Andacht für den 20.5.

Resignieren?

 

Liebe Leserinnen und Leser,

resignieren?

Ein altes orientalisches Märchen erzählt, dass ein König, wenn er für eine wichtige Aufgabe den geeigneten Mann suchte, den durch eine Probe herauszufinden suchte. So lud er eines Tages, als er wieder einmal einen geeigneten Mann für ein Amt brauchte, alle fähigen und guten Leute in den Palast ein und stellte ihnen eine Aufgabe. Er führte sie zu einem großen Tor mit einem gewaltigen Türschloss und forderte die Männer auf, das wuchtige Schloss zu öffnen. Es sei nicht einfach und erfordere alle Kunst und Kraft, fügte er hinzu. Einige Männer gaben gleich resigniert auf und fühlten sich der Probe nicht gewachsen. Die Klugen und Weisen seines Reiches untersuchten das Schloss und stellten gelehrte Betrachtungen an. Doch dann gaben auch sie erfolglos auf. Niemand schien das komplizierte Schloss öffnen zu können. Nur einer der Männer gab nicht auf, er besah und befühlte das Schloss und dann versuchte er mit seiner ganzen Kraft das Tor zu öffnen. Und siehe da, die Tür bewegte sich, denn das Schloss war nicht verriegelt, und die Tür nur geschlossen, aber nicht verschlossen. Der König gab dem Mann das wichtige Amt, weil er nicht nur gesehen und nachgedacht, sondern vor allem zugepackt und es mit all seiner Kraft auch probiert hatte.

Finden Sie sich in diesem alten orientalischen Märchen wieder? Was machen sie, wenn sie vor vermeintlich großen Aufgaben oder Problemen stehen? Resignieren?

Manchmal erscheinen uns Aufgaben oder Probleme ja einfach zu groß und man ist versucht aufzugeben. Da überfordern mich Mitmenschen mit ihren Anliegen, da ist die Diagnose des Arztes die einfach niederschmetternd ist, da kursieren die Gerüchte von Einsparmaßnahmen und Umstrukturierungen am Arbeitsplatz, da wird in der Beziehung zum X-ten Male über das gleiche Thema gestritten – Momente wo Resignation droht.

Ende diesen Monat feiern wir das Pfingstfest – Pfingsten der Tag, an dem Gott seinen geliebten Menschen seinen guten Geist schenkt. Dieser Geist begeisterte die Menschen damals. Er half ihnen aus Resignationen heraus.

Ja Gottes Geist ist alles andere, als ein „ … Geist der Furcht (Resignation), sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Timotheus 1,7) Mit dieser Erkenntnis wurde Timotheus, ein junger Mann der an seinen Aufgaben zu resignieren drohte, konfrontiert.

Ich glaube auch wir als Christen müssen uns immer wieder daran erinnern lassen, dass Gott uns mit seinem guten Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit „begeistert“ hat.

Ich wünsche Ihnen in allen Ihren Aufgaben und Problemen Gottes Begeisterung.

Pfarrer Thomas Rusch

 


Foto: D. Binderberger