Andacht für den 19.4.

 

Liebe Gemeinde,

zum heutigen Sonntag, der den lateinischen Namen trägt „Quasimodogeniti“, was zu Deutsch in etwa zu übersetzten ist „Wie die neugeborenen Kindlein“ und was als Zitat aus dem 1. Petrusbrief stammt (1. Perus 2,2), gehört ein Text des Propheten Jesaja, der Hoffnung macht und Zuversicht schenkt.

 

Der Prophet Jesaja, hinter dessen Namen vermutlich ganz verschiedene Autoren versammelt sind, begleitete sein Volk Israel einst als Mahner, Prediger, Seelsorger und Tröster über eine sehr lange Zeitspanne. Und es sind vermutlich mit die schwersten Zeiten, die das Volk Israel bis dato erlebt hat. Es sind Jahrzehnte, die geprägt sind von Vertreibung und Unterdrückung. Es sind auch Jahrzehnte, in denen das Volk Israel seinem Gott nicht mehr so dienen kann, wie man es bisher gewohnt war, denn der Tempel in Jerusalem ist zerstört und andere heilige Stätten sind unerreichbar.

Ganz neue Formen der Gebets- und Glaubenspraxis müssen gefunden werden, ganz neue Wege müssen auch die Priester finden, die Gläubigen zu begleiten. An die Stelle des Tempelkultes mit seinen täglichen rituellen Opfern tritt so das individuelle Gebet, im Kreis der Familie oder auch für sich allein. Auch das persönliche Studium der Heiligen Schriften bekommt einen ganz neuen Stellenwert und erfährt eine Wertschätzung, wie es sie zuvor nicht gab.

In dieser Zeit des Exils, in der alles so ganz anders ist, als man es bisher gewohnt war und in der auch die Frömmigkeit und die Glaubenspraxis sich grundlegend verändert hat, schreibt Jesaja seinem Volk:

Jesaja 40
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber“?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Der Prophet Jesaja erinnert seine Gemeinde hier im 40. Kapitel seines umfangreichen Buches an Gottes Versprechen, dass er sich um jede und jeden von ihnen kümmert, und dass er keinen und keine von ihnen je vergessen hat und auch niemals einen von ihnen vergessen wird, selbst wenn das manchen so scheinen mag und die Frommen zur Zeit mehr Fragen an Gott, als Antworten von ihm haben.

Wer meine Gottesdienste besucht, der wird die beiden letzten Verse aus diesem 40. Kapitel des Propheten Jesaja schon oft gehört haben, denn häufig zitiere ich sie als Entlass-Spruch beim Abendmahl. Mir gefällt Jesajas Bild vom Adler, der sich mit gewaltigen Flügelschlägen ihn die Höhe schwingt, denn von dort oben ergeben sich neue Perspektiven und der Horizont weitet sich. Alles, was mir hier unten das Leben schwer macht und mich einengt, relativiert sich, wenn ich meinen Blick mutig hebe und ihn wie der Adler gen Himmel richte.

Übrigens: Mussten nicht auch Sie beim Lesen des ersten Verses an das Lied „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“ denken, wo es gleich in der ersten Strophe heißt: „Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet“? Der Lieddichter, Wilhelm Hey, tat es bestimmt, als er die Zeilen 1837 geschrieben hat! Und auch ihn, den Pfarrer aus Thüringen werden diese Verse ein Leben begleitet und immer wieder ermutigt haben, so wie sie auch uns heute Mut noch zusprechen wollen in diesen Zeiten des Wandels.     Amen.

Pfarrer Armin Kopper


Foto: D. Binderberger