber am Ende kriegen sie sich, Gott und Mensch.“

Dass die Bibel sich nicht so unbedingt als leichte Strandlektüre eignet, hängt auch mit ihrer Entstehungsgeschichte zusammen. Die kann man sich vielleicht so ähnlich vorstellen wie das Ausschusswesen der rheinischen Synode. Da gibt es den Theologischen Ausschuss die „Schriftgelehrten“, den Ausschuss für Erziehung und Bildung „die Weisheit“, den Ausschuss für öffentliche Antwort „die Propheten“, … Und jetzt stellen Sie sich einen 1.200 Jahre dauernden, geistgeleiteten synodalen Prozess vor – mit periodisch wechselnder Federführung. Et voilà! Oder mit den letzten Worten Luthers formuliert: „Die Briefe Ciceros kann niemand verstehen, er habe denn 25 Jahre in einem großen Gemeinwesen sich bewegt. Die Heilige Schrift meine niemand genügsam geschmeckt zu haben, er habe denn hundert Jahre lang mit Propheten wie Elias und Elisa, Johannes dem Täufer, Christus und den Aposteln die Gemeinden regiert.“

Auch wenn die Bibel sich also mehr für den Pilgerweg als für die Pool-Lektüre eignet, spielt das Thema Urlaub in ihr eine große Rolle. Im Grunde ist die Bibel insgesamt eine Anleitung zur heilsamen Selbstunterbrechung, zur Seelenstille, zur Einkehr vor Gott im Akt des Lesens.

Das beginnt schon gleich am Anfang mit der Schöpfungsgeschichte. In einer Zeit, als das Volk Israel im Exil Halt, Heimat, Hoffnung verloren hat, wird ihm hier Gottes Gegenwart vermittelt: im Rhythmus der Zeit und in der Schönheit der Schöpfung. „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag …der zweite Tag, …der dritte Tag …“ Der Himmel, die Erde, das Meer, die Sonne, die Sterne: Sie alle sind Gottes Geschöpfe. Sie sind da, damit Pflanzen, Tiere, Menschen, alles was lebt, eine Heimat hat. Und die ganze Schöpfung findet am Ende ihr Ziel darin, dass Gott am siebten Tag ruht von all seinen Werken. „Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“ Gott segnet die Ruhe, damit wir als Geschöpfe zur Ruhe kommen. Und in der Ruhe zu uns selbst und zu Gott. Die Schöpfungsgeschichte: eine Anleitung zur heilsamen Selbstunterbrechung, zur Einkehr bei Gott im Rhythmus der Zeit.

Wie zentral diese Idee ist, zeigt sich daran, dass sie in die 10 Gebote aufgenommen wurde. „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.“ Das ist zentral für den jüdischen wie christlichen Glauben. „Das Wesen der Religion ist Unterbrechung.“ (J.B. Metz)

Nur in der Begründung ist man sich damals nicht einig geworden. Votierten die einen für den Bezug zur Schöpfungsgeschichte, so waren die anderen für den Bezug zum Exodus, dem Auszug aus Ägypten. Denn auch hier, beim Auszug aus Ägypten und dem Beginn des Volkes Israel spielt die Ruhe eine zentrale Rolle. Die ganze Exodusgeschichte handelt davon, wie Gott uns Menschen vor uns Menschen schützt und an die Seite der versklavten Israeliten tritt. Gott befreit sein Volk aus einem Regime der Ausbeutung, von grenzenloser Arbeit, von Unfreiheit und Ruhelosigkeit.

Die Pointe dessen ist, dass das nicht nur für Israel gilt, sondern für alle, eben auch „für den Fremdling, der in deiner Stadt lebt.“ Ja, selbst für die Tiere, das Land, die ganze Schöpfung. Das Volk Israel als die ersten Freigelassenen in Gottes Schöpfung.

Und weil beides klug und richtig ist, hat man die Zehn Gebote einfach zweimal in die Bibel aufgenommen: in 2. Mose 20 mit Bezug des Sabbats auf die Schöpfung und in 5. Mose 5 mit Bezug auf den Auszug. Es ist wichtig, die heilsame Unterbrechung doppelt zu betonen, weil wir als Menschen eine tiefe Neigung haben, uns selbst und andere zu erschöpfen und unserer Gott gegebenen Freiheit und Ruhe zu berauben. Wir gehen leicht unter in den Sorgen um alles, was noch zu machen ist: „Muss nur noch kurz die Welt retten … noch 148 Mails checken.“ (Tim Bendzko)

Und unsere Frömmigkeit trägt manchmal selbst dazu bei: Wenn der Eifer um die Kirche uns selber auffrisst. Wenn wir meinen, ohne uns ginge zwar nicht gleich die Welt unter, aber doch die rheinische Kirche. Wenn wir anderen Wein predigen und selber Wasser trinken. Wenn sich die sorgenvolle Stimme der Martha in mir meldet. „Wie soll das alles klappen: mit dem Mitgliederschwund, den Gebäuden, den Veränderungen und überhaupt mit allem? Siehst Du denn nicht, Herr, wie das Boot bei uns vollläuft?“ Das nennen wir dann protestantische Arbeitsmoral.

Da ist gut auf die Stimme dessen zu hören, der die Welt, unsere rheinische Kirche und auch mein kleines Leben in seinen Händen hält:

– „Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Sorge hat.“

– „Tu du das Deine und überlass den Rest ruhig mir.“

– „Das Retten der Welt und das Sorgen sind Gottes Sache.“

– „Es ist gut, dass du arbeitest und gut, dass du ruhst.“

– „Denn den Seinen gibt‘s der Herr im Schlaf, am Sabbat und auch im Urlaub.“

Daher zum Schluss: Sieben theologische Tipps für den Urlaub:

1. Du bist Mensch und nicht Gott.

Und wenn Gott ruht, solltest du es auch. Genieße deine endliche Freiheit. Freu dich an der Schönheit der Schöpfung. Geh sorgsam mit dir selbst um: mit deiner Seele, deinem Körper, deinem Geist. Sie alle sind endlich und brauchen Ruhe.

2. Es gibt kein Paradies jenseits von Eden. Auch nicht im Urlaub.

Entspann dich, wenn nicht alles perfekt ist oder nach Plan läuft. Manchmal ist der Umgang mit dem Scheitern im Nachhinein sogar das Interessanteste. Gott schreibt auf krummen Linien oft besondere Geschichten.

3. Der Mensch im Stau neben dir ist auch ein Mensch, ein geliebtes, wunderbares Geschöpf Gottes wie du.

Lass dich von der Tonne Blech um ihn herum nicht davon ablenken – und auch nicht durch seine suboptimale Fahrweise. Und wenn er sich dennoch blöde vordrängelt: Vielleicht hat er den Urlaub noch nötiger als du. Wer das noch nie getan hat, drücke zuerst auf die Hupe.

4. Was deine kleinen technischen Hilfsmittel betrifft: Es ist wichtig, die Rollen zu klären: Sie sollen dir dienen. Nicht du ihnen.

Schalt einfach mal ab. Pflücke den Augenblick. Von Mona Lisa, Niagarafall, Pyramiden gibt es übrigens schon Fotos. Du brauchst dir kein Bildnis von allem zu machen.

5. Egal, wo du hinfährst oder bist, Gott erwartet dich.

In der Weite des Meeres, in der Stille der Berge, auf deinem Balkon oder im Garten, und auch im Angesicht des Menschen, der dein Hotelzimmer macht oder dein Essen bringt. Urlaub ist eine Chance, Gott neu zu entdecken.

6. Wenn du reisen willst, reise.

Wenn du lesen willst, lies. Wenn du wandern, schlafen, schwimmen, essen, bummeln, feiern willst, tu es. Sei gesegnet in dem, was du tust, und in dem, was du lässt.

7. Du bist frei. Erstgeborener von Gottes neuer Schöpfung.

Das ist deine Bestimmung. Lebe so, dass es ohne Gott keinen Sinn ergibt. Und dass andere etwas von der Freiheit Gottes spüren.


Weitere Texte: www.glauben-denken.de

Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher

Kontakt: praeses@ekir.de

Gedenken und Handeln

Austausch, Information und Gedenken zum 3. Jahrestag nach dem Hochwasser

Informationen rund um die Hochwasserprävention und Nachsorge sowie für Klimaschutz

Die Bilder sind noch immer präsent. Die Starkregennacht am 14./15. Juli 2021 hatte auch in Rösrath für verheerende Überschwemmungen gesorgt. Ein Mensch kam ums Leben, viele weitere verloren in den Fluten ihr Hab und Gut. Drei Jahre liegt das Hochwasser jetzt zurück. Auch in diesem Jahr soll der Tag der Hochwassernacht nicht spurlos vorüberziehen. Gemeinsam mit der Ev. und Kath. Kirchengemeinde, der Engagierten Stadt Rösrath sowie finanzieller Unterstützung durch die Diakonie Katastrophenhilfe organisiert die Stadt am 14. Juli 2024 ein gemeinsames Gedenken mit anschließender Informationsveranstaltung.

Los geht es um 15:00 Uhr mit einer ökumenischen Gedenkandacht im Hof der Evangelischen Kirche Volberg in Hoffnungsthal unter der Leitung von Pfarrer Thomas Rusch und Pastor Franz Gerards. Im Anschluss geht es gegen 15:30 Uhr gemeinsam über die Sülz auf den Rathausplatz. Dort macht das Infomobil des HochwasserKompenzCentrums (HKC) Station und bietet Informationen rund ums Thema Hochwasserschutz. Es gibt beispielsweise Tipps zu Rückstausicherung, baulichen Maßnahmen am Gebäude oder zur Verhaltensvorsorge.

Darüber hinaus werden unter anderem die Feuerwehr Rösrath, das Netzwerk Blühendes Rösrath, die Rösrather Solar-Initiative, die Hochwasserberatung der Diakonie, die Stadt sowie weitere Akteure mit Informationsständen zum Thema Hochwasser-, Klima- und Naturschutz vertreten sein. Ziel neben dem Informationsgedanken ist, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Zu diesem Zweck wird das Café und Bistro Picasso am Rathausplatz Snacks und Getränke zu vergünstigten Preisen anbieten. „Die Mischung aus einem Gedenken und einem Informationsangebot soll uns den Tag des Hochwassers nicht vergessen lassen, gleichzeitig aber auch einen Blick nach vorne richten“, so Bürgermeisterin Bondina Schulze, die alle interessierten Rösratherinnen und Rösrather am 14. Juli einlädt.

Hier können Sie das Programm herunterladen.

Sommerpicknick & Mitsingabend

Am 13. Juli ab 15 Uhr ist es wieder soweit: Das jetzt schon traditionelle Sommerpicknick des ökumenischen Hospizdienst findet diesmal im Augustinushaus in Rösrath statt – bei gutem Wetter auf der Wiese hinter dem Haus.

Ab 17:30 Uhr geht das Picknick dann nahtlos über in unseren ersten gemeinsamen Mitsing-Abend. Tom Petersen, WDR4-Musikredakteur und Schlagzeuger bei „mixtape C90“, begleitet unseren Gesang auf der Gitarre.

Weitere Infos finden Sie hier: http://hospizdienst-roesrath.de/termine/sommerpicknick-mitsingabend

Anmeldung erforderlich

Spatenstich Kita Volberg

Am Donnerstag, 20.06. war es endlich so weit...

Der Beginn der Hochbaumassnahmen der Kita Volberg wurde feierlich durch den 1.Spatenstich gestartet.

In Anwesenheit von Frau Ministerin Ina Scharrenbach, Präses Dr.Thorsten Latzel und viel Prominenz aus Bund, Land und Stadt wurde der 1.Spatenstich gefeiert.

Natürlich war auch die Kita Volberg bestens vertreten, durch die Diakonie Michaelshoven, Kita Leitung, Eltern und Kinder.

Das Presbyterium freut sich, dass nach 3 Jahren nun der Aufbau beginnen kann und wünscht den Arbeiten Gottes Segen, gutes Gelingen und keine Verzögerungen, so dass die Kita in 2025 bezugsbereit sein kann.

Fotos oben: Frauke Komander – Ev.Kirchenverband Köln und Region

Fotos oben: Udo Hartenfels

 

Bilder von den Abriss-Arbeiten der Kita und des Gemeindehaus finden Sie hier.

Mittsommernacht, 21. Juni

Mittsommernacht:
Wir machen uns wieder auf den Weg.

Eine Wanderung von Frauen für Frauen.
Momente der Leichtigkeit, des Gesprächs,
der Stille, der Besinnung, des Gebets.
Momente mit Strahlkraft.

21. Juni 2024 // 19:00 Uhr bis etwa 21.30 Uhr
Start- und Endpunkt Parkplatz Bergsegen Hoffnungsthal

Bitte bringt euch etwas zu trinken mit und zieht feste Schuhe an // Gottmomente@gmail.com


Eine Initiative der GottMomente.
Das sind Frauen aus der evangelischen und katholischen Kircher in Hoffnungsthal/Volberg.

Ökumenische Orgelwanderung 22.Juni

Die ökumenische Orgelnacht beginnt um 20 Uhr in der Versöhnungskirche mit einem Konzert von Sven Kurtenbach, 2023 Preisträger der Orgel-Olympiade der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Mit Werken von Bach, Clérambault u.a.

Gegen 21 Uhr geht es in St. Nikolaus von Tolentino weiter mit Katharina Wulzinger und Boris Berns, die einzeln und vierhändig spielen, hoch barock und schwer romantisch.

Dazwischen gibt es eine Pause mit Getränken.

Um 22.00 Uhr beschließt die Feier einer Komplet, einer Nachtandacht zum Mitsingen, die Orgelnacht. Herzliche Einladung!

Mit Werken von Bach, Rheinberger, Mendelssohn und Kurt Enßle u.a.

Der Eintritt ist frei!

Verabschiedung Sylvia Schwamborn

Vielen Dank Sylvia und machet joot!

Am Pfingstsonntag wurde in einem feierlichen Gottesdienst unsere Küsterin Sylvia Schwamborn nach 40 Jahren im Dienst in unserer Gemeinde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Gospelchor und Singgemeinschaft brachten den musikalischen Schwung in den Gottesdienst und viele helfende Hände sorgten für eine gelungene Abschiedsparty im Hof der Volberger Kirche.

Alles Gute und Gottes Segen, liebe Sylvia, für deinen neuen Lebensabschnitt!

Fotos: Udo Hartenfels

Ein Blick auf Pfingsten

Auferstehen hier und jetzt – ein anderer Blick auf Pfingsten

Ich liebe ja Pfingsten. Es ist Mai. Das Wetter ist schön – meistens zumindest. Gottesdienste und Gemeindefeste finden oft im Grünen statt. Wir feiern den Geburtstag der Kirche. Gottes Geist kommt wie Feuerflammen auf die Jünger/innen. Sie sprechen in anderen Sprachen, verstehen einander plötzlich. Pfingsten – das ist Inspiration, Geisteskraft, Empowerment, Leidenschaft, Aufbruch, Energie, Trotzkraft, Hoffnung, Zuversicht. Ein bisschen wie ein ESC der ersten Christenheit. Mit Bühnenshow und Völkerverständigung: „Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“ Wow!

Natürlich lässt sich jetzt mit Brecht rein finanziell einwenden: „Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.“ Okay. Aber Pfingsten ist ja eben bewusst auch nicht materialistisch. Es geht um Geist, Gottes Geist. Gott schenkt sich uns in seinem Geist – und uns einander durch seinen Geist. Pfingsten ist pfiffig, pfundig, geistbeseelt. Das Power-Fest im Kirchenjahr. Ich liebe es.

Doch – es gibt noch eine ganz andere Seite von Pfingsten. Eine, die für unsere Zeit mit ihrer Dauer-Poly-Krise neu von Bedeutung ist. Dabei geht es um die Verarbeitung von Trauer, Verlust, Traumata. Um dunkle, schwere Erfahrungen:

  • Wenn eben kein Geist mehr da ist. Kein Leben, keine Kraft.
  • Wenn alles erstirbt, selbst der letzte Funken Hoffnung, es könnte einmal wieder anders werden.
  • Wenn selbst vom eigenen Körper nur noch das Gerippe bleibt. Nicht mal Haut, nur noch Knochen.

Ein solch anderen Blick auf Pfingsten bietet die Geschichte in Hesekiel 37 (es lohnt, sie einmal ganz zu lesen). Hesekiel schreibt hier in eindrücklichen, heftigen Bildern von einer traumatischen Erfahrung fast wie bei einem Albtraum: Gottes Geist führt ihn über ein Totenfeld. Verdorrte Knochen, soweit das Auge reicht. Wenig pfingstliche Maigefühle, sehr materiell und sehr trostlos. Bilder, wie wir sie von den Kriegsschauplätzen unserer Tage kennen. Aus zerstörten Dörfern und Städten in der Ukraine, in Syrien, Myanmar, Afghanistan, im Kongo, Jemen, in Israel und Palästina. Von Orten, wo ein ganzes Volk seine Kraft und Hoffnung verliert. Wo nichts mehr ist als Tod und Verwüstung. Orte traumatischer Erfahrungen. Bilder, die ich am liebsten gar nicht sehen würde und denen ich doch nicht ausweichen kann, die mich nicht loslassen.

