Andacht für den 11.6.

 

Liebe Gemeinde,

40 Tage nach Ostern, immer auf einen Donnerstag, feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, 50 Tage nach Ostern Pfingsten. 60 Tage nach Ostern, auch immer auf einen Donnerstag, begeht die Katholische Kirche das Fronleichnamsfest. Das kann man sich gut merken. Die Feste Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind uralt. Beide finden sich bereits in der Bibel. Das Fronleichnamsfest entstand dagegen erst wesentlich später. Zum Fronleichnamsfest gehören traditionell Prozessionen, Stationsaltäre und bunte Blumenteppiche.

Zum ersten Mal beging man das Fronleichnamsfest im 13. Jahrhundert, wo genau ist schwer zu sagen. Am Niederrhein? In Italien? Das Fronleichnamsfest betont die Realpräsenz Christi beim Abendmahl. Zahlreiche mittelalterliche Wundergeschichten ranken sich darum, wie die der Messe in Bolsena (Martin Luther ist übrigens auf seiner Pilgerfahrt nach Rom im Jahr 1510 durch diesen Ort gekommen und er hat dort vermutlich auch jene Kirche besucht, in der sich das Blutwunder einst ereignet haben soll).

Martin Luther konnte später mit diesem Fest so überhaupt nichts mehr anfangen und er äußert sich 1530 sehr ablehnend gegen dessen Ritus und die sich mit ihm verbindende Schaufrömmigkeit. So wundert es denn nicht, dass in seiner Nachfolge in ländlichen Regionen gerade an diesem Tag von protestantischen Bauern Mist auf die Felder ausgebracht wurde, um gegen diesen vermeintlich katholischsten aller Feiertage anzustänkern. Die Katholiken „rächten“ sich und taten dasselbe am Reformationstag.

Einer meiner Professoren in Mainz, er stammte aus der protestantischen Kirche der Pfalz, erzählte davon, dass seine Mutter, wenn die Fronleichnamsprozession an ihrem Haus vorbeizog, stets eine Spieluhr ins Fenster stellte, die „eine feste Burg ist unser Gott“ intonierte, um damit zu manifestieren, dass man in diesem Haus evangelisch ist und mit Fronleichnam und der Katholischen Kirche nichts zu tun haben will.

Bis ich nach Rösrath kam, habe ich selbst diesen katholischen Feiertag, Fronleichnam, eigentlich nie wirklich in seiner religiösen Dimension wahrgenommen. Er war für mich einfach ein willkommener freier Tag, dessen Inhalt mich ansonsten, weil ich evangelisch war, aber nicht weiter interessierte.

Hier in Rösrath begegnete mir dann zu ersten Mal die Tradition, dass die evangelische Pfarrerin / der evangelische Pfarrer während der Fronleichnamsprozession an einer bestimmten Stelle zusammen mit dem katholischen Kollegen ein Friedengebet sprach, später dann ein Grußwort mit Gebet an die vorüberziehende Festgemeinde richtete. Pfarrer Franz Gerards hatte – soweit ich das herausfinden konnte – vor Jahren meine Kollegin, Frau Pfarrerin Erika Juckel, zu diesem gemeinsamen Friedensgebet am Mahnmal für den Frieden in Forsbach eingeladen.

Etwas später bin ich dann in diese schöne ökumenische Tradition mit eingestiegen und habe ebenfalls immer wieder zu Fronleichnam Gebet und Grußwort zu den Prozessionsteilnehmern in den verschiedenen Rösrather Stadtteilen gesprochen. Beim anschließenden Beisammensein an der Kirche, an der die Prozession endete, war dann Zeit für Gespräche und ökumenischen Austausch.

In Rösrath gibt es zahlreiche ökumenische Projekte, die wir als katholische und evangelische Kirche unterstützen. Gemeinsam engagieren wir uns diakonisch und caritativ für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Wir besuchen und begegnen uns in unseren Gottesdiensten und bei unseren Festen, laden einander ein und pflegen Freundschaften. Viele Ehen und Partnerschaften in unseren Gemeinden sind konfessionsverbindend. So tragen wir als Kirchen zu einem gelingenden Miteinander der Menschen bei.

Jesus Christus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Johannes 13, 34

In einem gelingenden ökumenischen Miteinander in versöhnter Verschiedenheit erfüllen wir dieses Gebot Christi. Wir folgenden damit aber auch dem Rat des Propheten Jeremia, der da schreibt: Suchet der Stadt Bestes, …und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. Jeremia 29, 7

Ich finde es sehr schade, dass es in diesem Jahr in Rösrath keine Prozession zu Fronleichnam gibt und somit auch keine Möglichkeit, einander als evangelische und katholische Christinnen und Christen zu begegnen, sich auszutauschen und Kontakte zu pflegen.

So wünsche ich denn auf diesem Weg den katholischen Geschwistern und auch uns einen schönen und gesegneten Feiertag und ich hoffe, dass wir uns bald alle auch zu unseren Gottesdiensten und Festen im vertrauten Rahmen wiedersehen.

Pfarrer Armin Kopper


Foto: D. Binderberger