Andacht für den 8.5.

„Flop“

 

Liebe Leserinnen und Leser,
Ich möchte mit einer kleinen Zeitreise beginnen. Es geht um das Jahr 1968.

Als ich auf der weiterführenden Schule war, lernten wir im Sportunterricht, als Leichtathletik „Thema“ war, die Hochsprungtechnik. Wir erfuhren von einem Menschen der im Jahr 1968 etwas Sensationelles machte.

Im Herbst 1968 waren die Olympischen Spiele in Mexico City. Am 20. Oktober gab es eine Besonderheit – eine kleine Revolution in der Leichtathletik ausgelöst durch Richard Douglas Fosbury – kurz Dick Fosbury genannt.

Dick Fosbury war Leichtathlet, seine Disziplin war der Hochsprung. Damals gab es eine vorherrschende Technik im Hochsprung – den „Straddle“ oder im Deutschen auch „Parallelwälzer“ oder auch „Tauchwälzer“ genannt. Dabei läuft man auf die Hochsprunglatte zu und springt seitlich mit dem Bauch nach unten über die Latte. Die Beine sind wie eine Schere gespreizt und gehen nacheinander über die Latte.

Mit dieser Technik kam Dick Fosbury nicht zurecht und er wusste, dass er bei den Olympischen Spielen mit dieser Technik keine Medaille gewinnen konnte.

So entwickelte er seine eigene Hochsprungtechnik. Am 20. Oktober 1968 war es dann so weit. Die Weltelite traf sich zum Hochsprungduell. Als Dick Fosbury anlief und vor allem wesentlich schneller anlief als seine Konkurrenten bemerkte ein damaliger Kommentator schon, dass dieser Versuch nichts gebe. Doch Dick Fosbury lief – und als er sich plötzlich vor der Latte drehte und mit einer Schraubenbewegung mit dem Rücken zuunterst über die Latte sprang, war das Erstaunen groß. Eine solche Hochsprungtechnik hatte man noch nicht gesehen. Die Kampfrichter schauten ungläubig zu, wie Dick Fosbury mit seiner Sprungtechnik, die eine schnellere Anlaufgeschwindigkeit als beim Straddle erlaubte, eine Höhe nach der anderen nahm. Und schließlich war das Unglaubliche passiert. Er schaffte die Höhe von 2,24 m. Kein anderer Teilnehmer des Hochsprungwettbewerbs erreichte diese Höhe. Bevor das Neue dieses Sprunges, das sensationelle Andere dieser Technik wirken konnte, traten die Kampfrichter am Ende des Wettbewerbs zusammen. Sie mussten entscheiden, ob so eine Art des Sprunges überhaupt erlaubt sei. Ihre erste Reaktion war, das Neue nicht zuzulassen. In ihrem Kopf war Hochsprung fest verbunden mit einer Rollbewegung in der der Bauch im Augenblick des Übersprungs zuunterst sein muss.

Der Wechsel im Denken verlangt Abstand vom Bestehenden.

Schließlich aber wurden die Sprünge von Dick Fosbury gewertet und er wurde Olympiasieger und erhielt die Goldmedaille. Der 20. Oktober 1968 war der erfolgreichste Tag in seiner sportlichen Laufbahn. Bereits ein Jahr später beendete er sie. Seine Hochsprungtechnik wurde vom 20. Oktober an „Fosbury Flop“ genannt. Innerhalb weniger Jahre setzte sich diese Technik durch. Heute wird unter der Weltelite nur noch der Flop gesprungen.– Dick Fosbury hat 1968 sein großes Ziel erreicht, indem er seinen Weg gegangen ist.

Wir kommen von Ostern her – Jesus der auch seinen Weg gegangen ist … einen unglaublichen – einen Weg der ins Leiden geht und in den Tod … aber auch den Tod überwindet…

Was für eine Botschaft – eine Botschaft, die kaum noch in unsere Aufgeklärte Zeit passt – aber es ist für mich die schönste Botschaft die dem Leben hier Hand und Fuß gibt.

Jesus Christus gibt uns ein Zeichen – sein Zeichen ist das Kreuz – das Zeichen der Liebe Jesu – das Pluszeichen seiner Liebe.

Das Kreuz hat zwei Balken, die den Anspruch deutlich machen. Der Senkrechte sagt uns: Liebe Gott von Herzen – der Querbalken – wie offene Arme: Liebe deinen Nächsten von ganzem Herzen.

Mit dieser Botschaft will er mit uns diese Welt verändern.

Pfarrer Thomas Rusch

 


Foto: D. Binderberger