Präses Thorsten Latzel: „Unsere Welt ist oster-reif, dringend oster-reif“
Rheinischer Präses betont: Wir steuern an vielen Stellen in die falsche Richtung
Düsseldorf (31. März 2026). Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, veröffentlicht eine ebenso geistlich wie politisch profilierte Osterbotschaft. Die Menschheit sei oster-reif, weil „wir es als Menschen gerade richtig vermasseln. Wir steuern an vielen Stellen komplett in die falsche Richtung.“ In der Karwoche wähle Gott letztgültig die Seite der Opfer, widerspreche allen Gewaltherrschern und öffne an Ostern zugleich Horizonte jenseits dessen, was wir zu hoffen wagten.
In seiner Botschaft entfaltet Präses Latzel den inneren Bogen von Palmsonntag über Gründonnerstag und Karfreitag bis zum Ostermorgen und zeigt die Bedeutung der Festwoche im Kontext aktueller Krisen auf: „Unsere Welt ist oster-reif, dringend oster-reif, so wie schon lange nicht mehr. In der Kar- und Osterwoche geht es genau darum. Es geht um politische Gewaltherrscher, eine Gemeinschaft, die droht auseinanderzufliehen, Versöhnung, Verleugnung, Verrat – und um Hoffnung jenseits aller Horizonte.“
Christus – krasses Gegenbild zu Autokraten
Präses Latzel zeichnet dabei ein Bild von Jesus Christus als „krassem Gegenbild zu den Autokraten aller Zeiten und Weltgegenden“. An Palmsonntag komme er auf einem einfachen Esel daher und widerspreche so den Heilserwartungen an einen neuen „starken Mann“ – damals wie heute. An Gründonnerstag zeige er, wie die Welt in Wahrheit zu retten ist: durch liebende Selbsthingabe. Dem bevorstehenden Bruch der Gemeinschaft begegnet Jesus auf besondere Weise. Gemeinsam essen, wo Menschen kaum mehr miteinander reden können. „Das hat seinen Preis. Es wird ihn sein Leben kosten. ,Mein Leib für euch gegeben.‘“
Die Welt verändern – durch Selbsthingabe
An Karfreitag wähle Gott in der Geschichte letztgültig die Seite der Verlierer, Verletzten und Verfolgten: „In Christus tritt Gott nicht nur an die Seite der Opfer. Er wird selbst zum Opfer – und durchbricht so die Logik der Gewalt mit ihrem ,Immer Hammer sein, nie Amboss‘.“ Die Frage der Gerechtigkeit werde am Ende nicht durch Gewalt entschieden. Da sei Christus vor.
Hoffnung jenseits von allem, was Menschen zu träumen wagen
Am Ostermorgen öffne Gott dann einen neuen Horizont – „jenseits von allem, was wir zu träumen oder hoffen wagen: Leben über den Tod hinaus. Liebe, die stärker ist als Sünde, Unrecht und Gewalt. Und eine neue Gemeinschaft, die aus Versöhnung lebt.“
Weg der Glaubenden in einer ver-rückten Welt
Aufgabe der Christ*innen sei es, Botschafter dieser Versöhnung zu sein in einer Welt, die „dringend oster-reif“ ist, so Präses Dr. Thorsten Latzel. „Wir geben zig Milliarden weltweit für Rüstung aus, obwohl wir jeden Cent gegen den Hunger bräuchten. Wir fahren unsere Erde sehenden Auges ökologisch gegen die Wand, obwohl Klimaforscher/innen schon heiser werden vor lauter Warnungen. Wir bekommen es immer weniger hin, mit denen zu reden, die anderer Meinung sind: zuzuhören, zu verstehen, geschweige denn, miteinander zu essen. Wir sind selbst allzu oft geblendet von Geld, Macht, Ansehen und verlieren unsere Bestimmung aus dem Blick.“ Gott sei Dank werde es Ostern – „bei und in uns“.
Stichwort 1: Karwoche
Die Karwoche leitet sich vom althochdeutschen Wort „kara“ ab, das „Trauer“ oder „Klage“ bedeutet. Sie steht als Höhepunkt im christlichen Kirchenjahr für das Ende der Passions- und Fastenzeit und mündet in die Feier der Auferstehung Jesu Christi in der Osternacht. Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag und der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Gründonnerstag steht für das Gedächtnis an das letzte Abendmahl und der Karfreitag für Leiden und Sterben Christi.
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Stichwort 2: Präses predigt an Karfreitag und Ostersonntag
An Karfreitag, 3. April, 11.15 Uhr, predigt Präses Dr. Thorsten Latzel im Gottesdienst in der Mülheimer Petrikirche (Pastor-Barnstein-Platz 1, 45468 Mülheim an der Ruhr). Der Gottesdienst wird live übertragen: https://www.youtube.com/live/_9vmwkmnwDE
Am Ostersonntag, 5. April, 10 Uhr, predigt Präses Dr. Thorsten Latzel im Gottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche (Martin-Luther-Platz 39, 40212 Düsseldorf). Der Gottesdienst wird live übertragen: https://www.youtube.com/watch?v=Pw7u-_7N3a4
Autor: Martin Brandt, martin.brandt@ekir.de, Telefon 0211 4562-241
Kontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, cornelia.breuer-iff@ekir.de, Telefon 0211 4562-423
