Andacht für den 18.6.

„Noah tat alles, was Gott ihm gebot.“  (1. Mose 6,22)

Liebe Gemeinde,

So die Losung für heute, Donnerstag, den 18. Juni. „Noah tat alles, was Gott ihm gebot.“ Mit dieser Aussage schließt der Abschnitt, in welchem zuvor Gott dem Noah genauestens erklärt hat, wie er die Leben rettende Arche zu bauen habe und wen er mit hineinnehmen soll, bevor die große, alles Leben vernichtende Flut beginnt.

Die Geschichte Noahs zählt sicherlich zu den bekanntesten der Bibel und gerade im Moment, seit Beginn der Corona-Pandemie, sieht man in vielen Fenstern das für diese Geschichte an ihrem Ende so wichtige Zeichen des Regenbogens, dazu den Schriftzug „Alles wird gut“.

Fröhlich freundlich Bilder sind es, die wir in der Regel mit der Geschichte von Noah und der Arche verbinden: das Schiff, die Tiere, den Regenbogen. Noah und seine Familie werden ja auch gerettet, dazu von jeder Tierart ein Paar. Das ist in der Tat ein Grund zu Freude, denn – so sagt die Bibel – ohne diese Stammfamilie gäbe es uns alle nicht.

Mit Noah und seiner Familie, der Ehefrau, den drei Söhnen, Sem, Ham und Jafet, sowie den drei ebenso wie die Ehefrau namenlos bleibenden Schwiegertöchtern, befinden auch wir uns auf der Seite der Geretteten, für die das Symbol und die Verheißung des Regenbogens gelten. Zusammen mit diesen acht Menschen gehören wir zu jenen Auserwählten, mit denen Gott in der Bibel einen ersten Bund schließt, einen Bund mit der gesamten Menschheit auf alle Zeiten.

Die Geschichte von Noah, der Arche und der Sintflut ist eine sehr alte Geschichte, die sich ähnlich auch in der Erzähltradition anderer Orientalischer Völker findet. In ihren Ursprüngen könnte sie zurückgehen auf das Erleben einer verheerenden Flutkatstrophe am Ende der letzten Eiszeit, möglicherweise auch im Zusammenhang mit der Entstehung des Schwarzen Meeres stehen.

Aber warum wurde unsere Geschichte einst weitererzählt? Warum in der Bibel festgehalten? Worauf liegt ihr Focus? Das massenhafte Sterben von Menschen und Tieren kann es doch wohl nicht sein! Und was mir weiter so gar nicht daran gefällt ist die göttliche Aussage am Ende: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ Sind wir Menschen wirklich so böse von Jugend an? Ich tue mich schwer damit, das gelten zu lassen.

Immerhin gibt es in der Geschichte zumindest den einen Mann, der nicht böse ist und von dem es heißt: „Noah tat alles, was Gott ihm gebot.“ Durch seinen Gehorsam gegenüber Gott hat Noah uns allen das Leben gerettet, denn ohne Noah gäbe es keine und keinen von uns. Ohne Noah – so die Bibel – wäre die gesamte Menschheit in den Wassern der Sintflut ertrunken.

Das erinnert an Jesus Christus, dessen Gehorsam der Apostel Paulus im Philipperbrief besonders herausstellt, wenn er formuliert: „Und ward gehorsam bis zum Tode.“ (Philipper 2,8) Der Gehorsam Noahs und der von Jesus Christus, das Wasser der Sintflut und das der Taufe, das alles steht in einem engen Zusammenhang, ist Teil unseres christlichen Glaubens.

Auf diesem Hintergrund ist unsere Geschichte von Noah und der Arche letztlich doch eine Leben bejahende und eine Zukunft verheißende Geschichte, die das positive Miteinander von Gott und Menschen in Aussicht stellt, denn der zornige Gott, der zunächst fast alles, was er erschaffen hat, wieder vernichtet, wandelt sich im Laufe der Erzählung und besinnt sich eines Besseren, er übt fortan Nachsicht gegenüber seinen Geschöpfen, wenn die mal was verkehrt machen und schafft damit die Voraussetzung für ihr dauerhaftes Überleben. Amen.

 

Pfarrer Armin Kopper


Foto: D. Binderberger