Andacht für den 4.4.

Der Einzug in Jerusalem (Johannes 12, 12-18)

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, 13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): 15 „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ 16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. 17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.
Amen.

Liebe Gemeinde,

morgen feiern wir Palmsonntag, ein Datum, das sich auch im Gottesdienst mit Kindern und Jugendlichen immer wieder wunderbar feiern lässt, denn Palmzweige basteln und den in Jerusalem auf einem Esel einreitenden Jesus mit Jubelrufen willkommen heißen, das macht Kindern Spaß. Ganz anders ist es mit Karfreitag und dem Kreuz. Wie soll man das grausame Geschehen von damals heute noch kindgerecht erzählen?

Mich erstaunt bis heute wie schnell das damals ging. Nur fünf Tage sind es von Palmsonntag bis Karfreitag, fünf Tage zwischen Triumph und Tod! Ist das die Psychologie der Massen, die täglich mit Spektakulärem unterhalten werden wollen?

Und spektakulär war das damals beides, an Palmsonntag den bescheidenen Wanderprediger, Lehrer und Heiler Jesus aus Nazareth, der seinen Jüngern bei Markus immer wieder verbietet, von seinen Wundern zu erzählen, zum König hochjubeln und ihn fünf Tage später mit vollkommen aus der Luft gegriffenen Anklagepunkten ans Kreuz zu schlagen.

Doch beides gehört zusammen, denn ohne Palmsonntag wäre Karfreitag für die umstehenden Massen und das Jerusalemer Establishment viel weniger spektakulär gewesen. Wen hätte es außer der Familie und den Freunden schon interessiert, wäre dort am Kreuz nur der Mann aus Nazareth, einer von ungezählten Wanderpredigern aus Galiläa gestorben und nicht, wie Pilatus schreibt, der König der Juden.

Jedes Jahr mit Beginn der Karwoche an Palmsonntag stelle ich mir die Frage neu, wie das damals genau gewesen ist. Sind es dieselben Menschen, die Jesus an Palmsonntag mit dem Hosianna Ruf begrüßen und dann wenig später an Karfreitag das „Kreuzige ihn“ schreien oder sind es ganz verschiedene?

Jerusalem war zum Passahfest voll mit Pilgern. Ein Großteil von ihnen stammte wie Jesus selbst aus Galiläa. Sie alle kannten ihn, denn er war einer von ihnen, und sie waren zahlenmäßig vermutlich sehr viel mehr als die Stadt Jerusalem Einwohner hatte.

In Jerusalem aber hatten seit Jahrhunderten die eingesessenen Priesterfamilien die Macht und sie teilten die Herrschaft und das Geld unter sich auf. Ihnen konnte Jesus mit seiner Predigt gefährlich werden, denn er stellte ihr Verhalten und ihre Glaubenspraxis permanent infrage und die Mehrheit der Menschen folgte ihm schon.

Um diesen Jesus, der alles so ganz anders sah, als sie selbst, loszuwerden, und um so weitermachen zu können wie bisher, rotten sich die Stadtoberen sogar mit dem verhassten Erzfeind, den Römern, in Gestalt des Pontius Pilatus zusammen. „Der Zweck heiligt die Mittel“ dachten sie wohl.

In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag separieren sie Jesus, nehmen ihn mitten in der Nacht gefangen während die Freunde und Anhänger aus Galiläa noch schlafen. Und noch bevor die am Morgen in ihrer Mehrheit dessen gewahr werden, was in Jerusalem gerade abläuft, und den Weg von ihren Zelten hin zum Tempelberg gefunden haben, hängt Jesus bereits da, ans Kreuz geschlagen. Und sie können nichts mehr für ihn tun, außer trauern.

Und die anderen, Jesu Feinde? Sie ziehen sich nach getaner Tat zurück, in der trügerischen Sicherheit, dass sie an diesem Karfreitag mit dem Tod Jesu den Sieg davongetragen haben. Aber wir wissen es besser!

Amen.

Pfarrer Armin Kopper

 


Foto: D. Binderberger