Stille Nacht! Heilige Nacht!

Auf den Spuren des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

Ein Siegeszug um die Welt – von Wilfried Kochner

(Fast) jeder singt es einmal im Jahr und das in 300 Sprachen rund um den Erdball. Jeder kennt es und doch wissen nur wenige, dass das berühmteste Weihnachtslied der Welt seinen Ursprung im Salzburger Land hat. Begeben wir uns also auf die Reise zu den wichtigsten Entstehungsorten dieses bekanntesten kulturellen Salzburger Exportartikels.

Mohr – Hintersee

Beginnen wir in Oberndorf bei Salzburg, der Wiege des Liedes. Wir schreiben den 24. Dezember 1818 als in der St. Nikola-Kirche zum ersten Mal Textschreiber Joseph Mohr mit seiner Gitarre und der Komponist Franz Xaver Gruber das Lied öffentlich singen. Da die Kirche aufgrund von Hochwasserschäden abgetragen wurde, steht dort seit 1930 die Stille-Nacht-Gedächtniskapelle. Ein Ort, der den Zauber und die Magie des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ vermitteln möchte.

Das angeschlossene Museum thematisiert neben der Lied-Geschichte auch die für Oberndorf über Jahrhunderte bedeutsame Salzachschifffahrt. Während der Vorweihnachtszeit öffnet zudem das Stille-Nacht-Sonderpostamt seine Pforten. www.stillenacht-oberndorf.at

Doch wer sind die zwei Männer, die das Lied, das seit 2011 nationales immaterielles UNESCO-Kulturerbe ist, geschaffen haben. Beiden gemeinsam ist die Liebe zur Musik und die Abstammung aus einfachsten Verhältnissen. Am 11. Dezember 1792 erblickt Joseph Mohr als uneheliches Kind einer Strickerin in Salzburg in der Steingasse 31 das Licht der Welt. Trotz existentieller Nöte hat der Junge Glück, da der damalige Salzburger Domvikar Johann Hiernle seine musikalischen Talente erkennt und fördert. Bereits 1815 wird er vorzeitig zum Priester geweiht. Seine Sprachgewandtheit, seine theologischen Kenntnisse und seine außerordentliche Musikalität zeichnen ihn aus. Seine erste Arbeitsstelle erhält Mohr in Mariapfarr. Hier verfasst er auch 1816 das Gedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“.

Im Stille-Nacht Museum Mariapfarr und in der Wallfahrtskirche erfährt man vieles über Mohr und seine Textzeile „Holder Knabe im lockigen Haar“. 1817 verlässt Mohr Mariapfarr und es beginnen lange Wanderjahre. www.wallfahrtsmuseum.at

Auch in Oberndorf, wo er mit Gruber Musikgeschichte schreibt, bleibt er nur zwei Jahre. 1827 übernimmt er in Hintersee ein selbstständiges Vikariat als Priester und bleibt bis 1837. Eine 2016 errichtete Joseph-Mohr-Gedächtniskapelle und ein Themenweg mit Kunst- und Klanginstallationen erinnern an ihn. www.josephmohr.at

Sein letzter Dienstort ist Wagrain. Dort kümmert er sich als Vikar besonders um die Armenfürsorge und das Schulwesen. Ihm verdankt Wagrain den Bau eines Schulhauses. Am 4. Dezember 1848 stirbt er völlig verarmt, einziger Besitz – seine Gitarre. Ein neues Museum präsentiert die wenigen originalen Hinterlassenschaften Mohrs und geht gleichzeitig mit modernen Präsentationstechniken und Mitmachstationen auf die Wirkung und Bedeutung des Liedes ein.

Auf dem anschließenden Wagrainer Kulturspaziergang kann man dann die letzten Jahre Joseph Mohrs entdecken. www.stillenacht-wagrain.at

Am 25. November 1787 wird Franz Xaver Gruber in Hochburg-Ach am Inn geboren und sein musikalisches Talent ist dem Sohn eines Leinewebers in die Wiege gelegt. Bereits mit elf Jahren springt er als Organist für seinen erkrankten Lehrer ein. 1805 verbringt er drei Monate in Burghausen bei Georg Hartdobler, einem der bedeutendsten Organisten jener Zeit. Die Geburtsstadt erinnert mit dem Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg an ihren großen Sohn und bietet zwei weitere Ausflugziele der Superlative: Die längste Burg der Welt und das größte Moor Österreichs. www.fxgruber.at

1806 legt er in Ried im Innkreis seine Prüfung als Lehrer ab und 1807 tritt er in Arnsdorf seine erste Stelle als Lehrer und Organist an. In dem Schulgebäude, in dem er lebte und arbeitete, ist heute ein modernes Stille-Nacht-Museum untergebracht. Um seine finanzielle Lage ein wenig zu verbessern, übernimmt er 1816 zusätzlich den Organistendienst in der vier Kilometer entfernten St. Nikola Kirche in Oberndorf.

Hier findet dann die Begegnung mit Joseph Mohr statt, die Geburtsstunde von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“www.stillenachtarnsdorf.at

Grab Mohr – Wagrain

1835 siedelt Gruber nach Hallein über und kann sich nun als Chorregent und Organist der Stadtpfarrkirche ganz der Musik widmen. 1863 stirbt Franz Xaver Gruber als angesehener Mann in Hallein, hier ist er auch beerdigt. Das neu umgebaute Stille-Nacht-Museum in Hallein lädt zu einer Zeitreise ins 19. Jahrhundert ein, mit der kompletten Dokumentation des Liedes, Joseph Mohrs Gitarre, Einrichtungsgegenstände von Gruber sowie Handschriften und Zeichnungen des Komponisten. Mit geführten Themenspaziergängen kann man weitere Originalschauplätze in der Stadt erkunden. www.stillenachthallein.at

Wer sich das einmal ansehen möchte:
Für 18 Euro gibt es ein Kombiticket zum einmaligen Besuch aller Stille Nacht Museen im Salzburger Land incl. Salzburger Verkehrsverbund für 24h.


Text:
Wilfried Kochner, Rösrath
Foto(s):
Beitragsbild: Text des Liedes im Stille Nacht Museum Hallein von W.Kochner
Kapelle Mohr – Hintersee – (c)TVB Salzburger Land
Stille Nacht Kapelle Oberndorf  von W.Kochner
Stille Nacht Museen – Fotos 1, 3 und 4  von W.Kochner
Stille Nacht Museum  (c)Kulturverein Blaues Fenster
Grab Mohr in Wagrain (c)Kulturverein Blaues Fenster