Gemeindebrief 3.2020

„Der Artikel auf Seite 14/15 der Gemeindebriefausgabe 3/2020 „Tafel in Zeiten von Corona“ ist durch ein bedauerliches Versehen nicht vollständig abgedruckt. Nachfolgend lesen Sie den vollständigen Text.“

Tafel in Zeiten von Corona

Mit der Ausbreitung des Corona-Virus sind auf die Tafeln große Herausforderungen zugekommen, die alle Säulen der Tafelarbeit betreffen. Die tägliche Tafelarbeit war vom Ursprung her auch darauf ausgerichtet, persönliche Kontakte zu ermöglichen: der Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler untereinander, des Abholdienstes zu den Mitarbeitern in den Märkten, des Ausgabeteams zu den Kundinnen und Kunden sowie der Besucher untereinander. All diese Begegnungen wurden jäh unterbrochen bzw. bedurften einer Neuorientierung unter Berücksichtigung der besonderen zusätzlichen Hygienevorschriften, d. h. zum Schutz der Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler (größtenteils zu Risikogruppen gehörend) und der Tafelbesucher. Viele Tafeln fanden ad hoc keine „Ersatzlösung“ und entschlossen sich für eine vorübergehende Schließung ihres Betriebes – in Abwägung der gesundheitlichen Risiken einerseits und der Bedürfnisse der Tafelnutzer andererseits. Die ersten Tafeln wurden am 10. März geschlossen, und von den 948 Tafeln in Deutschland waren am 30. März 428 geschlossen, in NRW 66 von 169. Die Rösrather Tafel schloss ab dem 18. März.

Bei der letzten Lebensmittel-Ausgabe am 17. März im Freien stießen die verlangten Abstandsregelungen bei einer Reihe von Kunden auf Unverständnis und Proteste. Sie hätten ohne eine organisatorische Neuregelung wegen der Zahl der Kunden einerseits und des beschränkten Raumes vor der Tafel andererseits dauerhaft nicht umgesetzt werden können. (Bis zu diesem Tag konnten alle 235 Haushalte zweimal pro Woche Lebensmittel abholen.)

Die Schließung war natürlich im Hinblick auf das bevorstehende Osterfest besonders bedauerlich. Aber erfreulicherweise erhielt die Tafel dann Ende März die Nachricht, dass ihr eine großzügige Geldspende in Höhe von 25.000 € von der Bethe-Stiftung zukommen werde, mit weitgehend freier Verwendungsmöglichkeit. Um nun kurzfristig, d, h. Noch vor Ostern, den Tafelkunden eine erste Unterstützung aus dieser Spende zukommen zu lassen, wurden den entsprechenden Haushalten in der Karwoche Briefe mit einem Geldbetrag überbracht – wegen des Sicherheitsaspekts durch Mitglieder des Presbyteriums mit Unterstützung durch eine Mitarbeiterin der Flüchtlingshilfe.

Parallel liefen die Überlegungen,wie und wann die Lebensmittelausgabe wieder aufgenommen werden könnte. Die Planungen standen unter der Vorgabe seitens des Presbyteriums (basierend auf einem Mitteilungsentwurf der Stadt Rösrath), nur eine einzige sog. Sonder-Lebensmittelausgabe im Monat vorzunehmen. Es sollten vorgepackte Tüten mit länger haltbaren Lebensmitteln im Freien ausgegeben werden, natürlich unter Beachtung der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen.

Unter diesen Bedingungen musste davon ausgegangen werden, dass die zu einer solchen einmaligen monatlichen Aktion erscheinende Zahl von Kunden im dreistelligen Bereich liegen werde, zumal gleichzeitig auch Einkaufsgutscheine ausgegeben werden sollten. Dies wäre am Standort der Tafel an nur einem zugelassenen Ausgabetag nicht zu bewältigen gewesen. Bei der Suche nach einer Ausweichmöglichkeit fand der Vorschlag, auf den geräumigen Vorplatz der Versöhnungskirche zu gehen, keine Zustimmung im Presbyterium, so dass die Wahl dann auf das Außengelände der Volberger Kirche fiel.

Hier fand am 27. Mai nach über zweimonatiger Pause wieder eine Bedienung mit Lebensmitteln statt. Das Tafelteam konnte 60 Haushalte (ca. 130 Personen) mit vorgepackten Lebensmittel-Tüten versorgen. Zusätzlich gab es Einkaufsgutscheine, einzulösen bei den meisten Märkten am Ort. An weitere 50 Haushalte (ca. 110 Personen) wurden Lebensmitteltüten und Gutscheine unter Mitwirkung der Flüchtlingshilfe verteilt. Finanziert wurde alles aus der großen Spende der Bethe-Stiftung. Die Aktion wurde unterstützt durch zahlreiche nicht zum Tafelteam gehörende Gemeindemitglieder, durch die Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus, durch die Stadt Rösrath, durch die Stadtwerke Rösrath, durch Plexi Point Trompetter sowie (administrativ bei der Gutschein-Aktion) durch die Initiative „Hits fürs Hospiz“.

Am Aktionstag konnten sich auch Bürgerinnen und Bürger melden, um erstmals einen Tafel-Ausweis zu beantragen. Davon machten allerdings nur wenige Gebrauch. Sie freuten sich, schon an diesem Tag Lebensmittel mit nach Hause nehmen zu können.
(Bei Redaktionsschluss dieses Gemeindebriefes gab es im Tafelteam zwar Vorstellungen, wie der Tafel-Dauerbetrieb aussehen könnte, eine diesbezügliche Entscheidung des Presbyteriums stand aber noch aus.)

Dr. Gerd Wasser