{"id":25949,"date":"2024-07-13T13:10:55","date_gmt":"2024-07-13T11:10:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/?p=25949"},"modified":"2024-08-05T08:32:09","modified_gmt":"2024-08-05T06:32:09","slug":"sommer-urlaub-bibel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/2024\/07\/13\/sommer-urlaub-bibel\/","title":{"rendered":"\u201eSommer, Urlaub &#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<h2>\u201eSommer, Urlaub, Bibel, Gott\u201c \u2013 Gedanken zur Senkung protestantischer Arbeitsmoral<\/h2>\n<p>Vielleicht kennen Sie auch diese Frage aus Sommerinterviews: \u201eLiebe Frau M\u00fcller, lieber Herr Meier, wenn Sie ein Buch auf eine einsame Urlaubsinsel mitnehmen k\u00f6nnen, welches w\u00e4re das?\u201c Und je nach Fr\u00f6mmigkeitsgrad von Frau M\u00fcller bzw. Herrn Meier kommt dann immer auch wieder die Bibel, das Buch der B\u00fccher. Wobei das mit der Strandkorb-Tauglichkeit der Bibel ja so eine Sache ist.<\/p>\n<p>&#8211; Er: \u201eUnd: Was liest Du so?\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Sie: \u201eDie Bibel. Bin schon ziemlich weit.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Er: \u201eOh, krass. Hab\u2019 ich auch schon von geh\u00f6rt. Steht auf meiner TBR-List. Und: Wie isse denn so geschrieben?\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Sie: \u201eRecht spannend. Geht viel um Liebe, S\u00fcnde und so. Komplexe Story, viele Charaktere. So ein bisschen wie Tolkien, \u201eHerr der Ringe\u201c-m\u00e4\u00dfig. In der Mitte zieht es sich ein wenig \u2013 speziell bei der Chronik. Aber am Ende kriegen sie sich, Gott und Mensch.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Bibel sich nicht so unbedingt als leichte Strandlekt\u00fcre eignet, h\u00e4ngt auch mit ihrer Entstehungsgeschichte zusammen. Die kann man sich vielleicht so \u00e4hnlich vorstellen wie das Ausschusswesen der rheinischen Synode. Da gibt es den Theologischen Ausschuss die \u201eSchriftgelehrten\u201c, den Ausschuss f\u00fcr Erziehung und Bildung \u201edie Weisheit\u201c, den Ausschuss f\u00fcr \u00f6ffentliche Antwort \u201edie Propheten\u201c, &#8230; Und jetzt stellen Sie sich einen 1.200 Jahre dauernden, geistgeleiteten synodalen Prozess vor \u2013 mit periodisch wechselnder Federf\u00fchrung. Et voil\u00e0! Oder mit den letzten Worten Luthers formuliert: \u201eDie Briefe Ciceros kann niemand verstehen, er habe denn 25 Jahre in einem gro\u00dfen Gemeinwesen sich bewegt. Die Heilige Schrift meine niemand gen\u00fcgsam geschmeckt zu haben, er habe denn hundert Jahre lang mit Propheten wie Elias und Elisa, Johannes dem T\u00e4ufer, Christus und den Aposteln die Gemeinden regiert.\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn die Bibel sich also mehr f\u00fcr den Pilgerweg als f\u00fcr die Pool-Lekt\u00fcre eignet, spielt das Thema Urlaub in ihr eine gro\u00dfe Rolle. Im Grunde ist die Bibel insgesamt eine Anleitung zur heilsamen Selbstunterbrechung, zur Seelenstille, zur Einkehr vor Gott im Akt des Lesens.<\/p>\n<p>Das beginnt schon gleich am Anfang mit der Sch\u00f6pfungsgeschichte. In einer Zeit, als das Volk Israel im Exil Halt, Heimat, Hoffnung verloren hat, wird ihm hier Gottes Gegenwart vermittelt: im Rhythmus der Zeit und in der Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung. \u201eDa ward aus Abend und Morgen der erste Tag &#8230;der zweite Tag, &#8230;der dritte Tag &#8230;\u201c Der Himmel, die Erde, das Meer, die Sonne, die Sterne: Sie alle sind Gottes Gesch\u00f6pfe. Sie sind da, damit Pflanzen, Tiere, Menschen, alles was lebt, eine Heimat hat. Und die ganze Sch\u00f6pfung findet am Ende ihr Ziel darin, dass Gott am siebten Tag ruht von all seinen Werken. \u201eUnd Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.