Andacht für den 21.4.

 

Liebe Gemeinde! Liebe Leserin, lieber Leser!

„Der Gottesdienst fehlt mir.“ Diesen Satz höre ich immer wieder von Menschen, die gern an Sonn- und Feiertagen in unsere Kirchen kommen. Diesen Satz sage auch ich öfters, weil es mir gut tut, wenn wir als Gemeinschaft vor Gott treten, gemeinsam singen und beten.
Wir feiern, dass Gott uns begegnet, uns Vergebung zuspricht, uns Mut macht für unser Leben und uns segnet. Segen – das ist die Zusage Gottes, dass er alle unsere Wege begleitet, dass er bei uns ist in guten, wie in schweren Zeiten.

In der evangelischen Kirche sind es meist die alttestamentlichen Segensworte, die wir am Ende des Gottesdienstes den Menschen mit auf den Weg geben. Und oft mit ausgebreiteten Armen als Geste, die vermittelt: Gottes Segen meint Euch alle, Gottes Segen geht sogar rund um die Welt. Der Segenstext steht im 4. Buch Mose Kapitel 6, Verse 24 bis 26.

„Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

So hat Aaron, der Bruder des Mose, das Volk Israel gesegnet. Auch wir Christen stellen uns unter diese Worte, die uns vermitteln, dass Gott uns freundlich ansieht, für uns da ist und an unserer Seite bleibt.

Mose, Aaron und Mirjam – das sind die Namen der Geschwister, die wir mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten verbinden. Viele kennen die Berichte von der Teilung des Schilfmeeres und vom langen, beschwerlichen Weg durch die Wüste.

Ein neueres Lied, das unseren Segenstext zugrunde legt und Wüstenzeiten im Leben benennt, ist unter der Nummer 171 in unserem Gesangbuch zu finden. Die Melodie stammt aus Südamerika und kam durch die Evangelischen Kirchentage zu uns. Jede der vier Strophen beginnt mit den Worten: „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott“.

  1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen.
    Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

Das Lied spricht mir aus dem Herzen, denn ich hoffe darauf, dass Gott über mein Leben wacht. Ich sehne mich nach Schutz und Geborgenheit. Ich vertraue darauf, dass er auf schwierigen Wegstrecken mit uns auf dem Weg bleibt.

Das ist überlebenswichtig, denn es gibt ja auch in unserem Leben Wüstenzeiten, Lebensphasen, in denen wir innerlich wie ausgetrocknet sind und uns nach einem Schluck Wasser sehnen oder ausgehungert sind nach einem guten Wort, nach Heilung oder nach Nähe eines anderen Menschen … So bitten wir Gott, dass er uns „Quelle und Brot“ ist, damit wir mit ihm auch diese Wüstenzeiten der Coronakrise überstehen …

Dazu aus dem biblischen Segenswort: „Der Herr segne dich und behüte dich.

Daraus hören wir Hoffnung und Zuversicht und könnten noch weitere Wünsche unterbringen: Den Wunsch nach Bewahrung in allen Lebenslagen, nach Ermutigung und Hilfe in Krankheit, nach Nähe und Liebe … Und noch vieles mehr.

Gottes Segen schenkt Geborgenheit. Er ist wie eine Umarmung, ja wie ein Licht in der Dunkelheit. Davon handelt die 2. Strophe:

  1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden.
    Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

Dass Gott in schweren Zeiten nahe ist, das haben die Menschen erlebt, die seinem Sohn Jesus begegnet sind. Ihnen wurde es warm ums Herz. Der dunkle Alltag wurde hell. Sie haben Gottes Gnade kennen gelernt in der Begegnung mit Jesus.

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Wie sich Gottes Sohn, Jesus, gegenüber den Kindern verhielt, das war wie ein leuchtendes Angesicht, das war Zuwendung pur.

  1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen.
    Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen.

Diese „Kraft, die Frieden schafft“, ist die verändernde und belebende Kraft von Gottes Heiligem Geist. Von diesem lebendigen und stärkenden Geist Gottes erleben wir auch jetzt einiges in diesen schwierigen Zeiten.

Denn viele Menschen lassen sich von Gottes liebendem Geist bewegen. Sie machen sich auf den Weg zu anderen Menschen. Und dann geschieht – trotz Kontaktsperre und trotz Abstandsregel – Begegnung auf andere Weise. Nicht durch räumliche Nähe, sondern in einer Art und Weise, wie die Ferne überbrückt wird: Durch Gespräche mit einzelnen, natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand und keinesfalls als Gruppe. Oft in Gesprächen am Telefon oder per Video-Konferenz. Zudem gibt es den Mailkontakt. Endlich werden auch wieder vermehrt Briefe geschrieben. Ich freue mich über „echte handgeschriebene“ Post.

Gottes Geist setzt uns in Bewegung, dass wir uns für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Er lässt uns zuversichtlich nach vorn schauen, so, dass wir uns nicht entmutigen lassen von all dem Bösen, das wir sehen.

Zur Zeit darf niemand auf die Straße gehen, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Doch für den Erhalt von Gottes Schöpfung können wir beten und auch ganz praktisch Organisationen unterstützen, die hier Verantwortung übernehmen: Z. B. „Greenpeace“ oder „BUND“ (Bund für Naturschutz). Oder wir können über „amnesty international“ Briefe schreiben. Darin fordern wir Diktatoren auf, Menschen freizulassen, die unschuldig in Gefängnissen sitzen und geben denen Kraft, die ihrer Freiheit beraubt wurden.

Ganz besonders möchte ich allen „Brot für die Welt“ ans Herz legen. Diese evangelische Hilfsorganisation gibt Menschen in den sog. „Dritte-Welt-Ländern“ Hilfe zur Selbsthilfe.
Zu „normalen Zeiten“ sammeln wir in allen Gottesdiensten der Passions- und Osterzeit im Klingelbeutel für „Brot für die Welt“. Doch in diesem Frühjahr wird man schmerzhaft spüren, dass diese Kollekten fehlen.

Im Schlussvers unseres Segens geht es um den äußeren und inneren Frieden:
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Diese Erfahrung wünsche ich Dir: Dass Gott Dich freundlich ansieht und Du seinen Frieden im Herzen spürst. Dass sein Heiliger Geist dich dazu bewegt, Gottes Segen an andere weiterzugeben.

Die Schlussstrophe ist meine Bitte an Gott für uns alle:

  1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen.
    Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unseren Wegen.

Deine / Ihre / Eure Pfarrerin Erika Juckel

 

P.S.: Vielleicht mag jemand sich über „Brot für die Welt“ informieren (www.brot-fuer-die-welt.de) oder möchte direkt etwas spenden.
Dies wäre die Bankverbindung:
IBAN: DE10 100610060500 500500         BIC: GENODED1KDB                       Bank für Kirche und Diakonie


Fotos: D. Binderberger