Andacht für den 5.5.

„Wenn ihr mich von Herzen suchen werdet, so will ich mich finden lassen“ Jeremia 29, 13-14

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich glaube, jeder von uns kennt die Situation, irgendetwas fieberhaft zu suchen. Man kann schier wahnsinnig werden, wenn sich ein Teil nicht an dem vermuteten Platz befindet und auch sonst verschwunden bleibt. Vielleicht ging es ihnen so, als sie im Keller oder auf dem Speicher die Frühjahrsdekoration gesucht haben, das Grillbesteck für die beginnende Grillsaison, oder etwas anderes, trotz intensiver Suche, in letzter Zeit verschollen blieb.

Gott soll sich finden lassen, wenn man ihn von Herzen sucht? Nimmt der Prophet Jeremia hier, mit dieser Verheißung Gottes, den Mund nicht ein wenig zu voll? Für die Zeitgenossen von Jeremia jedenfalls war diese Verheißung ungeheuerlich. Aber nicht etwa, weil sie an der Existenz Gottes zweifelten, die stand außer Frage, sondern weil es für sie nur einen Ort gab, wo Gott sich finden ließ und das war der Tempel in Jerusalem. Hier war der Ort, wo Gott seinen Wohnsitz auf Erden hatte, wo er sich finden ließ und wo man ihm nahe sein konnte. Dieser Ort war für sie unerreichbar. Denn nach einer Niederlage gegen die Großmacht des Königs Nebukadnezar wurden die meisten Israeliten gefangen ins Exil nach Babel geführt. Die größte Katastrophe war, dass nun der Ort der Nähe Gottes in der fernen Heimat war. Dass Gott sich immer, überall und von jedem finden lässt, der ihn sucht, war ein ganz neuer, revolutionärer Gedanke.

Für uns ist ja eher angesichts des Leides und Elendes in dieser Welt, die Existenz Gottes fraglich. Vielleicht fragt sich auch so manch einer, wie kann Gott „Corona“ zulassen? Aber ich möchte einmal provokativ dagegenhalten: Haben Sie Gott dennoch schon einmal von Herzen gesucht? Von Herzen das bedeutet ja mit allem Engagement, so wie man im Keller oder Speicher alles auf den Kopf stellt, um endlich die Frühjahrsdekoration zu finden, weil ohne die die Wohnung zurzeit einfach trostlos aussieht. Oder ohne Grillbesteck das Grillen wenig Spaß macht 😉 und man sonst das Festessen nicht beginnen kann.

Und es heißt noch mehr. In der Bibel erzählt Jesus seinen Freunden eine Geschichte, in der deutlich wird, was „von ganzem Herzen suchen“ bedeuten kann. Ich denke an die Geschichte vom verlorenen Schaf, wo sich ein Hirte sich auf die Suche nach einem Schaf macht, dass ihm abhandengekommen ist. Er hört nicht eher auf zu suchen, bis er es gefunden hat und sicher zu seiner Herde zurückgebracht hat. Haben Sie schon einmal von Herzen nach Gott gesucht oder haben Sie ohne „Überprüfung“ Ihr Urteil über Gott gefällt?

Gottes Verheißung ist eindeutig: „… so will ich mich von euch finden lassen“. An diesem Versprechen kann man Gott festnageln. Und er hat uns auch schon gezeigt wie er sich finden lässt. Gott hat sich in Jesus Christus längst finden lassen. Durch ihn zeigt er wie er ist, dass er uns unendlich liebt. Christen suchen und finden Gott im Kreuz. Zukunftshoffnung besteht darin, dass wir auch in dieser unsäglichen Corona-Zeit Gott suchen – in Christus, dass wir uns auf die Suche machen nach dem sich offenbarenden Gott. Er wird sich dort finden lassen.

Ich wünsche Ihnen ein segensreiches Suchen

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger