ÖkumenJa – Ja zur „Gemeinschaft aller Konfessionen“

Mit „oikoumene“ wurde in der Antike die gesamte bewohnte, zivilisierte Erde bezeichnet. Heute wird unter Ökumene das Miteinander aller Christen verstanden. Über dieses Verständnis soll die Trennung der verschiedenen Konfessionen überwunden und eine Gemeinschaft im Glauben gefördert werden.

Auf dieser Basis wurde, getragen von den katholischen und evangelischen Gemeinden in der Stadt Rösrath, im Oktober 2024 das Projekt „ÖkumenJa“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, über Veranstaltungen mit Vorträgen aus Kultur, Musik und zu allgemein interessierenden Themen Menschen aller Glaubensrichtungen, aber auch darüber hinaus Bewohner unserer Gemeinde und aus der weiteren Umgebung anzusprechen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos. Sie finden mehrmals im Jahr, immer an einem Sonntag in der Zeit von 17 bis 19 Uhr, abwechselnd im Augustinushaus der katholischen Gemeinde St. Nikolaus und im Pfarrsaal unter der Versöhnungskirche der evangelischen Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath statt. Nach einer kurzen geistlichen Einführung durch Pfarrer Gerards oder Pfarrer Thomas Rusch startet der Vortragsteil. Um den Kontakt unter den Besuchern zu fördern, findet danach ein geselliges Beisammensein statt, bei dem bei Getränken und von den Initiatoren und Unterstützern mitgebrachten Speisen ein reger Austausch stattfindet. Natürlich sind Spenden willkommen. Diese kommen vollständig der Rösrather Tafel zugute.

Nachdem das Projekt mit einem Konzert mit Trompete und Orgel im Oktober 2024 in St. Nikolaus gestartet war, gab es zwei speziell auf die Ökumene ausgerichtete Diskussionsnachmittage. Bei dem ersten Termin stellten sich die beiden Pfarrer, Herr Gerards und Herr Rusch, den Fragen der Besucher, um speziell über Streitthemen zwischen der katholischen und evangelischen Glaubensrichtung zu diskutieren. Bei einer weiteren Veranstaltung stellte Pater Joseph, unterstützt von seinem indischen Ordensbruder Dr. Mathew Chandrankunnel, das Leben der Christen in Indien dar. Ein wesentlicher Aspekt seines Vortrags war die Darstellung der pragmatischen Umgangsformen der verschiedenen christlichen Konfessionen miteinander. Sie sind geprägt von der Hervorhebung der Gemeinsamkeiten unseres Glaubens und der Lebendigkeit des Gemeindelebens. Beeindruckend waren seine Bilder von Kirchen, in denen mehrere Tausend Gläubige gemeinsam Gottesdienst feierten.

Eine überaus bewegende Veranstaltung war das Treffen am 7. Juni diesen Jahres im Augustinushaus, bei dem syrisch-stämmige Mitbürger zu dem Thema „Religiöse Gruppierungen und Volksgruppen in Syrien im Schatten des Assad-Regimes“ referierten. Die Veranstaltung wurde durch Marina Wittka ermöglicht. Seit vielen Jahren betreut sie syrische Flüchtlinge und unterstützt sie bei der Integration in unser Gemeinwesen und ihrer Ausbildung. Durch das entstandene Vertrauen konnte sie drei Referenten mit Familienmitgliedern dafür gewinnen, an dem ÖkumenJa-Treffen teilzunehmen und einen Einblick in ihre persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen über das Leben vor und unter dem Assad-Regime zu geben.

Bemerkenswert für die Zuhörer war die übereinstimmende Feststellung aller Vortragenden, dass vor der Machtergreifung durch die Familie Assad ein friedliches Miteinander nicht nur zwischen Christen und Muslimen, sondern zwischen allen Glaubensgemeinschaften in der Region bestand.

Im ersten Beitrag schilderte Nabil Alnahi, der in der katholischen Kirchengemeinde als Küster arbeitet, wie nach der Machtübernahme unter dem alewitischen Assad-Regime eine Atmosphäre des Misstrauens geschürt wurde. Das Ziel war, die Gesellschaft zu spalten und so die Macht des Regimes zu festigen. Ebenso beschrieb er die Vernichtungswut der islamistischen Terroristen, die für die meisten Zerstörungen von Kirchen und anderer christlicher Stätten verantwortlich sind. In einem sehr persönlichen und emotional geprägten Vortrag schilderte die 20-jährige Schülerin Aisha Hamdan-Sounan als Vertreterin der muslimischen Gäste, wie Mitglieder ihrer Familie unter dem Assad-Regime gelitten haben. Der dritte Vortrag wurde von dem kurdisch-stämmigen Studenten Scherbas Kulttekin gehalten. Auch er beschrieb, wie seine Familie ausgebombt wurde, und einer seiner Brüder bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben kam.

Für alle Zuhörer wurde unmittelbar spürbar, wie sehr diese Ereignisse die Vortragenden und ihre Angehörigen bis heute verfolgen, und wie sich der Terror auf die gesamte syrische Bevölkerung ausgewirkt hat.

Die geschilderten Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, unseren Horizont bzgl. der Lebenssituation und Praktiken anderer Glaubensgemeinschaften zu erweitern. Nur so werden Verständnis, Akzeptanz und Miteinander in unserer Sozialgemeinschaft gestärkt.

Wer Interesse hat, sich in dem ÖkumenJa-Projekt zu engagieren, kann sich gerne bei der Ökumene-Beauftragten der Pfarrgemeinde, Claudia Rust, melden (claudia.rust@katholische –kirche-roesrath.de). Die nächste ÖkumenJa-Veranstaltung findet am 18.10.2026 im Pfarrsaal unter der evangelischen Versöhnungskirche statt. Geplant ist ein herbstliches Thema mit literarischen und musikalischen Beiträgen.

Michael Rust