Dann beginnt der Geist zu Hesekiel zu reden: „Du Menschenkind, meinst du wohl, dass diese Gebeine wieder lebendig werden?“ Was soll und kann ein Mensch dazu sagen? Die harte Wirklichkeit des Todes vor Augen. Die Frage des Geistes Gottes im Ohr. Hesekiels Antwort ist ausweichend, so wie es Theolog/innen mitunter gerne tun. Es gibt Zeiten, da verschlägt es selbst dem Propheten die Worte.

Und wenn ich ehrlich bin, geht es mir bei vielen Nachrichten oft wie Hesekiel. „Du Menschenkind, meinst du wohl, dass aus all den Kriegen, der Klimakrise und den Katastrophen wieder Gutes entstehen kann?“ Und dann stehe ich da und weiß auch nichts zu antworten. Rede mich raus mit frommen Formeln: „Gott hält uns alle in seiner Hand. Die Liebe ist stärker als der Tod. Christus steht an der Seite der Leidenden.“ Alles fromm und richtig und doch irgendwie leer. „Und ich spreche: „Herr, mein Gott, du weißt es.“ „Gott, ich habe keine Ahnung. Keine Hoffnung. Nichts, was ich irgendwie sagen oder beitragen könnte. Du, Gott, bist alles, was noch bleibt, um nicht völlig zu verzweifeln. Auch, wenn ich nicht weiß, was, wann, wie, warum.“

Doch dann, dann beginnt eine der wohl stärksten Hoffnungs- und Verwandlungsgeschichten der ganzen Bibel. Hesekiel, der zweifelnde, traumatisierte, sprachlose Propheten, wird zum geisterfüllten Boten Gottes. Er beginnt im Auftrag Gottes zu reden. Und das Totenfeld steht auf und wird zu einem neuen Volk Israel.
Es geschieht langsam, Schritt für Schritt. Drei Anläufe braucht es, bis die wundervolle Verwandlung geschieht.

  • Erst spricht Hesekiel zu den Knochen – und sie bekommen neu Sehnen, Fleisch und Haut.
  • Dann spricht Hesekiel zu dem Wind, dem Odem – und die Körper werden neu beseelt und mit Leben erfüllt.
  • Und schließlich spricht Hesekiel zum Volk Israel im Exil – auf dass sie auferstehen: mitten im Leben zu neuem Leben.

Die Geschichte ist erzählt wie die Schöpfung am Anfang der Bibel. Hier wie dort spricht Gott – und siehe: es geschieht. Hier wie dort ist es Gottes Geist, der über dem Dunklen schwebt. Dort über der Finsternis, hier über dem Totenfeld. Hier wie dort entsteht erst durch den Odem aus der toten Materie neues Leben. Die Schöpfungsgeschichte stammt aus derselben Zeit wie der Prophet Hesekiel und auch sie ist erzählt, um dem Volk Israel im Exil neue Hoffnung und Halt zu geben.
Der entscheidende Unterschied ist jedoch die Rolle des Propheten: Hesekiel wird gleichsam zum Mitschöpfer Gottes. Er spricht aus, was der Geist ihm sagt. Und siehe: es geschieht. Die Gebeine bekommen Sehnen, Fleisch und Haut. Die Körper bekommen eine Seele. Das Volk Israel bekommt neue Hoffnung.

Darum geht es an Pfingsten. Es geht um nicht weniger als um Auferstehung mitten im Leben. Und es geht darum, dass wir durch Gottes Geist daran mitwirken.
Bei Auferstehung denken wir ja meist an die Zeit nach dem Tod. Irgendwann, dereinst, am jüngsten Tag, jenseits all unserer Erfahrung. Das ist wichtig und tröstlich. Dass der Tod nicht das Letzte ist. Aber es ist eben auch sehr weit weg. Oft fällt es dagegen viel schwerer, an die Auferstehung im Hier und Jetzt zu glauben, in meinem Leben, in unserer Gesellschaft.

„Du Menschenkind, meinst du wohl, dass aus all dem Schlamassel Deines Lebens, dieser Gesellschaft wieder Leben entstehen kann?“
Das ist gefährlich unmittelbar. Doch so ist das mit Glaube, Liebe, Hoffnung: Sie werden erst spannend, wenn es konkret wird.
Genau das geschieht an Pfingsten. Gottes Liebe wird konkret. In mir. In Dir. In uns. Durch seinen Geist: „Geh hin und sprich zu den Einsamen, dass sie nicht alleine sind.

  • Zu den Flüchtlingen, dass sie bei uns Heimat haben.
  • Zu den Armen, dass wir mit ihnen teilen.
  • Zu denen, die alle Hoffnung verloren haben, dass es gut wird.

Und werde selbst Teil von Gottes neuer Schöpfung. Durch Gottes Geist.“

Ich liebe Pfingsten. Das Powerfest im Kirchenjahr. Weil es eben mehr ist als eine gute Laune-ESC-Party. Das Pfingstfest hilft mir, an Wunder zu glauben. Dem Wunder, dass unsere Welt anders werden kann. Dass ich selbst anders leben kann. Dass es Hoffnung gibt wider all meine Hoffnungslosigkeit. Dass Gott in uns ist und uns mit all unserem Schlamassel nicht alleine lässt.

Dafür kann ich dann auch gerne auf dicke Geschenke verzichten.

Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!

Theologische Impulse (139) von Präses Dr. Thorsten Latzel

aus der Gemeinde

Mit Bedauern hat das Presbyterium in seiner Sitzung am 15. Mai 2024 dem Versetzungsantrag von Pfarrer Armin Kopper in eine Gemeinde im Saarland zum 01. Februar 2025 zugestimmt.
Vorbehaltlich der Zustimmung aller Gremien wird Pfarrer Kopper zum 31. Januar 2025 unsere Gemeinde verlassen.

Zur Begründung schreibt Herr Kopper:
„Im Saarland bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Hier war ich von 1993 – 1997 im Vikariat und Probedienst. Ich hatte schon immer die Absicht, irgendwann wieder ins Saarland zurückzukehren, vor allem weil auch hier meine Mutter lebt, deren einziger Angehöriger ich bin und die mittlerweile ein Alter von 87 Jahren erreicht hat. Auch wenn sie sich noch guter Gesundheit erfreut, so möchte ich mich doch in den ihr noch verbleibenden Jahren besser um sie kümmern können, als das aus einer Entfernung von 240 Kilometern bislang möglich ist. Außerdem möchte ich mich als Pfarrer noch einmal neuen Herausforderungen stellen und andere Gemeinde- und Kirchenkreisstrukturen kennenlernen.„

Pfarrer Kopper nimmt seine Aufgaben in unserer Gemeinde bis Ende Januar 2025 wie gewohnt wahr. Das Presbyterium wird sich unverzüglich damit befassen, wie die Arbeit in unserer Gemeinde im nächsten Jahr und darüber hinaus weitergehen wird.

Wir bedauern Herrn Koppers Entscheidung, können sie aber gut nachvollziehen. Wir wünschen ihm Gottes Segen für diesen Schritt.

Für das Presbyterium,
Monika Mattern-Klosson, Thomas Klöber

15.Kölner Ökumenetag, 25.Mai

Es geht um alles
Perspektivwechsel für mutiges Christsein

15. Kölner Ökumenetag am Samstag 25. Mai 2024 10 – 17 Uhr

VERANSTALTUNGSORT
Citykirchenzentrum des Antoniterquartiers Schildergasse Antoniterkirche

Veranstalter: Evangelisch-Katholischer Arbeitskreis für Ökumene im Stadtbereich Köln, Ev. Kirchenverband Köln und Region, Katholikenausschuss in der Stadt Köln in Zusammenarbeit mit Melanchthon-Akademie des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region, Katholisches Bildungswerk Köln


Hier können Sie das Programm herunterladen.

Programm

09:30 Willkommen und Stehcafé
10:00 KLANGWAND — interaktive Klanginstallaion
10:00 // 13:50 // 16:45 // Klang-Performance
Holger Hagedorn, Künstler, Pulheim

10:30 Impulsreferat
Prof. Tobias Faix, Kassel

12:10 Talkrunde
Prof. Tobias Faix (Kassel),
Antje Rinecker (Köln),
Kristell Köhler (Köln), Peter Otten (Köln),
Moderation: Dr. Martin Bock (Köln)

14:00 Workshops
16:00 musikalische Andacht mit Segen
mit dem deutsch – ghanaischen Projektchor