{"id":26578,"date":"2024-11-30T09:51:07","date_gmt":"2024-11-30T08:51:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/?p=26578"},"modified":"2024-12-11T11:26:51","modified_gmt":"2024-12-11T10:26:51","slug":"klimakrise-im-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/2024\/11\/30\/klimakrise-im-advent\/","title":{"rendered":"Klima(krise) im Advent"},"content":{"rendered":"<p>\u201eI\u2019m dreaming of a white Christmas.\u201c F\u00fcr viele geh\u00f6rt das zum Bild eines friedvollen Festes: wei\u00df bedeckte Tannen, Schlitten mit Glocken, Schnee, der die Welt stiller, friedlicher macht. Doch der Traum von wei\u00dfen Weihnachten k\u00f6nnte schon sehr bald Schnee von gestern sein. Wir erleben 2024 das hei\u00dfeste Jahr, seit es Klimaaufzeichnungen gibt. Die 1,5-Grad-Grenze im Vergleich zur vorindustriellen Zeit wird schon jetzt \u00fcberschritten. Mit verheerenden Folgen: Extremwetter wie j\u00fcngst etwa in Spanien. D\u00fcrren, W\u00fcsten, Hungersn\u00f6te in anderen Erdteilen. Und ganze Inselstaaten, die absehbar verschwinden.<\/p>\n<p>Angesichts dessen sind die Ergebnisse der inzwischen sage und schreibe 29. Weltklimakonferenz der UN in Baku ein Skandal. Man konnte sich kaum darauf einigen, selbst Beschl\u00fcsse des Vorjahres zu wiederholen. Nach den Pl\u00e4nen von Paris 2015 wollte die Welt 2050 ann\u00e4hernd klimaneutral sein. Das w\u00e4re in 25 Jahren der Fall. Doch die Emission von Treibhausgasen sinkt nicht, im Gegenteil, sie steigt unabl\u00e4ssig weiter an. 2023 waren die Emissionen so hoch wie noch nie. Wahrscheinlich ist, dass dieser Trend auch 2024 oder 2025 nicht gebrochen wird. Und der kommende US-Pr\u00e4sident Trump prahlt damit, selbst erreichte Klimama\u00dfnahmen zur\u00fcckzudrehen (\u201eDrill, baby, drill\u201c) und aus dem Pariser Abkommen auszusteigen.<\/p>\n<p>\u201eI\u2019m dreaming of a white Christmas.\u201c Was tr\u00e4gt der Traum von Weihnachten aus angesichts des Klimawandels als einer der gr\u00f6\u00dften Menschheitsaufgaben? Was l\u00e4sst sich aus der Geschichte von Bethlehem f\u00fcr die Beschl\u00fcsse von Baku lernen? Und was kann man hoffen, ohne naiv zu werden?<\/p>\n<p>Die Weihnachtsgeschichte erz\u00e4hlt davon, wie aus blanker Wohnungsnot neue Gemeinschaft entsteht. Maria, Josef und das Christuskind in der Krippe im Stall bei den Tieren. Ein Zeichen daf\u00fcr, dass Gott \u201eunten\u201c, bei den Armen, zur Welt kommt \u2013 und dass dieses Kind der Christus f\u00fcr die ganze Sch\u00f6pfung sein wird. Die alte Verhei\u00dfung vom Frieden zwischen Mensch und Tier klingt hier an: \u201eDa wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim B\u00f6cklein lagern. [\u2026] Kuh und B\u00e4rin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen.\u201c (Jes 11) An der Krippe kommen Hirten, Engel und Weise zusammen. Gleichsam ein gemeinsames Aufbrechen von einfachen Arbeitern, Himmelsboten und Wissenschaftler*innen. Auch zur Zeit der Geburt Jesu gab es keine Zeichen daf\u00fcr, dass es besser wird. Dass die r\u00f6mische Unterdr\u00fcckung endet. Dass Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit wirklich werden. Der Stern von Bethlehem leuchtet nachts, in der Provinz, \u00fcber einem einsamen Stall.<\/p>\n<p>Jetzt, im Advent, geht es um Trotzkraft. Um Licht in der Finsternis. Um offene, unerf\u00fcllte Hoffnung, die nicht auf dem ruht, was wir tun. Und um eine \u201ebrennende Geduld\u201c, die Menschen ver\u00e4ndert. \u201eSeht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht.\u201c Das macht die \u00f6kologischen Probleme von Klimakrise, Artensterben, Verm\u00fcllung der Meere nicht kleiner. Aber es hilft mir, nicht aufzuh\u00f6ren, gemeinsam dagegen anzugehen. Ich kann \u201edie Welt\u201c nicht retten. Wir alle k\u00f6nnen das nicht. Das ist letztlich Gottes Sache. Aber wir k\u00f6nnen an unserer Stelle alles tun, um die Sch\u00f6pfung zu bewahren.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich auch, mich von manchen meiner Weihnachtsbilder zu l\u00f6sen. Advent hei\u00dft auch Umkehr. Das Fest wird nicht sch\u00f6ner mit der Menge der Geschenke. Der kollektive Konsumrausch in den Black Friday Weeks hat mit der Geschichte im Stall herzlich wenig zu tun, eher mit Dekadenz zu Zeiten Roms. Auch perfekt gez\u00fcchtete Nordmanntannen, Fl\u00fcge auf die Malediven oder k\u00fcnstlich pr\u00e4parierte Schneepisten sind keine weihnachtlichen Essentials und haben ihren \u00f6kologischen Preis. Zugleich versuche ich, neue Seiten der Advents- und Weihnachtsgeschichte f\u00fcr mich zu entdecken. Gemeinsame Orte und Begegnungen zu suchen mit den anderen unterwegs: den Sternsucherinnen, den H\u00fctern auf dem Feld, den Himmelsboten. Ich versuche, mich neu als Teil der Sch\u00f6pfung zu verstehen: an der Seite von Ochse und Esel, die mir in ihrem Verhalten oft \u00e4hnlicher sind, als mir lieb ist. Und mich im Warten zu \u00fcben auf den Friedensf\u00fcrsten, der da kommen soll \u2013 und der schon im Warten gegenw\u00e4rtig ist und mich ver\u00e4ndert. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer dr\u00fcckte es so aus: \u201eGott erf\u00fcllt nicht alle unsere W\u00fcnsche, aber alle seine Verhei\u00dfungen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eI\u2019m dreaming of a white Christmas.\u201c Es ist gut, von Weihnachten zu tr\u00e4umen. Tr\u00e4ume, die mein Leben ver\u00e4ndern. Tr\u00e4ume, in denen Gott mir begegnet. Tr\u00e4ume, die mich nicht abstumpfen lassen: \u201eDa kann ich eh nichts tun.\u201c In unseren Tr\u00e4umen sp\u00fcren wir die Kraft der Erwartung und die Gegenwart des Verhei\u00dfenen. Wovon tr\u00e4umen Sie an Weihnachten?<\/p>\n<hr \/>\n<p>Text und Beitragsbild: EKiR.de<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eI\u2019m dreaming of a white Christmas.\u201c F\u00fcr viele geh\u00f6rt das zum Bild eines friedvollen Festes: wei\u00df bedeckte Tannen, Schlitten mit Glocken, Schnee, der die Welt stiller, friedlicher macht. 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