Andacht für den 15.4.

Liebe Gemeinde! Liebe Leserin, lieber Leser!

Der neutestamentliche Text im Losungsheft für den heutigen Mittwoch stammt dem 2. Korintherbrief und steht im 6. Kapitel (Verse 4+10). Der Apostel Paulus schreibt:
In allem erweisen wir uns als Diener Gottes:
in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten;
als die Traurigen, aber allezeit fröhlich;
als die Armen, aber die doch viele reich machen,
als die, die nichts haben und doch alles haben.

Mit diesen Worten will Paulus den Christen in Korinth vermitteln, dass sie in allem, was sie sagen und tun – ja vielleicht auch in allem, was sie nicht sagen und nicht tun – als Gottes Diener gesehen werden. Die Urchristen damals befinden sich in einer gefährdeten Situation. Doch das Besondere ist: Trotz allem erhalten sie sich ihre Fröhlichkeit, trotz allem machen sie Menschen in anderer Weise reich und entdecken, wie viel ihnen geschenkt ist.

Wenn ich den Bibeltext auf unsere Situation heute beziehe, sehe ich einige Parallelen: Auch wir Christen in Rösrath – Katholiken wie Protestanten – werden als Diener Gottes betrachtet. (Anmerkung: Wir alle, nicht nur die Hauptamtlichen in den Kirchengemeinden …)

Wir freuen uns über viele Rückmeldungen mit der Nachricht, dass die Angebote unserer Gemeinde als Kraftquelle für den Alltag wahrgenommen werden:
Die täglichen Andachten auf unserer Homepage und dass wir „On-Leine-Gehen“. (Danke für diese Wortschöpfung für die Wäscheleinen mit „Gottesdienst to go“ an unseren Kirchen.)
Darüber hinaus der ökumenische Ostergruß von Pfarrer Kopper und Pastor Gerards, sowie das Ostersingen von Pfarrer Rusch und der Pastoralreferentin Frau Ueberberg im Bezirk Hoffnungsthal. Beides kann man auf unserer Homepage nachschauen. www.evkirche-roesrath.de
Berichten möchte ich auch von der Initiative der Familie Walter, die am Ostermontag vor der gerontopsychiatrischen Einrichtung „Haus Kleineichen“ mit Blasinstrumenten Osterlieder gespielt haben. Die vier hatten mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. So war mein kleiner Part die Ansage der Lieder und die Erzählung der Ostergeschichte. Die festliche Bläsermusik brachte die Osterfreude zu denen, die im Haus Kleineichen wohnen und arbeiten.
Und so nach und nach erreichen uns Bilder und Skulpturen zur Ostergeschichte, die die Grundschulkinder gestaltet haben. Wunderschöne Kunstwerke und Superideen.

Es ist gut, dass derzeit die kirchlichen Angebote in den Medien von vielen Menschen genutzt werden. Die Fernsehgottesdienste in der Osterzeit haben mich sehr angesprochen, mich im Herzen berührt und mich gestärkt.

All das – die überregionalen Angebote, sowie unser Bemühen, den Menschen vor Ort in anderer Weise nahe zu sein – geschieht in Geduld; Geduld, die uns Gott schenken will. Doch wir werden immer wieder ungeduldig und fragen: Wie geht es denn jetzt weiter?

Unser Bibeltext trifft unser Erleben, denn die Pandemie ist eine Bedrohung für uns alle. Viele fühlen sich bedrängt oder erleben die Not derer, die konkret von Corona betroffen sind. Die Angst greift um sich.

Gründe dafür gibt es zuhauf: Die Statistik in den Nachrichten sagt mir, dass hinter jeder Zahl ein Menschenleben steht, dazu Familie und Freunde. Die Bilder im Fernsehen aus Krankenhäusern und Heimen gehen mir nicht aus dem Kopf. Wir sehen es, und doch ist es unvorstellbar, was geschieht.

Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die dagegenhalten, die ganz selbstverständlich helfen – so, wie es ihnen möglich ist. Ich bin allen dankbar, die für andere da sind, obwohl sie damit riskieren, selbst angesteckt zu werden.

Für mich sind diese Menschen – wie Paulus es sagt – „Diener Gottes“. Sie sind von Gott gesandt, um zu helfen. Dann bin ich ganz nah beim Begriff „Engel“. Das kommt von „Angelos“, ist griechisch und bedeutet: Bote, Abgesandter.

Gerade in diesen Zeiten entdecke ich sowohl in der Nähe als auch in der Ferne unzählige Boten Gottes. Engel, die sich für das Leben und Überleben anderer einsetzen.

Ich weiß, Engel können uns nicht immer vor allem schützen, auch wenn wir die Vorstellung vom Schutzengel haben. Engel begleiten uns im Leben, in guten wie in schweren Zeiten. Sie tun alles, um uns vor Schlimmerem zu bewahren, sie geben Trost und Kraft und tragen durch schwere Zeiten hindurch. Ich kenne viele Menschen, die das bestätigen können.

Engel sind fähig, Situationen zu verändern. Unser Bibeltext vermittelt: Selbst wenn die Boten Gottes traurig sind, verbreiten sie Fröhlichkeit. Selbst wenn sie arm sind, machen sie andere reich. Selbst wenn sie nichts haben, haben sie alles. So viele erweisen sich als Engel, weil sie für andere da sind.

Engel müssen nicht Männer mit Flügeln sein. Sie können uns auch in Menschengestalt begegnen als Rettungsassistent auf dem RTW, als Polizist oder als Feuerwehrfrau, als Arzt oder Krankenschwester. Es sind Engel, die Kinder, Kranke, Einsame, Hilfsbedürftige, Alte, und Sterbende betreuen. Engel sorgen dafür, dass wir genug zum Leben haben. Engel sind daher auch in der Landwirtschaft, auf dem Markt und in Lebensmittelgeschäften tätig. Engel arbeiten in Apotheken oder in Forschungszentren. Engel zeigen Verantwortung in Politik, Gesellschaft und auch in unseren Kirchen. – Ach, es gibt unendlich viele Engel. Man kann ihnen allen nicht genug danken.

Und wir danken Gott dafür, dass er immer wieder Menschen in den Dienst nimmt.

„In allem erweisen wir uns als Diener Gottes“ schreibt Paulus. Und manchmal darfst auch Du / dürfen auch Sie Dienst als Engel tun.
Dazu wünsche ich Dir / Ihnen Gottes Segen.

Ihre / Eure Pfarrerin Erika Juckel

P.S.: Den Gedanken von Gottes Wegbegleitern, den Engeln, werde ich in der Andacht für den Samstag noch einmal aufgreifen.


Fotos: D. Binderberger