\u201c Gott segnet die Ruhe, damit wir als Gesch\u00f6pfe zur Ruhe kommen. Und in der Ruhe zu uns selbst und zu Gott. Die Sch\u00f6pfungsgeschichte: eine Anleitung zur heilsamen Selbstunterbrechung, zur Einkehr bei Gott im Rhythmus der Zeit.<\/p>\n<p>Wie zentral diese Idee ist, zeigt sich daran, dass sie in die 10 Gebote aufgenommen wurde. \u201eGedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.\u201c Das ist zentral f\u00fcr den j\u00fcdischen wie christlichen Glauben. \u201eDas Wesen der Religion ist Unterbrechung.\u201c (J.B. Metz)<\/p>\n<p>Nur in der Begr\u00fcndung ist man sich damals nicht einig geworden. Votierten die einen f\u00fcr den Bezug zur Sch\u00f6pfungsgeschichte, so waren die anderen f\u00fcr den Bezug zum Exodus, dem Auszug aus \u00c4gypten. Denn auch hier, beim Auszug aus \u00c4gypten und dem Beginn des Volkes Israel spielt die Ruhe eine zentrale Rolle. Die ganze Exodusgeschichte handelt davon, wie Gott uns Menschen vor uns Menschen sch\u00fctzt und an die Seite der versklavten Israeliten tritt. Gott befreit sein Volk aus einem Regime der Ausbeutung, von grenzenloser Arbeit, von Unfreiheit und Ruhelosigkeit.<\/p>\n<p>Die Pointe dessen ist, dass das nicht nur f\u00fcr Israel gilt, sondern f\u00fcr alle, eben auch \u201ef\u00fcr den Fremdling, der in deiner Stadt lebt.\u201c Ja, selbst f\u00fcr die Tiere, das Land, die ganze Sch\u00f6pfung. Das Volk Israel als die ersten Freigelassenen in Gottes Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Und weil beides klug und richtig ist, hat man die Zehn Gebote einfach zweimal in die Bibel aufgenommen: in 2. Mose 20 mit Bezug des Sabbats auf die Sch\u00f6pfung und in 5. Mose 5 mit Bezug auf den Auszug. Es ist wichtig, die heilsame Unterbrechung doppelt zu betonen, weil wir als Menschen eine tiefe Neigung haben, uns selbst und andere zu ersch\u00f6pfen und unserer Gott gegebenen Freiheit und Ruhe zu berauben. Wir gehen leicht unter in den Sorgen um alles, was noch zu machen ist: \u201eMuss nur noch kurz die Welt retten &#8230; noch 148 Mails checken.\u201c (Tim Bendzko)<\/p>\n<p>Und unsere Fr\u00f6mmigkeit tr\u00e4gt manchmal selbst dazu bei: Wenn der Eifer um die Kirche uns selber auffrisst. Wenn wir meinen, ohne uns ginge zwar nicht gleich die Welt unter, aber doch die rheinische Kirche. Wenn wir anderen Wein predigen und selber Wasser trinken. Wenn sich die sorgenvolle Stimme der Martha in mir meldet. \u201eWie soll das alles klappen: mit dem Mitgliederschwund, den Geb\u00e4uden, den Ver\u00e4nderungen und \u00fcberhaupt mit allem? Siehst Du denn nicht, Herr, wie das Boot bei uns volll\u00e4uft?\u201c Das nennen wir dann protestantische Arbeitsmoral.<\/p>\n<p>Da ist gut auf die Stimme dessen zu h\u00f6ren, der die Welt, unsere rheinische Kirche und auch mein kleines Leben in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt:<\/p>\n<p>&#8211; \u201eEs ist genug, dass jeder Tag seine eigene Sorge hat.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; \u201eTu du das Deine und \u00fcberlass den Rest ruhig mir.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; \u201eDas Retten der Welt und das Sorgen sind Gottes Sache.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; \u201eEs ist gut, dass du arbeitest und gut, dass du ruhst.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; \u201eDenn den Seinen gibt\u2018s der Herr im Schlaf, am Sabbat und auch im Urlaub.\u201c<\/p>\n<p>Daher zum Schluss: Sieben theologische Tipps f\u00fcr den Urlaub:<\/p>\n<p><strong>1. Du bist Mensch und nicht Gott.<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn Gott ruht, solltest du es auch. Genie\u00dfe deine endliche Freiheit. Freu dich an der Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung. Geh sorgsam mit dir selbst um: mit deiner Seele, deinem K\u00f6rper, deinem Geist. Sie alle sind endlich und brauchen Ruhe.<\/p>\n<p><strong>2. Es gibt kein Paradies jenseits von Eden. Auch nicht im Urlaub.<\/strong><\/p>\n<p>Entspann dich, wenn nicht alles perfekt ist oder nach Plan l\u00e4uft. Manchmal ist der Umgang mit dem Scheitern im Nachhinein sogar das Interessanteste. Gott schreibt auf krummen Linien oft besondere Geschichten.<\/p>\n<p><strong>3. Der Mensch im Stau neben dir ist auch ein Mensch, ein geliebtes, wunderbares Gesch\u00f6pf Gottes wie du.<\/strong><\/p>\n<p>Lass dich von der Tonne Blech um ihn herum nicht davon ablenken \u2013 und auch nicht durch seine suboptimale Fahrweise. Und wenn er sich dennoch bl\u00f6de vordr\u00e4ngelt: Vielleicht hat er den Urlaub noch n\u00f6tiger als du. Wer das noch nie getan hat, dr\u00fccke zuerst auf die Hupe.<\/p>\n<p><strong>4. Was deine kleinen technischen Hilfsmittel betrifft: Es ist wichtig, die Rollen zu kl\u00e4ren: Sie sollen dir dienen. Nicht du ihnen.<\/strong><\/p>\n<p>Schalt einfach mal ab. Pfl\u00fccke den Augenblick. Von Mona Lisa, Niagarafall, Pyramiden gibt es \u00fcbrigens schon Fotos. Du brauchst dir kein Bildnis von allem zu machen.<\/p>\n<p><strong>5. Egal, wo du hinf\u00e4hrst oder bist, Gott erwartet dich.<\/strong><\/p>\n<p>In der Weite des Meeres, in der Stille der Berge, auf deinem Balkon oder im Garten, und auch im Angesicht des Menschen, der dein Hotelzimmer macht oder dein Essen bringt. Urlaub ist eine Chance, Gott neu zu entdecken.<\/p>\n<p><strong>6. Wenn du reisen willst, reise.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn du lesen willst, lies. Wenn du wandern, schlafen, schwimmen, essen, bummeln, feiern willst, tu es. Sei gesegnet in dem, was du tust, und in dem, was du l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>7. Du bist frei. Erstgeborener von Gottes neuer Sch\u00f6pfung.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist deine Bestimmung. Lebe so, dass es ohne Gott keinen Sinn ergibt. Und dass andere etwas von der Freiheit Gottes sp\u00fcren.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Weitere Texte: www.glauben-denken.de<\/p>\n<p>Als B\u00fccher: https:\/\/praesesblog.ekir.de\/inhalt\/theologische-impulse-als-buecher<\/p>\n<p>Kontakt: praeses@ekir.de<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSommer, Urlaub, Bibel, Gott\u201c \u2013 Gedanken zur Senkung protestantischer Arbeitsmoral Vielleicht kennen Sie auch diese Frage aus Sommerinterviews: \u201eLiebe Frau M\u00fcller, lieber Herr Meier, wenn Sie ein Buch auf eine <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/2024\/07\/13\/sommer-urlaub-bibel\/\">weiterlesen \u2192<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":25948,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[317],"tags":[],"class_list":["post-25949","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-a_allgemein"],"nelio_content":{"autoShareEndMode":"never","automationSources":{"useCustomSentences":false,"customSentences":[]},"efiAlt":"","efiUrl":"","followers":[3],"highlights":[],"isAutoShareEnabled":true,"networkImageIds":[],"permalinkQueryArgs":[],"series":[],"suggestedReferences":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25949","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25949"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25949\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25949"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25949"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.evkirche-roesrath.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25949"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}