{"id":28074,"date":"2026-01-16T17:42:52","date_gmt":"2026-01-16T16:42:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/?p=28074"},"modified":"2026-02-04T14:19:36","modified_gmt":"2026-02-04T13:19:36","slug":"praeses-latzel-die-welt-ist-ueberfordert-mit-sich-weil-sie-nichts-als-sich-kennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/2026\/01\/16\/praeses-latzel-die-welt-ist-ueberfordert-mit-sich-weil-sie-nichts-als-sich-kennt\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4ses Latzel: \u201eDie Welt ist \u00fcberfordert mit sich \u2013 weil sie nichts als sich kennt\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>PRESSEMITTEILUNG Nr. 6\/2026<\/strong><\/p>\n<h2>Pr\u00e4ses Latzel: \u201eDie Welt ist \u00fcberfordert mit sich \u2013 weil sie nichts als sich kennt\u201c<\/h2>\n<h3>Synodenbericht: Orientierung an Christus in Umbruchzeiten wichtiger denn je<\/h3>\n<p><strong>Bonn (16. Januar 2026). Auf der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bonn stellt Pr\u00e4ses Dr. Thorsten Latzel in seinem \u201e<a href=\"https:\/\/newsletter.ekir.de\/r\/PrNUhyT49437ms11534.html\" target=\"_blank\">Bericht \u00fcber die f\u00fcr die Kirche bedeutsamen Ereignisse<\/a>\u201c an die Synodalen gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in den Kontext kirchenhistorisch relevanter Epochenumbr\u00fcche, darunter die Antwort der Bekennenden Kirche in der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung auf den nationalsozialistischen Terror. \u201eIn Zeiten gro\u00dfer Umbr\u00fcche entdeckt Kirche sich neu und tr\u00e4gt zur Bew\u00e4ltigung gesellschaftlicher Herausforderungen bei, indem sie sich an Jesus Christus orientiert. Solus Christus \u2013 Christus allein.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In sieben Impulsen f\u00fchrt Pr\u00e4ses Latzel aus, warum eine neue Orientierung an Christus mehr denn je gefragt ist, damit die Kirche sich gegen\u00fcber den Herausforderungen der Zeit behaupten und ihrem Auftrag nachkommen kann.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00f6pfungszeit f\u00fcr eine neue Spiritualit\u00e4t<\/strong><br \/>\nAuch wenn die Bewahrung der Sch\u00f6pfung, von \u00d6kologie, Klima und Arten, politisch derzeit in den Hintergrund r\u00fcckt, ist sie f\u00fcr den Pr\u00e4ses eine der zentralen Herausforderungen der Menschheit. Sie lasse sich nicht allein durch Technik und Moral beantworten. \u201eWir brauchen ein fundamental anderes Selbstverst\u00e4ndnis. Eine neue Sch\u00f6pfungs-Spiritualit\u00e4t.\u201c Dabei k\u00f6nne die \u00f6kumenische Sch\u00f6pfungszeit vom 1. September bis zum Erntedankfest eine wichtige Rolle spielen: \u201eSo wie bei der Fastenzeit brauchen wir eine Zeit geistlicher Umkehr im Blick auf die Sch\u00f6pfung: Wof\u00fcr lebe ich? Was brauche ich wirklich? Was ist mein \u00f6kologischer Handabdruck? Das hei\u00dft: Was hinterlasse ich Positives?\u201c<\/p>\n<p><strong>Verwandlungskraft<\/strong><br \/>\nDer Pr\u00e4ses betont die Notwendigkeit eines neuen Lebensstils: Gemeinschaft wider die wuchernde Einsamkeit, Gerechtigkeit im Kampf gegen die noch immer zu gro\u00dfe Armut in der Gesellschaft. Aber auch die Zuwendung zu K\u00f6rper, Leib und Seele im diakonischen Verst\u00e4ndnis: \u201eDiakonie steht f\u00fcr eine heilvolle Verwandlung von Krankheit, Sucht und Problemen. Die diakonische Dimension spielt f\u00fcr uns als kleiner werdende Kirche eine zentrale Rolle.\u201c Die innere Kraft zur Verwandlung komme aus Begegnung \u2013 mit Gott und sich selbst. Ganz wesentlich z\u00e4hlt f\u00fcr den Pr\u00e4ses die Dankbarkeit f\u00fcr das Geschenk des Lebens zur Basis christlicher Existenz: \u201eWir leben als dankbar Beschenkte, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Vertrauensgemeinschaft<\/strong><br \/>\n\u201eVertrauensverlust ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr die liberale Demokratie\u201c, so Pr\u00e4ses Latzel. \u201eAnders als andere Staatsformen lebt sie fundamental vom wechselseitigen Vertrauen \u2013 der B\u00fcrger\/innen in den Staat, des Staats in die B\u00fcrger\/innen und der B\u00fcrger\/innen untereinander.  Doch genau daran krankt es.\u201c F\u00fcr die Vertrauenskrise und Bedrohung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Systems gebe es verschiedene Ursachen. Wichtig sei, was die Kirche diesem Prozess entgegensetzen k\u00f6nne: \u201eDas Wesen der Kirche besteht darin, eine in Christus gr\u00fcndende Vertrauensgemeinschaft zu sein.\u201c Augenf\u00e4llig werde dies im hohen sozialen Engagement von Kirchenmitgliedern \u2013 \u00fcber die Kirche hinaus. Umso wichtiger sei es, Vertrauen zu sch\u00fctzen. Im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext sei in der Vergangenheit Vertrauen massiv missbraucht und zerst\u00f6rt worden. \u201ePr\u00e4vention, Intervention und Aufarbeitung haben bei der Evangelischen Kirche im Rheinland daher allerh\u00f6chste Priorit\u00e4t.\u201c Vertrauen bedeute zugleich, den weltweiten, \u00f6kumenischen Dialog zu st\u00e4rken und Menschen \u00fcber Grenzen hinweg zu begegnen. Mit ihrem breiten \u00f6kumenischen Netzwerk und gro\u00dfen Engagement beziehe die Evangelische Kirche im Rheinland damit klar Position gegen jede Form von Nationalismus, sagt der Pr\u00e4ses.<\/p>\n<p><strong>Feindesliebe<\/strong><br \/>\nAngesichts der versch\u00e4rften Sicherheitslage und der neuen Wirklichkeit des Krieges tritt Pr\u00e4ses Latzel f\u00fcr einen verantwortungsethischen Realismus, Widerstand gegen die Willk\u00fcr von Gro\u00dfm\u00e4chten und zugleich eine neue Friedensf\u00e4higkeit ein. \u201eWir m\u00fcssen Entfeindung lernen.\u201c Mit den weltweit gigantischen R\u00fcstungsausgaben steuere die Menschheit komplett in die falsche Richtung. Das Geld fehle im Kampf gegen Armut und Klimawandel. Zum friedensethischen Engagement geh\u00f6re auch, dass sich die Kirche bei der Wehrpflichtdebatte aktiv einbringe, alternative Dienste st\u00e4rke und junge Menschen in ihren Gewissensentscheidungen seelsorglich beratend begleite. \u201eGewissen braucht Begleitung.\u201c Zudem habe Kirche eine wichtige Aufgabe im Rahmen von Zivilschutz und Seelsorge bei Katastrophen verschiedener Art. Entscheidend bei all dem sei eine grundlegende Einstellung im Sinn einer \u201eDiskursivit\u00e4t der Feindesliebe. Die Haltung, im anderen immer mehr als einen Feind zu sehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Glaubensfreiheit<\/strong><br \/>\nReligion ist nach Latzel insgesamt herausgefordert durch S\u00e4kularisierung einerseits und politische Instrumentalisierung andererseits. S\u00e4kularisierung wirke oft wie die Schwerkraft \u2013 ein weltweiter Prozess, dem sich Religion scheinbar kaum entziehen k\u00f6nne. Es gebe vielfach eine neue Indifferenz gegen\u00fcber Religion und Kirche, die Frage nach Gott stelle sich f\u00fcr viele nicht mehr, auch nicht in der modifizierten Form der Sinnfrage. Man k\u00f6nne auch ohne Gott ein gl\u00fcckliches, gesundes, moralisches Leben f\u00fchren. Die t\u00e4glichen Nachrichten zeigten aber: \u201eDie Welt ist \u00fcberfordert mit sich \u2013 weil sie eben oft nichts als sich mehr kennt.\u201c Dabei brauche es eine deutliche Differenzierung von Religion und Gott: \u201eReligion mag nicht notwendig sein. Aber Gott ist es. Als die eine, allumfassende sch\u00f6pferische Liebe.\u201c Es brauche \u201etheologische Diaspora-F\u00e4higkeit: Die Wahrheit des Evangeliums h\u00e4ngt nicht an der Menge der Kirchenmitglieder. Wichtig ist, ob wir selbst aus Gott leben.\u201c Zudem seien geistlich-theologische Aufbr\u00fcche entscheidend. Die Institution Kirche habe die Aufgabe, \u201esolchen Aufbr\u00fcchen Raum zu geben und sie zu st\u00e4rken\u201c. Eine andere Herausforderung sei die Instrumentalisierung von Religion, die sich an verschiedenen Stellen weltweit zeige \u2013 etwa bei Islamisten, der Legitimierung des Ukraine-Krieges durch die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche oder bei den Evangelikalen in den USA, die Trump als messianische Figur feiern und seine Gro\u00dfmachtpolitik st\u00fctzen. Pr\u00e4ses Latzel widerspricht scharf diesem Missbrauch von Religion, ebenso der Rede von einem Recht des St\u00e4rkeren. Seine klare Haltung: \u201eImperialismus wie Nationalismus lassen sich nicht christlich rechtfertigen. Sie sind schlicht ein Ausdruck menschlicher Gier, sprich: S\u00fcnde.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zukunftsmut<\/strong><br \/>\n\u201eUnser Gemeinwesen ist auf Hoffnung angelegt\u201c, so ein f\u00fcr Latzel entscheidender Leitgedanke. Zukunftsmut und Hoffnung gehe beispielsweise vom Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in D\u00fcsseldorf aus. F\u00fcr diesen gilt das Motto \u201eDu bist kostbar\u201c. \u201eDer Satz, urspr\u00fcnglich eine Heilszusage Gottes f\u00fcr das Volk Israel, gewinnt in unserer Zeit neue Bedeutung \u2013 daf\u00fcr, wie wir miteinander umgehen. Mit Menschen am Rande wie mit Menschen anderer Meinung.\u201c Zukunftsmut werde auch bei den notwendigen Reformprozessen in der Kirche gelebt und begegne einem vielf\u00e4ltig in den Gemeinden und Kirchenkreisen bei der Entwicklung hin zu einer kleineren Kirche, die weiter f\u00fcr andere da ist. Das schlie\u00dfe auch schmerzhafte Abschiede von Wichtigem und Wertvollem ein, etwa im Finanzprozess der Landeskirche. Entscheidend sei jedoch, \u201edass Menschen uns als relevant f\u00fcr ihr Leben erfahren, dass sie Trost, Hilfe erfahren, dass wir Hoffnung vermitteln\u201c. Leitlinie f\u00fcr die anstehenden \u00dcberlegungen sei daher: \u201eAn der Sache Christi \u2013 nahe bei den Menschen \u2013 flexibel in den Formen \u2013 effizient im Einsatz der Ressourcen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Menschwerdung<\/strong><br \/>\n\u201eWarum wurde Gott Mensch? Damit wir es \u2013 um der gesamten Sch\u00f6pfung willen \u2013 auch tun. Mach\u2019s wie Gott. Werde Mensch.\u201c Die Menschwerdung Gottes sei zentraler Inhalt des Glaubens. Sie sei, so der Pr\u00e4ses, eine Aufforderung an alle, zu der uns Christus bef\u00e4hige. \u201eGott wird Mensch, damit wir das mit unserem Menschsein auf die Reihe bekommen.\u201c In der Menschwerdung zeige sich das wahre Wesen Gottes als sich selbst hingebende, allumfassende Liebe. Das widerspreche zutiefst der menschlichen Selbst\u00fcberhebung, sich f\u00fcr die Mitte des Universums zu halten \u2013 und der Haltung der Augustusse, Herodes\u2018, Trumps oder Putins aller Zeiten. \u201eGerade in Zeiten des Umbruchs, in der die Ma\u00dfst\u00e4be der Menschlichkeit verschwimmen, ist es wichtig, daran zu erinnern: durch geistliche Sch\u00f6pfungszeit, heilsame Verwandlungskraft, vitale Vertrauensgemeinschaften, praktizierte Feindesliebe, wahrhafte Glaubensfreiheit, trotzig getrosten Zukunftsmut. So, wie es die 2025 verstorbene Margot Friedl\u00e4nder ausgedr\u00fcckt hat: ,Seid Menschen!\u2018\u201c<\/p>\n<p><strong>Stichwort: Landessynode 2026<\/strong><br \/>\nDie Landessynode der rheinischen Kirche ist das oberste Leitungsgremium der zweitgr\u00f6\u00dften Landeskirche in Deutschland. Die 80. Landessynode hat 184 stimmberechtigte Mitglieder (sowohl Theologinnen und Theologen als auch Nichttheologinnen und -theologen) aus den 34 Kirchenkreisen. Sie tagt vom 16. bis 20. Januar 2026 im Maritim Hotel Bonn. Der \u201eBericht \u00fcber die f\u00fcr die Kirche bedeutsamen Ereignisse\u201c gibt eine theologische Einordnung des Pr\u00e4ses zu kirchlichen und gesellschaftlichen Themen.<\/p>\n<p>Autor: Martin Brandt, <a href=\"mailto:martin.brandt@ekir.de\" target=\"_blank\">martin.brandt@ekir.de<\/a>, Telefon 0211 4562-241<br \/>\nKontakt: Pressesprecherin Cornelia Breuer-Iff, <a href=\"mailto:cornelia.breuer-iff@ekir.de\" target=\"_blank\">cornelia.breuer-iff@ekir.de<\/a>, Telefon 0211 4562-423<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PRESSEMITTEILUNG Nr. 6\/2026 Pr\u00e4ses Latzel: \u201eDie Welt ist \u00fcberfordert mit sich \u2013 weil sie nichts als sich kennt\u201c Synodenbericht: Orientierung an Christus in Umbruchzeiten wichtiger denn je Bonn (16. 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