Andacht für den 6.8.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Spruch für den Monat August lautet: Gott ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele. (Psalm 139, 14)

Das kleine, kurze Wörtchen „Danke“ möchte ich in den Mittelpunkt dieser Andacht stellen.

Danke gehört so selbstverständlich in unseren Sprachschatz, dass viele Menschen es gar nicht mehr als wertvoll ansehen. In unserer Zeit fragen manche: Wer sagt denn heute noch Danke? Das tun doch nur noch ein paar übrig gebliebene Leute, die altbackene Höflichkeitsformen hochhalten wollen. Danke-sagen? Wozu? Was hat man davon?

Ich mache immer wieder diese erschreckende Beobachtung, dass Menschen es verlernt haben, Danke zu sagen. Ich denke dabei nicht nur an die Jugend, deren mangelnde Umgangsformen so oft kritisiert werden. Ist es nicht eher so, dass die junge Generation zu wenig Vorbilder hat, die vorleben, was es heißt, dankbar zu sein und Danke zu sagen? So habe ich manchmal den Eindruck, das deutsche Wort Danke ist ein Fremdwort geworden, denn kaum jemand schafft es noch, dieses schwierige Wort auszusprechen. Dabei besteht es doch nur aus 5 Buchstaben. Das dürfte doch nicht so schwer sein … 😉

Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir das Wort durchbuchstabieren: -> „D-A-N-K-E“. Dabei geht es um das Danken unter uns Menschen und unseren Dank gegenüber Gott.

D – wie „Du“

Danken hat immer etwas mit einem Gegenüber zu tun. Ich bedanke mich für etwas Gutes und habe immer ein Du als Adresse: „Ich danke dir, dass du mir geholfen hast.“ Oder: „Ich danke dir, dass du mir so etwas Schönes geschenkt hast.“

Wie oft vergessen wir, Gott zu danken, für all das, was er uns zum Leben schenkt? Wie oft nehmen wir das Gute als selbstverständlich hin, meinen sogar, wir hätten ein Anrecht auf alles Gute, anstatt zu erkennen, dass das Gute ein Geschenk von Gott ist?

Warum sagen wir nicht einfach mal: Danke Gott?! Mit einem Danke vergeben wir uns doch nichts. Im Gegenteil. Mein Dank an Gott ist auch eine „Ich-Du“ – Beziehung. D – wie Du: Du Gott, hast mir so viel geschenkt … – Danke!

A – wie Annahme

Mit der Taufe feiern wir, dass Gott den Täufling als seinen Sohn bzw. seine Tochter annimmt. In der Taufe feiern wir die Ich-Du Beziehung zwischen Gott und einem Menschen. Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder annimmt. So gehören wir zur Familie Gottes. Damit ist Jesus unser Bruder und alle Getauften sind unsere Geschwister.

Bei jeder Taufe wird der Taufbefehl gelesen, bei dem Jesus verspricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20) Auch wenn die Taufe kein Garantieschein ist für ein sorgenfreies Leben, steht fest: Jesus lässt uns nie allein. Er wird alle unsere Wege begleiten und wird bei uns sein in guten, wie in schweren Zeiten.

Vielleicht begegnet uns Jesus in anderen Menschen, die er in den Dienst nimmt, die für uns da sind, uns durch schwere Zeiten hindurchhelfen, manchmal auch hindurchtragen.

Für all das Gute wollen wir Dank sagen: Dafür, dass Gott uns als seine Kinder annimmt und uns in unserem Bruder Jesus nahe ist.

N – wie Nein

Nein-Sagen: Den bösen Mächten im Leben widersprechen, gegen Unrecht aufstehen … Nein-Sagen: Das Negative, das auf der Welt geschieht, beim Namen nennen … Und dann dagegenstellen, dass Gott das Gute will und uns zur Nächstenliebe aufruft.

N – wie Nein bedeutet auch: Sich bewusst sein, dass Gott uns viel Gutes schenkt, und uns den Auftrag gibt, dieses Gute nicht für uns zu horten, sondern mit anderen zu teilen.

Wenn alle Menschen aus dem Dank heraus handeln würden, wenn wir teilen würden, was wir zum Leben haben, dann sähe es auf der Welt ganz anders aus. Ein Motto der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ heißt: „Es ist genug für alle da“, wenn wir miteinander teilen. Das ist gelebte Dankbarkeit. Damit helfen wir Menschen in Not und helfen zu mehr Gerechtigkeit auf der Welt.

K – wie Kraft, Kontakt, Kommunikation

Der lutherische Theologe Hermann Bezzel (1861 – 1917) hat einmal gesagt: „Die größte Kraft des Lebens ist der Dank.“

Im Miteinander von Menschen gibt uns der Dank Kraft fürs Leben: Derjenige, der einem anderen dankt, schließt sich für eine Beziehung zu seinem Gegenüber auf. Und derjenige, dem gedankt wird, freut sich über den positiven Kontakt. Die Kommunikation zwischen zwei Menschen wird gestärkt durch gelebte Dankbarkeit.

Und wenn wir unseren Dank gegenüber Gott aussprechen, wenn wir so Kontakt zu unserem Vater und Schöpfer halten, erhalten auch wir Kraft.

E – wie Entscheidung, Engagement, Einsatz

Weil uns Gott uns so viel zum Leben schenkt, weil er uns liebt, weil er uns Freunde an die Seite stellt und uns sein Wort als Orientierung im Leben gibt, und auch weil wir – Gott sei Dank – schon 75 Jahre in Frieden leben dürfen … deshalb stellt uns Gott vor eine Entscheidung. Er fragt: Ob wir den Frieden als selbstverständlich annehmen, oder ob wir daraus ableiten, dass unser Einsatz gefragt ist, unser Engagement.

In Anlehnung an das Gebet von Mutter Teresa formuliere ich: Gott hilf uns dazu, dass wir Frieden bringen, wo Streit ist, Liebe üben, wo Einsamkeit und Sorge sich breitmachen. Dass wir anderen verzeihen, wo man sich hasst, dass wir in jeder Begegnung aufmerksam für andere sind.

All das aus Dankbarkeit heraus, dass Gott uns gibt, was wirklich wichtig ist im Leben.

******************************

Danke-sagen ist mehr als nur eine Höflichkeitsformel. Danke darf kein Fremdwort sein! Der Dank will gelebt werden, will uns zum Handeln führt. Danken bringt uns in Bewegung aufeinander zu. Wir danken einander, und wir danken Gott mit Herzen, Mund und Händen.

Dankbarkeit ist eine Lebenseinstellung, die Gutes bewirkt. Mit der Kraft des Dankens können wir das Böse in seine Schranken weisen und dazu helfen, dass Liebe und Frieden sich in unserer kleinen und großen Welt ausbreiten.

Seit einem Kirchentag in den 60-er Jahren gibt es das „Danke-Lied“. In sechs Strophen wird aufgezählt, wofür wir dankbar sind. Am Ende des Liedes heißt es: „Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran. Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.“ Dazu passt der Sinnspruch: Nicht der Glückliche ist dankbar, sondern der Dankbare ist glücklich. Darüber lohnt es sich, weiter nachzudenken.

Herzlichst – Ihre / Eure Pfarrerin Erika Juckel

 

Zur Info: Die Andachten in den Schulferien erscheinen am Mittwoch oder am Donnerstag (online auf unserer Homepage oder on Leine, auf der Wäscheleine).

Die Predigt und ein Lied von unseren Open-Air-Gottesdiensten kann man immer montags auf unserer Homepage und auf youtube aufrufen.

Hier der Link: Gottesdienst am 2. August

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


Foto: D. Binderberger