Andacht für den 27.3.

Foto von Pfarrer Rusch

Liebe Besucher unserer Homepage,
die Corona Krise ist für uns alle eine noch nie dagewesene, unglaubliche Situation.

Mir als Pfarrer fiel es in der vergangenen Woche unglaublich schwer anzunehmen, dass unser „normales Gemeindeleben“ so aktuell nicht mehr stattfinden kann. In vielen Telefongesprächen und per Mailkontakt musste ich Trauungen, Taufen, Konfirmationen und sonstige besondere Gottesdienste absagen. Ich brauchte erst einmal ein wenig, um in der aktuellen Realität anzukommen und sie anzunehmen.

Ein Freund sandte mir über WhatsApp eine Nachricht, die mir half wieder mehr in die „Spur“ zu kommen. Es ist der Auszug eines Briefes, den Martin Luther 1527, als die Pest in Wittenberg herrschte, an einen Freund sandte. Einige Freunde, die sich um ihn sorgten rieten ihm, die Stadt zu verlassen. Martin Luther schickte seine Familie weg, er selber aber blieb und half den Menschen vor Ort. Hier ein Auszug aus dem Brief (und sie werden merken, wie aktuell und wohltuend er ist):

„So will ich Gott bitten, dass er uns gnädig sei und wehre.  Danach will ich auch räuchern, die Luft reinigen helfen, Arznei geben und nehmen. Orte und Personen meiden, da man meiner nicht bedarf, auf dass ich mich selbst nicht verwahrlose und dazu durch mich vielleicht viele andere vergiften und anstecken und ihnen so durch meine Nachlässigkeit Ursache des Todes sein möchte. Will mich indes mein Gott haben, so wird er mich wohl finden, so habe ich doch getan, was er mir zu tun gegeben hat, und bin wieder an meinem eigenen noch an anderer Menschen Tode schuldig. Wo aber mein Nächster mein bedarf, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen, wie oben gesagt ist. Siehe, das ist ein rechter, gottesfürchtiger Glaube, der nicht dummkühn noch frech ist und auch Gott nicht versucht.“ 

Quelle: Luthers Werke, Weimarer Ausgabe, Band 23 – der Brief „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“ Martin Luther an Johann Heß, 1527

Liebe Gemeinde, mögen wir dies zu Herzen nehmen und leben! – und Gott gebe uns dazu seinen Segen!

Ihr Pfarrer Thomas Rusch


Foto: D. Binderberger