Andacht für den 7.4.

Liebe Gemeinde,

am Sonntagabend kam in der Reihe ZDF History ein interessanter Bericht über Notre Dame de Paris. Obwohl ich diese Fernsehreihe sonst gerne sehe, hatte ich diesmal zuerst gar keine Lust dazu, denn ich erwartete mir eine Dokumentation, die vor allem auf den Brand vom 15. / 16. April 2019 eingeht und auf die aktuellen Sicherungsmaßnahmen. Das fand ich im Moment erst einmal viel zu traurig. Dann zappte ich aber schließlich doch hinein in die Sendung und war überrascht und erstaunt, was ich sah. Der verheerende Brand vom letzten Jahr bildete nur den schmalen Rahmen, ansonsten ging es ausschließlich um die Baugeschichte der Kirche, von der Grundsteinlegung angefangen bis hin zur Gegenwart.

Wie der Zuschauer in dem Bericht weiter erfuhr, gab es auch bereits früher so manche Katastrophen, welche die französische Nationalkirche immer wieder heimgesucht haben, und Renovierungen und Restaurierungen erforderlich machten. In erster Linie aber fand ich erstaunlich, dass dieses gewaltige Gotteshaus mit seinem überbordenden Skulpturenschmuck rundum und den wunderbaren Strebpfeilern zu einem Großteil ein Produkt des 19. Jahrhundert ist. Vieles von dem, was mich als Tourist an diesem Gebäude schon beim Herantreten immer wieder beeindruckt hat, stammt also aus derselben Zeit, wie der Großteil des Kölner Doms.

Notre Dame de Paris, wer kennt sie nicht? Und wer von uns hat sie nicht sogar schon mehr als einmal besucht? Ich war zum ersten Mal als Kind mit meinen Eltern bei einem Tagesausflug dort, als Belohnung für eine passable Note in Französisch. Und dann immer wieder. Gerne erinnere ich mich dabei zurück an einen Abendgottesdienst mit phantastischer Orgelmusik, während rundherum ein Gewitter tobte und die Bilder der bleiverglasten Fenster fulminant aufleuchten ließ.

Zuletzt war ich im Mai 2019 dort. Natürlich nur von außen und von einer massiven Umzäunung und streng dreinschauenden Polizisten mit Maschinengewehr abgehalten, näher heranzugehen.

Es war schon ein sehr trauriges Bild, dass sich einem dort darbot, rußgeschwärztes Mauerwerk umschloss leere Fensterhöhlen und überall waren Baukräne, um Gerüste aufzubauen und lose Steine vorsichtig wegzuheben.

In fünf Wochen, so hatte ich bereits seit langem geplant, wollte ich wieder nach Paris fahren ins Gästehaus unserer Rheinischen Kirche und mir selbst ein Bild machen von den Fortschritten der Sicherungsmaßnahmen, denn immerhin, einsturzgefährdet blieb Notre Dame nach den Aussagen der Architekten ja weiterhin, denn ein solches Feuer wie im letzten Jahr zermürbt selbst den härtesten Stein.

Würde ich Notre Dame je wieder betreten können? Sie wieder so sehen können, wie sie früher war? Von mehreren Faktoren würde das abhängen, z. B. davon, wie lange die Renovierungsmaßnahmen andauern und ob sie nicht am Ende doch noch komplett einstürzt, tja und vor allem auch davon, wie lange ich lebe und noch reisen kann, denn so optimistisch wie der französische Staatspräsident, der die Wieder-Eröffnung von Notre Dame zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 anvisiert, bin ich nicht. Ich rechne da eher mit ein bis zwei Jahrzehnten.

Doch als Christen sollten wir ja optimistisch sein und wie sagt uns die Tageslosung am heutigen Dienstag:

„Der Herr, der Gott Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst.“   [Zefania 3, 15,]

Und bei Markus sagt Jesus zu seinen Jüngern:

„Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“   [Markus 4,40]

Nun gut, denke ich mir bzgl. meiner drei Bedenken, die ich eben geäußert habe. Ob ich im Mai dieses Jahres wie geplant nach Paris fahren werde? Vielleicht, vielleicht auch nicht! Wenn nicht, dann ist es auch keine Katastrophe und ich kann die Reise sicherlich im nächsten Jahr antreten.

Dass Notre Dame nicht einstürzen wird, das versprach die Doku vom vergangenen Sonntag, denn mittlerweile sind alle gefährdeten Bauabschnitte ausreichend abgestützt. Und das macht wirklich große Hoffnung. Und das räumt auch mein drittes Bedenken aus und sagt mir, dass es gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass ich Notre Dame in absehbarer Zukunft doch wieder betreten und auch einen Gottesdienst mitfeiern oder ein Orgelkonzert anhören kann.

„Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“

Doch, sage ich da, den haben wir!

Amen.

Pfarrer Armin Kopper


Foto: D. Binderberger