Andacht für den 18.4.

Liebe Gemeinde! Liebe Leserin, lieber Leser!

In der Andacht vom letzten Mittwoch hatte ich angekündigt, dass ich den Gedanken von Gottes Wegbegleitern, den Engeln, noch einmal aufgreifen möchte.

Der wohl bekannteste Bibelvers über Engel stammt aus dem 91. Psalm. Da heißt es: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

Es wundert wohl kaum, dass dieser Vers auf der Top-Ten-Liste der Taufsprüche unangefochten den Platz Nr. 1 besetzt. Die Eltern verbinden damit die Hoffnung, dass Gottes Engel ihr Kind auf dem Lebensweg begleiten und vor Bösem bewahren.

Selbst einige 14-Jährige wählen diesen Vers als Konfirmationsspruch (übrigens nicht nur Mädels, auch Jungs 😉), weil sie schon eine Idee davon haben, dass das Leben zerbrechlich ist, dass jeder auf Hilfe „von oben“ angewiesen ist.

Immer wieder habe ich erlebt, dass Menschen in schwierigen Lebenssituationen Zuflucht suchen im Gedanken, dass Gott ihnen einen Engel zur Seite stellt. Sie hoffen darauf, dass sein Engel ihnen Trost und Kraft gibt.

Bei manchem Besuch in der Klinik habe ich dem Kranken einen kleinen Bronze-Engel geschenkt, der vermittelt hat: Du bist nicht allein. Gott sieht dich, er kennt dich und ist bei dir.
DIR soll der Engel sagen, dass Gott dir nahe ist.
Und dieser Engel soll GOTT sagen, was du hoffst und wünschst, und was du beweinst.

So sind Engel so etwas wie Mittler zwischen Gott und uns Menschen. Gott schickt sie zu uns, um uns nahe zu sein. Und weil wir die Vorstellung haben, dass Gott im Himmel wohnt, und auch die Engel ihren Ausgangsort im Himmel haben, stellen sich die Menschen seit jeher vor, dass Engel Flügel haben, denn nur so können sie vom Himmel zur Erde kommen.
Ich erinnere mich an das Bild, das bei meiner Oma über dem Sofa hing: Ein Engel breitet schützend seine Flügel über zwei Kindern aus. Er bewahrt sie auf einem gefährlichen Weg in den Bergen. Auch das verbinde ich mit Gottes Engeln, die behüten auf allen Wegen.

Eine wunderschöne Darstellung ist dieser Engel mit ausgebreiteten – fast segnenden – Flügeln. Frau Bautz hat mir ihren Holzengel fürs Foto zur Verfügung gestellt. (Danke)

Foto: Erika Juckel

Eine Geschichte im Alten Testament erzählt, wie der Prophet Elia von Angst und Einsamkeit bedrängt ist. Er hatte für Gott gekämpft, doch alles schien umsonst. Elia ist erschöpft, sein Mut ist gebrochen, sein Leben liegt in Scherben. Er hat keine Hoffnung mehr. Elia legt sich hin und schläft ein. Doch da rührt ihn ein Engel an und sagt: „Steh auf und iss – du hast noch einen weiten Weg vor dir.“
Der Engel bringt ihm das Lebensnotwendige, gibt dem Propheten, was er braucht, um neue Kraft zu schöpfen. Auch wenn die Angst nicht verschwunden ist, Elia bekommt neuen Mut, um seinen Weg weiterzugehen.

Gerade in diesen unsicheren Zeiten hoffe ich darauf, dass Gott immer wieder seine Engel zu den Menschen schickt, die ein Zeichen von Gottes Nähe und Fürsorge brauchen.

Wer in Quarantäne ist, wer im Krankenhaus liegt oder in Pflegeeinrichtungen wohnt, wer nicht besucht werden darf und sich einsam fühlt, dem wünsche ich so einen Engel Gottes, der schützend und tröstend seine Flügel ausbreitet und Nähe schenkt.

Vielleicht erkennen die an Covid 19 Erkrankten in denen, die sie medizinisch versorgen und für sie da sind, Boten Gottes. Engel, wenngleich ohne Flügel. Ich hoffe sehr, dass sie wieder gesund werden. Ich bete täglich für sie. (Das Gebet steht am Ende der Andacht vom 6. April.)

Doch nicht immer bedeutet das Wirken eines Engels, dass alles gut geht. Leider nicht. Aber es bedeutet, dass Gott in Verbindung mit den Menschen bleibt. Das gilt auf immer und ewig.

In der Tradition unseres christlichen Glaubens ist die Vorstellung beheimatet, dass Gott jedem Menschen einen Schutzengel an die Seite stellt, der den Weg begleitet von der Geburt bis zum Tod, und auch danach bis ins ewige Leben hinein. Dazu ein Vers aus dem  2. Buch Mose: Gott sagt: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“
Seit dem 1. Osterfest, seit Jesu Auferstehung, gibt es Hoffnung darauf, dass Gottes Engel am Ende unseres irdischen Lebens hineinführt in ein neues Leben in Gottes Geborgenheit.

Ich wünsche jedem von Ihnen und Euch einen Engel, der Sie / Dich behütet auf allen Wegen. Einen Boten Gottes, der nahe ist und Kraft gibt.

Ihre / Eure Pfarrerin Erika Juckel


Fotos: D. Binderberger