{"id":26666,"date":"2024-12-14T12:47:37","date_gmt":"2024-12-14T11:47:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/?p=26666"},"modified":"2024-12-17T08:32:00","modified_gmt":"2024-12-17T07:32:00","slug":"wahlkampf-im-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/2024\/12\/14\/wahlkampf-im-advent\/","title":{"rendered":"Wahlkampf im Advent"},"content":{"rendered":"<h2>Bereitet dem Herrn den Weg\u201c \u2013 Wahlkampf im Advent &#8211;<\/h2>\n<p>Advent ist eine Zeit der Vorbereitung, der Ankunft. Klar, auch der Ankunft des allj\u00e4hrlichen Familienfests mit Weihnachtsessen, Pl\u00e4tzchen und Geschenken f\u00fcr Frau, Mann, Kind, Oma, Opa, Freunde, Hund, Katze, Maus. Aber zuallererst und vor allem anderen von Christus als dem Herrn der Welt. Von diesem einen Herrn, der v\u00f6llig anders ist als alle vermeintlichen Herren der Welt. Von seinem Friedensreich singen die Adventslieder: mal fr\u00f6hlich triumphierend <em>\u201eTochter Zion, freue dich\u201c<\/em>, mal sehns\u00fcchtig klagend <em>\u201eO Heiland, rei\u00df die Himmel auf&#8220;<\/em>. Christi Herrschaft mitten unter uns, in der Frieden und Gerechtigkeit sich k\u00fcssen, Licht im Finstern scheint und Arme eine frohe Botschaft h\u00f6ren. Sich darauf vorzubereiten, hilft mir, meine Hoffnung zu wahren und mich selbst neu auszurichten. \u201e<em>Siehe, der Herr kommt gewaltig.&#8220;\u00a0<\/em>Daf\u00fcr sind vier Wochen Advent nicht viel.<\/p>\n<p>Nun f\u00fchrt das Ampel-Aus in diesem Jahr dazu, dass der Wahlkampf mitten in den Advent f\u00e4llt. Was f\u00fcr eine Unzeit! Gef\u00fchlt sind die meisten ohnehin jahresersch\u00f6pft, virengeplagt oder weihnachtsreif. Die Zeit des Jahres, in der wir einkehren, umkehren, zur Besinnung kommen k\u00f6nnten \u00a0\u2013 nun angef\u00fcllt mit Wahlprogrammen und Werbekampagnen auf Weihnachtsm\u00e4rkten. Alles hat seine Zeit \u2013 aber Wahlkampf im Advent?! Das klingt wie ein Plan zur Steigerung kollektiver Selbstersch\u00f6pfung und zur Abschaffung der Stille.<\/p>\n<p>Doch vielleicht gibt es bei dieser unzeitigen Terminierung\u00a0auch etwas Gutes. Dann n\u00e4mlich, wenn die Botschaft von Weihnachten, von der Geburt Christi als Friedensk\u00f6nig und Herr der Welt, tats\u00e4chlich den Wahlkampf ver\u00e4ndert.\u00a0Daher keine frommen W\u00fcnsche, sondern geistliche Impulse f\u00fcr den Wahlkampf im Advent:<\/p>\n<p><strong>1. Adventliche Demut.<\/strong> Die Kandidat\/innen aller Parteien sind nicht Herren dieser Welt, sondern Diener des Volkes.\u00a0Sie tun gut daran, sich vor falscher Selbst\u00fcberhebung zu h\u00fcten, sich der eigenen Irrtumsf\u00e4higkeit bewusst zu sein und verantwortlich zu reden, zu leben und zu entscheiden \u2013 angesichts Jesu Christi als des einen Herrn der Welt, auf dessen Kommen wir hoffen. Nach Artikel 21 des Grundgesetzes ist es die Aufgabe der Parteien, zur \u201epolitischen Willensbildung des Volkes\u201c beizutragen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Ziele der Parteien \u2013 und das Verhalten ihrer Anh\u00e4nger \u2013 d\u00fcrfen dabei die freiheitlich-demokratische Grundordnung weder beeintr\u00e4chtigen noch beseitigen. Sonst sind sie verfassungswidrig und von staatlicher Finanzierung auszuschlie\u00dfen. \u201e<em>Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt.&#8220;\u00a0<\/em>Manche Adventslieder bekommen im Spiegel des Wahlkampfs einen neuen Klang. Sie weiten den Horizont politischen Wettkampfs heilsam hin auf die Ewigkeit Gottes.<\/p>\n<p><strong>2. Wir w\u00e4hlen Werte.<\/strong> Es geht bei der Wahl nicht nur um Parteiprogramme und Spitzenkandidat\/innen, sondern immer auch um Grundfragen der Menschlichkeit. Wir w\u00e4hlen Werte. Es geht um Fragen von \u201eMenschenw\u00fcrde, N\u00e4chstenliebe und Zusammenhalt\u201c \u2013 so eine Aktion der christlichen Kirchen in Sachsen anl\u00e4sslich der Landtagswahl in diesem Jahr.\u00a0Wie diese Werte konkret in Sozial-, Arbeits-, Wirtschafts-, Bildungs-, Sicherheits- oder Asylpolitik umgesetzt werden, dazu kann und muss es in einer Demokratie unterschiedliche Positionen geben. Aber die Werte an sich d\u00fcrfen niemals zur Disposition stehen. Das widerspr\u00e4che dem Gebot Jesu Christi, dass wir Gott und unseren Mitmenschen lieben sollen. Und es widerspricht dem Fundament unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wie es in der Pr\u00e4ambel und in Art. 1 des Grundgesetzes ausgedr\u00fcckt ist: <em>\u201eIm Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk [&#8230;] dieses Grundgesetz gegeben.&#8220;\u00a0\u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unver\u00e4u\u00dferlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.&#8220;\u00a0<\/em>Wohlgemerkt, es geht hier um Rechte von allen Menschen, nicht nur von deutschen Bundesb\u00fcrger\/innen. Menschenrechte kennen \u2013 wie das doppelte Liebesgebot \u2013 keine nationalen, ethnischen oder sonstigen Grenzen.<\/p>\n<p><strong>3. Advent ist Zeit der Umkehr. <\/strong><em>\u201eBereitet doch fein t\u00fcchtig den Weg dem gro\u00dfen Gast. Macht seine Steige richtig. Lasst alles, was er hasst. [&#8230;] Die T\u00e4ler all erh\u00f6het, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.&#8220;<\/em><br \/>\nIch finde es eine wichtige Pr\u00fcffrage f\u00fcr alle Parteiprogramme, wie sie zur notwendigen Umkehr beitragen \u2013 damit wir unserer Verantwortung f\u00fcr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung gemeinsam nachkommen. Unsere Gesellschaft und unsere Demokratie stehen unter massiven Belastungen \u2013 Stichwort Polykrise. Und wir haben eine gemeinsame Menschheitsaufgabe, Gottes Sch\u00f6pfung auf diesem Planeten zu erhalten. F\u00fcr uns und f\u00fcr unsere Kinder. All das wird nicht ohne tiefgreifende \u00c4nderungen unserer Lebensweise gelingen \u2013 Stichwort sozial-\u00f6kologische Transformation. Es ist wichtig, dass Politiker\/innen diese Aufgaben klar benennen, echte L\u00f6sungen anbieten \u2013 und keine populistischen Scheinl\u00f6sungen versprechen, schon gar nicht auf Kosten irgendwelcher Minderheiten.<\/p>\n<p><strong>4. Verantwortlich leben \u2013 der innere Wahlkampf in mir. <\/strong>Die biblischen Geschichten des Advents handeln davon, wie Menschen sich im inneren Streit der Stimmen f\u00fcr Gottes Botschaft entscheiden und Verantwortung f\u00fcr andere \u00fcbernehmen: Maria, als sie die Botschaft des Engels und das Kind in ihrem Bauch bejaht; Josef, als er seiner Verlobten treu bleibt; die Weisen wie die Hirten, die sich auf den Weg zum neugeborenen Christus machen. Auch unsere Demokratie lebt davon, dass sich Menschen bewegen lassen und Verantwortung \u00fcbernehmen. Wir sind oft gut darin, auf \u201edie da oben\u201c zu schimpfen. Und oft werden unsere Politiker\/innen per se schlecht geredet. Ich frage dann gerne zur\u00fcck, wer von den Kritiker\/innen selbst in einer Partei ist oder sich anders politisch engagiert. Das macht M\u00fche: sich politisch zu informieren, zu Sitzungen oder Demonstrationen zu gehen, an Programmen zu arbeiten, mit anderen zu diskutieren. Doch wir brauchen ehrenamtliches Engagement, Gemeinschaft und Institutionen \u2013 im Glauben wie in der Politik. Wahlkampf ist eine Zeit, in der jede B\u00fcrgerin, jeder B\u00fcrger Verantwortung tr\u00e4gt. Mit der wohlfeilen Kritik an \u201edenen da oben\u201c w\u00e4re es auch bei der Weihnachtsgeschichte nichts geworden.<\/p>\n<p><strong>Und 5. An ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen. <\/strong>Es ist das eine, was Menschen sagen \u2013 und ein anderes, was Menschen tun. Im Advent feiern wir, dass Gott Mensch wird \u2013 sein Wort wird Fleisch unter uns (Johannes-Evangelium Kapitel 1). Gott spricht nicht nur von Liebe. Gott ist Liebe und lebt sie. Gott macht sich f\u00fcr uns klein und schwach, damit wir gro\u00df und stark werden. \u201eWalk the talk.\u201c Das ist auch wichtig f\u00fcr politische Verantwortungstr\u00e4ger. Entscheidend ist ihre Haltung, ihre Integrit\u00e4t, mit der sie Werte von Menschenw\u00fcrde, N\u00e4chstenliebe und Zusammenhalt leben. Und ob sie so mit ihrem Reden und Leben anderen Hoffnung geben. Es gibt keinen Grund f\u00fcr politischen Fatalismus oder Pessimismus. Dass die Aufgaben gro\u00df sind, ist das eine. Doch entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Ob wir mutig und verantwortlich handeln \u2013 und ob wir uns dabei vom Geist Christi leiten lassen. Von dem Geist des Herrn der Welt, der mitten unter uns gegenw\u00e4rtig ist \u2013 und auf dessen sichtbares Kommen wir warten.<\/p>\n<p>Wahlkampf im Advent.\u00a0Eine ungew\u00f6hnliche Terminierung f\u00fcr uns als Gesellschaft. Aus ihr nehme ich aber vor allem etwas f\u00fcr mich pers\u00f6nlich mit.<\/p>\n<p>&#8211; Ich m\u00f6chte mich darin \u00fcben, <em>adventliche Demut zu lernen<\/em>. Wir sind nicht Herren des Glaubens anderer, sondern Diener ihrer Freude, so formuliert es Paulus (2. Brief an die Korinther, Kapitel 1, Vers 24). Christus allein ist unser Herr, auf ihn warten wir. Wir sind alle Geschwister. Mich selbst lieb, ernst, wichtig nehmen, aber eben nicht zu sehr.<\/p>\n<p>&#8211; Ich m\u00f6chte mich darin \u00fcben, <em>Werte zu w\u00e4hlen \u2013 <\/em>in den gro\u00dfen und kleinen Entscheidungen meines Alltags. Was hei\u00dft Menschenw\u00fcrde, N\u00e4chstenliebe, Zusammenhalt ganz konkret: wenn ich arbeite, einkaufe, esse, frei habe, reise? Wie pr\u00e4gt das mein Zusammenleben mit den Menschen, die Gott mir an meine Seite gegeben hat?<\/p>\n<p>&#8211; Ich m\u00f6chte mich darin \u00fcben <em>umzukehren<\/em>. Immer wieder neu. Mit Luther gesprochen: Glauben ist \u201enicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden. [&#8230;] Nicht eine Ruhe, aber eine \u00dcbung. Wir sind\u2019s noch nicht, wir werden es aber\u201c.<\/p>\n<p>&#8211; Ich m\u00f6chte mich darin \u00fcben, <em>verantwortlich zu leben<\/em>. Im Streit der vielen Stimmen, die ich Tag f\u00fcr Tag h\u00f6re, auf Gott zu h\u00f6ren. Mich von Gott rufen zu lassen. Und mit meinem Leben zu antworten. Indem ich f\u00fcr andere Verantwortung \u00fcbernehme.<\/p>\n<p>&#8211; Und ich m\u00f6chte mich darin \u00fcben, auf <em>meine Lebensfr\u00fcchte zu achten<\/em>. So leben, dass es keine bittere Beere f\u00fcr andere ist. Sondern eine Traube, die etwas vom Geschmack von Glaube, Liebe, Hoffnung in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wahlkampf im Advent.<em>\u00a0<\/em>M\u00f6ge der Geist Jesu Christi dabei unter uns gegenw\u00e4rtig sein.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Titelbild: EKiR.de<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereitet dem Herrn den Weg\u201c \u2013 Wahlkampf im Advent &#8211; Advent ist eine Zeit der Vorbereitung, der Ankunft. 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