Andacht für den 15.5.

Liebe Gemeinde! Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Losung für den heutigen Freitag steht im 5. Buch Mose, Kapitel 26, Vers 7:

„Der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.“

Dieses Bibelwort bezieht sich auf die Erfahrungen des Volkes Israel in ägyptischer Sklaverei. Im Vers zuvor heißt es: „Da schrien wir zu dem Herrn, dem Gott unserer Väter.“ Die Israeliten riefen Gott um Hilfe an. Daraufhin hat er das Volk in die Freiheit geführt.

Unfrei, gefangen in den Begrenzungen, die das Corona-Virus uns setzt, so empfinden manche ihre Lebenssituation in diesen Zeiten der Pandemie.

Und wir denken an das Elend derer, die sich mit dem Virus infiziert haben. Wenn wir auf Plakaten das Motto lesen „Bleibt zu Hause!“, … kaum auszumalen das Elend der Menschen, die kein Zuhause haben, kein Dach über dem Kopf, die obdachlos sind.

Wir denken an Menschen, die Angst haben, weil sie zu einer der Risikogruppen gehören. Auch deren Angehörige machen sich große Sorgen, weil Covid 19 diejenigen mit Vorerkrankungen härter treffen könnte, als manch andere.

Wir denken an die Not der Menschen, die einiges riskieren, um für andere da zu sein. Hier könnte ich wieder eine Menge Berufsgruppen nennen …
Oder die Not derer, die um ihren Arbeitsplatz bangen, deren Existenz bedroht ist.

Ob all diese Menschen in ihrer Angst und Not, in ihrem Elend, zu Gott schreien und ihn um Hilfe anrufen? Ob sie und wir ihn um Kraft bitten in diesen so belasteten Zeiten? Wir bringen unsere Fürbitten vor Gott und hoffen auf ihn.

Ich ertappe mich, dass ich dabei meist in den Grenzen unserer Umgebung denke, sowie in den Grenzen unseres Landes … oder innerhalb Europas.

Weil wir Freunde in England haben (Gott sei Dank sind sie gesund), sind wir entsetzt, dass es auf der Insel mehr als 32.000 Tote im Zusammenhang mit Corona gab.

Weil wir letztes Jahr im Herbst mit 30 Erwachsenen aus der Gemeinde in Katalonien waren, verfolgen wir die Entwicklung in Spanien und denken an unsere Hauseltern vom Freizeithotel El Berganti im Golf von Roses.

Europa … Aber wie sieht es auf den anderen Kontinenten aus? In den Medien erfahren wir viel über die USA.

Doch wie ist die Lage auf der Südhalbkugel?

Am Donnerstag (14. Mai) erhielt ich einen Brief vom Mädchenheim in Quito, der Hauptstadt von Ecuador. Wir von der Forsbacher Frauenhilfe unterstützen das Heim, das den Namen „Talita Kumi“ trägt. Diese armäischen Worte sagt Jesus zur Tochter des Jairus: „Mädchen steh auf“. Sie war tot, doch Jesus hat sie wieder lebendig gemacht.

Die Mädchen und jungen Frauen wohnten vorher auf der Straße. Einige von ihnen wurden schon sehr früh Mutter. Durch Schulbesuch und Berufsausbildung haben die Mädchen und Frauen eine Chance auf Zukunft. Der Name „Mädchen steh auf“ holt aus dem Elend heraus und steht für neues Leben.

Im Brief heißt es: In Quito gibt es „extreme Einschränkungen im täglichen Ablauf. Die Mädchen in den beiden Häusern leben mit den Mitarbeiterinnen in Quarantäne … Es fehlt an allem. Obst, Gemüse, Fleisch und viele weitere Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs müssen eingekauft werden und das zu höheren Preisen als vor der Pandemie. Das hat zur Folge, dass das geplante Budget für Verpflegung und Versorgung bei weitem nicht ausreichen wird.“

Wir von der Frauenhilfe möchten mit Spendengeldern unterstützen … (*)

Wir verlassen Südamerika und wenden uns dem afrikanischen Kontinent zu. Seit Jahren gibt es die Partnerschaft zwischen unserem Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch und dem Kirchenkreis Kalungu im Osten des Kongo.

Rege Mailkontakte sowie gegenseitige Besuche haben zu Freundschaften geführt. Jedes Jahr im November feiern wir einen besonderen Partnerschaftsgottesdienst.

Der Schulleiter Herr Balerwa berichtet noch in einer Mail am 23. April: „Hier bei uns geht es gut … Die positiven Fälle in Nord- und Süd-Kivu sind als geheilt erklärt. Seit heute ist der Verkehr zwischen Kalungu und Goma wieder aufgenommen worden. Wirklich, nach dem Kreuz kommt die Auferstehung.“

Doch am 10. Mai schreibt Superintendent Pfarrer Ndabakenga: „Ich hoffe, dass es Ihnen trotz Corona gut geht. Abgesehen von unserer Region, in Kinshasa gibt es jeden Tag 50 neue Fälle, das ist eine Bedrohung für uns. Falls man in Kinshasa die Hygieneprinzipien vernachlässigt oder die Bevölkerung disloyal wird, werden viele von uns sterben. Beten Sie für uns.“

Auch die Situation, dass ein extremer Starkregen in Uvira 52 Todesopfer forderte und große Schäden anrichtete, ruft uns zur Fürbitte auf für alle, die in Not, Elend und Angst sind. (**)

In der VEM (***) wurde ein Gebet formuliert, das wir mit anderen teilen sollen. So können wir trotz räumlicher Distanz geistlich verbunden sein und eine Gebetskette bilden:

Gott, unser Vater, durch deinen Geist sind wir miteinander verbunden im Glauben, Hoffen und Lieben. Auch wenn wir in diesen Zeiten vereinzelt sind: Wir sind Teil der weltweiten Gemeinschaft deiner Kinder.

Lass wachsen unser Vertrauen in deine Nähe und in die Verbundenheit mit unseren Schwestern und Brüdern. Die erkrankt sind, richte auf. Mache leicht die Herzen der Einsamen. Den Verantwortungsträgern gib Weisheit und Mut. Stärke die Frauen und Männer im medizinischen Dienst. Unseren Geschwistern in der weltweiten Kirche stehe bei.

Uns allen schenke Ideen, unserer Verbundenheit Ausdruck zu geben. Segne uns, o Herr!

Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich! Segne uns, o Herr!

Deine Engel stell um uns! Bewahre uns in deinem Frieden ewiglich! Segne uns, o Herr!

Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich! Amen.

Ich hoffe, dass unsere Schwestern in Quito und unsere Geschwister im Kongo erleben: „Der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.“ Ich hoffe, dass viele Menschen Gottes Hilfe erfahren.

Ihre / Eure Erika Juckel, Pfarrerin


(*)        Wer mehr über „Talita Kumi“ wissen und helfen möchte, melde sich bitte bei mir.

(**)       Wer sich für die Partnerschaft mit Kalungu interessiert, kann auch gern nachfragen.

(***)      VEM = Vereinigte Evangelische Mission (mit Sitz in Wuppertal)


Foto: D. Binderberger