Andacht für den 9.7.

 

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“

Römer 8,31: Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein.

Liebe Leserinnen und Leser,

ich nehme Sie mit in meine Ausbildungszeit. Es war gegen Ende der Studienzeit, im ersten Examen, als ich zu einer Prüfung im Landeskirchenamt in Düsseldorf war. Nervös standen wir Prüflinge in Gruppen zusammen und unterhielten uns, bevor wir im Prüfungsraum eine Klausur schreiben sollten. Irgendwann warf ein Student ein, wie wichtig die „Katechismen“ seien und legte los: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Ich erinnere mich noch genau, wie meine Nervosität mit einem Male enorm stieg. Diesen Satz hatte ich bis dahin (meines Wissens) noch nie gehört. Ich fragte nach, woher diese Frage stammte und erntete ungläubige Blicke. Und dann kam die Antwort: „Ob ich den Heidelberger Katechismus nicht kennen würde …?“

Natürlich hatte ich schon vom Heidelberger Katechismus gehört, aber ihn nie verinnerlicht. Als Konfirmand musste ich in meiner Heimatgemeinde den kleinen Katechismus von Martin Luther auswendig lernen – aber der Heidelberger Katechismus …

Ich weiß noch, wie ich mich von der Gruppe entfernte und mich im Landeskirchenamt auf die Suche nach einem Gesangbuch machte. In einem Andachtsraum wurde ich fündig.

Ich schlug nach (im aktuellen Gesangbuch stehen Auszüge des Heidelberger Katechismus unter der Nummer 856) und fand die erste Frage des Heidelberger Katechismus:

 

Frage 1:

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Er hat mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkommen bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;
und er bewahrt mich so,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen
ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist
des ewigen Lebens gewiss
und von Herzen willig und bereit,
ihm forthin zu leben.

 

Wunderbare Worte und Gedanken – oder?

 

Damals waren diese Worte jedoch wie ein Schlag in die Magengrube. Ich hatte für die Prüfung eigentlich, so meine Einschätzung, gut gelernt, aber so etwas „Wichtiges“ wie den Heidelberger Katechismus während meiner ganzen Studienzeit nicht wahrgenommen.

Die „Trostworte“ des Heidelberger Katechismus wurden so zu „Sorgenworten“ (… hoffentlich kommt nichts zum Heidelberger Katechismus in der Klausur vor … – Gott sei Dank 😉, nach dem Heidelberger Katechismus wurde in dieser Klausur nicht gefragt).

So ein Erlebnis vergisst man nicht. Jedoch sind aus den „Sorgenworten“ natürlich nach dem ersten Examen „Trostworte“ geworden. Denn nach dieser Klausur beschäftigte ich mich mit meiner „Wissenslücke“. Nicht nur intellektuell, denn die Worte der Frage 1 berührten mein Herz: Was ist dein Trost, Thomas, im Leben und im Sterben, was trägt dich letztlich?

Es ist die Gewissheit der Antwort:

Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland
Jesus Christus gehöre.

 

Noch viel „schöner“ finde ich diese Gewissheit in einem meiner Lieblingsverse der Bibel:

Römer 8,31: Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein.

Denn das bedeutet für mich:

Wenn Gott auf deiner Seite ist – bekommt jedes Problem und jede Sorge, jede Angst und jeder Kummer den Stempel der Vorläufigkeit aufgedrückt!!!! Und das bedeutet das unsere Zukunft, und dass „die letzten Dinge“ bereits geklärt sind.

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn wir in dieses Bekenntnis einstimmen können, dann werden die vergangenen und gegenwärtigen Probleme, Sorgen und Ängste relativ und haben letztlich keine zerstörerische Bedeutung mehr.

Denn mit Gott an deiner Seite kann letztlich nichts und niemand gegen dich sein.

Manchmal muss man die Welt von Oben betrachten, auf einen Berg steigen dann ist alles das was unten ist relativ klein.  Ist Gott für uns, was kann gegen uns sein. Mit diesem Vers bekommen wir eine neue Betrachtungsweise von oben: Gott ist auf unserer Seite, der Liebhaber und Machthaber der Welt – das gegenwärtige was uns Sorge macht wird relativ.

Jemand hat es einmal wunderbar zusammengefasst:

Wenn Gott für uns ist, dann ist unser gegenwärtiges Leiden gut aufgehoben.

Denn was bedeutet es letztlich Schiffbruch zu erleiden der immer schmerzlich ist, wenn Gott der Ozean ist?

Zugrunde gehen ist immer notvoll. Aber was bedeutet es letztlich, wenn Jesus der Grund unter allem ist?

Aus unseren Höhenflügen abstürzen ist immer enttäuschend. Aber was bedeutet es letztlich, wenn das Netz der göttlichen Liebe uns auffängt?

Aus wunderbaren Träumen erwachen ist immer ernüchternd. Aber was bedeutet es letztlich, wenn Gott die Realität ist?

Sterben ist immer die schmerzlichste Trennung vom Leben. Aber was bedeutet es letztlich, wenn wir in Gottes Ewigkeit hineinsterben?

Gott ist für uns – unser Trost im Leben und im Sterben!
Ich wünsche Ihnen, dass diese Gewissheit trägt!

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger