Andacht für den 1.4.

Liebe Gemeinde,

für den Monat April 2020 hat die Herrnhuter Brüdergemeine folgenden Vers gelost:

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ [Korinther 15, 42]

Ein im wahrsten Sinne des Wortes ambivalenter Bibelvers. Der erste Teil erinnert mich an meine eigene Vergänglichkeit und an die alles Seienden. Der zweite Teil schenkt Hoffnung und verheißt Zukunft. Er sagt mir auch, nichts wird bleiben wie es ist. In der neuen, der zukünftigen Welt, die Gott uns in Jesus Christus in Aussicht stellt, wird alles anders werden. Dort wird nichts mehr vergehen, nichts mehr verwesen, alles wird Bestand haben.

Dieser Vers passt zum Monat April 2020, den die Passions- und Osterzeit, den Karfreitag und Ostern sich teilen. Hier trifft beides aufeinander, Tod und Auferstehung, Leiden und Freude.

 

Mich haben in den letzten Tagen zwei Todesnachrichten erreicht, die von meinem Onkel und die vom besten Freund meines Vaters. Ersterer ist im gesegneten Alter von 91 Jahren verstorben, letzterer ist mit 81 Jahren nach schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen. Darum zu wissen, dass sie ein weitestgehend gutes Leben hatten und nun im Frieden von dieser Welt gehen konnten, ist ein Trost. Doch nicht wie gewohnt in einer großen Trauerfeier, und das wäre es bestimmt gewesen, Abschied von ihnen nehmen zu können, fällt schwer.

Es ist schwer für die Angehörigen, die im allerengsten Familienkreis am Grab stehen, und es ist schwer für all die anderen Verwandten und Freunde, die nicht bei der Bestattung dabei sein können. Denn das hätte ich den beiden gewünscht, dass sie eine Beerdigung gehabt hätten, wie sie auch ihrem Leben, das gerade bei dem einen von einem unglaublichen ehrenamtlichen Engagement in zahlreichen Vereinen und vom Einsatz für Umwelt und Natur so sehr geprägt war, entsprochen hätte. Doch war das jetzt leider nicht möglich. Mehr als die schriftliche Anteilnahme und der Nachruf in der Tageszeitung geht da nicht.

Zeiten, wie wir sie gerade erleben, verlangen einem einiges ab – im Leben wie im Sterben. Das stelle ich gerade fest. Und ungezählte andere Menschen mit mir ebenfalls. Seit kaum eineinhalb Wochen ist nichts mehr wie wir es seit Jahrzehnten kannte, wie ich es seit meiner Geburt kannte und es erstaunt, wie schnell das ging.

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“

Welche Erfahrungen Paulus wohl mit diesem Satz verbindet, als er ihn niederscheibt? Nun ja, wenn sich bei irgendjemandem auf dieser Welt im Leben ständig viel verändert hat, dann sicherlich bei ihm. „Vom Saulus zum Paulus werden.“ Die Redewendung ist sprichwörtlich.

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“

Wir erleben gerade wie eine Welt, wie wir sie bisher kannten, vergeht. Wie der Rhythmus und der Ablauf des Lebens sich verändern. Wie Zukunftserwartungen sich verändern.

Welche neue Welt aus dieser Krise hervorgehen wird, welche neue Gesellschaft daraus entstehen wird, das wissen wir nicht. Doch dürfen wir mit Paulus darauf vertrauen, dass Jesus Christus auch in dieser neuen Welt mit uns sein wird, so wie er seit seiner Auferstehung immer bei seinen Jüngerinnen und Jüngern gewesen ist.

Ihr Pfarrer Armin Kopper


Foto: D. Binderberger