Andacht für den 25.4.

Liebe Gemeinde,

am morgigen Sonntag geht es im Wochenspruch und in den zentralen Texten für den Gottesdienst um den guten Hirten. Das Motiv ist alt und es findet sich in der Bibel an ganz vielen Stellen. König David z. B. war einst als junger Mann Hirte von Beruf. Später erwählte ihn Gott zum König seines Volkes Israel, wo er sich dann als solcher um das Gottesvolk kümmerte und für die Untertanen sorgte, eben wie ein guter Hirte für die ihm anvertrauten Schafe sorgt. Nun ja, zumindest hätte es so sein sollen. Doch auch König David machte Fehler. Die Bibel verschweigt sie nicht. Auch Moses betätigte sich nach seiner Flucht aus Ägypten im Lande Midian als Hirte und hütete dort am Berg Horeb die Schafe seines Schwiegervaters Jitro.

Übrigens gehörten die Schafe, wie die Beispiele von Moses und David belegen, nur in den seltensten Fällen den Hirten selbst. Sie waren meist Eigentum eines wesentlich höher gestellten Menschen.

Im Neuen Testament sind es dann die Hirten auf dem Felde, die in der Heiligen Nacht der Stimme des Engels folgen und als erste zum Kind in der Krippe eilen, um es anzubeten, lange vor den Weisen aus dem Morgenland, die man dann später zu Königen erklärte.

Im Johannesevangelium bezeichnet sich Jesus selbst als guten Hirten, der sogar bereit ist, für die ihm von Gott anvertraute Herde zu sterben. Wen wundert es da noch, dass das Bild von Christus als dem guten Hirten mit zu dem Symbol der ersten Christen wird und dass der 23. Psalm mit zu ihrem wichtigsten Gebetstext avanciert:

1 Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Wie oft werden bereits die ersten Christinnen und Christen diesen Psalm gebetet haben!? Wie oft wird er ihnen in Zeiten der Bedrängnis Trost und Hoffnung gegeben haben!? Immerhin soll ihn König David ja höchst selbst verfasst haben und so blickte er schon damals im 1. Jahrhundert auf eine gut tausendjährige Glaubensgeschichte zurück.

Wie wichtig der frühen Christenheit dieses Symbol des guten Hirten war, kann ein Besuch der Katakomben Roms belegen. So manchen Besucher wird es da erstaunen, dass sich auf den christlichen Grabplatten aus dem 3. und 4. Jahrhundert dort weder Kreuze, noch Kruzifixe finden. Damit hätten die Menschen damals noch überhaupt nichts anfangen können, denn für sie standen nicht das Leiden und der Tod Christi im Mittelpunkt, wie es dann im Mittelalter der Fall war, sondern vielmehr der Triumph des Auferstanden.

Weiter findet man dort in den Katakomben auch immer wieder das Symbol des Fisches, der für das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Retter steht, und auch das Symbol der Taube, die den Heiligen Geist und ewiges Leben verkörpert.

Ja, und dann gibt es dort auch immer wieder Bilder von Christus als dem guten Hirten, der sich wie unten abgebildet, um seine Schafe sorgt, ihnen den Krug mit frischem Wasser reicht und der, wenn sich eines verirrt, es liebevoll auf seinen Schultern zur Herde zurückbringt.

Für mich haben der morgige Sonntag und die Predigt über den guten Hirten noch eine ganz besondere Bedeutung, denn es war im Jahr 2004 im Rahmen des damaligen Bewerbungsverfahrens um die 2. Pfarrstelle in Forsbach-Rösrath mein erster Gottesdienst mit der Gemeinde Forsbach-Rösrath und das Bild vom guten Hirten hatte ich aus der Katakombe des Calixtus schon damals mitgebracht.

Pfarrer Armin Kopper

Quelle: Wikipedia

 

 

 


Foto: D. Binderberger u. Wikipedia