Andacht für den 17.4.

Et hät noch immer jot jejange.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

… wie geht es weiter?

Das ist die Frage, die uns alle in unseren verschiedenen Lebenszusammenhängen beschäftigt.

Ich möchte in dieser Andacht einmal über Teile des „Kölschen Grundgesetzes“ nachdenken und diese theologisch deuten.

Das sogenannte „Kölsche Grundgesetz“ besteht aus nur 10 Paragrafen, natürlich in der Anzahl an das „Original“, die 10 Gebote, angelehnt.

Die vier ersten, so denke ich, sind die wichtigsten:

  • 1 Et es, wie et es. Übersetzt: Es ist, wie es ist und die bestehenden Zustände zu verändern, würde nur unnötige Kräfte vergeuden!
  • Mäht nix!– ein echter Kölner ist von Natur aus tolerant. Wenn etwas schiefläuft, macht es ihm nichts aus, denn dann ist es vom Himmel gewollt.
  • 3 Et kütt, wie et kütt! – denn es kommt ja alles so, wie es kommen soll!

Denn § 4 et hät noch immer jot jejange. Der Kölner ist schon von Geburt aus Optimist! Bisher hat immer noch alles gutgegangen und wenn mal nicht, dann gilt ja § 3: et kütt, wie et kütt!

 

Nun liebe Leserinnen und Leser,

was ist an diesem kölschen Grundgesetz gut biblisch? Nicht alles! Denn diese Gedankengänge könnten einen ja ganz ignorant dazu verleiten, alles hinzunehmen wie es kommt und sich nicht für das Gute einzusetzen!

Aber die „Gelassenheit“, die das Kölsche Grundgesetz ausdrückt, die finde ich in einer spannenden biblischen Geschichte wieder:

Der Rat des Gamaliel, zu finden in der Apostelgeschichte 5, 34ff (die Geschichte beginnt aber schon im Kapitel 5, Vers 12).

Der Evangelist Lukas beichtet uns in der Apostelgeschichte wie es nach Jesu Auferstehung für den christlichen Glauben weiterging und es ist eine Entstehungsgeschichte mit Aufs und Abs.

Die Jünger Jesu, nach seiner Auferstehung Apostel genannt, predigen den Menschen von der Liebe Gottes und der Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus, denn, wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund bekanntlich über. Doch das führt sie in Konflikt mit der religiösen Elite der damaligen Zeit. Die hatten Jesus ja zum Tode verurteilt, ihn gekreuzigt und damit war die „Sache Jesu“ für sie begraben, eigentlich … Dass nun seine Anhänger behaupteten, dass er von den Toten auferstanden sei, dass mussten sie unterbinden! Und so werden Petrus und Johannes, nachdem sie beim „predigen der Osterbotschaft“ erwischt wurden, vor Gericht geladen. Nicht nur einmal, sondern zweimal wird ihnen der Prozess gemacht. Sie sind quasi „unbelehrbare Wiederholungstäter“. Der Anklagepunkt: „Wiederholtes verkünden der Osterbotschaft“.

Am Ende der zweiten Verhandlung droht ihnen die Todesstrafe, weil sie sich den Mund nicht verbieten lassen wollen. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Ihr Leben steht durch diese Aussage auf „Messers Schneide“.

Da bekommen sie unerwartet Hilfe von dem bekanntesten Theologen seiner Zeit, Gamaliel.

Dieser hatte den Gerichtsprozess genau verfolgt. Zur Beratung der Ankläger werden die Apostel Petrus und Johannes aus dem Gerichtssaal geführt.

Als sie draußen sind, ergreift Gamaliel das Wort und liefert eine erstaunlich besonnene Analyse der Situation: Zuerst rät er zu einem vorsichtigen Vorgehen! Und wie es sich für einen „klugen Kopf“ gehört, macht er erst mal einen historischen Schlenker. Denn vor einiger Zeit gab es schon einmal zwei Volksaufhetzer. Sprich: das gab’s doch schon öfter, dass einer sich für den Messias gehalten hat, dass er Erfolg hatte, etliche Anhänger hatte, aber wenn der Kopf der Bewegung weg war, dann ist die Geschichte jedes Mal wieder im Sande verlaufen. Oder auf Kölsch gesagt: et kütt wie et kütt und et hät noch immer jot jegange. Schlussfolgerung des Gamaliel: keine unnötige Aufregung, kein unnötig hartes Vorgehen. Seine Empfehlung: Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie gehen! – Eine erstaunliche Empfehlung.Gamliel begründet seinen Vorschlag mit zwei Möglichkeiten: Szenario 1: Ist dies Vorhaben oder dies Werk von Menschen, so wird’s untergehen; die Sache löst sich von allein auf, wird sich totlaufen, da braucht ihr schlicht gar nichts zu unternehmen. Szenario 2: Ist es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten, damit ihr nicht dasteht als solche, die gegen Gott streiten wollen.

Also, liebe Priester und Juristen – traut Gott mal was zu, lasst ihn entscheiden, lasst ihn machen. Oder mit kölschen Worten: Et es wi et ess, – mäht nix, – et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jot jegange. Aber wohlgemerkt, mit Gott im Hintergrund! Denn der macht, dass „et kütt wie et kütt“.

Gamaliel kann überzeugen, denn er hat ja recht, so ganz nüchtern – oder kann man sagen: so ganz „Kölsch“ betrachtet?

Das Resultat seiner Analyse: Es wird keine Todesstrafe für Petrus und Johannes geben. Unter „Auflagen“ werden sie freigelassen.

Eine spannende biblische Geschichte und von dem Gamaliel, dem vielleicht „Urkölner“, möchte ich auch etwas „lernen“. Denn ich glaube sein Rat und sein Glaube fehlen uns manchmal. Was sagte er seinen Freunden damals: Vertraut darauf, dass Gottes Sache sich durchsetzt.

Und das hat es doch auch, so haben wir es gefeiert: auf Karfreitag folgt Ostern!

Oder mit Worten der Bibel: Befiehl dem Herrn Deine Wege und hoffe auf ihn, er wird`s wohlmachen (Psalm 37,5)

So gebe Gott uns die Gewissheit, dass er bei uns ist und für uns da ist, heute, hier und jetzt!

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger