Welt in Unordnung – Reflexionen zur neuen Friedensdenkschrift der EKD

Mit der Veröffentlichung einer neuen Friedensdenkschrift im November letzten Jahres hat die EKD für Diskussionsstoff gesorgt. Die Reaktionen reichen von „Kirche ist endlich in der Wirklichkeit angekommen“ bis zu „Kirche verrät das Evangelium“. Doch was steht wirklich drin und wie ist das einzuordnen? Am Samstag, den 07. März 2026 findet von 10 bis 16 Uhr in Bonn das Rheinische Friedensforum statt, zu dem drei der Autor*innen der Denkschrift kommen und mit uns Teilnehmenden ins Gespräch gehen werden. Den Flyer zum Herunterladen finden Sie hier. Über den QR-Code des Flyers können Anmeldungen erfolgen.

Wie immer ist die Teilnahme kostenfrei.

Gerne können Sie sich auch hier anmelden.


Präses Latzel: „Die Welt ist überfordert mit sich – weil sie nichts als sich kennt“

PRESSEMITTEILUNG Nr. 6/2026

Präses Latzel: „Die Welt ist überfordert mit sich – weil sie nichts als sich kennt“

Synodenbericht: Orientierung an Christus in Umbruchzeiten wichtiger denn je

Bonn (16. Januar 2026). Auf der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bonn stellt Präses Dr. Thorsten Latzel in seinem „Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“ an die Synodalen gesellschaftliche Veränderungen in den Kontext kirchenhistorisch relevanter Epochenumbrüche, darunter die Antwort der Bekennenden Kirche in der Barmer Theologischen Erklärung auf den nationalsozialistischen Terror. „In Zeiten großer Umbrüche entdeckt Kirche sich neu und trägt zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen bei, indem sie sich an Jesus Christus orientiert. Solus Christus – Christus allein.“

In sieben Impulsen führt Präses Latzel aus, warum eine neue Orientierung an Christus mehr denn je gefragt ist, damit die Kirche sich gegenüber den Herausforderungen der Zeit behaupten und ihrem Auftrag nachkommen kann.

Schöpfungszeit für eine neue Spiritualität
Auch wenn die Bewahrung der Schöpfung, von Ökologie, Klima und Arten, politisch derzeit in den Hintergrund rückt, ist sie für den Präses eine der zentralen Herausforderungen der Menschheit. Sie lasse sich nicht allein durch Technik und Moral beantworten. „Wir brauchen ein fundamental anderes Selbstverständnis. Eine neue Schöpfungs-Spiritualität.“ Dabei könne die ökumenische Schöpfungszeit vom 1. September bis zum Erntedankfest eine wichtige Rolle spielen: „So wie bei der Fastenzeit brauchen wir eine Zeit geistlicher Umkehr im Blick auf die Schöpfung: Wofür lebe ich? Was brauche ich wirklich? Was ist mein ökologischer Handabdruck? Das heißt: Was hinterlasse ich Positives?“

Verwandlungskraft
Der Präses betont die Notwendigkeit eines neuen Lebensstils: Gemeinschaft wider die wuchernde Einsamkeit, Gerechtigkeit im Kampf gegen die noch immer zu große Armut in der Gesellschaft. Aber auch die Zuwendung zu Körper, Leib und Seele im diakonischen Verständnis: „Diakonie steht für eine heilvolle Verwandlung von Krankheit, Sucht und Problemen. Die diakonische Dimension spielt für uns als kleiner werdende Kirche eine zentrale Rolle.“ Die innere Kraft zur Verwandlung komme aus Begegnung – mit Gott und sich selbst. Ganz wesentlich zählt für den Präses die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens zur Basis christlicher Existenz: „Wir leben als dankbar Beschenkte, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht.“

Vertrauensgemeinschaft
„Vertrauensverlust ist eine der größten Herausforderungen für die liberale Demokratie“, so Präses Latzel. „Anders als andere Staatsformen lebt sie fundamental vom wechselseitigen Vertrauen – der Bürger/innen in den Staat, des Staats in die Bürger/innen und der Bürger/innen untereinander. Doch genau daran krankt es.“ Für die Vertrauenskrise und Bedrohung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Systems gebe es verschiedene Ursachen. Wichtig sei, was die Kirche diesem Prozess entgegensetzen könne: „Das Wesen der Kirche besteht darin, eine in Christus gründende Vertrauensgemeinschaft zu sein.“ Augenfällig werde dies im hohen sozialen Engagement von Kirchenmitgliedern – über die Kirche hinaus. Umso wichtiger sei es, Vertrauen zu schützen. Im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext sei in der Vergangenheit Vertrauen massiv missbraucht und zerstört worden. „Prävention, Intervention und Aufarbeitung haben bei der Evangelischen Kirche im Rheinland daher allerhöchste Priorität.“ Vertrauen bedeute zugleich, den weltweiten, ökumenischen Dialog zu stärken und Menschen über Grenzen hinweg zu begegnen. Mit ihrem breiten ökumenischen Netzwerk und großen Engagement beziehe die Evangelische Kirche im Rheinland damit klar Position gegen jede Form von Nationalismus, sagt der Präses.

Feindesliebe
Angesichts der verschärften Sicherheitslage und der neuen Wirklichkeit des Krieges tritt Präses Latzel für einen verantwortungsethischen Realismus, Widerstand gegen die Willkür von Großmächten und zugleich eine neue Friedensfähigkeit ein. „Wir müssen Entfeindung lernen.“ Mit den weltweit gigantischen Rüstungsausgaben steuere die Menschheit komplett in die falsche Richtung. Das Geld fehle im Kampf gegen Armut und Klimawandel. Zum friedensethischen Engagement gehöre auch, dass sich die Kirche bei der Wehrpflichtdebatte aktiv einbringe, alternative Dienste stärke und junge Menschen in ihren Gewissensentscheidungen seelsorglich beratend begleite. „Gewissen braucht Begleitung.“ Zudem habe Kirche eine wichtige Aufgabe im Rahmen von Zivilschutz und Seelsorge bei Katastrophen verschiedener Art. Entscheidend bei all dem sei eine grundlegende Einstellung im Sinn einer „Diskursivität der Feindesliebe. Die Haltung, im anderen immer mehr als einen Feind zu sehen.“

Glaubensfreiheit
Religion ist nach Latzel insgesamt herausgefordert durch Säkularisierung einerseits und politische Instrumentalisierung andererseits. Säkularisierung wirke oft wie die Schwerkraft – ein weltweiter Prozess, dem sich Religion scheinbar kaum entziehen könne. Es gebe vielfach eine neue Indifferenz gegenüber Religion und Kirche, die Frage nach Gott stelle sich für viele nicht mehr, auch nicht in der modifizierten Form der Sinnfrage. Man könne auch ohne Gott ein glückliches, gesundes, moralisches Leben führen. Die täglichen Nachrichten zeigten aber: „Die Welt ist überfordert mit sich – weil sie eben oft nichts als sich mehr kennt.“ Dabei brauche es eine deutliche Differenzierung von Religion und Gott: „Religion mag nicht notwendig sein. Aber Gott ist es. Als die eine, allumfassende schöpferische Liebe.“ Es brauche „theologische Diaspora-Fähigkeit: Die Wahrheit des Evangeliums hängt nicht an der Menge der Kirchenmitglieder. Wichtig ist, ob wir selbst aus Gott leben.“ Zudem seien geistlich-theologische Aufbrüche entscheidend. Die Institution Kirche habe die Aufgabe, „solchen Aufbrüchen Raum zu geben und sie zu stärken“. Eine andere Herausforderung sei die Instrumentalisierung von Religion, die sich an verschiedenen Stellen weltweit zeige – etwa bei Islamisten, der Legitimierung des Ukraine-Krieges durch die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche oder bei den Evangelikalen in den USA, die Trump als messianische Figur feiern und seine Großmachtpolitik stützen. Präses Latzel widerspricht scharf diesem Missbrauch von Religion, ebenso der Rede von einem Recht des Stärkeren. Seine klare Haltung: „Imperialismus wie Nationalismus lassen sich nicht christlich rechtfertigen. Sie sind schlicht ein Ausdruck menschlicher Gier, sprich: Sünde.“

Zukunftsmut
„Unser Gemeinwesen ist auf Hoffnung angelegt“, so ein für Latzel entscheidender Leitgedanke. Zukunftsmut und Hoffnung gehe beispielsweise vom Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf aus. Für diesen gilt das Motto „Du bist kostbar“. „Der Satz, ursprünglich eine Heilszusage Gottes für das Volk Israel, gewinnt in unserer Zeit neue Bedeutung – dafür, wie wir miteinander umgehen. Mit Menschen am Rande wie mit Menschen anderer Meinung.“ Zukunftsmut werde auch bei den notwendigen Reformprozessen in der Kirche gelebt und begegne einem vielfältig in den Gemeinden und Kirchenkreisen bei der Entwicklung hin zu einer kleineren Kirche, die weiter für andere da ist. Das schließe auch schmerzhafte Abschiede von Wichtigem und Wertvollem ein, etwa im Finanzprozess der Landeskirche. Entscheidend sei jedoch, „dass Menschen uns als relevant für ihr Leben erfahren, dass sie Trost, Hilfe erfahren, dass wir Hoffnung vermitteln“. Leitlinie für die anstehenden Überlegungen sei daher: „An der Sache Christi – nahe bei den Menschen – flexibel in den Formen – effizient im Einsatz der Ressourcen.“

Menschwerdung
„Warum wurde Gott Mensch? Damit wir es – um der gesamten Schöpfung willen – auch tun. Mach’s wie Gott. Werde Mensch.“ Die Menschwerdung Gottes sei zentraler Inhalt des Glaubens. Sie sei, so der Präses, eine Aufforderung an alle, zu der uns Christus befähige. „Gott wird Mensch, damit wir das mit unserem Menschsein auf die Reihe bekommen.“ In der Menschwerdung zeige sich das wahre Wesen Gottes als sich selbst hingebende, allumfassende Liebe. Das widerspreche zutiefst der menschlichen Selbstüberhebung, sich für die Mitte des Universums zu halten – und der Haltung der Augustusse, Herodes‘, Trumps oder Putins aller Zeiten. „Gerade in Zeiten des Umbruchs, in der die Maßstäbe der Menschlichkeit verschwimmen, ist es wichtig, daran zu erinnern: durch geistliche Schöpfungszeit, heilsame Verwandlungskraft, vitale Vertrauensgemeinschaften, praktizierte Feindesliebe, wahrhafte Glaubensfreiheit, trotzig getrosten Zukunftsmut. So, wie es die 2025 verstorbene Margot Friedländer ausgedrückt hat: ,Seid Menschen!‘“

Stichwort: Landessynode 2026
Die Landessynode der rheinischen Kirche ist das oberste Leitungsgremium der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Die 80. Landessynode hat 184 stimmberechtigte Mitglieder (sowohl Theologinnen und Theologen als auch Nichttheologinnen und -theologen) aus den 34 Kirchenkreisen. Sie tagt vom 16. bis 20. Januar 2026 im Maritim Hotel Bonn. Der „Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“ gibt eine theologische Einordnung des Präses zu kirchlichen und gesellschaftlichen Themen.

Autor: Martin Brandt, martin.brandt@ekir.de, Telefon 0211 4562-241
Kontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, cornelia.breuer-iff@ekir.de, Telefon 0211 4562-423

Kerzenreste für die Ukraine

Wir sammeln wieder Kerzenreste für die Ukraine.

Von den Kerzenresten werden in der Ukraine neue Kerzen hergestellt, mit denen sich z.B. die Soldaten in den Schützengräben Essen oder Trinken warm machen.
Gerne können Sie die Kerzenreste in den Kirchen und Gemeindezentren sowie im Gemeindebüro abgeben.

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Weihnachtsbotschaft von Präses Torsten Latzel

„Nur Mut: Es ist Weihnachten, Gott ist bei uns“

Weihnachtsbotschaft des rheinischen Präses Dr. Thorsten Latzel

Düsseldorf (22. Dezember 2025). „Weihnachten ist Mut-Zeit“, betont Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, angesichts der bevorstehenden Festtage. „Weihnachten zielt auf ,Ent-Fürchtung‘, positiv auf Lebensmut, neue Beherztheit. Gott ist bei uns und lässt uns mit unserem ganzen Schlamassel nicht allein.“ Das sei die wahre Zeitenwende – von der Herrschaft der Angst zur Freiheit der Liebe Gottes.

Die Weihnachtsbotschaft des Präses im Wortlaut:
„Die erste Botschaft von Weihnachten ist: ,Fürchte dich nicht!‘ Das ist wichtig in einer Welt, die viele Menschen das Fürchten lehrt. Menschen haben Angst vor Krieg, Einsamkeit, Alter, Jobverlust, Klimawandel, der Zukunft insgesamt. Angst macht Enge, sie lähmt, treibt Sorgen und spaltet die Gesellschaft. Extremisten befeuern dieses Gefühl zusätzlich. Sie sind Agenten der Angst und versuchen, aus Krisen politisches Kapital zu schlagen.

Weihnachten setzt dem eine Mut-Botschaft entgegen. Mitten in der dunkelsten Zeit des Jahres geht es um Licht, Liebe, Gemeinschaft – und Gottes Hilfe für uns. Weihnachten zielt auf ,Ent-Fürchtung‘, positiv auf Lebensmut, neue Beherztheit. Gott ist bei uns und lässt uns mit unserem ganzen Schlamassel nicht allein.

Davon handelt die Weihnachtsgeschichte von Jesus Christus als neugeborenem König – ein Gegenprogramm zu Augustus und Herodes, Putin, Xi Jinping und Trump, den Gewaltherrschern aller Zeiten: einfache Hirten nachts auf dem Feld, die zu Hoffnungsboten werden. Fremde Gelehrte, die durch Christi Stern Sinn und Orientierung finden. Gott, der als Kind im Stall zur Welt kommt – und so unsere Vorstellungen von oben und unten auf den Kopf stellt. Gott wird Mensch – und hilft uns, menschlich miteinander umzugehen. Jesus Christus regiert – allen Möchtegernherren dieser Welt zum Trotz. Gottes Wort bewegt uns – dass wir wie Maria, die Hirten und Weisen aufbrechen und für andere über Grenzen gehen. Christus liegt da, in Windeln gewickelt, weint, lacht, friert, atmet, liebt – in den Ställen unserer Tage: in den U-Bahn-Schächten der Ukraine, den Flüchtlingscamps im Sudan, den zerbombten Häusern von Gaza, den Traumakliniken Israels, den Obdachlosenunterkünften bei uns. Wo wir einander trösten, stärken, helfen, lieben, da ist Christus mitten unter uns.

,Fürchte dich nicht!‘ Weihnachten ist Mut-Zeit. Das ist die wahre Zeitenwende – von der Herrschaft der Angst zur Freiheit der Liebe Gottes. Auch die Zukunft ist dabei kein starres Schicksal, sondern steht allein in Gottes Hand.

Darum: Nur Mut, es ist Weihnachten. Gott ist bei uns, für uns, als Mensch an unserer Seite. Die Ehrfurcht vor Gottes Liebe besiegt die Furcht vor der Welt – und verleiht unserem Leben einen neuen menschlichen Glanz.

,Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren.‘ (Lukas 2, 10f.)“

Stichwort: Präses im Livestream
An Heiligabend predigt Präses Dr. Thorsten Latzel in der Christvesper der Düsseldorfer Johanneskirche (Beginn: 17.30 Uhr, Martin-Luther-Platz 39, 40212 Düsseldorf). Der Gottesdienst wird live übertragen. Der YouTube-Stream ist unter url.ekir.de/WoR zu finden.

Kontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, cornelia.breuer-iff@ekir.de, Telefon 0211 4562-423

Einführung Diakonin Silke Blatt

Am vergangenen Sonntag, 3. Advent, wurde unsere Diakonin Silke Blatt im Rahmen des Gottesdienst zum Seniorenadvent von Pfarrer Thomas Rusch, Pfarrer i.R. Thomas Spitzer, Pfarrer i.R. Gernot Wehmeier und Pfarrer Dr. Wifthoeft feierlich in ihren Dienst in unserer Gemeinde eingeführt. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Seniorenchor und unserer Kirchenmusikerin.

Obwohl Silke Blatt schon seit April in der Gemeinde tätig ist, erfolgte der „offizielle“ Start erst jetzt.

Herzlich willkommen, liebe Silke! Alles Gute, Gottes Segen für deine Arbeit und „weiter so“!

Bilder: Udo Hartenfeld, Ottmar Pal, Joachim Höh

Gemeindeversammlung am 11.01.26

Am Sonntag, 11. Januar 2026 findet nach dem Gottesdienst (10.30 Uhr) in der
Ev. Kirche Volberg um ca. 12.00 Uhr eine Gemeindeversammlung statt.

Tagesordnung
1. Begrüßung durch die Vorsitzende des Presbyteriums
2. Bericht aus den Arbeitsfeldern des Presbyteriums
2.1 Pastorale Situation
2.2 Weitere personelle Entwicklungen
2.3 Seniorenarbeit – Trauerzentrum
2.4 Bau Kita Volberg
2.5 Entwidmung Christuskirche Forsbach
3. Verschiedenes

Hierzu laden wir Sie herzlich ein.
Das Presbyterium.

Bild: Evangelische Kirchengemeinde Lüdringhausen

„Friede, Friede, und ist doch kein Friede“ – sondern nur FIFA

PRESSEMITTEILUNG Nr. 93/2025

„Friede, Friede, und ist doch kein Friede“ – sondern nur FIFA

Präses Dr. Thorsten Latzel über gerechten Frieden statt Deals, politische Wildwestmethoden und autokratische Willkür

Düsseldorf (8. Dezember 2025). Im Ukraine-Krieg wird um eine Korrektur des einseitigen 28-Punkte-Plans gerungen, vor Venezuela zeigen die USA ein aggressives Verhalten, Europa soll kulturkämpferisch beeinflusst werden – und zeitgleich erhält US-Präsident Donald Trump einen konstruierten Friedenspreis der FIFA. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Thorsten Latzel, widerspricht der Instrumentalisierung des Sports und autokratischer Willkür und tritt für wirkliche Friedensbemühungen ein. „Frieden kann es nicht ohne Gerechtigkeit geben. Umso wichtiger ist der Schulterschluss all derer, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit einsetzen. Diese Werte sind nicht in Deals verhandelbar.“

Präses Dr. Thorsten Latzel äußert sich tief besorgt darüber, wie sich in kürzester Zeit friedenspolitische Ereignisse in den USA überschlagen: „Im Ukraine-Krieg überraschen die USA mit einem 28-Punkte-Plan, der einseitig Positionen Russlands vertritt, und fordern erst eine sofortige Zustimmung, um dann Stück für Stück wieder zu korrigieren. In der nationalen Sicherheitsstrategie wird massive Kritik an der EU geäußert und eine Einmischung zugunsten nationalistischer, zum Teil rechtsextremer Kräfte angekündigt. Vor Venezuela werden rechtswidrig Boote zerbombt und militärische Kräfte gebündelt. Menschen aus Somalia werden von Trump rassistisch als Müll bezeichnet. Und dann erhält eben dieser Präsident einen eigens geschaffenen Friedenspreis der FIFA. Das ist pure Anbiederung und eine Instrumentalisierung des Sports, die den eigenen Neutralitätsregeln widerspricht.“

Wider autokratische Willkür und eigene Bereicherung

Deutlich werde dabei, so Präses Latzel, wie sehr das Handeln des US-amerikanischen Präsidenten von autokratischer Willkür und nationaler wie persönlicher Bereicherung angetrieben sei. „Es geht nicht an, dass erneut Verhandlungen in weiten Teilen ohne das Land stattfinden, das überfallen wurde, und ohne Europa“, so Thorsten Latzel. „Und es ist unerträglich, wie hemmungslos beide, Russland und die USA, ihre Interessen zur eigenen Bereicherung verfolgen.“

„Nur ein gerechter Frieden hat Chancen, dauerhaft zu halten“

Jede realistische Möglichkeit, das Töten zu beenden und einen Frieden herbeizuführen, müsse ergriffen werden. Es sei jedoch höchst fraglich, ob die aktuelle Herangehensweise zu wirklichem Frieden führe. Präses Latzel: „,Friede, Friede, und ist doch kein Friede‘ – gegen oberflächliche Friedensverheißungen haben sich schon die biblischen Propheten gewandt (Jer 6,14). Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Ein Schweigen der Waffen ist ein erster, wichtiger Schritt. Doch nur ein gerechter Frieden hat Chancen, dauerhaft zu halten. Darauf haben die Menschen in der Ukraine ein Recht. Das ist keine Frage von Deals, in denen es um Rohstoffe und Aneignung fremder Territorien geht. Die neue Friedensdenkschrift ,Welt in Unordnung‘ der EKD hat noch einmal klar gezeigt, wie Schutz vor Gewalt und Freiheit, Gerechtigkeit und plurale Vielfalt in christlicher Perspektive unlöslich zusammenhängen.“ Darüber hinaus seien für einen ernst gemeinten Frieden verlässliche Garantien gefragt, die nicht bei jeder Gelegenheit ausgehebelt werden könnten. „Die Ukraine hat sich schon einmal auf Verträge verlassen, die ihre Souveränität garantieren sollten, und ist verraten worden.“

Friedenshoffnung im Horizont der Botschaft Jesu Christi

Auch hinter dem Venezuela-Konflikt stünden klare ökonomische Interessen mit Blick auf die Ölvorkommen. Die willkürlichen Tötungen in internationalem Gewässer und die Aufrüstung machten einen militärischen Konflikt immer wahrscheinlicher. Latzel: „Venezuela leidet stark unter der diktatorischen Regierung Maduros. Aber weder das noch der Kampf gegen Drogen geben das Recht zur militärischen Intervention. Es geht auch hier um ökonomische Interessen und Machtansprüche. Internationales Recht und der Schutz von Menschenrechten sind nichts, was einfach in Wildwestmanier nach Belieben gebrochen werden darf. Das rüttelt an Grundfesten internationaler Zusammenarbeit.“ Die Weltlage sei unberechenbarer geworden, der Ton und das Auftreten rauer. „So wie die Großmächte derzeit agieren und mit kleineren Ländern umgehen, führt das zu immer stärkerer Militarisierung, zu mehr Risiken für Konflikte und zu Angst bei den Menschen – ein unsäglicher Zustand“, so Thorsten Latzel. „Gerade im Advent geht es um eine andere Friedenshoffnung im Horizont der Botschaft Jesu Christi.“

Mutig bleiben und den Schulterschluss üben

Der leitende Geistliche der rheinischen Kirche plädiert dafür, sich nicht an der Rücksichtslosigkeit zu orientieren, sondern ganz bewusst Kooperationen zu suchen: „Die Welt ist aggressiver geworden – umso mehr müssen wir zusammenrücken. Europa und die EU vertreten Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit. Diese gilt es aufrechtzuerhalten. Gerade in bedrohlichen Zeiten ist es christliche Praxis, das Verbindende zu suchen, die Gemeinschaft zu stärken und aus der Hoffnung auf Gott widerständig zu leben. Diese adventliche Haltung ist es, die unsere Gesellschaft jetzt braucht.“
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Zur Person: Präses Dr. Thorsten Latzel
Thorsten Latzel (55) ist seit März 2021 Präses der rheinischen Kirche. Außerdem ist er Sportbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 2013 war er Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Im EKD-Kirchenamt war er von 2005 bis 2012 für Studien- und Planungsfragen sowie das Projektbüro Reformprozess zuständig. Im Blog glauben-denken.de veröffentlicht Präses Dr. Thorsten Latzel regelmäßig theologische Impulse. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


Autor: Martin Brandt, martin.brandt@ekir.de, Telefon 0211 4562-241
Kontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, cornelia.breuer-iff@ekir.de, Telefon 0211 4562-423

Weihnachtskisten für die Tafel

Weihnachtskisten für Tafel-Besucherinnen und -Besucher

Auch in diesem Jahr ruft TAFEL RÖSRATH e. V. in der Vorweihnachtszeit wieder Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf, Weihnachtskisten für Menschen mit sehr niedrigem Einkommen zu packen und sie der Tafel zwecks Verteilung zur Verfügung zu stellen.

Abgegeben werden können die gepackten Kisten wieder an der

Die Tafel-Nutzer und Tafel-Nutzerinnen erhalten ihre Weihnachtskisten im Gemeindesaal der Ev. Versöhnungskirche am Freitag, 12. Dezember, 12 – 17 Uhr

Die Kisten sollen ausschließlich Lebensmittel enthalten und nur ungekühlt haltbare Artikel!
(bitte keine Deko- und Bastel-Artikel, keine Körperpflegemittel, keine Spielsachen, keine Kleidung und keine Tiernahrung!)
Eine weihnachtliche Verpackung wäre schön!

Die Tafel bittet darum, die Kisten nach oben offen zu lassen; sie können dann z. B. besser nach Familiengrößen klassifiziert werden. Außerdem erleichtert es dem Tafel-Team die Arbeit, wenn der Weihnachtskiste ein Zettel mit Angaben über den Inhalt angeheftet ist. Hilfreich wäre in jedem Fall ein Hinweis, ob das Paket Schweinefleisch enthält oder nicht.

Die Tafel-Mitarbeitenden danken schon jetzt für die Spenden und bitten um Verständnis für die genannten Einschränkungen.

Rückfragen: Pfarrerin Dorothee Gorn, Tel. 897338, E-Mail: info@tafel-roesrath.de

Bilder: Klaus Daub

ÖkumenJa 30.11.

„I have a dream“

Die kommende ÖkumenJa-Veranstaltung am 30.11. von 17 – 19 Uhr steht unter dem Titel „I have a Dream“, dem bekannten Zitat des Bürgerrechtlers Martin Luther King. So wie er als Aushängeschild der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung für die Beseitigung der Rassentrennung und der Ungleichheit eintrat, so träumen viele Mitglieder der christlichen Kirchen von einem Zusammengehen der Konfessionen zu einer geeinten christlichen Gemeinschaft.

Bei unserem Treffen sollen sowohl die Geistlichen der katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden in Rösrath ihre Visionen einer ökumenischen Kirche darstellen, als auch im Rahmen einer Diskussion alle Besucher ihre Fragen und Vorstellungen zu diesem Thema vortragen können.

Für die Moderation der Veranstaltung hat sich dankenswerter Weise der ehemalige WDR-Journalist Peter Winterberg zur Verfügung gestellt. Mit seinem theologischen Hintergrund und seiner langjährigen beruflichen Erfahrung mit diesem Thema ist er hervorragend gerüstet, die Diskussion auch bei kontroversen Detailfragen zu lenken.

Das Treffen soll Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zusammenführen und die Gemeinschaft auch über den Stadtbereich Rösrath hinaus erweitern. Das Ganze findet wie immer in Form eines geselligen Beisammenseins bei einem kleinen Imbiss und Getränken statt.

Ort: Augustinushaus der Katholischen Kirche St.Nikolaus

  • Diskussionsrunde mit:
    Pfarrer Franz Gerards und Pfarrer Thomas Rusch
    Moderation: Peter Winterberg (ehem. Journalist des WDR)
  • Andacht: Claudia Rust
  • Gemütliches Beisammensein mit Getränken und kleinem Imbiss im Augustinushaus neben der Kirche