{"id":26475,"date":"2024-11-10T11:30:50","date_gmt":"2024-11-10T10:30:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/?p=26475"},"modified":"2024-11-14T19:37:11","modified_gmt":"2024-11-14T18:37:11","slug":"st-martinswort-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/2024\/11\/10\/st-martinswort-2024\/","title":{"rendered":"St. Martinswort 2024"},"content":{"rendered":"<h2>\u201eBeim Teilen des Mantels geht es um W\u00fcrde! St. Martin als Leitbild f\u00fcr den Sozialstaat\u201c<\/h2>\n<p><strong>St. Martinswort 2024 des Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland<\/strong><\/p>\n<p>Taten k\u00f6nnen Leben ver\u00e4ndern. Am Martinstag erinnern wir an eine solche Tat gelebter N\u00e4chstenliebe. Als Martin von Tours einen frierenden Bettler am Wegesrand sieht, steigt er vom Pferd, zerschneidet seinen Offiziersmantel und gibt dem Frierenden die H\u00e4lfte seines Mantels. Martin gibt kein Almosen, sondern er teilt W\u00fcrde. Er setzt sich dem anderen gleich und sieht den Bettler als Bruder, als Mitmenschen an: Deine Armut ist meine Armut, mein Mantel ist dein Mantel.<\/p>\n<p>Das war vor rund 1700 Jahren. Seitdem erinnern wir an diese Tat in allen christlichen Kirchen. Weil Martin von Tours gelebt hat, worum es im Glauben geht. Jesus Christus sagt: \u201eIch bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.\u201c (Matth\u00e4usevangelium 25,36) Christus selbst identifiziert sich mit jedem Bettler, Armen und Obdachlosen. Am 11. November feiern wir kein Almosen, keine Wohlt\u00e4tigkeit, sondern ein Miteinander in W\u00fcrde. Den Mantel teilen \u2013 als Leitbild f\u00fcr unseren Sozialstaat.<\/p>\n<p>Die Armen unserer Zeit muss man nicht lange suchen. Da sind die Flaschensammler am Bahnhof, die Menschen, die Stra\u00dfenzeitungen vor dem Supermarkt verkaufen, die Obdachlosen im Schlafsack unter den Br\u00fccken. Und es gibt noch eine viel gr\u00f6\u00dfere verdeckte Armut. Es ist das Kind, das in der Schule ohne Pausenbrot dasteht. Das Rentnerpaar, das sich mit der schmalen Rente die Wohnung nicht mehr leisten kann und nicht wei\u00df, wohin. Die Gefl\u00fcchteten, die ohne einen Cent in Deutschland ankommen. Die alleinerziehende Mutter, die am Monatsende Lebensmittel bei der Tafel holt, weil das Geld einfach nicht reicht. Es ist und bleibt ein Skandal, dass in Deutschland Kinderreichtum weiter zu den gr\u00f6\u00dften Armutsrisiken geh\u00f6rt und Armut allzu oft famili\u00e4r \u201evererbt\u201c wird.<\/p>\n<p>Es ist gut, von Martin von Tours pers\u00f6nlich zu lernen f\u00fcr den Umgang mit den Armen unserer Zeit: stehen bleiben, nicht wegschauen, respektvoll mit diesem Menschen umgehen, nachfragen, nicht urteilen und etwas vom eigenen Geld teilen. Ein paar Euro machen mich nicht arm, k\u00f6nnen f\u00fcr den anderen Menschen aber viel bedeuten. Was wir aber vor allem brauchen, ist ein starker Sozialstaat, in dem Menschen erst gar nicht in solch eine Situation geraten. Unser Sozialstaat steht jedoch unter massivem Druck.<\/p>\n<p>Die Wohlfahrtsverb\u00e4nde protestieren zurzeit in Nordrhein-Westfalen unter dem Motto \u201eNRW bleib sozial!\u201c, weil f\u00fcr den kommenden Landeshaushalt die Mittel f\u00fcr soziale Dienste und Angebote um 83 Millionen Euro reduziert werden sollen. Wenn das so kommt, werden Menschen mit sozialen Problemen, psychischer Krankheit, Sucht, Fluchterfahrung oder Schulden allein bleiben und schneller auf der Stra\u00dfe landen. Das teilt nicht den Mantel, sondern zieht vielen die Decke weg.<\/p>\n<p>Ich bin dankbar, dass sich so viele Menschen ehrenamtlich wie beruflich in Gemeinden, Diakonie und Caritas f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Miteinander einsetzen: in der Bahnhofsmission, in der Arbeit mit Gefl\u00fcchteten in Notunterk\u00fcnften, in aufsuchender Sozialarbeit in von Armut gepr\u00e4gten Stadtteilen, in Schuldnerberatung, Tafeln oder Telefonseelsorge. Diese pers\u00f6nliche Zuwendung kann nicht durch sozialstaatliche Ma\u00dfnahmen ersetzt werden. Aber sie ist darauf angewiesen, dass der Staat sie st\u00e4rkt, f\u00f6rdert und unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Am 11. November wird es an vielen Orten Umz\u00fcge zu Ehren von Martin von Tours geben. Sie sind eine geistliche Erinnerung daran, was Mitmenschlichkeit bedeutet, und eine Ermutigung zu pers\u00f6nlichem wie sozialpolitischem Engagement.<\/p>\n<p>Beitragsbild: EKiR.de<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBeim Teilen des Mantels geht es um W\u00fcrde! St. Martin als Leitbild f\u00fcr den Sozialstaat\u201c St. Martinswort 2024 des Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland Taten k\u00f6nnen Leben ver\u00e4ndern. 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