Andacht für den 25.6.

Liebe Gemeinde,

Anfang der Woche habe ich mir bereits überlegt, zu welchem Thema ich für diesen Donnerstag meine Andacht schreiben möchte. Ziemlich bald stand für mich fest, es sollte der Johannestag sein. Denselben Gedanken hatte dann auch meine Kollegin, Frau Pfarrern Erika Juckel, wie ich an ihrer Andacht für diese Woche sehen konnte. Sollte ich mir deshalb nun ein anderes Thema wählen? Eigentlich nicht nötig, dachte ich mir, denn das, was sich für sie mit dem Johannestag verbindet, ist doch so ganz verschieden von dem, woran ich beim Johannestag denke. Nun gut, das Zitat aus dem Johannesevangelium hätte ich auch verwendet und auch das mit dem Zunehmen und Abnehmen hätte ich geschrieben, aber sonst?

In mein Bewusstsein rückte der Johannistag zum ersten Mal, als ich in Mainz studierte, denn dort gibt es zu Johannis in jedem Jahr über mehrere Tage ein riesiges Volksfest, von dem mich an erster Stelle immer wieder der kilometerlange Kunsthandwerkermarkt am Rhein entlang beeindruckt hat. In der Mainzer Altstadt liegt denn auch die Johanniskirche direkt neben dem mächtigen Dom. Sie ist im Jahr 910 geweiht worden und damit gut 120 älter als er. Da hier der erste Mainzer Bischofssitz war, gilt sie als zweitälteste Bischofskirche Deutschlands, nach Trier. 1828 nahm die evangelische Gemeinde die Johanneskirche in Besitz und feiert bis heute darin ihre Gottesdienste, die ich als Student besuchte.

Doch wer ist dieser Johannes der Täufer eigentlich? Was wissen wir von ihm? Während meiner Fahrten ins Heilige Land habe ich mich zusammen mit den Mitreisenden immer wieder auf Spurensuche nach ihm begeben. So waren wir z. B. am Jordan, wo Johannes die Menschen, die zu ihm in die Wüste kamen, getauft haben soll. Hundertprozentig lässt es sich leider nicht mehr herausfinden, wo genau am Jordan er getauft hat, doch es wird sehr wahrscheinlich auf der Höhe von Jericho gewesen sein. Auch konnte nur hier, auf dem östlichen Ufer des Jordan, König Herodes Antipas ihn gefangen nehmen lassen, denn alles, was westlich des Jordan lag, war außerhalb seines Machtbereiches. In der Festung Machaerus im heutigen Jordanien hoch über dem Toten Meer gelegen wurde Johannes von ihm gefangengesetzt und später, gemäß biblischem Bericht am Geburtstag des Königs durch Enthauptung hingerichtet.

Mehr historische Orte lassen sich zu Johannes dem Täufer in der Bibel leider nicht finden, und so manches von ihm wissen wir auch nur durch den jüdischen Autor Josephus Flavius, wie z. B. den Namen der Stieftochter des Herodes, Salome. Relativ wenig hat die biblischen Autoren am Menschen Johannes interessiert. So erfahren wir zum Beispiel nichts über seinen Geburtsort, außer dass er in einem Gebirge in Juda liegt. Relevant war für die Evangelisten vielmehr seine theologische Einordnung als Wegebereiter Christi, der als solcher den Menschen von Gott gesandt wurde, wie die wundersamen Umstände seiner Geburt anzeigen. Auch seine Geburt wird wie bei Jesus von einem Engel angesagt und später, als Erwachsener führt Johannes dann das Leben eines alttestamentlichen Propheten, ernährt sich von Honig und Heuschrecken, trägt einen Kamelhaarumhang, predigt den Menschen mit ziemlich drastischen Worten das bevorstehende Gericht Gottes. Und auch er sammelt wie Jesus Jünger um sich. Man könnte sagen, Johannes ist wie ein Bindeglied zwischen Alten und Neuen Testament, er steht noch ganz in der Tradition, weist aber bereits weit über sich hinaus auf das kommende Neue hin. Johannes spricht von Buße und ruft zur Umkehr. Wer ihn hört und sich mit ihm beschäftigt, kommt ins Nachdenken, damals wie heute.

Pfarrer Armin Kopper

Gebet zum Johannestag

Gott, wir danken dir,
dass Du Johannes den Täufer als Vorläufer gesandt hast,
der auf Jesus zeigt als dem einzigen Führer,
dem wir vertrauen und dem wir folgen sollen.

Wir bitten dich:
Wecke in uns den Zweifel,
wenn jemand genau weiß, was richtig ist und was falsch,
wenn jemand uns sagen will, was wir zu tun und wohin wir zu gehen haben,
wenn jemand bestimmt, wer unsere Freunde sind und wer unsere Feinde.

Halte in uns den Zweifel wach,
wenn wir nach alter Gewohnheit das tun wollen, was wir schon immer taten,
wenn wir meinen, wir könnten doch nichts ändern,
unsere Stimme würde sowieso nicht gehört,
unsere Meinung zähle nichts.

Bewahre uns vor Verzweiflung,
weil die Menschen und die Welt sich nicht ändern wollen,
weil es uns selbst so schwer fällt, uns zu ändern,
weil wir so wenig tun können,
weil die Probleme so riesengroß erscheinen.

Gott, wir bekennen dich als Schöpfer.
Du hast die Macht, Neues entstehen zu lassen.
Du schenkst uns Mut, Phantasie und neue Ideen.
Mit deiner Hilfe werden wir uns ändern
und unsere Welt verändern.
Alles, was wir dafür brauchen, gibst du uns.
Daran erinnert uns das Gebet,
das dein Sohn uns lehrte:

Vater unser im Himmel…


Foto: D. Binderberger