„Friede, Friede, und ist doch kein Friede“ – sondern nur FIFA

PRESSEMITTEILUNG Nr. 93/2025

„Friede, Friede, und ist doch kein Friede“ – sondern nur FIFA

Präses Dr. Thorsten Latzel über gerechten Frieden statt Deals, politische Wildwestmethoden und autokratische Willkür

Düsseldorf (8. Dezember 2025). Im Ukraine-Krieg wird um eine Korrektur des einseitigen 28-Punkte-Plans gerungen, vor Venezuela zeigen die USA ein aggressives Verhalten, Europa soll kulturkämpferisch beeinflusst werden – und zeitgleich erhält US-Präsident Donald Trump einen konstruierten Friedenspreis der FIFA. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Thorsten Latzel, widerspricht der Instrumentalisierung des Sports und autokratischer Willkür und tritt für wirkliche Friedensbemühungen ein. „Frieden kann es nicht ohne Gerechtigkeit geben. Umso wichtiger ist der Schulterschluss all derer, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit einsetzen. Diese Werte sind nicht in Deals verhandelbar.“

Präses Dr. Thorsten Latzel äußert sich tief besorgt darüber, wie sich in kürzester Zeit friedenspolitische Ereignisse in den USA überschlagen: „Im Ukraine-Krieg überraschen die USA mit einem 28-Punkte-Plan, der einseitig Positionen Russlands vertritt, und fordern erst eine sofortige Zustimmung, um dann Stück für Stück wieder zu korrigieren. In der nationalen Sicherheitsstrategie wird massive Kritik an der EU geäußert und eine Einmischung zugunsten nationalistischer, zum Teil rechtsextremer Kräfte angekündigt. Vor Venezuela werden rechtswidrig Boote zerbombt und militärische Kräfte gebündelt. Menschen aus Somalia werden von Trump rassistisch als Müll bezeichnet. Und dann erhält eben dieser Präsident einen eigens geschaffenen Friedenspreis der FIFA. Das ist pure Anbiederung und eine Instrumentalisierung des Sports, die den eigenen Neutralitätsregeln widerspricht.“

Wider autokratische Willkür und eigene Bereicherung

Deutlich werde dabei, so Präses Latzel, wie sehr das Handeln des US-amerikanischen Präsidenten von autokratischer Willkür und nationaler wie persönlicher Bereicherung angetrieben sei. „Es geht nicht an, dass erneut Verhandlungen in weiten Teilen ohne das Land stattfinden, das überfallen wurde, und ohne Europa“, so Thorsten Latzel. „Und es ist unerträglich, wie hemmungslos beide, Russland und die USA, ihre Interessen zur eigenen Bereicherung verfolgen.“

„Nur ein gerechter Frieden hat Chancen, dauerhaft zu halten“

Jede realistische Möglichkeit, das Töten zu beenden und einen Frieden herbeizuführen, müsse ergriffen werden. Es sei jedoch höchst fraglich, ob die aktuelle Herangehensweise zu wirklichem Frieden führe. Präses Latzel: „,Friede, Friede, und ist doch kein Friede‘ – gegen oberflächliche Friedensverheißungen haben sich schon die biblischen Propheten gewandt (Jer 6,14). Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Ein Schweigen der Waffen ist ein erster, wichtiger Schritt. Doch nur ein gerechter Frieden hat Chancen, dauerhaft zu halten. Darauf haben die Menschen in der Ukraine ein Recht. Das ist keine Frage von Deals, in denen es um Rohstoffe und Aneignung fremder Territorien geht. Die neue Friedensdenkschrift ,Welt in Unordnung‘ der EKD hat noch einmal klar gezeigt, wie Schutz vor Gewalt und Freiheit, Gerechtigkeit und plurale Vielfalt in christlicher Perspektive unlöslich zusammenhängen.“ Darüber hinaus seien für einen ernst gemeinten Frieden verlässliche Garantien gefragt, die nicht bei jeder Gelegenheit ausgehebelt werden könnten. „Die Ukraine hat sich schon einmal auf Verträge verlassen, die ihre Souveränität garantieren sollten, und ist verraten worden.“

Friedenshoffnung im Horizont der Botschaft Jesu Christi

Auch hinter dem Venezuela-Konflikt stünden klare ökonomische Interessen mit Blick auf die Ölvorkommen. Die willkürlichen Tötungen in internationalem Gewässer und die Aufrüstung machten einen militärischen Konflikt immer wahrscheinlicher. Latzel: „Venezuela leidet stark unter der diktatorischen Regierung Maduros. Aber weder das noch der Kampf gegen Drogen geben das Recht zur militärischen Intervention. Es geht auch hier um ökonomische Interessen und Machtansprüche. Internationales Recht und der Schutz von Menschenrechten sind nichts, was einfach in Wildwestmanier nach Belieben gebrochen werden darf. Das rüttelt an Grundfesten internationaler Zusammenarbeit.“ Die Weltlage sei unberechenbarer geworden, der Ton und das Auftreten rauer. „So wie die Großmächte derzeit agieren und mit kleineren Ländern umgehen, führt das zu immer stärkerer Militarisierung, zu mehr Risiken für Konflikte und zu Angst bei den Menschen – ein unsäglicher Zustand“, so Thorsten Latzel. „Gerade im Advent geht es um eine andere Friedenshoffnung im Horizont der Botschaft Jesu Christi.“

Mutig bleiben und den Schulterschluss üben

Der leitende Geistliche der rheinischen Kirche plädiert dafür, sich nicht an der Rücksichtslosigkeit zu orientieren, sondern ganz bewusst Kooperationen zu suchen: „Die Welt ist aggressiver geworden – umso mehr müssen wir zusammenrücken. Europa und die EU vertreten Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit. Diese gilt es aufrechtzuerhalten. Gerade in bedrohlichen Zeiten ist es christliche Praxis, das Verbindende zu suchen, die Gemeinschaft zu stärken und aus der Hoffnung auf Gott widerständig zu leben. Diese adventliche Haltung ist es, die unsere Gesellschaft jetzt braucht.“
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Zur Person: Präses Dr. Thorsten Latzel
Thorsten Latzel (55) ist seit März 2021 Präses der rheinischen Kirche. Außerdem ist er Sportbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 2013 war er Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Im EKD-Kirchenamt war er von 2005 bis 2012 für Studien- und Planungsfragen sowie das Projektbüro Reformprozess zuständig. Im Blog glauben-denken.de veröffentlicht Präses Dr. Thorsten Latzel regelmäßig theologische Impulse. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


Autor: Martin Brandt, martin.brandt@ekir.de, Telefon 0211 4562-241
Kontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, cornelia.breuer-iff@ekir.de, Telefon 0211 4562-423

Weihnachtskisten für die Tafel

Weihnachtskisten für Tafel-Besucherinnen und -Besucher

Auch in diesem Jahr ruft TAFEL RÖSRATH e. V. in der Vorweihnachtszeit wieder Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf, Weihnachtskisten für Menschen mit sehr niedrigem Einkommen zu packen und sie der Tafel zwecks Verteilung zur Verfügung zu stellen.

Abgegeben werden können die gepackten Kisten wieder an der

Die Tafel-Nutzer und Tafel-Nutzerinnen erhalten ihre Weihnachtskisten im Gemeindesaal der Ev. Versöhnungskirche am Freitag, 12. Dezember, 12 – 17 Uhr

Die Kisten sollen ausschließlich Lebensmittel enthalten und nur ungekühlt haltbare Artikel!
(bitte keine Deko- und Bastel-Artikel, keine Körperpflegemittel, keine Spielsachen, keine Kleidung und keine Tiernahrung!)
Eine weihnachtliche Verpackung wäre schön!

Die Tafel bittet darum, die Kisten nach oben offen zu lassen; sie können dann z. B. besser nach Familiengrößen klassifiziert werden. Außerdem erleichtert es dem Tafel-Team die Arbeit, wenn der Weihnachtskiste ein Zettel mit Angaben über den Inhalt angeheftet ist. Hilfreich wäre in jedem Fall ein Hinweis, ob das Paket Schweinefleisch enthält oder nicht.

Die Tafel-Mitarbeitenden danken schon jetzt für die Spenden und bitten um Verständnis für die genannten Einschränkungen.

Rückfragen: Pfarrerin Dorothee Gorn, Tel. 897338, E-Mail: info@tafel-roesrath.de

Bilder: Klaus Daub

ÖkumenJa 30.11.

„I have a dream“

Die kommende ÖkumenJa-Veranstaltung am 30.11. von 17 – 19 Uhr steht unter dem Titel „I have a Dream“, dem bekannten Zitat des Bürgerrechtlers Martin Luther King. So wie er als Aushängeschild der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung für die Beseitigung der Rassentrennung und der Ungleichheit eintrat, so träumen viele Mitglieder der christlichen Kirchen von einem Zusammengehen der Konfessionen zu einer geeinten christlichen Gemeinschaft.

Bei unserem Treffen sollen sowohl die Geistlichen der katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden in Rösrath ihre Visionen einer ökumenischen Kirche darstellen, als auch im Rahmen einer Diskussion alle Besucher ihre Fragen und Vorstellungen zu diesem Thema vortragen können.

Für die Moderation der Veranstaltung hat sich dankenswerter Weise der ehemalige WDR-Journalist Peter Winterberg zur Verfügung gestellt. Mit seinem theologischen Hintergrund und seiner langjährigen beruflichen Erfahrung mit diesem Thema ist er hervorragend gerüstet, die Diskussion auch bei kontroversen Detailfragen zu lenken.

Das Treffen soll Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zusammenführen und die Gemeinschaft auch über den Stadtbereich Rösrath hinaus erweitern. Das Ganze findet wie immer in Form eines geselligen Beisammenseins bei einem kleinen Imbiss und Getränken statt.

Ort: Augustinushaus der Katholischen Kirche St.Nikolaus

  • Diskussionsrunde mit:
    Pfarrer Franz Gerards und Pfarrer Thomas Rusch
    Moderation: Peter Winterberg (ehem. Journalist des WDR)
  • Andacht: Claudia Rust
  • Gemütliches Beisammensein mit Getränken und kleinem Imbiss im Augustinushaus neben der Kirche

Adventssammlung von Diakonie und Caritas

Füreinander. Für hier. – Hilfe direkt um die Ecke

Mit Start der diesjährigen Sammlung (Zeitraum: 16. November bis 6. Dezember) gehen Diakonie und Caritas neue Wege. Die Sammlung wird digital, barrierearm und bekommt einen zeitgemäßen Online-Auftritt.

Die Adventssammlung von Diakonie und Caritas ist 75 Jahre alt und mit fast 7.000 engagierten Sammlerinnen und Sammlern allein in Nordrhein-Westfalen eine der erfolgreichsten ökumenischen Fundraising-Aktionen. Gefördert werden mit den gesammelten Spenden ganz unterschiedliche soziale Projekte: zum Beispiel Hausaufgabenhilfe und Vesperkirchen, Plauderbänke, Wärmehilfen, Beratung für zugewanderte Menschen, Reparatur-Cafés.

Kreative Ideensammlung

„Füreinander. Für hier. – Hilfe direkt um die Ecke.“ Das ist das neue Motto der gemeinsamen Spendenaktion von Diakonie und Caritas in Nordrhein-Westfalen. Zum Start der diesjährigen Adventssammlung (Zeitraum: 16. November bis 6. Dezember 2025) erscheint die Sammlung in neuer Aufmachung: www.Füreinanderhier.org

Dazu sagt Pfarrer Christian Heine-Göttelmann, theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL: „Mit der neuen Kampagne ,Füreinander. Für hier. – Hilfe direkt um die Ecke‘ strukturieren wir die Sammlung neu: Zentral von den Landesverbänden organisiert, laden wir unsere Einrichtungen und Kirchengemeinden ein, sich an der Aktion zu beteiligen. Auf der neuen Website finden sie umfangreiches Material, von Plakaten und Vorlagen für Gemeindebriefe über Firmenanschreiben und Social Media-Entwürfe bis hin zu den beliebten Dankeskarten. Dieses niedrigschwellige Angebot soll möglichst viele Menschen motivieren, mitzumachen.“ Auch eine kreative Ideensammlung für Mitmach-Spendenaktionen findet sich auf der Website – von A wie Anpacken bis W wie Wünschebaum.

Innovative Spenden-App

Neben der traditionellen Spendensammlung per Überweisungsträger oder Bargeldspende kann über die neue Internetseite auch online gespendet werden. Eine Neuerung bietet die Diakonie RWL zusätzlich mit einer innovativen Spenden-App. Damit können Engagierte bargeldlos, anonym und sicher Spenden für diakonische Zwecke sammeln. Spenderinnen und Spender wählen auf dem Handy der Sammlerinnen und Sammler einen Betrag aus und bestätigen die Spende einfach durch Auflegen einer EC- oder Kreditkarte oder mit der Bezahlfunktion via Smartphone (Tap to Pay). Innerhalb von Sekunden ist die Spende sicher und zuverlässig getätigt – ohne, dass mit Bargeld hantiert werden muss.

Spendenverdoppelung

Aus Anlass des Neustarts der Spendenaktion bietet die Diakonie RWL zudem noch eine Spendenverdoppelung an. „Jeden Euro, der digital über die Website oder die App gespendet wird, werden wir verdoppeln bis zu maximal 100.000 Euro“, sagt Vorstand Heine-Göttelmann. Diese Spenden fließen in den „Füreinander. Für hier.“-Fonds der Diakonie. Somit wolle man den Anreiz, digital zu spenden, erhöhen. Heine-Göttelmann: „Wenn wir dieses Ziel erreichen, haben wir im kommenden Jahr einen gut gefüllten Sozial-Fonds, aus dem Kirchengemeinden oder Trägereinrichtungen für ihre sozialen Projekte vor Ort schöpfen können.“

Diakonie RWL in drei Sätzen:
Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL ist der größte diakonische Landesverband und einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Es erstreckt sich über Nordrhein-Westfalen, das Saarland sowie Teile von Rheinland-Pfalz und Hessen. Die Diakonie RWL repräsentiert rund 5.000 evangelische Sozialeinrichtungen, in denen 200.000 Mitarbeitende hauptamtlich und ebenso viele ehrenamtlich tätig sind.

Offene Trauerhalle, 23.11.

Offene Trauerhalle – Friedhof Sommerberg

Am Ewigkeitssonntag, 23.11., von 11:30 Uhr bis ca. 17:00 Uhr

… wärmendes Kerzenlicht tut der Seele gut …
… zur Ruhe finden mit Musik von Klassik bis Popsongs …
… aufgebaut werden durch einfühlsame Texte …
… ein Licht der Hoffnung anzünden für Menschen, um die ich trauere …


Während das Angebot IN der Trauerhalle durchgehend stattfindet,
lädt der Ökumenische Hospizdienst ein zum „Friedhofscafé“
14:00 Uhr – 16:00 Uhr: unter Dach VOR der Trauerhalle

IN der Trauerhalle und VOR der Trauerhalle gilt:
Jede/r kann kommen und bleiben, solange er / sie mag.


Ein offenes Angebot der kath. und ev. Gemeinden, sowie des Ökumenischen Hospizdienstes Rösrath

Foto: Erika Juckel

Heiraten am 11.11. – mit Gottes Segen. Spontan oder mit Anmeldung

Am 11.11. heiraten. Das wünschen sich viele – aber die Standesämter sind schnell ausgebucht. Und manche können auch gar nicht standesamtlich heiraten. Aus rechtlichen oder finanziellen Gründen oder auch aus Überzeugung. Bei uns könnt ihr euch trotzdem das Jawort geben. Denn wir segnen Paare am 11.11. Jeck.

Und doch respektvoll. Bunt. Und ernsthaft. Wir feiern Hochzeit am Beginn des Fastelovend mit Krapfen, Kölsch und Jaichwill. Wir, das ist das Segensbüro Hätzjeföhl. Das Ganze wird in – bei schönem Wetter auch vor – der Christuskirche am Stadtgarten stattfinden.

Kommt spontan oder auch mit Anmeldung. Kölsche Tön werden erklingen, wenn das Jawort gesprochen ist.
Im letzten Jahr, da haben wir das schon mal gemacht, und es war fein. Ein Erlebnis, das trägt. 
Infos und Anmeldungen ab dem Spätsommer auf www.hätzjeföhl.de


FAQ:

Wann?
Dienstag, 11.11.2024, von 10-16 Uhr

Wo?
Christuskirche am Stadtgarten: https://maps.app.goo.gl/qJ6gnub2A3NXZNgy9

Wer?
Pfarrer*innen und Prädikant*innen der Evangelischen Kirche in Köln und Region

Für wen?
Paare, die ihre Liebe segnen lassen wollen. Die Segnung und die kirchliche Hochzeit ist unabhängig von eurer sexuellen Identität. Die Liebe zwischen Menschen ist ein Geschenk Gottes, das wir sehr gerne segnen.

Was? 
Eure Liebe wird gesegnet: Entweder als Segnung eurer Beziehung oder als eingetragene kirchliche Hochzeit, wenn ihr schon standesamtlich verheiratet seid.

Spontan oder angemeldet? Ihr könnt spontan kommen oder ihr meldet euch an unter
http://www.haetzjefoehl.de/event/heiraten-am-11-11-krapfen-koelschja-ich-will/

Zeitfenster?
Für die Zeremonie solltet ihr eine halbe Stunde einplanen.

Outfit?
Kommt so, wie ihr seid: Zu zweit oder mit Gästen, im Karnevalskostüm oder im Smoking und Brautkleid.

Veranstalter?
Hätzjeföhl. Segensbüro der Evangelischen Kirche Köln und Region, www.haetzjeföhl.de

Jerusalemer Propst Joachim Lenz im Interview zu den Folgen des 7. Oktober

PRESSEMITTEILUNG Nr. 76/2025

„Viele hoffen natürlich, dass die Geiseln endlich freikommen und der Krieg endet“

Jerusalemer Propst Joachim Lenz im Interview zu den Folgen des 7. Oktober

Düsseldorf/Jerusalem (7. Oktober 2025). Zwei Jahre nach dem Überfall und der Geiselnahme der Hamas spricht Joachim Lenz, Propst in Jerusalem, über israelbezogenen Antisemitismus, Traumata auf beiden Seiten und kleine Leuchttürme der Hoffnung.

Herr Lenz, am 7. Oktober jährt sich der Terrorangriff der Hamas auf Israel zum zweiten Mal. Wie sehr hat sich das Land in Ihrer Wahrnehmung seither verändert?
Joachim Lenz
: Terror und Krieg beherrschen die Nachrichten – in Israel wie in den palästinensischen Gebieten. Israelis erzählen mir, dass sie in den Wochen nach dem 7. Oktober sehr direkte, persönliche Angst ums Überleben hatten. Das ist vorerst vorbei. Libanon, Syrien, Iran und vor allem die Hamas werden nicht mehr als akute Bedrohungen wahrgenommen. Aber der Konflikt ist ungelöst, die latente Bedrohung bleibt, immer noch kommen einzelne Drohnen und Raketen aus dem Jemen. In der Westbank leiden die Menschen unter viel Gewalt und großer wirtschaftlicher Not. In Bethlehem liegt die Arbeitslosigkeit weit über 80 Prozent.

Selbst in meinem kleinen christlichen Bekanntenkreis weiß ich von einigen, die ausgereist sind oder in ein anderes Land gehen wollen, wenn es nicht besser wird. Der Exodus der christlichen Familien aus dem Heiligen Land hält an. Dass es mittel- und langfristig besser wird, wagt kaum jemand zu hoffen. Ob der derzeitige Trump-Friedensplan funktionieren kann, weiß auch niemand. Viele im Lande hoffen natürlich, dass die Geiseln endlich freikommen und der Krieg endet. Müdigkeit und Aussichtslosigkeit sind gewachsen. Gleich geblieben ist, was der israelische Historiker Yuval Noah Harari vor fast zwei Jahren gesagt hat: In unseren Seelen ist so viel Trauer und Schmerz, dass da kein Platz bleibt für das Leid der anderen. Das gilt für die arabische wie für die jüdische Seite.

Die israelische Regierung steht weltweit in der Kritik wegen der Kriegsführung im Gazastreifen. Wie breit schätzen Sie den Protest innerhalb der israelischen Gesellschaft selbst ein?
Lenz
: Israel hat eine sehr lebendige Zivilgesellschaft. Samstagabends, nach dem Ende des Schabbat, sind regelmäßig Hunderttausende auf den Straßen, um gegen den Krieg und für eine Freilassung der Geiseln zu demonstrieren, die seit zwei Jahren in den Tunneln der Terrororganisation Hamas gefangen gehalten werden. Der Staat Israel ist als ein sicherer Ort für Jüdinnen und Juden angelegt worden, wo sie mit Menschen auch anderer Religionen in Frieden und Gerechtigkeit zusammenleben wollen. So hat es die israelische Unabhängigkeitserklärung von 1948 festgelegt. Die allermeisten Israelis, die ich kenne, wollen genau das. Dass dieser Staat möglich ist, hat unsere rheinische Landessynode 1980 als „Zeichen der Treue Gottes“ bezeichnet. In Umfragen wird aber auch deutlich, wie tief die Erbitterung und Sorge nach dem 7. Oktober in den Seelen sitzt. Eine klare Mehrheit der Bevölkerung ist gegen eine Zweistaatenlösung, das war vor zwei Jahren noch anders.

Immer mehr Länder erkennen den Staat Palästina an, Deutschland bisher nicht. Haben Sie Verständnis dafür?
Lenz
: Ich bin kein politischer Analyst. Den alten Plan, einen belastbaren Friedensprozess auf den Weg zu bringen, der eine stabile Zweistaatenlösung und dann auch die Anerkennung Palästinas zum Ziel hat, finde ich weiter einleuchtend. Leider konnte keine der beiden Seiten in den vergangenen Jahrzehnten diesen gemeinsamen Weg erfolgreich beginnen. In unserer kleinen deutschsprachigen Gemeinde sprechen wir natürlich miteinander über diese Fragen. Lösungen haben wir nicht anzubieten. Wir sind uns auch einig darüber, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, unsere Lösungen quasi von außen zu präsentieren.

Manchmal scheint es, im Nahostkonflikt gehe es mehr um Begriffe als um Menschenleben: Genozid ja oder nein, Hungersnot ja oder nein, Zweistaatenlösung ja oder nein. Erleben Sie überhaupt noch Momente einer gemäßigteren, um Verständigung ringenden Debatte?
Lenz
: Im politischen Umfeld sehe ich da gerade fast nichts. Zwei tief traumatisierte Völker stehen sich gegenüber. Aber es gibt weiterhin Menschenrechts- und Friedensgruppen wie die Rabbis for Human Rights, das Parents Circle Families Forum oder die Combatants for Peace. In Jerusalem hat sich ein interreligiöses Gesprächsforum zusammengefunden – jetzt erst recht. Das sind nur kleine Organisationen und wenige Menschen, aber es sind die Leuchttürme der Hoffnung! Sie verdienen jede Unterstützung. Und es gibt zum Beispiel den palästinensischen Arzt, der sich von einem israelischen Rabbiner zum Schabbat-Dinner einladen lässt: zögerlich, weil er dafür viel Ärger in seinem Umfeld riskiert. Aber er tut’s. Beide haben sich bei einer Taizé-Andacht in unserer Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg kennengelernt, was an sich schon eine kleine Hoffnungsgeschichte ist.

Israel steht weltweit am Pranger, von den Verbrechen der Hamas ist kaum mehr die Rede. Wie groß ist die Verbitterung darüber in Israel?
Lenz
: In den vergangenen zehn Jahren haben sich drei Viertel aller staatenbezogenen Resolutionen der Vereinten Nationen gegen Israel gerichtet. Das letzte Viertel richtet sich gegen alle Schurkenstaaten der Welt. Nicht erst jetzt fühlen sich viele Menschen hier vom Rest der Welt verlassen und allein. Weil wir am Ende allein dastehen, muss es unseren wehrhaften Staat geben – mit diesem Gedanken im Hinterkopf wurde Israel 1948 gegründet, und der Terroranschlag der Hamas hat das bestätigt.

Das Verlassenheitsgefühl betrifft allerdings Israelis wie Palästinenser gleichermaßen. Seit Kriegsbeginn hat kein islamischer Staat die diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen. Die Staatengemeinschaft hat das massenhafte Töten im Gazastreifen nicht gestoppt. Da ist auf der palästinensischen Seite viel Verzweiflung, allen Solidaritätserklärungen zum Trotz. Beide Seiten wollen Anerkennung ihres Leids und Verständnis für ihr Handeln. Beide tragen die Traumata von Terror und Krieg mit sich herum. Und sie reden nicht miteinander.

Überall bricht sich ein immer ungehemmterer Antisemitismus Bahn. Er richtet sich gegen Künstler, Unternehmen, jüdische Menschen im Alltag. Was wären aus Ihrer Sicht jetzt notwendige Signale?
Lenz
: Ich bin absolut dankbar, dass meine Kirche unermüdlich Flagge gegen jede Form von Antisemitismus zeigt. Sowohl meine heimische Evangelische Kirche im Rheinland als auch die Evangelische Kirche in Deutschland, die mich nach Jerusalem entsandt hat, sind da ganz klar und haben auch Konsequenzen benannt, von Bildungsarbeit über Gottesdienste bis zur Unterstützung jüdischer Präsenz in der Gesellschaft. Nun herrscht gerade auch viel israelbezogener Antisemitismus. Der ist nicht einfach durch die schrecklichen Bilder aus dem Gazastreifen zu erklären. Israel sei „der Jude unter den Völkern“, hat der Holocaust- und Antisemitismusforscher Léon Poliakov gesagt – und zwar bereits vor fast 60 Jahren. Wir erleben jetzt, dass er recht hat. Und wir müssen sagen, dass das Unrecht ist.

Wenn Sie 2026 Jerusalem nach sechs Jahren wieder verlassen, haben Sie erst die Corona-Pandemie und dann den Hamas-Terrorangriff, die Bomben auf Israel und den Krieg im Libanon und im Gazastreifen miterlebt. Können Sie da noch irgendeinen Hoffnungsgedanken mit nach Hause nehmen?
Lenz: Wir sollen allezeit Rechenschaft geben über die Hoffnung, die in uns ist, heißt es in der Bibel. (1. Petrus 3,15) In unserer Gemeinde erinnern wir uns immer wieder gegenseitig an Jesus, den Friedefürsten. Der war ja höchstpersönlich in unserer Stadt und hat uns in Gottes Namen den Frieden erklärt. Das kann und wird er wieder tun – hoffentlich bald und hoffentlich so, dass die Regierenden und die Regierten es endlich verstehen, gleich welcher Religion oder Nationalität sie sind.

Wie das gehen soll? Ich weiß es nicht. Sind die derzeit laufenden Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas ein Anfang? Vielleicht. Hoffentlich! Aber ich weiß zum Beispiel, dass mein Großvater 1944 Besatzungssoldat in Paris war. Nun lebt mein ältester Sohn dort seit Jahren und lehrt an der Sorbonne. Nach Jahrhunderten der „Erbfeindschaft“ herrscht zutiefst belastbarer Friede zwischen zwei Völkern. „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“: Was Primo Levi warnend über die Schoah gesagt hat, gilt auch für Friedenswege. Das glaube und hoffe ich von Herzen. Jerusalem ist ganz oben auf der Liste der Orte, wo das möglich werden muss.
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Zur Person: Joachim Lenz
Der gebürtige Wuppertaler Joachim Lenz war zunächst Gemeindepfarrer in Enkirch an der Mosel. Im Vorfeld des Kirchentags 2007 in Köln wurde er für drei Jahre zum Kirchentagsbeauftragten der Evangelischen Kirche im Rheinland berufen und arbeitete anschließend als Pastor für den Kirchentag. 2015 wechselte er als Theologischer Vorstand und Direktor zur Berliner Stadtmission. Bis zu seinem Amtsantritt in Jerusalem im August 2020 war er ehrenamtlicher Sprecher des Bündnisses United4Rescue.

Stichwort: Propst in Jerusalem
Der Propst ist der erste Pastor der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem. Zudem ist er im Heiligen Land und in Jordanien Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das gilt für die Jerusalem-Stiftung, der die Erlöserkirche und die Propstei gehören, und für die Auguste-Viktoria-Stiftung, die das Auguste-Viktoria-Hospital in Ostjerusalem betreibt. Die dritte Stiftung trägt das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes.

Autor und Kontakt: Ekkehard Rüger, ekkehard.rueger@ekir.de, Telefon 0211 4562-290

ÖkumenJa 12.10.

Whisky, Folk und Schlossgespenster – ein Abend mit feinen Geistern

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „ÖkumenJa“ lädt das Trio „Tempus Manet“ am 12.10.25 in der Zeit von 17 bis 19 Uhr im Pfarrsaal der Evangelischen Versöhnungskirche in Rösrath auf eine Reise zu den britischen Inseln ein.

Mit dem Trio haben wir versierte Akteure gewinnen können, die schon seit Jahren auf originelle Art typisch irische Lieder und Geschichten auf die Bühne bringen.
Dabei begegnen die Zuhörer Gespenstern, Räubern und Helden in den Liedern und Geschichten, vorgetragen von Anja Zimmer (Texte, Gesang und Harfe), Erika Drogi-Haas (Gesang) und Frank Glabian (Gitarre und Gesang). Und wo läßt es sich besser gruseln als in gemütlicher Runde bei einem Glas irischem Whisky, zelebriert unter der Anleitung von Frank Glabian.
Wie immer finden die Vorträge in gemütlicher Runde mit Getränken und einem Imbiss statt.


Foto: Tempus Manet, privat