Andacht für den 27.6.

 

Jesus spricht: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen
und selig zu machen was verloren ist“ (
Lukas 19,10)

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Wochenspruch (für die kommende Woche) aus Lukas 19,10 erinnert uns an die Mission, die Aufgabe Jesu Christi. Er ist ein „Sucher“ und „selig Macher“. Das haben viele Zeitgenossen Jesu in einer Begegnung mit ihm erlebt und erfahren. Jesus war zu seinen Erdenzeiten immer auf der Suche nach Menschen, um ihnen zu helfen wieder neu in eine Beziehung mit Gott zu kommen.

Kennen sie den Ausspruch: „Vom Saulus zum Paulus“? Es bezeichnet die radikale Wendung eines Menschen, von einem „bösen“ zu einem „guten Menschen“.

Die biblische Geschichte die sich dahinter verbirgt steht in der Apostelgeschichte Kapitel 9:

Saulus war, nachdem die ersten christlichen Gemeinden entstanden, ihr schärfster Gegner. Er verfolgte Christen und hatte Übles mit ihnen im Sinn.

Auf einem seiner „Verfolgungsreisen“ ist Christus selbst ihm in den Weg getreten. Diese im wahrsten Sinne des Wortes umwerfende Begegnung hat sein Leben verändert. Sein Leben wurde im buchstäblichsten Sinne durchkreuzt! Der, den er bekämpfte, Jesus von Nazareth, der wurde sein Herr, der nahm ihn in seinen Dienst, der wendete sein Leben. Die Gemeinde Jesu wollte er vernichten, und dann hat er mehr für die Ausbreitung des Evangeliums getan als viele vor oder nach ihm! Vom Saulus wurde er zum Paulus – er bekam einen neuen Namen.

Würden wir einen Brandstifter zum Feuerwehrhauptmann machen? Eher nicht – oder?

Aber so handelt Gott. Paulus mag es selbst nicht für möglich gehalten haben. Und in der Rückschau auf sein Leben kann er nur bekennen: Ein Lästerer war ich und ein Verfolger der Gemeinde, ein Frevler und unter den Sündern der Allerschlimmste. 1. Timotheus 1,13

Aber – und das war von nun an sein Bekenntnis – Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder selig zu machen.

Das heißt doch: Menschen mit Vergangenheit haben eine Chance! Versager sind willkommen. Die, die nichts zu bringen haben als ihre Schuld, ihr Versagen, ihre Ablehnung gegen Gott, die nichts vorzuweisen haben als leere Hände, die sind ihm recht.

Die Geschichte von Paulus tut mir gut!

Ein Mensch dessen Leben durchkreuzt wird. Der fortan mit seiner Vergangenheit, mit seinen Fehlern und seiner Schuld umgehen kann.  Leugnen und Abwiegeln – das muss Paulus nicht. Denn gerade an ihm, diesem Menschen mit katastrophaler Vorgeschichte, soll etwas deutlich werden: Menschen mit Vergangenheit bekommen einen neuen Anfang geschenkt!

Gott legt keinen fest. Es gibt einen Neuanfang. Und wenn es sein muss immer wieder. Nicht, weil wir halt alle kleine Sünderlein sind und er ein Auge zudrückt. Sondern weil sein Wesen die Liebe ist. Aus Liebe ist Christus in diese Welt gekommen. Aus Liebe hat er unter uns gelebt. Aus Liebe hat er das Leiden und den Tod auf sich genommen. Aus Liebe ließ er sich ans Kreuz schlagen. Aus Liebe ruft er uns heraus aus unseren Ängsten und Zwängen, aus unseren Sorgen und Nöten, aus unserer Schuld und unserem Versagen.

 Und damit sagt es uns zu: Ich will dich gebrauchen. So wie du bist, bist du mir willkommen. Du bist wertvoll für mich! Viel zu wertvoll, als dass du verloren gehen dürftest.

Vielleicht spricht alles gegen uns, aber dieser Jesus Christus ist für uns. Auch wenn es Zeiten in unserem Leben gegeben haben mag oder gibt, in denen uns Gott, Jesus Christus, die Kirche egal waren oder sind. Obwohl wir vielleicht immer wieder mit den Achseln zucken und sagen: Das kann ich nicht glauben, was da in der Bibel erzählt wird … Er will etwas mit uns anfangen. Unserem Leben eine neue Richtung geben. Ein neues Ziel. Er wartet nicht, bis wir ihn suchen, sondern er sucht uns selbst, um uns selig zu machen

Jesus Christus spricht uns zu: Ich bin gekommen um dich zu suchen und gut zu machen was bei dir verloren ist.

Gott sei Dank!

In diesem Sinne wünsche ich uns ein gesegnetes „finden lassen“!

 

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger