Andacht für den 6.8.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Spruch für den Monat August lautet: Gott ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele. (Psalm 139, 14)

Das kleine, kurze Wörtchen „Danke“ möchte ich in den Mittelpunkt dieser Andacht stellen.

Danke gehört so selbstverständlich in unseren Sprachschatz, dass viele Menschen es gar nicht mehr als wertvoll ansehen. In unserer Zeit fragen manche: Wer sagt denn heute noch Danke? Das tun doch nur noch ein paar übrig gebliebene Leute, die altbackene Höflichkeitsformen hochhalten wollen. Danke-sagen? Wozu? Was hat man davon?

Ich mache immer wieder diese erschreckende Beobachtung, dass Menschen es verlernt haben, Danke zu sagen. Ich denke dabei nicht nur an die Jugend, deren mangelnde Umgangsformen so oft kritisiert werden. Ist es nicht eher so, dass die junge Generation zu wenig Vorbilder hat, die vorleben, was es heißt, dankbar zu sein und Danke zu sagen? So habe ich manchmal den Eindruck, das deutsche Wort Danke ist ein Fremdwort geworden, denn kaum jemand schafft es noch, dieses schwierige Wort auszusprechen. Dabei besteht es doch nur aus 5 Buchstaben. Das dürfte doch nicht so schwer sein … 😉

Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir das Wort durchbuchstabieren: -> „D-A-N-K-E“. Dabei geht es um das Danken unter uns Menschen und unseren Dank gegenüber Gott.

D – wie „Du“

Danken hat immer etwas mit einem Gegenüber zu tun. Ich bedanke mich für etwas Gutes und habe immer ein Du als Adresse: „Ich danke dir, dass du mir geholfen hast.“ Oder: „Ich danke dir, dass du mir so etwas Schönes geschenkt hast.“

Wie oft vergessen wir, Gott zu danken, für all das, was er uns zum Leben schenkt? Wie oft nehmen wir das Gute als selbstverständlich hin, meinen sogar, wir hätten ein Anrecht auf alles Gute, anstatt zu erkennen, dass das Gute ein Geschenk von Gott ist?

Warum sagen wir nicht einfach mal: Danke Gott?! Mit einem Danke vergeben wir uns doch nichts. Im Gegenteil. Mein Dank an Gott ist auch eine „Ich-Du“ – Beziehung. D – wie Du: Du Gott, hast mir so viel geschenkt … – Danke!

A – wie Annahme

Mit der Taufe feiern wir, dass Gott den Täufling als seinen Sohn bzw. seine Tochter annimmt. In der Taufe feiern wir die Ich-Du Beziehung zwischen Gott und einem Menschen. Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder annimmt. So gehören wir zur Familie Gottes. Damit ist Jesus unser Bruder und alle Getauften sind unsere Geschwister.

Bei jeder Taufe wird der Taufbefehl gelesen, bei dem Jesus verspricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20) Auch wenn die Taufe kein Garantieschein ist für ein sorgenfreies Leben, steht fest: Jesus lässt uns nie allein. Er wird alle unsere Wege begleiten und wird bei uns sein in guten, wie in schweren Zeiten.

Vielleicht begegnet uns Jesus in anderen Menschen, die er in den Dienst nimmt, die für uns da sind, uns durch schwere Zeiten hindurchhelfen, manchmal auch hindurchtragen.

Für all das Gute wollen wir Dank sagen: Dafür, dass Gott uns als seine Kinder annimmt und uns in unserem Bruder Jesus nahe ist.

N – wie Nein

Nein-Sagen: Den bösen Mächten im Leben widersprechen, gegen Unrecht aufstehen … Nein-Sagen: Das Negative, das auf der Welt geschieht, beim Namen nennen … Und dann dagegenstellen, dass Gott das Gute will und uns zur Nächstenliebe aufruft.

N – wie Nein bedeutet auch: Sich bewusst sein, dass Gott uns viel Gutes schenkt, und uns den Auftrag gibt, dieses Gute nicht für uns zu horten, sondern mit anderen zu teilen.

Wenn alle Menschen aus dem Dank heraus handeln würden, wenn wir teilen würden, was wir zum Leben haben, dann sähe es auf der Welt ganz anders aus. Ein Motto der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ heißt: „Es ist genug für alle da“, wenn wir miteinander teilen. Das ist gelebte Dankbarkeit. Damit helfen wir Menschen in Not und helfen zu mehr Gerechtigkeit auf der Welt.

K – wie Kraft, Kontakt, Kommunikation

Der lutherische Theologe Hermann Bezzel (1861 – 1917) hat einmal gesagt: „Die größte Kraft des Lebens ist der Dank.“

Im Miteinander von Menschen gibt uns der Dank Kraft fürs Leben: Derjenige, der einem anderen dankt, schließt sich für eine Beziehung zu seinem Gegenüber auf. Und derjenige, dem gedankt wird, freut sich über den positiven Kontakt. Die Kommunikation zwischen zwei Menschen wird gestärkt durch gelebte Dankbarkeit.

Und wenn wir unseren Dank gegenüber Gott aussprechen, wenn wir so Kontakt zu unserem Vater und Schöpfer halten, erhalten auch wir Kraft.

E – wie Entscheidung, Engagement, Einsatz

Weil uns Gott uns so viel zum Leben schenkt, weil er uns liebt, weil er uns Freunde an die Seite stellt und uns sein Wort als Orientierung im Leben gibt, und auch weil wir – Gott sei Dank – schon 75 Jahre in Frieden leben dürfen … deshalb stellt uns Gott vor eine Entscheidung. Er fragt: Ob wir den Frieden als selbstverständlich annehmen, oder ob wir daraus ableiten, dass unser Einsatz gefragt ist, unser Engagement.

In Anlehnung an das Gebet von Mutter Teresa formuliere ich: Gott hilf uns dazu, dass wir Frieden bringen, wo Streit ist, Liebe üben, wo Einsamkeit und Sorge sich breitmachen. Dass wir anderen verzeihen, wo man sich hasst, dass wir in jeder Begegnung aufmerksam für andere sind.

All das aus Dankbarkeit heraus, dass Gott uns gibt, was wirklich wichtig ist im Leben.

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Danke-sagen ist mehr als nur eine Höflichkeitsformel. Danke darf kein Fremdwort sein! Der Dank will gelebt werden, will uns zum Handeln führt. Danken bringt uns in Bewegung aufeinander zu. Wir danken einander, und wir danken Gott mit Herzen, Mund und Händen.

Dankbarkeit ist eine Lebenseinstellung, die Gutes bewirkt. Mit der Kraft des Dankens können wir das Böse in seine Schranken weisen und dazu helfen, dass Liebe und Frieden sich in unserer kleinen und großen Welt ausbreiten.

Seit einem Kirchentag in den 60-er Jahren gibt es das „Danke-Lied“. In sechs Strophen wird aufgezählt, wofür wir dankbar sind. Am Ende des Liedes heißt es: „Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran. Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.“ Dazu passt der Sinnspruch: Nicht der Glückliche ist dankbar, sondern der Dankbare ist glücklich. Darüber lohnt es sich, weiter nachzudenken.

Herzlichst – Ihre / Eure Pfarrerin Erika Juckel

 

Zur Info: Die Andachten in den Schulferien erscheinen am Mittwoch oder am Donnerstag (online auf unserer Homepage oder on Leine, auf der Wäscheleine).

Die Predigt und ein Lied von unseren Open-Air-Gottesdiensten kann man immer montags auf unserer Homepage und auf youtube aufrufen.

Hier der Link: Gottesdienst am 2. August

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 30.7.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am Dienstag, auf dem Weg zu einem Trauergespräch in Hoffnungsthal, fuhr ich am Wöllnerstift vorbei, und wie so oft fiel mir das Logo des Seniorenheimes ins Auge. Groß aufgemalt sieht man es am Giebel eines Gebäudes. Und heute Nachmittag – am Mittwoch –halte ich den Balkongottesdienst für die Menschen im Wöllnerstift und in der Nachbarschaft. Und wieder sehe ich das gleiche Zeichen auf der Flagge am Eingang:

 

Ein Segelschiff.

Ich gehe mit meinen Gedanken spazieren: In diesen Gebäuden wohnen viele Menschen, die eine lange Reise auf ihrem Lebensschiff hinter sich haben. Nach der Fahrt auf hoher See, nach ruhigen Lebensphasen, nach schönen Erlebnissen, gewiss auch nach Abenteuern und Stürmen – und wer denkt da nicht an die Kriegszeit und die schweren Jahre danach –, jetzt ist man in einen ruhigeren Hafen eingelaufen. In diesem Hafen verbringen viele ihren Lebensabend. Ob es hier aber immer ruhig zugeht, sei dahingestellt. Gerade die Corona-Zeiten waren und bleiben eine Herausforderung für die Bewohner und Bewohnerinnen, sowie auch für alle, die im Wöllnerstift arbeiten.

In dieser Andacht für Donnerstag lade ich Sie und Dich ein, das Bild vom individuellen Lebensschiff auf das eigene Leben zu beziehen. Je nach Lebensalter ist man schon eine lange Zeit unterwegs. Andere haben erst wenig Erfahrung auf der Fahrt im weiten Meer. Die sind angewiesen auf Beratung durch andere Menschen oder durch nautische Hilfsmittel …

Nun, das Symbol Lebensschiff will ich ein wenig ausmalen. Vielleicht nehmen Sie sich ein wenig Zeit und lassen sich durch das Bild inspirieren. Ich will offen lassen, mit welchen Farben, Erinnerungen und Gedanken Sie das Bild vom eigenen Lebensschiff füllen.

Ich formuliere diese Art Meditation in allgemeiner Form und lade Sie und Dich dazu ein, sich mit der eigenen Lebensgeschichte unterzubringen.

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Unter Gottes weitem Himmel waren und sind wir auf großer Fahrt, auf dem Schiff des eigenen Lebens …

Wenn wir auf unser Leben zurückschauen, dann war der Kurs manchmal ganz klar. Dann war es gut, wenn uns Menschen begleitet haben mit Rat und Tat. Und sinnvoll, wenn wir ein Navigationsgerät dabeihatten, eine Seekarte oder einen Kompass. Manchmal haben wir uns auch am Sternenhimmel orientiert.

Wir hatten uns Ziele gesteckt – im privaten Bereich, wie im Beruf. Einige Seerouten haben wir schon hinter uns gebracht. Daher kennen wir auch manche sichere Häfen, wo man gut vor Anker gehen und sich erholen konnte, bevor es wieder hieß „Segel setzen.“ Wenn der Wind günstig ist, geht es mit aufgeblähten Segeln voran. Dann nimmt das Lebensschiff Fahrt auf. Und manchmal ging es „volle Kraft voraus“.

Immer wieder schaukelte unser Segelschiff durch ruhiges Fahrwasser. Man blieb auf Kurs und hat viel Schönes im Leben erfahren. Wir erinnern uns dankbar an solche Erlebnisse und an gute Begegnungen, die uns gestärkt und weitergebracht haben.

Zu anderen Zeiten mussten wir das Lebensschiff durch Stürme hindurch manövrieren. Da hatte und hat jede Generation ihre Herausforderungen. Es war so, als würden die Wellen über uns hereinbrechen. Manches wurde uns zugemutet, auch Trauriges. Wir mussten durch schwere Zeiten hindurch. Oft haben wir Bewahrung erfahren.

Wenn wir in die Zukunft schauen, dann ist da viel Ungewissheit … Ob wir uns in unbekannte Gewässer vorwagen, ohne zu wissen, was uns dort erwartet. Oder ob wir meinen, sicher zu wissen, wohin die Reise gehen soll …

Wenn wir auf unserem Lebensschiff eine Flaute erleben, dann werden wir eine Pause einlegen müssen. Segel setzen nützt dann nichts, denn wo kein Wind, da keine Bewegung. Dann kommt das Lebensschiff nicht voran.

Doch wenn der Wind lange ausbleibt, wird es eng und die Vorräte gehen aus. Dann werden wir die Ärmel hochkrempeln müssen und ans Ruder gehen. Das wird anstrengend, aber man kommt wenigstens vorwärts.

Natürlich ist es am besten, wenn leichte Winde wehen, die die Segel aufblähen. Eine erfrischende Brise gibt auch neue Ideen und neuen Schwung.

Wenn die See jedoch zu unruhig wird, wenn sich der Himmel verdunkelt, Gewitterwolken aufziehen und ein Sturm die Wellen aufpeitscht, dann kann es gefährlich werden.

Segel setzen in die Zukunft … In den unendlichen Weiten des Meeres kann es gefährlich sein. Und wir fragen uns:

Wie halten wir unser Lebensschiff auf Kurs? Können wir stürmische Zeiten überstehen? Schaffen wir es, unser Schiff durch gefährliche Gewässer zu lenken?

Und wenn die Wellen über uns zusammenschlagen: Wer hält uns? Wenn unser Schiff kentert: Wer wirft uns den Rettungsring zu? Oder gehen wir unter?

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So viele Fragen und Unsicherheiten … –

In der Bibel wird erzählt, dass es den Jüngern Jesu ganz ähnlich gegangen ist: Sie waren mit dem Boot auf dem See Genezareth. Plötzlich kam ein furchtbarer Sturm auf. Das Schiff drohte zu kentern. Die Jünger riefen Jesus um Hilfe an. „Hilf uns doch, Jesus! Wir gehen unter und sterben.“ Und Jesus bedrohte den Wind und das Meer. Der Sturm legte sich. Jesus fragte seine Jünger: „Wo ist euer Glaube?“

Vielleicht geht die Frage auch an uns: „Wo ist unser Glaube?“

Viele Menschen meinen, ohne Glauben zurecht zu kommen. Das geht vielleicht eine Zeitlang gut. Viele erkennen gar nicht, dass sie das Gute, das sie erleben, nicht nur sich selbst zu verdanken haben. Doch meist kommt man an einen Punkt, wo man sieht: Das schaffe ich nicht allein. Ich brauche Hilfe.

Unsere biblische Geschichte sagt uns: Jesus ist mit uns im Boot. Er lässt uns nicht allein. Auch im Unwetter, wenn das Meer um uns herum tobt, in stürmischen Zeiten unseres Lebens, können wir darauf vertrauen, dass Jesus bei uns ist.

Er begegnet uns auch in anderen Menschen: In Menschen, die uns den Rettungsring zuwerfen, Menschen die für uns da sind und helfen, dass wir wieder auf die Beine kommen.

In einem neuen Lied, das die biblische Geschichte von der Sturmstillung in unsere Zeit hinein interpretiert, heißt es:

„Ist dein Leben von Stürmen bedroht, denkst du, Gott schweigt zu dir in der Not. Denkst du, Er ist nicht da, doch Er ist dir ganz nah. Jesus sitzt mit dir im selben Boot.“

Jesus ist mit uns unterwegs auf dem Schiff unseres Lebens.

So wünsche ich uns allen, dass wir seine Nähe spüren, im Glauben an ihn gestärkt werden und voller Zuversicht die Segel setzen in eine Zukunft mit Jesus an der Seite.

Herzlichst – Ihre / Eure Pfarrerin Erika Juckel

Zur Information: Die Andachten in den Schulferien erscheinen immer mitten in der Woche, am Mittwoch oder am Donnerstag – online auf der Homepage oder on Leine, auf der Wäscheleine.

Die Predigt und ein Lied von unseren Open-Air-Gottesdiensten erscheint immer montags.

Hier der Link: Gottesdienst am 26. Juli

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 23.7.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am Mittwoch (22. Juli) lese ich in meinem Losungsheft folgenden neutestamentlichen Text:

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht. (aus Jesu Gleichnis vom Wachsen der Saat; Markus 4, 26-28)

Zum Bild des Säens fällt mir folgendes Zitat von Albert Schweitzer ein, bei dem es am Ende auch um einen Sämann geht:

Als einer, der versucht, in seinem Denken und Empfinden jugendlich zu bleiben, habe ich mit den Tatsachen und Erfahrungen um den Glauben an das Gute und Wahre gerungen.
Auf die Frage, ob ich pessimistisch oder optimistisch sei, antworte ich, dass mein Erkennen pessimistisch und mein Wollen und Hoffen optimistisch ist.
Weil ich auf die Kraft der Wahrheit und des Geistes vertraue, glaube ich an die Zukunft der Menschheit. Wo Kraft ist, ist Wirkung von Kraft. Kein Sonnenstrahl geht verloren. Aber das Grün, das er weckt, braucht Zeit zum Sprießen, und dem Sämann ist nicht immer beschieden, die Ernte mitzuerleben. Alles wertvolle Wirken ist Tun auf Glauben.

Würde jemand auf die Idee kommen, dass diese Worte von einem Menschen formuliert wurden, der im Jahr 1875 geboren wurde? Die Worte passen auch in unsere Zeit, meine ich.

Dr. Albert Schweitzer war Philosoph und evangelischer Theologe, er war Musiker und Arzt. Sein Name wird meist im Zusammenhang mit „Lambarene“, seinem Lebenswerk, genannt. Er und seine Ehefrau Helene haben in französisch-Äquatorial-Afrika – heute Gabun – eine Klinik für die Ärmsten der Armen aufgebaut.

Er starb im Jahr 1965 im Alter von 90 Jahren. Seine geistige Haltung und sein vorbildliches Engagement für die Menschen, all das hat für uns heute noch immer große Bedeutung. Sein gesamtes Leben verschrieb er sich der Nachfolge Jesu und hat mit am Reich Gottes gebaut. Es mag sein, dass er nicht immer erleben konnte, dass die Saat, die er gesät hat, auch aufgeht. „Dem Sämann ist nicht immer beschieden, die Ernte mitzuerleben. Alles wertvolle Wirken ist Tun auf Glauben.“

Wer sich mit der Biografie von Albert Schweitzer befasst, der entdeckt vieles, was nachfolgende Generationen bis heute „ernten“ können. Die Saat, die Albert Schweitzer ausgesät hat, ist vielerorts und in den unterschiedlichsten Bereichen aufgegangen.

Albert Schweitzer – der Musiker:

Wer sich in der Musikgeschichte auskennt, der hat einen Mann am Spieltisch vor Augen. Allerdings nicht beim Pokern, sondern am Spieltisch berühmter Orgeln. Er war Schüler des bedeutenden französischen Organisten Charles Widor. Schweitzer wusste, dass er selbst zwar ein guter Organist, aber kein Ausnahme-Virtuose war. Er gab viele Konzerte, mit deren Einnahmen er das Urwaldkrankenhaus finanzierte.

Durch sein Nachdenken über Bachs Solo-Sonaten für Violine entwickelte er einen neuen Geigenbogen, den sogenannten „Bach-Bogen“, mit dem der Solist bei Akkorden gleichzeitig alle vier Saiten anstreichen konnte. Schweitzer schrieb ein Buch über das Werk Johann Sebastian Bachs, dem bis heute eine überragende Bedeutung zukommt.

Zeitlebens blieb die Musik für ihm eine Möglichkeit, Trost und Kraft zu gewinnen.

Albert Schweitzer – Dr. der Philosophie und Dr. der Theologie:

Obwohl er sich so sehr für die Musik begeisterte, hatte er sich nach dem Abitur im Jahr 1893 für das Studium der Philosophie und der Evangelischen Theologie entschieden.

Bis heute ist seine Doktorarbeit, ein theologisches Standardwerk. Es trägt den Titel „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ (1913). Darin wies er nach, dass in fast allen „Leben-Jesu“-Entwürfen die Vorstellungen der Verfasser eingeflossen sind. Das meint: Die Evangelisten haben nicht nur aufgeschrieben, wie Jesus gelebt hat, seine Worte und seine Taten … – Sondern Matthäus, Markus, Lukas und Johannes haben alles schon wertend be-arbeitet, indem sie die Ideale ihrer Zeit mit hineinnahmen. Und er stellt dar, dass sowohl die Predigt Jesu als auch das Wirken Jesu bestimmt war von der Vorstellung, dass die Welt bald zugrunde gehen würde und das Gottesreich kommen wird.

Auch in seinem zweiten theologischen Hauptwerk „Die Mystik des Apostels Paulus“ (1930) betont er, dass für Paulus der Anbruch der Gottesherrschaft ganz nah bevorsteht.

Und wir müssen uns fragen lassen: Wie steht es mit unserer Zukunftsvorstellung? Auf was hoffen wir, wenn wir im Vaterunser beten: „Dein Reich komme“. Bauen wir mit an dem Friedensreich, das Jesus verheißen hat? Wo leisten wir als Christen unseren Beitrag für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung?

Albert Schweitzers Grundgedanken könnten heute gerade für die ökologische Bewegung geistiges und geistliches Fundament sein. 1915, also vor 105 Jahren, entdeckt er das, was das Grundprinzip seines Denkens werden sollte. Er prägte die Ethik von der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Seine Worte sind: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will … und … zugleich erlebt der Mensch, dass er jedem Leben die gleiche Ehrfurcht entgegenzubringen hat, wie dem eigenen.“

Für sein humanitäres Engagement und für seinen Einsatz für den Frieden erhält Albert Schweitzer 1952 den Friedensnobelpreis.

Dr. med. Albert Schweitzer – der Arzt

Mit dem Ziel Urwaldarzt zu werden, studiert Albert Schweitzer Medizin und erwirbt Anfang 1913 seinen dritten Doktortitel.

Ja, Albert Schweitzer war konsequent in seinem Denken und Handeln. Er hat sich als Geschöpf innerhalb von Gottes Schöpfung gesehen. In Ehrfurcht vor allem Leben ist er seinen Weg gegangen. Es war der Weg in die Nachfolge Jesu. Er hat sich nach Jesu Vorbild der Barmherzigkeit ausgerichtet und sein Leben in den Dienst der Menschen gestellt. Weil er dankbar ist für alles, was ihm im Leben geschenkt ist, antwortet er darauf, indem er sich für die Ärmsten der Armen in Afrika engagiert. Im Krankenhaus von Lambarene hat viele Kranke behandelt, vielen geholfen und wohl auch Lepra-Kranke geheilt.

Schlussgedanken

Worin unser Auftrag von Jesus her liegt, das kann uns Albert Schweitzer nicht mehr sagen. Das können uns nur unsere eigenen Augen verraten, wenn wir wach durchs Leben gehen, und wahrnehmen, wo ein Geschöpf Gottes unser Mensch-Sein braucht. Und so kann sein Lebenswerk, seine konsequente Haltung in der Nachfolge Jesu, Richtschnur für das eigene Leben werden.

Schließen möchte ich mit einem weiteren Ausspruch des Friedensnobelpreisträgers: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen.“

Ich erinnere gerne an Albert Schweitzer und habe große Ehrfurcht vor diesem besonderen Menschen, der vor 55 Jahren gestorben ist.

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 15.7.

 

Ein kleiner Schritt für Gott, aber der große Sprung für die Menschheit“

Liebe Leserinnen und Leser,

vor 51 Jahren wurde Geschichte geschrieben. Am 20. Juli 1969 verfolgten Millionen Menschen an ihren Fernsehern den Triumph der Raumfahrt, die geglückte weiche Landung auf dem Mond.

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“

Das waren Neil Armstrongs Worte, als er die oberste Sprosse der Leiter bestieg, um aus dem Landemodul „Eagle“ auf die Mondoberfläche hinabzusteigen. Zum ersten Mal betrat ein Mensch den Mond.

Die Apollo 11 Mission war nach jahrelanger Vorbereitung geglückt. Seit den 1950er Jahren kam es zwischen der Sowjetunion und den USA zum sogenannten „Wettlauf ins All“. Lange war die Sowjetunion mit ihrem Raumfahrprogramm führend. Dies spornte die USA an und es wurde 1961 das Apollo Raumfahrtprogramm begonnen. Mit der erfolgreichen Apollo 11 Mission wollte die USA auch die Überlegenheit des westlichen Gesellschaftssystems gegenüber dem Kommunismus demonstrieren.

Diesem „Sprung für die Menschheit“, der geglückten Landung, gingen viele Versuche voraus, darunter sogenannte „harte Landungen“ unbemannter Raumkörper.

Es wurde im Vorfeld intensiv versucht und getestet, wie man eine sichere, „weiche Landung“ einem Landungsmodul ermöglichen kann.

Eine sprichwörtliche „weiche Landung“ wünscht man sich, wenn man ein unkalkulierbares Wagnis eingeht. Es ist manchmal erschütternd, wenn man aus Wünschen, Träumen, Hoffnungen, Erwartungen, hart auf den „Boden der Tatsachen“ aufkommt.

Vor gut 2000 Jahren wurde auch Geschichte geschrieben. Wohl an Ihrem Lagerfeuer sitzend, verfolgten ein paar Hirten das unglaubliche Spektakel, nämlich wie Gott auf dem Planten Erde „landete“. Das heißt die „Landung“ bekamen sie nicht mit. Wohl aber die Ansage, wo Gott den Planet Erde „betrat“: In einem Stall, im unbedeutenden Ort Betlehem sei er zu finden, so wurde es ihnen angesagt. Diese Landung war alles andere als „weich“. Hart und Mühsam war der Weg nach Betlehem bis es zur „Landung“, der Geburt Jesu im Stall, kam. Die Hirten fanden den neuen Erdenbürger schließlich in einer Futterkrippe liegend.

„Ein kleiner Schritt für Gott, aber der große Sprung für die Menschheit“ So möchte ich diese „Landung“ frei nach Neil Armstrong kommentieren.

Der großer Sprung für die Menschheit“ Warum?

1969 haben Menschen eindrücklich gezeigt, was sie mit Ihren Gaben und Fähigkeiten zustande bringen können … unglaubliche Höhenflüge.

Knapp 2000 Jahre früher hat uns Gott gezeigt was er für uns zustande bringt. Keine Höhenflüge, sondern „harte Landungen im Alltag der Menschen“: (Philipper 2, 6) Obwohl er Gott in allem gleich war und Anteil an Gottes Herrlichkeit hatte, bestand er nicht auf seinen Vorrechten. Nein, er verzichtete darauf und wurde rechtlos wie ein Sklave. Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und lebte als Mensch unter uns Menschen. Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott auch herrlich zu sich erhoben und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen steht…

Was für eine Landung – und warum? Weil er bei uns landen will. Deswegen kommt er so tief zu uns runter. Er will bei uns ankommen, damit wir es wie Gott machen: Mach`s wie Gott und werde Mensch! Philipper 2, 4+5: „Denkt nicht immer zuerst an euch, sondern kümmert und sorgt euch auch um die anderen! Orientiert euch an Jesus Christus

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn wir dies tun, wieder neu versuchen beim Nächsten zu „landen“, nicht immer zuerst an uns denken, sondern uns um die anderen kümmern und sorgen, uns an Jesus Christus orientieren, dann werden dies kleine Schritte für uns, aber große Sprünge für die Menschheit sein.

Ich wünsche uns in diesem Sinne geglückte Landungen beim Nächsten.

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 9.7.

 

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“

Römer 8,31: Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein.

Liebe Leserinnen und Leser,

ich nehme Sie mit in meine Ausbildungszeit. Es war gegen Ende der Studienzeit, im ersten Examen, als ich zu einer Prüfung im Landeskirchenamt in Düsseldorf war. Nervös standen wir Prüflinge in Gruppen zusammen und unterhielten uns, bevor wir im Prüfungsraum eine Klausur schreiben sollten. Irgendwann warf ein Student ein, wie wichtig die „Katechismen“ seien und legte los: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Ich erinnere mich noch genau, wie meine Nervosität mit einem Male enorm stieg. Diesen Satz hatte ich bis dahin (meines Wissens) noch nie gehört. Ich fragte nach, woher diese Frage stammte und erntete ungläubige Blicke. Und dann kam die Antwort: „Ob ich den Heidelberger Katechismus nicht kennen würde …?“

Natürlich hatte ich schon vom Heidelberger Katechismus gehört, aber ihn nie verinnerlicht. Als Konfirmand musste ich in meiner Heimatgemeinde den kleinen Katechismus von Martin Luther auswendig lernen – aber der Heidelberger Katechismus …

Ich weiß noch, wie ich mich von der Gruppe entfernte und mich im Landeskirchenamt auf die Suche nach einem Gesangbuch machte. In einem Andachtsraum wurde ich fündig.

Ich schlug nach (im aktuellen Gesangbuch stehen Auszüge des Heidelberger Katechismus unter der Nummer 856) und fand die erste Frage des Heidelberger Katechismus:

 

Frage 1:

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Er hat mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkommen bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;
und er bewahrt mich so,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen
ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist
des ewigen Lebens gewiss
und von Herzen willig und bereit,
ihm forthin zu leben.

 

Wunderbare Worte und Gedanken – oder?

 

Damals waren diese Worte jedoch wie ein Schlag in die Magengrube. Ich hatte für die Prüfung eigentlich, so meine Einschätzung, gut gelernt, aber so etwas „Wichtiges“ wie den Heidelberger Katechismus während meiner ganzen Studienzeit nicht wahrgenommen.

Die „Trostworte“ des Heidelberger Katechismus wurden so zu „Sorgenworten“ (… hoffentlich kommt nichts zum Heidelberger Katechismus in der Klausur vor … – Gott sei Dank 😉, nach dem Heidelberger Katechismus wurde in dieser Klausur nicht gefragt).

So ein Erlebnis vergisst man nicht. Jedoch sind aus den „Sorgenworten“ natürlich nach dem ersten Examen „Trostworte“ geworden. Denn nach dieser Klausur beschäftigte ich mich mit meiner „Wissenslücke“. Nicht nur intellektuell, denn die Worte der Frage 1 berührten mein Herz: Was ist dein Trost, Thomas, im Leben und im Sterben, was trägt dich letztlich?

Es ist die Gewissheit der Antwort:

Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland
Jesus Christus gehöre.

 

Noch viel „schöner“ finde ich diese Gewissheit in einem meiner Lieblingsverse der Bibel:

Römer 8,31: Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein.

Denn das bedeutet für mich:

Wenn Gott auf deiner Seite ist – bekommt jedes Problem und jede Sorge, jede Angst und jeder Kummer den Stempel der Vorläufigkeit aufgedrückt!!!! Und das bedeutet das unsere Zukunft, und dass „die letzten Dinge“ bereits geklärt sind.

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn wir in dieses Bekenntnis einstimmen können, dann werden die vergangenen und gegenwärtigen Probleme, Sorgen und Ängste relativ und haben letztlich keine zerstörerische Bedeutung mehr.

Denn mit Gott an deiner Seite kann letztlich nichts und niemand gegen dich sein.

Manchmal muss man die Welt von Oben betrachten, auf einen Berg steigen dann ist alles das was unten ist relativ klein.  Ist Gott für uns, was kann gegen uns sein. Mit diesem Vers bekommen wir eine neue Betrachtungsweise von oben: Gott ist auf unserer Seite, der Liebhaber und Machthaber der Welt – das gegenwärtige was uns Sorge macht wird relativ.

Jemand hat es einmal wunderbar zusammengefasst:

Wenn Gott für uns ist, dann ist unser gegenwärtiges Leiden gut aufgehoben.

Denn was bedeutet es letztlich Schiffbruch zu erleiden der immer schmerzlich ist, wenn Gott der Ozean ist?

Zugrunde gehen ist immer notvoll. Aber was bedeutet es letztlich, wenn Jesus der Grund unter allem ist?

Aus unseren Höhenflügen abstürzen ist immer enttäuschend. Aber was bedeutet es letztlich, wenn das Netz der göttlichen Liebe uns auffängt?

Aus wunderbaren Träumen erwachen ist immer ernüchternd. Aber was bedeutet es letztlich, wenn Gott die Realität ist?

Sterben ist immer die schmerzlichste Trennung vom Leben. Aber was bedeutet es letztlich, wenn wir in Gottes Ewigkeit hineinsterben?

Gott ist für uns – unser Trost im Leben und im Sterben!
Ich wünsche Ihnen, dass diese Gewissheit trägt!

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 2.7.

 

Liebe Gemeinde,

der Monatsspruch für Juli steht im 1. Buch der Könige und lautet:

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
Könige 19, 7

In der Versöhnungskirche zu Rösrath hängen vier Webteppiche aus Namibia. Sie erzählen vier biblische Geschichten. Einer von ihnen erzählt von Elia, der in einer tiefen Lebenskrise auf wundersame Weise auf Gottes Geheiß hin von Raben ernährt wird. An dieses Bild musste ich sofort denken, als ich die Monatslosung für den Juli 2020 aufschlug. Mein Vorgänger im Rösrather Pfarramt, Herr Pfarrer Schaaf, hat zu den vier Webteppichen im Silberjubiläumsjahr 1992 jeweils eine Predigt geschrieben. Die zu Elia und seinen Erblebnissen mit den Raben aus 1. Könige 17, es war 1992 die Konfirmationspredigt, möchte ich Ihnen hier gerne in Auszügen und ein wenig verändert wiedergeben:

Ein toter Baum gibt wenig Schatten. Elia hat ihn langsam sterben sehen, weil seine Wurzeln im Bett des Baches Krit kein Wasser mehr fanden. – Er hat ihn welken sehen Blatt für Blatt, hat ihn verdorren sehen Zweig um Zweig. – Er wäre vor ihm oder mit ihm gestorben, gäbe es die Raben nicht.

Ausgerechnet die schwarzen Vögel des Todes, die sonst war­tend über den Opfern der Wüste kreisen, hat Gott Elia zu Helfern des Lebens bestellt! Sie sind seine Freunde ge­worden, seitdem er sich hier verstecken musste. Ihre gefürchteten Schnä­bel reichen ihm Feigen und Trauben. Ihr kräftigen Beine und Krallen sind hell gezeichnet – sie stehen in freundlichem Dienst.

Elia wird jetzt essen und sich dankbar freuen, dass er in dieser Wüste nicht vergessen ist. – Doch dann wird er sehr drängend fragen: Gott, wie lange noch? Wann endlich darf ich zurück zu meinem Volk, um ihm zu verkünden, dass Dürre und Tod ein Ende haben? Tun möchte ich, was sinn­voll ist. Die Not schreit, Herr! Dank für Deine schwarzen Boten, aber ich brauche Menschen, und Menschen brauchen mich! –

Die Bitte

Die Raben hat dieser Elia lieben gelernt, aber eine bestimmte Sorte Affen, die sich auch hierzulande zahlreich finden lassen, hasste er wie die Pest: Den einen Affen, der nicht sehen will – als lösten sich die Probleme, wenn wir die Augen davor verschließen -, den anderen, der dafür sorgt, dass er nichts hört – und den dritten, der selber sagt: Nur nicht den Mund verbrennen!

Die Zahl derer, die Nöte aller Art miterleben und sich verweigern, nimmt zu. Einem wird Unrecht getan, und Menschen schweigen. Sie erleben einen Verkehrsunfall  mit – und wollen keine Zeugen sein. Unser gottgegebener Auftrag aber sieht anders aus.

Elia hat kein bequemes Leben gehabt, eben weil er so wach und mutig war, aber er hat mit Gottes Hilfe sein Volk vor Schlimmem bewahrt. Er hat hingeschaut, hingehört und den Mund aufgemacht, wo es Unrecht zu benennen galt. 

Das  Versprechen

Hat Elia nur gestaunt, oder hat er gelacht, als Gott ihm versprach, ihn durch Raben versorgen zu lassen? Die Bibel sagt nichts darüber. Was wir aber erfahren ist: Elia hat Gott vertraut, und Gott hielt sein Versprechen. Denn wenn der große Gott zusagt: „ich stehe zu dir und lasse dich nicht im Stich“, dann sind das keine leeren Worte.

Bei jeder Taufe, bei jeder Konfirmation, bei jeder Trauung und in jedem Gottesdienst erinnern wir daran: Gott ist mit denen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen! Und dabei wählt er auch manchmal ganz ungewöhnliche Wege, so wie in unserer Geschichte die hilfreichen Raben.“

Pfarrer Armin Kopper

Foto: A.Kopper


Fotos: D. Binderberger u. Pfarrer Kopper

Andacht für den 27.6.

 

Jesus spricht: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen
und selig zu machen was verloren ist“ (
Lukas 19,10)

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Wochenspruch (für die kommende Woche) aus Lukas 19,10 erinnert uns an die Mission, die Aufgabe Jesu Christi. Er ist ein „Sucher“ und „selig Macher“. Das haben viele Zeitgenossen Jesu in einer Begegnung mit ihm erlebt und erfahren. Jesus war zu seinen Erdenzeiten immer auf der Suche nach Menschen, um ihnen zu helfen wieder neu in eine Beziehung mit Gott zu kommen.

Kennen sie den Ausspruch: „Vom Saulus zum Paulus“? Es bezeichnet die radikale Wendung eines Menschen, von einem „bösen“ zu einem „guten Menschen“.

Die biblische Geschichte die sich dahinter verbirgt steht in der Apostelgeschichte Kapitel 9:

Saulus war, nachdem die ersten christlichen Gemeinden entstanden, ihr schärfster Gegner. Er verfolgte Christen und hatte Übles mit ihnen im Sinn.

Auf einem seiner „Verfolgungsreisen“ ist Christus selbst ihm in den Weg getreten. Diese im wahrsten Sinne des Wortes umwerfende Begegnung hat sein Leben verändert. Sein Leben wurde im buchstäblichsten Sinne durchkreuzt! Der, den er bekämpfte, Jesus von Nazareth, der wurde sein Herr, der nahm ihn in seinen Dienst, der wendete sein Leben. Die Gemeinde Jesu wollte er vernichten, und dann hat er mehr für die Ausbreitung des Evangeliums getan als viele vor oder nach ihm! Vom Saulus wurde er zum Paulus – er bekam einen neuen Namen.

Würden wir einen Brandstifter zum Feuerwehrhauptmann machen? Eher nicht – oder?

Aber so handelt Gott. Paulus mag es selbst nicht für möglich gehalten haben. Und in der Rückschau auf sein Leben kann er nur bekennen: Ein Lästerer war ich und ein Verfolger der Gemeinde, ein Frevler und unter den Sündern der Allerschlimmste. 1. Timotheus 1,13

Aber – und das war von nun an sein Bekenntnis – Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder selig zu machen.

Das heißt doch: Menschen mit Vergangenheit haben eine Chance! Versager sind willkommen. Die, die nichts zu bringen haben als ihre Schuld, ihr Versagen, ihre Ablehnung gegen Gott, die nichts vorzuweisen haben als leere Hände, die sind ihm recht.

Die Geschichte von Paulus tut mir gut!

Ein Mensch dessen Leben durchkreuzt wird. Der fortan mit seiner Vergangenheit, mit seinen Fehlern und seiner Schuld umgehen kann.  Leugnen und Abwiegeln – das muss Paulus nicht. Denn gerade an ihm, diesem Menschen mit katastrophaler Vorgeschichte, soll etwas deutlich werden: Menschen mit Vergangenheit bekommen einen neuen Anfang geschenkt!

Gott legt keinen fest. Es gibt einen Neuanfang. Und wenn es sein muss immer wieder. Nicht, weil wir halt alle kleine Sünderlein sind und er ein Auge zudrückt. Sondern weil sein Wesen die Liebe ist. Aus Liebe ist Christus in diese Welt gekommen. Aus Liebe hat er unter uns gelebt. Aus Liebe hat er das Leiden und den Tod auf sich genommen. Aus Liebe ließ er sich ans Kreuz schlagen. Aus Liebe ruft er uns heraus aus unseren Ängsten und Zwängen, aus unseren Sorgen und Nöten, aus unserer Schuld und unserem Versagen.

 Und damit sagt es uns zu: Ich will dich gebrauchen. So wie du bist, bist du mir willkommen. Du bist wertvoll für mich! Viel zu wertvoll, als dass du verloren gehen dürftest.

Vielleicht spricht alles gegen uns, aber dieser Jesus Christus ist für uns. Auch wenn es Zeiten in unserem Leben gegeben haben mag oder gibt, in denen uns Gott, Jesus Christus, die Kirche egal waren oder sind. Obwohl wir vielleicht immer wieder mit den Achseln zucken und sagen: Das kann ich nicht glauben, was da in der Bibel erzählt wird … Er will etwas mit uns anfangen. Unserem Leben eine neue Richtung geben. Ein neues Ziel. Er wartet nicht, bis wir ihn suchen, sondern er sucht uns selbst, um uns selig zu machen

Jesus Christus spricht uns zu: Ich bin gekommen um dich zu suchen und gut zu machen was bei dir verloren ist.

Gott sei Dank!

In diesem Sinne wünsche ich uns ein gesegnetes „finden lassen“!

 

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 25.6.

Liebe Gemeinde,

Anfang der Woche habe ich mir bereits überlegt, zu welchem Thema ich für diesen Donnerstag meine Andacht schreiben möchte. Ziemlich bald stand für mich fest, es sollte der Johannestag sein. Denselben Gedanken hatte dann auch meine Kollegin, Frau Pfarrern Erika Juckel, wie ich an ihrer Andacht für diese Woche sehen konnte. Sollte ich mir deshalb nun ein anderes Thema wählen? Eigentlich nicht nötig, dachte ich mir, denn das, was sich für sie mit dem Johannestag verbindet, ist doch so ganz verschieden von dem, woran ich beim Johannestag denke. Nun gut, das Zitat aus dem Johannesevangelium hätte ich auch verwendet und auch das mit dem Zunehmen und Abnehmen hätte ich geschrieben, aber sonst?

In mein Bewusstsein rückte der Johannistag zum ersten Mal, als ich in Mainz studierte, denn dort gibt es zu Johannis in jedem Jahr über mehrere Tage ein riesiges Volksfest, von dem mich an erster Stelle immer wieder der kilometerlange Kunsthandwerkermarkt am Rhein entlang beeindruckt hat. In der Mainzer Altstadt liegt denn auch die Johanniskirche direkt neben dem mächtigen Dom. Sie ist im Jahr 910 geweiht worden und damit gut 120 älter als er. Da hier der erste Mainzer Bischofssitz war, gilt sie als zweitälteste Bischofskirche Deutschlands, nach Trier. 1828 nahm die evangelische Gemeinde die Johanneskirche in Besitz und feiert bis heute darin ihre Gottesdienste, die ich als Student besuchte.

Doch wer ist dieser Johannes der Täufer eigentlich? Was wissen wir von ihm? Während meiner Fahrten ins Heilige Land habe ich mich zusammen mit den Mitreisenden immer wieder auf Spurensuche nach ihm begeben. So waren wir z. B. am Jordan, wo Johannes die Menschen, die zu ihm in die Wüste kamen, getauft haben soll. Hundertprozentig lässt es sich leider nicht mehr herausfinden, wo genau am Jordan er getauft hat, doch es wird sehr wahrscheinlich auf der Höhe von Jericho gewesen sein. Auch konnte nur hier, auf dem östlichen Ufer des Jordan, König Herodes Antipas ihn gefangen nehmen lassen, denn alles, was westlich des Jordan lag, war außerhalb seines Machtbereiches. In der Festung Machaerus im heutigen Jordanien hoch über dem Toten Meer gelegen wurde Johannes von ihm gefangengesetzt und später, gemäß biblischem Bericht am Geburtstag des Königs durch Enthauptung hingerichtet.

Mehr historische Orte lassen sich zu Johannes dem Täufer in der Bibel leider nicht finden, und so manches von ihm wissen wir auch nur durch den jüdischen Autor Josephus Flavius, wie z. B. den Namen der Stieftochter des Herodes, Salome. Relativ wenig hat die biblischen Autoren am Menschen Johannes interessiert. So erfahren wir zum Beispiel nichts über seinen Geburtsort, außer dass er in einem Gebirge in Juda liegt. Relevant war für die Evangelisten vielmehr seine theologische Einordnung als Wegebereiter Christi, der als solcher den Menschen von Gott gesandt wurde, wie die wundersamen Umstände seiner Geburt anzeigen. Auch seine Geburt wird wie bei Jesus von einem Engel angesagt und später, als Erwachsener führt Johannes dann das Leben eines alttestamentlichen Propheten, ernährt sich von Honig und Heuschrecken, trägt einen Kamelhaarumhang, predigt den Menschen mit ziemlich drastischen Worten das bevorstehende Gericht Gottes. Und auch er sammelt wie Jesus Jünger um sich. Man könnte sagen, Johannes ist wie ein Bindeglied zwischen Alten und Neuen Testament, er steht noch ganz in der Tradition, weist aber bereits weit über sich hinaus auf das kommende Neue hin. Johannes spricht von Buße und ruft zur Umkehr. Wer ihn hört und sich mit ihm beschäftigt, kommt ins Nachdenken, damals wie heute.

Pfarrer Armin Kopper

Gebet zum Johannestag

Gott, wir danken dir,
dass Du Johannes den Täufer als Vorläufer gesandt hast,
der auf Jesus zeigt als dem einzigen Führer,
dem wir vertrauen und dem wir folgen sollen.

Wir bitten dich:
Wecke in uns den Zweifel,
wenn jemand genau weiß, was richtig ist und was falsch,
wenn jemand uns sagen will, was wir zu tun und wohin wir zu gehen haben,
wenn jemand bestimmt, wer unsere Freunde sind und wer unsere Feinde.

Halte in uns den Zweifel wach,
wenn wir nach alter Gewohnheit das tun wollen, was wir schon immer taten,
wenn wir meinen, wir könnten doch nichts ändern,
unsere Stimme würde sowieso nicht gehört,
unsere Meinung zähle nichts.

Bewahre uns vor Verzweiflung,
weil die Menschen und die Welt sich nicht ändern wollen,
weil es uns selbst so schwer fällt, uns zu ändern,
weil wir so wenig tun können,
weil die Probleme so riesengroß erscheinen.

Gott, wir bekennen dich als Schöpfer.
Du hast die Macht, Neues entstehen zu lassen.
Du schenkst uns Mut, Phantasie und neue Ideen.
Mit deiner Hilfe werden wir uns ändern
und unsere Welt verändern.
Alles, was wir dafür brauchen, gibst du uns.
Daran erinnert uns das Gebet,
das dein Sohn uns lehrte:

Vater unser im Himmel…


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 23.6.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Morgen, am 24. Juni, ist Johannistag. Dann wird der Geburtstag von Johannes dem Täufer bedacht. Der Bibelspruch zu diesem Tag heißt: Dies ist das Zeugnis des Johannes (über Jesus): „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Johannes 3, Vers 30)
Heute, am 23. Juni, wird in Norwegen das Mittsommernachtsfest gefeiert. Die Schweden haben schon in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni in den Sommer getanzt und wünschten sich gegenseitig „Trevligmidsommar!“ (wunderschönen Mittsommer!)

Mancher weiß, dass ich diese beiden skandinavischen Länder liebe und gerne dort meine Ferien verbringe, sowohl im Sommer, als auch im Winter. Wer schon einmal dort war, der kennt die wunderbare Landschaft: Weite Wälder … Berge, Täler, Weiden … Felsen, mitten im Wald … die Schärenküsten Schwedens … die Fjorde und Gletscher Norwegens …

Und besonders eindrucksvoll die Mitternachtssonne. Es bleibt immer hell … Und im Winter: Das Nordlicht, sowie andere Lichterscheinungen am Himmel.

Wer ins Land der Mitternachtssonne reist, der wird sich nicht satt sehen können an all dem, was Gott gestaltet hat … Wunder über Wunder … Und man selbst ist ein Teil davon und dankt Gott für Seine Schöpfung.

Zurück zur Mittsommernacht: Zur Feier vom „Midsommarafton“ war ich noch nicht dort. Das ist noch ein Plan für die Zukunft.

Das Mittsommerfest geht auf germanisch-keltische Bräuche zurück. Da tanzen Elfen und Trolle, und mit dem Freudenfeuer sollen Hexen vertrieben werden. Man freut sich darüber, dass die Sonne kaum untergeht. Es ist ein fröhliches Fest mit traditionellem Essen, mit Musik, Volkslieder singen und Tanz. Wenn möglich feiert man mit Verwandten und Freunden auf dem Land. Wer in der Stadt bleibt, geht in den Garten oder in den Park.

Die Norweger und Schweden freuen sich am Licht und feiern die ganze Nacht hindurch. Es ist Sommersonnenwende, und das heißt: Die Sonne erreicht den nördlichsten Punkt ihrer Umlaufbahn. So ist es der längste Tag auf der Nordhalbkugel und zugleich die kürzeste Nacht. Danach wird es wieder später hell und früher dunkel.

Mittsommer und Johannistag fallen nicht zufällig aufeinander. Die Feier der Geburt von Johannes dem Täufer ist passend zu seiner Aussage gewählt: „Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Diesen Johannes feiern wir in der Mitte des Jahres zum Beginn der abnehmenden Sonne.

Und genau ein halbes Jahr später – am 24. Dezember – feiern wir die Geburt Jesu, an einem Zeitpunkt, an dem es am dunkelsten ist. Wir feiern die Geburt von Gottes Sohn, der von sich selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Nach der Wintersonnenwende werden die Tage wieder länger und heller. Zur dunkelsten Jahreszeit feiern wir den, der es hell macht auf der Erde, der Leben schenkt, Leben das sogar den Tod überstrahlt. Jesus ist das Licht der Welt, das nie verlöscht.

„Er muss wachsen, ich aber abnehmen“ sagt Johannes. Sonst ist der Täufer bekannt als Bußprediger. Er hat den Menschen die Wahrheit entgegengeschleudert. Er wollte, dass jeder sein eigenes Leben überdenkt und verändert. Diejenigen, die nicht einsehen wollten, dass sie auf dem Holzweg sind, sollten bereuen. Wer gegen Gottes Gebote gehandelt hat, den wollte er auf den rechten Weg zurückführen. Dabei hat er nicht mit harten Worten gespart. „Ihr Schlangenbrut“ hat er gebrüllt und den Zorn Gottes angekündigt. Wer vom falschen Weg umkehren und sein Leben ändern wollte, der ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

Bei Jesus aber verhält Johannes sich ganz anders. Er ist eher zahm und fast unterwürfig. An anderer Stelle sagt er: „Der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und ihm die Riemen seiner Schuhe löse. Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem heiligen Geist taufen.“ (Markus 1, Vers 7+8)

„Er muss wachsen, ich aber abnehmen“ – Wer sagt das schon gern? Wer verliert gern die Macht? Wer verliert gern an Gewicht? (nun gut, ich meine damit nicht das Körpergewicht, das wäre noch mal etwas anderes … das wäre schon in Ordnung 😉) Wer verliert schon gern an Einfluss in seinem Umfeld?

Johannes der Täufer tut das. Er nimmt sich zurück, er weist von sich weg und zeigt auf Jesus. Damit Jesus wachsen kann und groß wird. Sein eigenes Licht lässt Johannes geringer werden, damit Jesu Licht der Liebe das Leben von uns Menschen anstrahlt und hell macht. Jesus, das Licht der Welt.

Und ich denke, es gibt Parallelen zu unserer Zeit: Wenn wir uns nur mit uns selbst beschäftigen, so wird es dunkler um uns. Wenn wir auf den anderen Menschen schauen und für ihn oder sie da sind, dann wird es hell in dessen – und auch in unserem – Leben.

Johannes lebt seinen Ausspruch: Er ist bereit abzunehmen. Er geht dafür sogar ins Gefängnis. Als ihm Zweifel kommen, lässt er seine Jünger fragen, ob Jesus wirklich von Gott gesandt ist? Oder ob wir noch auf einen anderen warten sollen?

Auch wir kennen solche Nächte des Zweifelns. Und wir können die Antwort in der Bibel nachlesen (Matthäus 11, Verse 2-6). Dort erfahren wir: Wo Jesus ist, da geht denen, die im Dunkel der Welt gefangen sind, ein Licht der Hoffnung auf. Menschen erfahren Hilfe und werden wieder heil. Menschen erleben, dass Jesu Liebe ihr Leben neu macht.

„Er muss wachsen, ich muss abnehmen“ – Wer so lebt, ist auf der Spur von Johannes dem Täufer. Wer so lebt, der trägt Jesu Licht in die oft so dunkle Welt hinein.

Wer dieses Licht in sich trägt und durch sich hindurch scheinen lässt, dass es andere erreicht, der muss nicht traurig sein über die abnehmende Sonne in den kommenden Wochen und Monaten.

Als Christen tragen wir das Licht des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in uns. Damit sagen auch wir: „Jesus muss wachsen, ich muss abnehmen.“ Daran erinnern wir uns am Johannistag und am Mittsommerfest in den skandinavischen und baltischen Ländern.

Schließen möchte ich mit einem wunderbaren Lied aus dem Gesangbuch, das aus Schweden zu uns gekommen ist und uns vor Augen führt, wie wir mit Jesus und untereinander verbunden sind:

  1. Strahlen brechen viele aus einem Licht: Unser Licht heißt Christus.
    Strahlen brechen viele aus einem Licht – und wir sind eins durch ihn.
  2. Zweige wachsen viele aus einem Stamm. Unser Stamm heißt Christus.
    Zweige wachsen viele aus einem Stamm – und wir sind eins durch ihn.
  3. Gaben gibt es viele, Liebe vereint. Liebe schenkt uns Christus.
    Gaben gibt es viele, Liebe vereint – und wir sind eins durch ihn.
  4. Dienste leben viele aus einem Geist, Geist von Jesus Christus.
    Dienste leben viele aus einem Geist – und wir sind eins durch ihn.
  5. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib. Wir sind Glieder Christi.
    Glieder sind es viele, doch nur ein Leib – und wir sind eins durch ihn.
    (EG 268)

Ich wünsche Ihnen und Euch einen schönen Sommeranfang mit viel Freude am Sonnenlicht und dem Gedenken an Johannes den Täufer, der uns vorgelebt hat, Jesus groß zu machen.

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


Foto: D. Binderberger

Andacht für den 20.6.

 

„Blickführung“

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lukas 9,62)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich erst spät, mit knapp 30 Jahren mir den Wunsch erfüllte, einen Motorradführerschein zu machen, war dies kein einfaches Unterfangen. Ich merkte schnell, wie schwer mir das Lernen für die „Theorie“ fiel und als ich dann bei der praktischen Ausbildung das erste Mal auf der Sitzbank eines Motorrades saß, da war dies auch „sehr gewöhnungsdürftig“.

Mehrere Lernsätze, versuchte mein Fahrlehrer allen Fahrschülern einzuprägen – vielleicht haben sie diese ja auch so gelernt:

„Du musst vorausschauend fahren“ … die Verkehrssituation vor dir beobachten und mit „Eventualitäten“ rechnen.

„Du musst weit nach vorne schauen“ … und nicht die Stelle vor der Motorhaube oder dem Vorderrad des Motorrades im Blick haben.

Und den Motorradauszubildenden „predigte“ er immer wieder: „Wo du hinschaust, da fährst du auch hin“.

Ja, die Blickführung ist beim Motorradfahren sehr, sehr wichtig. Wenn man auf eine Kurve zufährt, darf man den Blick nicht geradeaus oder vor dem Vorderrad haben, sondern muss den „Kurvenausgang“ im Blick haben. Fahranfänger machen dies oft falsch und haben ihren Blick eben vor dem Vorderrad. Und es ist beim Fahren oft auch eine das „Überwindung“ den Blick richtig zu führen, weil man zum Beispiel in einer „Haarnadelkurve“ den Kopf weit verdreht und eben nicht mehr sieht, was unmittelbar vor einem ist.

Den Blick auf das Ziel richten – auf das Ziel das ich erreichen will. Das ist nicht nur beim Motorradfahren, sondern auch im Leben entscheidend.

Dies hatte Jesus sicherlich auch gemeint, als er von einigen Menschen angesprochen wird, die ihm „nachfolgen“, in seine Fußspuren treten wollen. Lukas 9,57-62

Ein Kernsatz Jesu in dieser biblischen Geschichte ist:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich GottesLukas 9,62

Wenn ein Landwirt einen Pflug (gemeint ist hier der Pflug, der von einem Zugtier gezogen wird) führt und dann nicht nach vorne schaut, eine „Linie“ zieht, auf ein an versiertes Ziel zusteuert und evtl. leicht die Richtung korrigiert um eine gerade Pfluglinie zu ziehen, dann wird er seine Ackerfläche nicht ordentlich ausnutzen. Wenn er nach hinten schaut wird er den Pflug nicht gerade führen können und in „Schlangenlinien“ die Saat setzen. Die Folge sind geringe Erträge/Früchte.

Diese Bild vom Pflug ist ein Vergleich für das Leben mit der Frage: Wie versierst du deinen Lebensweg bzw. dein Lebensziel an? Schaust du nach vorne, lebst in der Gegenwart und hat die Zukunft, da wo du hinwillst, im Blick oder schaust du nach hinten, in die Vergangenheit? Nach hinten schauen, vielleicht die Vergangenheit verklären: „Früher war alles besser …“ Ich habe das aus Gesprächen mit manch einem von meinen Gemeindegliedern im Ohr … Da ist das alte Problem von Tradition und Neuerungen.

„Früher war alles besser“. Ich erlebe mich selber, wie mir dieser Satz öfters in den Sinn kommt. Unsere Welt ist so schnelllebig geworden. Dinge verändern sich und es ist schwer manchmal Schritt zu halten. Zum Beispiel mein Handy zu bedienen -ich bin froh, wenn ich damit telefonieren kann! Meine Kinder müssen mir mit manchem, was ich an Funktionen nicht verstehe, schon heute helfen … Und so kommt man leicht in die Situation die alte Zeit zu „verklären“, „schön zu rede“ und die Gegenwart zu kritisieren. Doch zu leben bedeutet nach vorne zu schauen, den „Pflug“ in die Hand zu nehmen und zu „säen“ um dann gute Früchte zu erzielen …

Die Vergangenheitsschauer helfen nicht

Eine wunderbare Geschichte zum Schmunzeln dazu:

Zwei Mönche waren abends auf dem Heimweg ins Kloster. An diesem Tag hatten sie viel erlebt und waren nun froh auf dem Nachhauseweg zu sein. Auf ihrem Weg zum Kloster hatten sie einen Fluss zu queren. Als sie an der Furt ankommen waren, trafen sie dort eine wunderhübsche junge Frau die sichtlich verzweifelt war. Sie suchte einen Weg wie sie trockenen Fußes und ohne Gefahr auf die andere Seite gelangen könnte.

Ohne lange zu überlegen nahm der eine Mönch sie auf seine Arme und trug sie über eine Furt. An der anderen Seite setzte er sie ab und ging weiter. Der andere Mönch folgte – doch das Handeln seines Ordensbruders gab ihm zu denken. Lange grübelte er und dachte über das Verhalten seines Gefährten nach. Schließlich wandte er sich an ihn und sagte: „Du weißt doch, dass die Mönchregeln uns streng verbieten, auch nur in der Nähe einer Frau zu verweilen, ganz besonders, wenn sie so hübsch und jung ist. Wie konntest du dieses Mädchen nur so einfach auf die Arme nehmen?“

Der Ordensbruder drehte sich erstaunt um und sagte: „Trägst du sie denn immer noch? Ich habe sie am Fluss zurückgelassen.“

Haben wir den Blick nach vorne? Oder was tragen wir alles aus der Vergangenheit mit uns herum?

Ich wünsche uns, dass wir neu den Blick nach „vorne“ bekommen, den Blick auf den der uns zusagt: „Kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch neue Kraft geben, euch aufbauen, euch erquicken“ (frei nach Matthäus 11,28)

Ich wünsche uns, dass wir so unsere Lasten (und seien sie auch noch so „wunderhübsch“ 😉) abgeben und zurücklassen.

Ich wünsche uns, dass wir die „Blickführung“ neu lernen und so für Gottes gutes Reich geeignet sind.

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger