Andacht für den 14.4.

VIVIT – Er lebt!

Liebe Leserinnen und Leser,

eine der ältesten Darstellungen des Kreuzes ist eine Karikatur auf dem Palatin in Rom.

In einer ehemaligen Wachstube der Kaiserlichen Garde ist in groben Zügen ein Kreuz an die Wand gekritzelt. An diesem Kreuz hängt ein Mann mit einem Eselskopf. Vor diesem Kreuz kniet ein Soldat in der Rüstung eines römischen Legionärs. Daneben stehen die lateinischen Worte die ins Deutsche übersetzt lauten: „Alexamenos betet seinen Gott an!“.

Offensichtlich hat es früh in der Kaiserlichen Garde einen Soldaten Namens Alexamenos gegeben der Christ war und seine Kameraden bescheinigten ihm, was sie davon hielten! Ein Narr ist er, weil er einen gekreuzigten anbetet! Eine Eselei ist dies, eine Dummheit, das Kreuz ist das Zeichen der Niederlage.

Als Christen feiern wir seit Ostern das genaue Gegenteil: Das Kreuz ist keine Dummheit, kein Zeichen der Niederlage, sondern das Zeichen der Liebe Gottes, das in der Niederlage den Sieg behält.

In unserer aufgeklärten, wissenschaftsgläubigen Zeit ist diese alte Karikatur durchaus aktuell!

Das Wunder der Auferstehung ist nicht wirklich nachvollziehbar. Es ruft natürlich den Zweifel hervor.

Von diesen Zweifeln berichtet uns auch der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief.

Paulus hatte einst in Korinth gepredigt, dass Jesus von den Toten auferstanden sei und mit ihm auch alle auferstehen werden die daran glauben. Einige Gemeindeglieder hatten jedoch andere Konsequenzen, als Paulus, aus dem Evangelium gezogen. Sie behaupteten: Jesus sei nicht auferstanden. Sie glaubten an den irdischen Jesus, aber den Auferweckten gab es für sie nicht. Es war ihnen wichtig, die Ethik Jesu in ihrem Alltag zu leben. Aber die Hoffnung, der eigenen Auferstehung von den Toten, nein, daran glaubten sie nicht.

Paulus versucht in seinem Brief der Gemeinde und den Zweiflern zu helfen. Für ihn ist die Auferstehung von den Toten zentraler Glaubensinhalt und so möchte er den Korinthern die Frohe Botschaft vom Sieg über den Tod, wieder ins Herz schreiben. Er tut dies jedoch mit eher nüchternen Worten. Hier seine Worte (1. Kor Brief Kapitel 15, 19-21) Hoffen wir allein in diesem eben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

Liebe Leserinnen und Leser,

Paulus spricht davon, dass Christus der Erstling der Auferstandenen ist.

Er meint damit, wenn Christus auferstanden ist, dann werden wir alle auferstehen! Das ist für Paulus ganz klar und unwiderruflich: Wenn einer, dann alle!

Wunderbar! Durch Jesus Christus hat sich alles geändert: der Tod ist nicht mehr das „bittere Ende“ sondern der Übergang in die Nähe Gottes!

Was diese Hoffnung für eine Kraft hat, das wird deutlich, wenn es mal hart auf hart kommt. Wie zum Beispiel bei dem amerikanischen Profi-Golfer Paul Azinger, der im Alter von 33 Jahren, mitten auf dem Höhepunkt seiner Karriere, erfuhr, dass er Lymphknotenkrebs hatte. Er schrieb in seiner Autobiographie: „Ein beklemmendes Gefühl der Furcht kam über mich. Ich konnte an Krebs sterben. Aber dann traf mich eine andere Wirklichkeit noch härter. Ich muss auf jeden Fall sterben, sei es an Krebs oder an etwas anderem. Alles, was ich im Golfsport erreicht hatte, erschien mir bedeutungslos.

Alles, was ich wollte, war leben.“
Er berichtet wie er sich an die Worte eines Predigers erinnerte: Wir gehen nicht vom Land der Lebendigen, zum Land der Sterbenden. Wir sind im Land der Sterbenden und versuchen in das Land der Lebendigen zu kommen.“ Und das gab ihm neuen Lebensmut!

Das will uns Ostern ins Herz malen: Das, was kommt, das ist das eigentliche Leben! Und Christus, so bekennt uns Paulus, hat den Durchbruch geschafft – er ist auferstanden! Als Erstling, also wir auch! Das ist gewiss.

Von Käthe Luther wird berichtet wie sie Ihrem Mann gerade in seinen letzten Lebensjahren auf kluge Weise Mut zusprach. Gegen Ende seines Lebens musste er viele Enttäuschungen, Sorgen und Anfechtungen durchleben, weil er mit der Reformation etwas ins Rollen gebracht hat, was die Welt veränderte, im Positiven aber leider auch im Negativen – Kriege wurden geführt. Käthe Luther bestellte einen Steinmetzmeister und gab den Auftrag an ihrem Haus ein neues Portal einzusetzen. Auf dem Schlussstein im Torbogen ließ sie das Wort „Vivit“ Er lebt – einmeißeln. Jeder der Künftig durch das Tor ein und ausging sollte erinnert werden: „Jesus lebt“ Keiner konnte nunmehr das Haus betreten, dem nicht in Erinnerung gerufen wurde: Jesus lebt! Keiner konnte das Haus verlassen, der nicht noch einmal unter dieser Verheißung hindurchging. Auch in den Stunden der Anfechtung des Zweifels und der Sorge gilt: Er lebt!

Er lebt, das ist die Botschaft die durch dick und dünn trägt.

Diese Gewissheit gibt Kraft, an Gottes Reich hier auf Erden zu arbeiten.

Und dies möge uns Kraft geben, heute fröhlich ans Tagwerk zu gehen!

Ich wünsche Euch und Ihnen Gottes Segen dazu

Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger