Andacht für den 11.5.

Gott spricht: Ein Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. (3. Mose 19,34)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

am 24. April erfuhr ich, dass es in der Flüchtlingshilfe einen Schneider aus Syrien gibt, der im Augustinushaus Stoffmasken näht. Diese wurden unter anderem der Tafel/den Tafelkunden kostenlos angeboten. Eine schöne Nachricht, die mich bewegte.

Am selben Tag bekamen wir über unseren Kirchenverteiler folgende Nachricht:

Düsseldorf, 24.04.: Zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan wenden sich die drei evangelischen Landeskirchen und die fünf katholischen (Erz-) Bistümer auch 2020 mit einer gemeinsamen Grußbotschaft an Musliminnen und Muslime.

Das Grußwort der Kirchen in Nordrhein-Westfalen erinnert an den gemeinsamen Auftrag, Frieden zu schaffen: „Er ist die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben und die größte Gabe, die wir einander zukommen lassen können.“ „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Leider ist es ja so, dass das Thema „Corona“ alles beherrscht und andere wichtige Themen in den Hintergrund rücken. Gute Nachrichten „überhört“ man dann schon einmal.

Mit dem Gedanken aus 3. Mose 19,34 möchte ich noch einmal unsere „Christenpflicht!“ thematisieren:

Gott spricht: Ein Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.

Das ist eine ganz schön schwere Aufgabe, die Gott da von seinem Volk erwartet – oder nicht?

Dieser Vers steht in der Bibel unter der Überschrift: Gesetze zur Heiligung des täglichen Lebens. Gottes Volk wurde mit diesem Vers also daran erinnert, dass es zum normalen alltäglichem gehören soll, den Fremden, den Ausländern Wohnraum zu geben, sie mitten unter sich leben zu lassen und ihnen damit Schutz durch die Sicherheit einer Gemeinschaft zu gewähren.

Mit dieser Aufforderung wurde Israel an seine Vergangenheit erinnert. Das Volk Israel hatte selber lange genug in der Fremde als Ausländer leben müssen. Sie wussten was es heißt, keine richtige Heimat zu haben, in der Minderheit zu sein und vom Wohlwollen der Einheimischen abhängig zu sein. Gott mahnt sein Volk, der eigenen Erfahrungen zu gedenken und fordert zur Akzeptanz, zur Fürsorge und zum Schutz auf. Worte die wir auch immer wieder in den Medien zum Thema „Ausländer“ hören. Das gelingt nur, wenn man Menschen nicht aus- oder sich von ihnen abgrenzt, sondern mit und unter ihnen lebt. Dann wird man sich auch nicht mehr fremd bleiben.

Aber Gottes Aufforderung setzt noch einen drauf: Du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst.

Wie ist das möglich? Ich glaube das wird nur dann möglich, wenn man weiß, dass man selber geliebt wird. Nur wer ein geliebter Mensch ist, kann selber lieben.  Gott sei Dank sind wir alle geliebte Menschen. Ja für Gott gibt es keinen „Fremdling“. Er liebt alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrem sozialen Status. Für ihn sind wir kein „Fremdling“ weil er uns kennt und bei uns wohnt – denn er ist nie weiter als ein Gebet entfernt.

Mit dem Volk Israel werden auch wir zur „Fremdenliebe“ aufgefordert. Ich bin guter Hoffnung, dass Fremdheit durch mutige Schritte aufeinander zu überwunden wird. Wenn man diese Schritte wagt, dann kann man den „Fremden“ auch kennen und lieben lernen, weil er einem nicht mehr fremd bleibt.

Ich wünsche uns, dass wir auch hier in Rösrath den „Fremdlingen“ weiterhin Wohn- und Schutzraum ermöglichen und, dass wir lernen, sie zu lieben – erinnern sie sich: Sie sind ein geliebter Mensch!

Alles Gute und Gottes Segen fürs „Lieben“ …

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger