„Einfache ,Deals‘ werden sicher keinen nachhaltigen Frieden schaffen“

PRESSEMITTEILUNG Nr. 38/2026

Vizepräses Antje Menn predigt am Sonntag in Bad Münster am Stein

Düsseldorf/Bad Münster am Stein (15. Mai 2026). „Ist‘s möglich, Orte des Friedens zu fördern, selbst ein Ort des Friedens zu sein? Und sei er noch so klein.“ Diese Frage beantwortet Vizepräses Antje Menn am Sonntag, 17. Mai 2026, in ihrer Predigt anlässlich des Reformationshistorischen Tags der Ebernburg-Stiftung biblisch und historisch. Die Veranstaltung auf der Ebernburg bei Bad Münster am Stein beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Reichstag zu Speyer 1526.

Biblisch verweist die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland auf Verse des Apostels Paulus in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Rom (Röm 12,17b.18): „Seid auf Gutes bedacht gegenüber jeder und jedem. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Und historisch greift die Theologin auf den Reichstag zu Speyer 1526 zurück: Fünf Jahre zuvor war Martin Luther wegen seiner Thesen zur Reform der Kirche zum Reichstag in Worms vorgeladen worden. Die Auseinandersetzung gipfelte darin, dass der neu gewählte Kaiser Karl V. über Luther die Reichsacht verhängte. Im „Wormser Edikt“ ordnete er die Verhaftung Luthers und seiner Anhänger, den Einzug ihrer Güter, die Vernichtung reformatorischer Schriften sowie die Überwachung aller Druckerzeugnisse an. Doch die Umsetzung des Edikts spaltet die Reichsstände zunehmend. Die Befürworter einer schnellen Umsetzung der vom Kaiser verhängten Maßnahmen verbünden sich ebenso wie die mit der Reformation und Luther sympathisierenden Reichsstände.

Wichtiger Schritt auf den Augsburger Religionsfrieden zu
In Speyer wurde vor 500 Jahren eine friedliche Konfliktlösung der Religionsfrage auf den Weg gebracht: Am Ende wochenlanger Verhandlungen steht eine grundsätzliche Weichenstellung, die sich als ein wichtiger Schritt auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555 zu erweisen wird. Denn der Reichsbescheid von Speyer 1526 bahnt an, was in Augsburg knapp 30 Jahre später als Grundprinzip der Reformation besiegelt werden wird: Die Landesherren entscheiden über den Glauben auch ihrer Untergebenen.

Menn: Widersprechen, dagegenhalten, Glauben bekennen!
Die Verse des Apostels Paulus aus dem Römerbrief und das Ergebnis des Reichstags zu Speyer vor 500 Jahren sind nach Ansicht von Vizepräses Menn wegweisend für das Schaffen von Frieden: „Das ist Arbeit und erfordert – wie Speyer 1526 zeigt – Verhandlungsbereitschaft und Verhandlungsgeschick“, so die Theologin. „Einfache ,Deals‘ werden sicher keinen nachhaltigen Frieden schaffen, sondern auf Kosten der Schwächeren gehen. National-narzisstische Parolen mögen eingängig sein, aber argumentativ kraftlos. Tragfähiger Frieden wächst anders. Widersprechen, wo Hassparolen laut werden. Dagegenhalten, wo Demokratie und soziale Leistungen schlechtgeredet werden. Glauben bekennen, wo religiöse Ausdrucksformen verlacht werden. Verhandeln und Diplomatie üben, wo Fronten sich verfestigt haben oder verfestigen. Gerechtigkeit einfordern, wo Macht und Geld mehr zählen als das Wohl von Menschen.“

„Kein entweder du oder ich“
„Seid auf Gutes bedacht gegen jede und jeden.“ In ihrer Auslegung verweist Antje Menn auf den griechischen Urtext des Römerbriefs. „Dort steht genauer: Seid im Voraus darauf bedacht, jeder und jedem so zu begegnen, dass es ihr, dass es ihm guttut.“ Es sei Empathie gefragt, „mehr noch ein zuvorkommendes Einfühlen in die Person, mit der ich es zu tun habe oder zu tun bekommen werde. Paulus ermuntert seine Leserinnen und Leser, sich in die Lage des Anderen, in seine Freude und Sorgen, in seine möglichen Vorbehalte und Verletztheiten hineinzufühlen. So kann Verstehen wachsen. Und umgekehrt auch zu versuchen, vom Anderen her die eigene Lebenslage zu bedenken. Kein entweder du oder ich, sondern eine Kultur der wechselseitigen Achtung und Wertschätzung ist angesagt. Im Anderen, in der Anderen den Menschen sehen, wie Gott sie, wie Gott ihn geschaffen hat. Auf solchem Boden können unterschiedliche, auch gegensätzliche Überzeugungen und Standpunkte mit Respekt und Toleranz ohne Verachtung, Gewalt oder Unterdrückung ausgetragen werden.“

Stichwort: Reformationshistorischer Tag auf der Ebernburg
Der Reformationshistorische Tag am Sonntag, 17. Mai 2026, steht unter der Überschrift „Der Bauernkrieg und die Folgen – Der Speyerer Reichstag von 1526“. Der dazugehörige Gottesdienst mit Vizepräses Antje Menn beginnt um 10.30 Uhr in der Martinskirche, Berliner Straße 24, in Bad Münster am Stein. Die geschichtlichen Vorträge finden ab 14 Uhr auf der Ebernburg statt. Veranstalterin ist die Ebernburg-Stiftung.

Autor: Kirchenrat Jens Peter Iven
Kontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, cornelia.breuer-iff@ekir.de, Telefon 0211 4562-423