Gemeindegeschichte

Christlicher Gottesdienst wird in Volberg nachweislich seit mehr als 1.100 Jahren gefeiert – die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche und eines Pfarrers in Volberg – heute ein Ortsteil von Hoffnungsthal in der Stadt Rösrath – datiert schon auf das Jahr 893:
In einem Güterverzeichnis des karolingischen Hausklosters Prüm in der Eifel wird in „Vogelberch“ ein Pfarrer erwähnt.

Der Vorgang der Reformation ist an der Sülz weniger gut dokumentiert- es gibt Kirchenhistoriker, die um 1540 erste Reformationsbestrebungen erkennen, verursacht durch sächsische Bergleute auf dem Lüderich, dem Bergrücken zwischen Volberg und Untereschbach.
Die Rheinische Landeskirche führt das Jahr 1562 als Reformationszeitpunkt, mit Sicherheit kann das Jahr 1567 gelten,
an dem ein lutherischer Pfarrer in Volberg eingeführt wird.

Seit diesem Zeitpunkt – und auch dies eine Besonderheit in unserem Bereich – ist Volberg ununterbrochen evangelisch-lutherisch und damit eine der ältesten protestantischen Kirchengemeinden im Kölner und im Bergischen Raum.

Im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch, zu dem die Gemeinde heute gehört, ist sie die älteste Gemeinde, und war bis etwa zur Mitte des
19. Jahrhunderts die größte Evangelische Gemeinde im Bereich des heutigen Kirchenverbands Köln.
Für die Kölner reformierten und lutherischen Gemeinden wird für 1818 von insgesamt etwa 3.500 Seelen ausgegangen. Davon lebten in der Gemeinde Volberg 960 – also nahezu ein Drittel!

Die heutige Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath umfasst – bis auf wenige Weiler am südlichen Rand – das Gebiet der Stadt Rösrath. Präziser müsste gesagt werden: Aus den Grenzen der kirchlichen Gemeinde Volberg ist über den bergischen Gerichtsbezirk (Botamt) Volberg im Amt Lülsdorf die kommunale Verwaltungseinheit Stadt Rösrath gewachsen.

Die Kirche in Volberg  1788/89 im Rokoko-Stil an der Stelle einer romanischen Kirche errichtet und mit ihrem Bergischen Kanzelaltar im Louis-Seize-Stil von kunsthistorischer Bedeutung, ist die älteste der vier Kirchen unserer heutigen Gemeinde. Die Kirche kann im Sommerhalbjahr auch werktags (mi, Do und Fr von 15-17.30 Uhr)) besichtigt werden

1956 wurde in Forsbach eine weitere Kirche errichtet, die Christus-Kirche.

In Erwartung weiteren großen Wachstums nach dem 2. Weltkrieg wurde die Evangelische Gemeinde Volberg 1959 geteilt und für Forsbach, Rösrath und Kleineichen eine eigene Gemeinde gegründet.

Diese neue Evangelische Kirchengemeinde Forsbach-Rösrath errichtete im Jahre 1967 die Versöhnungskirche im Ortsteil Rösrath und 1963 das heutige Kolumbarium Kreuzkirche in Kleineichen.

2007 wurde die Entscheidung von 1959 revidiert, die beiden Kirchengemeinden fusionierten oder wiedervereinigten sich zur Evangelischen Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath.

Dr. Karlheinz Fallaschinski (1946-2016)
langjähriger Kirchmeister

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Wolfgang Wasser hat uns einen/seine Gedanken über die Glocken in Volberg übergeben.

Text aus meinem Programm „Wasserwerke“ (Frühjahr 2016)
Ein Text, der sich nicht so recht zwischen Lyrik und Prosa entscheiden konnte. Es geht darin um mein momentan leicht gestörtes „Liebesverhältnis“ zu den Glocken der evangelischen Kirche Volberg.

Foto: J. Layer

Die Glocken der Volberger Kirche

Die Zeit fürs Bett kam immer zu früh,
als ich, auf der Küchenbank stehend,
in den Schlafanzug gezwungen wurde,
begleitet von der Kirchenglocke,
der hohen, der kleinen, um sieben.
Auch in der Zeit,
da ich den Schlafanzug selber anzog,
signalisierte die Glocke um sieben
die Gnadenfrist des Abendbrots
kurz vor den wohnzimmerlichen Radioklängen:
„Zwischen Rhein und Weser“.
Nichts Gutes auch verkündete selbige Glocke
des Morgens um sechs, später um sieben,
wenn der Tag drohte mit all seinen Unwägbarkeiten
und einem die weckende Unnachgibigkeit
alles andere als mütterlich vorkam.

Doch wie viel schöner klingt es,
wenn die beiden anderen Glocken läuten,
oder zwei oder alle drei zusammen!
Hochzeits-, Sonntags-, Festtagsläuten.
Die große, tiefe sonntags um sieben
begleitet die Geborgenheit des Bettes,
entfernt Alltag und Arbeit.
Die mittlere Glocke später verbreitet Ruhe
mit einer winzigen Spur schlechten Gewissens,
mahnt sie doch zur Vorbereitung auf den Kirchgang.

Die Melodik, die gemäßigte Wucht des Klangs aller drei Glocken aber
treffen mein Herz,
schallen Harmonie übers Land.
Am Sonntag, am Samstagabend,
wenn sie mir von längerem Aufbleiben künden
und vom Ausschlafen.
Dann ist mir, als stünde die Zeit still.
Das fällt nicht schwer an Heilig Abend,
wenn am Schluss des Gottesdienstes sich ihr befreiender Klang
mit der Feierlichkeit und Orgel-Macht von „Oh du fröhliche“ vereinigt
und das Klangerlebnis eine akustische Brücke der Erinnerung baut
zwischen Kindheit und Jetzt.
Doch auch an sogenannten ganz normalen Tagen,
wenn die tiefe Totenglocke den Trauerzug allein begleitet,
dann die beiden anderen sich hinzufinden,
um gemeinsam zu verkünden, dass Trauer nicht allein
den Weg zur letzten Ruhe und zum Frieden bestimmt;
wenn sich das Friedvoll-Fröhliche den Lebenden vermittelt,
dann fühle ich mich ruhig und den Banalitäten des Tages entflohen.
Ich kann innehalten und traue mich zu sagen:
Diese Glocken lassen mich Gott erahnen.

Aber seit vielen Wochen schon sind diese Glocken nicht die alten.
Es fehlt etwas zum feierlichen Ton.
Es sind nur zwei zu hören,
die mittlere der drei bleibt stumm.
Meine Unruhe wird größer.
Unser Ort ist nicht komplett.
Wo bist du, Glocke der Mitte?
Ich brauche dich für meine Mitte!

Wolfgang Wasser (2016)

 

Anmerkung der Redaktion:
Nach Information von Pfarrer Kopper wurde die Glocke noch vor Weihnachten 2016 von einer Glockenbaufirma aus Süddeutschland repariert.