Andacht für den 2.7.

 

Liebe Gemeinde,

der Monatsspruch für Juli steht im 1. Buch der Könige und lautet:

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
Könige 19, 7

In der Versöhnungskirche zu Rösrath hängen vier Webteppiche aus Namibia. Sie erzählen vier biblische Geschichten. Einer von ihnen erzählt von Elia, der in einer tiefen Lebenskrise auf wundersame Weise auf Gottes Geheiß hin von Raben ernährt wird. An dieses Bild musste ich sofort denken, als ich die Monatslosung für den Juli 2020 aufschlug. Mein Vorgänger im Rösrather Pfarramt, Herr Pfarrer Schaaf, hat zu den vier Webteppichen im Silberjubiläumsjahr 1992 jeweils eine Predigt geschrieben. Die zu Elia und seinen Erblebnissen mit den Raben aus 1. Könige 17, es war 1992 die Konfirmationspredigt, möchte ich Ihnen hier gerne in Auszügen und ein wenig verändert wiedergeben:

Ein toter Baum gibt wenig Schatten. Elia hat ihn langsam sterben sehen, weil seine Wurzeln im Bett des Baches Krit kein Wasser mehr fanden. – Er hat ihn welken sehen Blatt für Blatt, hat ihn verdorren sehen Zweig um Zweig. – Er wäre vor ihm oder mit ihm gestorben, gäbe es die Raben nicht.

Ausgerechnet die schwarzen Vögel des Todes, die sonst war­tend über den Opfern der Wüste kreisen, hat Gott Elia zu Helfern des Lebens bestellt! Sie sind seine Freunde ge­worden, seitdem er sich hier verstecken musste. Ihre gefürchteten Schnä­bel reichen ihm Feigen und Trauben. Ihr kräftigen Beine und Krallen sind hell gezeichnet – sie stehen in freundlichem Dienst.

Elia wird jetzt essen und sich dankbar freuen, dass er in dieser Wüste nicht vergessen ist. – Doch dann wird er sehr drängend fragen: Gott, wie lange noch? Wann endlich darf ich zurück zu meinem Volk, um ihm zu verkünden, dass Dürre und Tod ein Ende haben? Tun möchte ich, was sinn­voll ist. Die Not schreit, Herr! Dank für Deine schwarzen Boten, aber ich brauche Menschen, und Menschen brauchen mich! –

Die Bitte

Die Raben hat dieser Elia lieben gelernt, aber eine bestimmte Sorte Affen, die sich auch hierzulande zahlreich finden lassen, hasste er wie die Pest: Den einen Affen, der nicht sehen will – als lösten sich die Probleme, wenn wir die Augen davor verschließen -, den anderen, der dafür sorgt, dass er nichts hört – und den dritten, der selber sagt: Nur nicht den Mund verbrennen!

Die Zahl derer, die Nöte aller Art miterleben und sich verweigern, nimmt zu. Einem wird Unrecht getan, und Menschen schweigen. Sie erleben einen Verkehrsunfall  mit – und wollen keine Zeugen sein. Unser gottgegebener Auftrag aber sieht anders aus.

Elia hat kein bequemes Leben gehabt, eben weil er so wach und mutig war, aber er hat mit Gottes Hilfe sein Volk vor Schlimmem bewahrt. Er hat hingeschaut, hingehört und den Mund aufgemacht, wo es Unrecht zu benennen galt. 

Das  Versprechen

Hat Elia nur gestaunt, oder hat er gelacht, als Gott ihm versprach, ihn durch Raben versorgen zu lassen? Die Bibel sagt nichts darüber. Was wir aber erfahren ist: Elia hat Gott vertraut, und Gott hielt sein Versprechen. Denn wenn der große Gott zusagt: „ich stehe zu dir und lasse dich nicht im Stich“, dann sind das keine leeren Worte.

Bei jeder Taufe, bei jeder Konfirmation, bei jeder Trauung und in jedem Gottesdienst erinnern wir daran: Gott ist mit denen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen! Und dabei wählt er auch manchmal ganz ungewöhnliche Wege, so wie in unserer Geschichte die hilfreichen Raben.“

Pfarrer Armin Kopper

Foto: A.Kopper


Fotos: D. Binderberger u. Pfarrer Kopper