Andacht für den 16.6.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Andacht von Pfarrer Kopper zum katholischen Fronleichnamsfeiertag am letzten Donnerstag hat mich dazu gebracht, noch mal nachzulesen, was ich im letzten Jahr bei der Prozession durch Forsbach als Grußwort gesagt habe.

Die Station, bei der mich unsere katholischen Geschwister eingeplant hatten, war das Friedensdenkmal hier gegenüber der Christuskirche im kleinen Forsbacher Park.

Dieser Ort gab das Thema vor, so dass es eine Friedensandacht wurde. In diesen Zeiten, in denen sich – verständlicherweise – vieles fast nur um die Pandemiekrise dreht, dürfen wir das Thema „Frieden“ nicht vergessen und an die Menschen denken, die in früheren Zeiten, sowie in der Gegenwart darunter leiden, dass Krieg und Gewalt ihr Leben bestimm(t)en.

Gedanken vom Friedensgebet im letzten Jahr möchte ich jetzt hier mit Ihnen und Euch, liebe Leserinnen und liebe Leser, teilen.

Auf dem Forsbacher Denkmal lesen wir die Inschrift: Die Toten mahnen zum Frieden, und daruntergesetzt sind die Jahreszahlen der beiden Weltkriege: 1914 – 1918 und 1939 – 1945.

Ziemlich zu Anfang meiner Zeit hier in Forsbach hat mir der frühere Bürgermeister Dieter Happ erklärt, was es mit dem Denkmal auf sich hat: In der Mitte des Mahnmals sei eine Bierflasche eingemauert, in der sich eine Liste mit den Namen der Forsbacher Kriegsopfer befindet. Daher handelt es sich hier nicht um ein Kriegerdenkmal für deutsche Soldaten, sondern darum, dass wir um alle trauern, die in den Weltkriegen ums Leben gekommen sind. Sie alle mahnen zum Frieden …

Jesus Christus sagt: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, Vers 9) Mit Jesus kam neue Hoffnung auf Frieden in die Welt.

Als wir im Bibelkreis Jesu Bergpredigt (Matthäus 5 bis 7) gelesen haben, stießen wir auf das schwierige Wort von der Feindesliebe. Das machte uns zu schaffen. Aber das hat Jesus uns vorgelebt. Auch die anderen großen Worte: „Gewaltlosigkeit“, „Feindesliebe“, „Versöhnung“…

Das sind großartige Ziele und ehrenwerte Prinzipien. Wohl jeder weiß, wie schwer es ist, sich nur in der eigenen kleinen Welt daran zu halten … Wir scheitern immer wieder daran…

Wie soll es dann zwischen den Staaten funktionieren? Ich denke auch an Israel-Palästina. Was ist, wenn beide Seiten so verbohrt auf der Richtigkeit ihrer Haltung pochen?

Bei unserer Israelreise vor einigen Jahren waren wir im „Tent of Nations“ (Zelt der Nationen). Eine palästinensische Familie ließ sich nicht von ihrem Grund und Boden vertreiben, obwohl sich im Umfeld viele Palästinenser von der aggressiven israelischen Siedlungspolitik ent-eignen ließen. Diese eine Familie blieb auf der Olivenplantage wohnen und lud Menschen ein, mit ihnen im Gespräch zu sein. Auch junge Menschen von überall auf der Welt reisten dorthin, um bei der Ernte zu helfen und Frieden zu lernen. Denn dort ließ man sich nicht beirren – auch nicht durch Bulldozer, die die Zäune einreißen wollten – die Familie leistete passiven Widerstand und blieb. (Auf dem letzten Kirchentag in Dortmund habe ich den Familienvater auf einer Veranstaltung zum Friedensthema getroffen.)

Trotz der für die Familie bedrohliche Situation war am Eingang des Grundstücks auf einen Stein in englischer Sprache geschrieben: „Wir weigern uns, Feinde zu sein!“

Ja, wie wird Friede?

Die Toten erinnern uns daran, dass wir alles daran setzen sollen, dass Friede wird: Im Großen, wie im Kleinen. Deshalb gilt der alte Satz: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein.

Der Apostel Paulus schreibt an die Römer – und das gilt für alle Menschen: „So viel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden.“

Gott will, dass wir Menschen in Frieden miteinander leben. Doch in unserer Welt gibt es so viel Unrecht, Terror, Krieg und Not. Immer wieder sind Menschen dafür verantwortlich, immer wieder machen sich Menschen schuldig, indem sie auf Gewalt setzen.

So bitten wir Gott um Hilfe und Kraft, dass wir dort für Frieden und Gerechtigkeit eintreten, wo es uns möglich ist. Als Gebet habe ich die folgenden 12 Bitten angeschlossen:

  1. Guter Gott, wir bitten Dich um die KRAFT, mit allen gut auszukommen, auch mit denen, die es uns schwer machen.
  2. Wir bitten Dich um die SENSIBILITÄT, selber darauf zu achten, wo wir uns persönlich zu sehr aufspielen und andere Menschen einschüchtern.
  3. Wir bitten Dich um die BEREITSCHAFT, unsere Vorurteile und Feindbilder zu überprüfen und anderen zu verzeihen.
  4. Gott, wir bitten Dich, um den MUT, allen entgegenzutreten, die andere unterdrücken oder an gewaltsame Lösungen denken.
  5. Wir bitten Dich um die UNBEIRRBARKEIT, für die Opfer von Gewalt einzutreten und auch für Verfolgte und Flüchtlinge.
  6. Wir bitten Dich um die UNFÄHIGKEIT, uns an Hass und Gewalt zu gewöhnen.
  7. Gott, wir bitten Dich um die FÄHIGKEIT, die Ängste der Menschen in den Krisengebieten zu verstehen.
  8. Und bitten Dich, dass Politiker und Machthaber zur EINSICHT finden, dass Krieg nicht den Frieden sichern kann.
  9. Wir bitten Dich, Gott, um wache AUGEN, dass wir die Not der Menschen sehen, dort, wo Gewalt und Unfrieden herrscht, und auch dort, wo Krieg angedroht wird.
  10. Wir bitten Dich, um aufmerksame OHREN; dass wir die Menschen hören, die um Hilfe rufen.
  11. Wir bitten Dich, um einen MUND, der sich traut, Unrecht beim Namen zu nennen, Frieden einzufordern und für Frieden zu beten.
  12. Wir bitten Dich um HOFFNUNG, Gott: dass Konflikte gewaltlos gelöst werden, und dass Frieden wird … Amen.

So bitten auch wir Gott um Hilfe für unsere so friedlose Welt.

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


Foto: D. Binderberger